Die Bedeutung japanischer Unternehmenskonglomerate Strukturen und Entwicklungen der Keiretsu


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Horizontale Konglomerate
2.1 Mitsui
2.2 Mitsubishi
2.3 Sumitomo

3. Aktuelle Entwicklungen und Trends
3.1 „Cross-Shareholding“
3.2 Regulierungsbestimmungen bez. Holding-Gesellschaften 12 3.3 Fusionen und Akquisitionen (M&A)

4. Implikationen und Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Rolle der sechs großen Keiretsu in Japans Wirtschaft, 31. März, 1999

Abbildung 2: Veränderte Rolle der sechs großen Keiretsu bezüglich des Shareholdings, FJ 1983-FJ 1998

Abbildung 3: Bedeutende Nachkriegsfusionen des Bankensektors In Japan

1. Einleitung

Japan hat in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg den wirtschaftlichen Aufstieg zu einer der führenden Industrienationen bewerkstelligt – eine Entwicklung, die zum einen Bewunderung, zum anderen teilweise sogar Verängstigung und auf kolonialen Zusammenhängen basierende Ressentiments hervorgerufen und wiederbelebt hat.

Die sich hiermit befassende Fachliteratur identifiziert eine Vielzahl verschiedener Faktoren, die jeweils ihren mehr oder weniger gewichtigen Anteil am enormen japanischen Wirtschaftserfolg beigetragen haben.

Ein in diesem Zusammenhang immer wieder erwähnter Faktor ist das Vorhandensein für Japan ganz spezifischer Unternehmenskonglomerate, der sogenannten Keiretsu.

Diese Verbundgruppen kommen in unterschiedlicher Form vor: Sie lassen sich als vertikale, Industrie- oder Produktions-Keiretsu, und horizontale oder Finanz-Keiretsu kategorisieren.

Während bei vertikalen Verbundgruppen eine Hauptunternehmung und ihr Beziehungsgeflecht zu Zulieferfirmen entlang der Wertschöpfungskette im Mittelpunkt steht, enthält eine horizontale Verbundgruppe Unternehmen aller relevanten Wirtschaftszweige in horizontaler Anordnung, die Hauptgegenstand nachfolgender Ausführungen sein sollen.

Die nach dem Platzen der sogenannten „Bubble-Economy“ das Land beherrschende Finanzkrise ist auch am System der Unternehmenskonglomerate nicht spurlos vorbeigegangen.

Dementsprechend ist es also Ziel der vorliegenden Arbeit, ein Licht auf den aktuellen Zustand der Keiretsu zu werfen. So werden im nachfolgenden Abschnitt die verschiedenen horizontalen Verbundgruppen hinsichtlich ihres geschichtlichen Hintergrundes sowie verschiedener anderer Kriterien vorgestellt, bevor dann neueste Entwicklungen und Trends des japanischen Wirtschaftsgeschehens beleuchtet werden.

An dieser Stelle stellt sich die zentrale Frage der Arbeit nach den Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die betroffenen Unternehmen und deren Struktur.

Demzufolge werden in einem weiterführenden Abschnitt potentielle Implikationen der erwähnten Veränderungen und Prozesse für die Unternehmen thematisiert und die Arbeit mit einem persönlichen Fazit abgeschlossen.

2. Horizontale Konglomerate

Die horizontalen Keiretsu lassen sich in sechs große Unternehmensverbände ( roku dai kigyô shûdan) untergliedern, nämlich ehemalige Zaibatsu, ehemals familiengeführte Holding-Gesellschaften aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg (Mitsui, Mitsubishi und Sumitomo), und nach dem Krieg entstandene Verbundgruppen (Fuyo, Sanwa und Dai-Ichi-Kangyo (DKB)), die sich jeweils um eine Großbank gruppieren.

Diese Unternehmensgruppen weisen spezifische Merkmale auf, wie zum Beispiel eine Netzwerkstruktur mit einer Bank (main bank) und einer Versicherung als Finanzzentrum sowie mit einem Generalhandelshaus (sôgô shôsha) als Handelszentrum.

Des weiteren zeichnen sie sich durch einen hohen Grad gegenseitiger Kapitalverflechtung sowie personeller Verflechtung durch das Entsenden von Personal aus.[1]

Ein ganz entscheidendes Kriterium bezüglich der Mitgliedschaft in einem solchen Verbund ist aber die Teilnahme an den Präsidententreffen (shachô-kai)[2], oder „Direktoratsclubs“. Wer an diesen exklusiven Sitzungen teilnimmt, darf sich zum inneren Zirkel der Gruppe zählen, ein Umstand, der viel Prestige beinhaltet. Wer nicht zu diesem erlauchten Kreis zählt, muß sich mit einer Außenseiterrolle begnügen.

Über den Inhalt solcher Treffen gelangt sehr wenig an die Öffentlichkeit, jedoch wird immer wieder betont, daß es sich lediglich um informative Veranstaltungen handelt, bei denen die Pflege sozialer Kontakte sowie unverbindliche Gespräche über den aktuellen Zustand der japanischen Wirtschaft im Mittelpunkt stehen.

Dennoch sah sich die japanische Kartellbehörde[3] (FTC) veranlaßt, derartige Treffen bezüglich des Vorwurfs geheimer Absprachen hin zu untersuchen, das veröffentlichte Ergebnis bestätigte jedoch nur obige Aussage.

Diese sechs Unternehmensgruppen vereinigen knapp 1/6 und damit ein enormes Potential der japanischen Wirtschaft auf sich.

Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht dies eindrucksvoll anhand ihrer Daten bezüglich des gegenseitigen Aktienbesitzes, der Zahl der Angestellten oder dem jeweiligen Anteil an der japanischen Gesamtwirtschaft:

Abb. 1: Rolle der sechs großen Keiretsu in Japans Wirtschaft, 31. März, 1999

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: JEI - Japanese Economic Institute, Report No.14-April 7, 2000

Die sechs großen horizontalen Keiretsu stellen sich in den Augen der japanischen Öffentlichkeit ganz unterschiedlich dar. Die „alten“ Zaibatsu-Nachfolger unterscheiden sich von ihren „jüngeren“ Konkurrenten nicht zuletzt durch eine viel intensivere Gruppen-Identität; Mitsui, Mitsubishi und Sumitomo besitzen eine völlig eigenständige Persönlichkeit hinsichtlich Alter, Hintergrund und Reputation.[4]

Konkreten Ausdruck findet diese höhere Gruppenidentität der alten Keiretsu in einem wesentlich höheren Anteil des gegenseitigen Aktienbesitzes der Gruppenmitglieder (cross shareholding). Während dieser Wert bei den „alten“ Gruppen im Durchschnitt ca. 27 % beträgt, macht er bei den „jungen“ Gruppen lediglich ca. 14 % aus. Bei der Interpretation dieser Werte stellt sich heraus, daß die in früheren Tagen angeführten Motive für den gegenseitigen Aktienbesitz, wie zum Beispiel die Abwehr feindlicher Übernahmeversuche (hostile takeover), nicht mehr in dem Maße relevant erscheint wie früher, so daß die alten Verbundgruppen vermeintlich übertrieben hohe Aktienbestände haben.[5]

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit liegt das Hauptaugenmerk auf den alten, traditionsreichen Keiretsu Mitsui, Mitsubishi und Sumitomo, die nun im einzelnen vorgestellt werden.

[...]


[1] vgl. Dolles, 1995, S.29

[2] vgl. Eli, 1994: „Legendär sind das Kinyô-Kai (Freitagskonferenz) der Mitsubishi-Gesellschaften, das Nimoku-

Kai (zweiter Donnerstagsclub) der Mitsui-Gesellschaften und das Hakusui-Kai der Sumitomo-Gesellschaften.

[3] Japan Fair Trade Commission (FTC), Anm. d. Verfassers

[4] vgl. Myashita/Russel, 1994, S. 75

[5] vgl. Myashita/Russel, 1994, S. 82

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung japanischer Unternehmenskonglomerate Strukturen und Entwicklungen der Keiretsu
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Wirtschaft und Gesellschaft Japans)
Veranstaltung
Industrien und Unternehmen in komparativer Perspektive
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V12636
ISBN (eBook)
9783638184724
Dateigröße
724 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Japan, Keiretsu, Unternehmenskonglomerate, Mitsui, Mitsubishi, Sumitomo, FTC, Bankenfusionen, Cross-Shareholding, M&A, Holding-Gesellschaften, Bubble-Economy
Arbeit zitieren
Michael Dittmar (Autor), 2002, Die Bedeutung japanischer Unternehmenskonglomerate Strukturen und Entwicklungen der Keiretsu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12636

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