„Kinder von heute werden in Watte gepackt“ – der Wandel der Kindheit seit den 1950er Jahren und seine pädagogische Bedeutung


Hausarbeit, 2008
27 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Kindheit – ein mehrdimensionaler Begriff
2.1. Historischer Überblick
2.2. Kindheit als natürliche Entwicklungsphase
2.3. Kindheit als Konstrukt
2.4 Zusammenfassung

3. Kindheit „früher“ und Kindheit „heute“
3.1. „Früher“: die 50er, 60er und 70er Jahre
3.2 Lebenswelten der Kinder
3.2.1 Familie
3.2.2 Schule
3.2.3 räumliche Lebensbedingungen
3.2.4 Freizeit
3.3 „Heute“: die 80er, 90er und 00er Jahre
3.4 Lebenswelten der Kinder
3.4.1 Familie und Erziehung
3.4.2 Schule
3.4.3 Räumliche Lebensbedingungen
3.4.4 Freizeit

4. „Eine Generationengeschichte“ – nostalgische Illusion oder Tatsache?

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Anlage A

1. Einleitung

Viele Menschen neigen dazu, ihre eigene Generation als die herausragende Generation anzusehen. Die eigene Kindheit wird häufig glorifiziert und die nachfolgenden Generationen von Kindern und Jugendlichen werden bestenfalls belächelt oder gar bemitleidet („Die Jugend von heute!“) wobei oftmals ein herabwürdigender Unterton mitschwingt. Ein gutes Beispiel für eine solche Perspektive ist der Text eines unbekannten Autors, der seit einigen Jahren im Internet kursiert und im Jahre 2004 vom „Stern“ unter dem Titel „Eine Generationengeschichte“ abgedruckt worden ist.[1] Der Autor beschreibt in diesem Text seine eigene Kindheit und die der Kinder der 50er, 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Der Text erzählt von Kindern, die morgens zum Spielen das Haus verließen und erst abends wiederkamen. Der Autor sagt, die Kinder lebten damals ohne die heute üblichen Sicherheitsvorkehrungen und wenn mal etwas schief ging, dann waren es „eben Unfälle“. Auch fehlte es damals an Unterhaltungselektronik – die Kinder „hatten Freunde“, die sie auf der Straße trafen und sie spielten mit Holzstöcken und Tennisbällen und „aßen Würmer“ und „Brot mit Butter dick“.

Was im ersten Augenblick Schmunzeln und vielleicht auch Zustimmung hervorruft, stimmt im Nachhinein beim Lesen auch nachdenklich. Der Verfasser behauptet am Schluss seines Textes nämlich: „Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wussten wir umzugehen.“ Diese Aussage impliziert, dass es den nachfolgenden Generationen – folgerichtig der 80er, 90er und 00er Jahre – an all diesen Attributen mangelt oder sie darin zumindest seltener anzutreffen sind.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Kindheit seit den 1950er Jahren bis heute gewandelt hat und inwiefern sich dieser Wandel auf die Kinder und ihre Entwicklung und auch Bildung auswirkt. Es wird die Kindheit „damals“ mit der Kindheit „heute“ verglichen um herauszufinden, wie die Bedingungen des Aufwachsens von Kindern sowie ihre Lebensweise auf ihre Entwicklung Einfluss nehmen.

Dafür wird zunächst im ersten Abschnitt der Versuch einer Definition von Kindheit unternommen. Nach einem historischen Überblick sollen zwei Ansichten über Kindheit als a) natürliche (psycho- und physiologische) Entwicklungsphase und b) soziales und kulturelles Konstrukt erläutert und diskutiert werden.

Der zweite Teil der Arbeit gibt einen Einblick in die kindlichen Lebenswelten der letzten 50-60 Jahre. Die Bereiche „Familie und Erziehung“, „Schule“, „Freizeit“ und „räumliche Lebensbedingungen“ sollen dabei näher untersucht werden. Dafür werden diese Lebenswelten zunächst im Verlauf der 50er, 60er und 70er Jahre dargestellt, insbesondere unter dem Aspekt des Phänomens der „Straßenkindheit“, welches der unbekannte Autor so lobend beschreibt. Danach wendet sich die Arbeit der Kindheiten der 80er, 90er und 00er Jahre zu, hierbei soll ein besonderes Augenmerk auf den Sachverhalt der Verinselung kindlicher Lebensräume gerichtet werden.

Im Schlussteil möchte ich die Frage beantworten, wie sich jeweilige historisch wandelbare Lebensumstände auf Kinder und auf Kindheiten auswirken. Nicht zuletzt soll auch untersucht werden, ob dem unbekannten Verfasser von „Eine Generationengeschichte“ widersprochen oder möglicherweise sogar Recht gegeben werden kann bei seiner Behauptung: „Kinder von heute werden in Watte gepackt“.

2. Kindheit – ein mehrdimensionaler Begriff

Dieses Kapitel befasst sich mit der Frage, was der Begriff Kindheit eigentlich bedeutet. Der erste Teil gibt einen historischen Überblick darüber, wie Kindheit sich seit ihrer „Entdeckung“ in der Aufklärung entwickelt hat. Danach folgt die Darstellung der beiden (Haupt-) Ansätze der Kindheitsforschung: des „Entwicklungsparadigmas“ und der Ansicht von Kindheit als gesellschaftlichem und kulturellen Konstrukt. Im Anschluss werden für diese Arbeit wichtige Aspekte zusammengefasst und ein Versuch einer Definition von „Kindheit“ unternommen.

2.1. Historischer Überblick

Es gab immer schon Kinder, dies ist unbestritten. „Kindheit“ jedoch, mit der Anerkennung dessen, dass Kinder eine besondere Gruppe von Menschen sind, ist ein relativ neues Phänomen. So hatten Kinder früher bis zum Erreichen eines gewissen Alters so gut wie keinen relevanten Status in der Familie – und somit auch in der Gesellschaft. Bedingt war dies einerseits durch die hohe Säuglingssterblichkeit, welche emotionale Bindungen erschwerte, andererseits durch die Festlegung des Wertes des Kindes vornehmlich als Arbeitskraft oder nur im Hinblick auf seine zukünftige Rolle.

Die Entstehung der bürgerlichen Kleinfamilie und ihre Etablierung als wichtigste und primäre Einheit der Gesellschaft vollzogen sich erst im Zeitalter der Industrialisierung und der damit einhergehenden zunehmenden Verstädterung. Kinder wurden zunehmend in Kleinfamilien (Mutter und Vater) hineingeboren und die Erziehung lastete hauptsächlich auf den Eltern. Im Zeitalter der Aufklärung entdeckte die Pädagogik die Aufgabe „Kind“, „Kindheit“ und „Erziehung“ neu. Die Kindheit wurde als eigenständige Lebensphase anerkannt und Kinder als „Menschen in Entwicklung“[2] angesehen. Kinder galten von nun an als schutz- und erziehungsbedürftige Wesen: „Eine Beziehung der Sorge und der Belehrung, institutionalisiert als Familie und Schule.“[3]

Im Jahre 1902 läutete die schwedische Pädagogin und Frauenrechtlerin Ellen Key „Das Jahrhundert des Kindes“ durch ihr gleichnamiges Buch ein. Sie erhebt „(...) die Forderung zum Programm, Kinder als eigenständige Persönlichkeiten anzuerkennen“[4] und viele Pädagogen folgten ihr. In dieser Zeit entstanden viele Einrichtungen für Kinder, die allgemeine Schulpflicht wird in Deutschland wirklich umgesetzt (um 1890)[5] und das Verbot der Kinderarbeit in Fabriken (für Kinder unter 13 Jahren) wird 1891 eingeführt. Kinder bekommen immer mehr für sie eigens bestimmte Räume und Lebensbereiche. Immer mehr wird Kindheit zu einem geschützten Raum, der nicht mehr untrennbar mit der Erwachsenenwelt verbunden ist.

Der Nationalsozialismus kennzeichnet einen Rückschritt in der historischen Entwicklung von Kindheit. Kindheit verliert die Rolle eines Moratoriums und Kinder werden im Hinblick auf ihre zukünftige Rolle als „gute Deutsche“ erzogen bzw. durch politische Pflichtprogramme indoktriniert. Während des Krieges sind sie endgültig wieder „kleine Erwachsene“, müssen mitarbeiten, zum Lebensunterhalt mitbeitragen und mitkämpfen.

Nach dem Krieg ist die Situation schwierig und Wiederaufbau das Ziel aller. Kinder haben kaum eigenen Raum in der Familie und der Gesellschaft.

In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts macht sich auch eine Änderung der Einstellungen sowohl von Kindern als auch zu Kindern bemerkbar. War das Verhältnis von Eltern zu Kindern bis in die 60er Jahre von Autorität, Gehorsam und Pflichterfüllung gekennzeichnet, so wird ab dieser Zeit Familie immer mehr zu einem von Emotionalität, Partnerschaftlichkeit und Toleranz erfüllten Raum. Maßgeblich an diesem Wechsel beteiligt war die Studentenbewegung mit ihren Kinderläden und Ansätzen der antiautoritären Erziehung.[6]

In den folgenden Jahrzehnten kommt Kindheit und Kindern immer mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung zu; sie bekommen mehr Rechte, es gibt eine Flut von Debatten und Diskussionen darüber, was „kindgerecht“, „pädagogisch wertvoll“ oder „Kindeswohl“ ist.

Honig schreibt: „Kinder gewinnen ihre ökonomische Bedeutung im 20. Jahrhundert nicht als Arbeitskraft, sondern als Humanvermögen; als solches werden sie zum öffentlichen Gut.“[7] Kinder haben nun einen festen Status in der Familie und in der Gesellschaft erlangt.

2.2. Kindheit als natürliche Entwicklungsphase

Lange Zeit wurde Kindheit als etwas Gegebenes gesehen, als eine Tatsache. Kind sein bedeutete, ein Mensch in Entwicklung zu sein, etwas „werdendes“, noch nicht Fertiges. Während der Kindheit waren dem Zögling Werte der Gesellschaft sowie Bildung und Moral zu vermitteln. Ohne Erziehung wäre der Mensch verloren. Dieser Gedanke ist vor allem bei John Locke besonders ausgeprägt. Nach Locke ist das Neugeborene eine „tabula rasa“, eine unbeschriebene Tafel. Dies hatte eine Idee von der „unbegrenzten Erziehbarkeit“[8] von Kindern zu Folge.

Insbesondere die Entwicklungspsychologie widmete und widmet sich der Erforschung der Kindheit unter diesem Aspekt. Danach wird man nach einem Durchlaufen von mehreren Entwicklungsstufen erwachsen, wobei die Entwicklung im Erwachsenenalter durchaus nicht abgeschlossen ist, sondern immer weiter fortschreitet. Stellvertretend für viele andere Entwicklungspsychologen sei hier Erik H. Erikson genannt, der – sich an dem Freudschen Phasenmodell der Psychoanalyse orientierend –ein achtstufiges epigenetisches Lebenszyklus-Modell entwickelte. Auf jeder der Stufen hat das Individuum eine psychische Lebenskrise zu meistern, die immer aus zwei – positiv vs. negativ – Komponenten besteht. Der Eintritt in die nächste Stufe ist dann umso erfolgreicher, wenn die positive Komponente überwiegt. Während der Adoleszenz entsteht schließlich die Ich-Identität, das Bewusstsein der eigenen Rolle in der Gesellschaft. Diese entwickelt sich durch eine Anerkennung des Jugendlichen von eigenen Taten und Aktionen, die Werte aus der Kindheit müssen rekonstruiert und integriert werden. Die Entwicklung ist jedoch nicht mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter vollzogen, vielmehr handelt es hier um einen lebenslangen Prozess in dem das innere „Ich“ des Menschen immerzu im Dialog mit gesellschaftliche Bedingungen steht.[9]

Die Sicht auf Kinder als Menschen in Entwicklung und Kindheit als Phase der Unreife und Unvollständigkeit dominierte lange Zeit viele Bereiche sowohl der wissenschaftlichen Kindheitsforschung, vor allem der Entwicklungspsychologie und der Sozialisationsforschung, als auch des alltäglichen Lebens. Ein Kind ist in diesem Zusammenhang:

- wer klein ist,
- wer noch nicht Jugendlicher oder Erwachsener ist,
- wer noch lernen muss,
- wer keine entwickelte Persönlichkeit hat
- wer eine spezifische Umgebung und Behandlung braucht.

Durch eine solche noch erweiterbare Aufstellung von Attributen wird deutlich, was Kritiker des Entwicklungsparadigmas meinen, wenn sie sagen, dass das Kind dadurch zu einem inkompetenten, abhängigen, unselbständigen Wesen stilisiert wird.

In der modernen Sozialisationsforschung wird versucht, Kinder nicht mehr nur als unfertige Menschen zu betrachten, sondern als „Personen aus eigenem Recht“[10]. Hurrelmann, einer der führenden Sozialisationsforscher, definiert Sozialisation als die „produktive Verarbeitung der inneren Realität“[11]. Damit werden Kinder als Akteure, die die eigene Sozialisation strukturieren und hervorbringen, wahrgenommen und nicht mehr als passive Objekte äußerer Gegebenheiten.

2.3. Kindheit als Konstrukt

Seit dem Erscheinen von Ariès´ Werk „Die Geschichte der Kindheit“ und dessen Rezeption durch die deutsche Kindheitsforschung ist in dieser ein Perspektiven- und Schwerpunktwechsel festzustellen. Bis in die 70er Jahre hinein dominierte die Sicht auf Kindheit als auf eine ontologische Tatsache, „wie Gras, zu allen Zeiten gleich“[12]. Die Kindheitsforschung war von der Psychologie und Pädagogik dominiert und an der „Entwicklung“ orientiert. Der Nachweis, dass es die Anerkennung der Kindheit als eigenständige Lebensphase erst seit dem 17. Jahrhundert gibt, den Ariès lieferte, leitete einen Wandel in der Kindheitsforschung ein, die nunmehr diesen Aspekt mit einbezog. Es entwickelten sich neue Ansätze, die Kindheit als ein gesellschaftliches und kulturelles Konstrukt definierten. Neil Postman beschreibt in seinem Buch „Das Verschwinden der Kindheit“ wie dank der neuen Medien, hauptsächlich des Fernsehens, die Grenzen zwischen Kinder und Erwachsenen immer mehr verschwimmen. Postman zufolge wurde die „Idee der Kindheit“ erst durch „die Kultur des gedruckten Wortes“[13] (Buchdruck) entdeckt oder gar erfunden. Der alltägliche Wissenszugang durch das Fernsehen für Kinder zersetze den Schonraum der Kindheit und „bedeutet, daß sie (die Kinder, Anm. A.Z.) aus dem Garten der Kindheit vertrieben werden, indem man ihnen die Frucht des Erwachsenenwissens zugänglich macht“[14], so dass Kindheit verschwindet.

Es gibt auch Ansätze, die Kindheit als soziale Konstruktion analog zur Geschlechterforschung untersuchen[15] – in dieser wird zwischen dem biologischen („sex“) und dem sozialen („gender“) Geschlecht unterschieden. Dabei ist Gender eine sozial konstruierte Kategorie mit bestimmten Zuweisungen und Attributen, die Unterscheidung liegt dabei in den Polen „männlich“ -„weiblich“. So sei Kindheit auch eine Konstruktion und ein Unterscheidungskriterium mit den beiden Polen Kind - Erwachsener. Die Momente, die Kindheit konstruieren, sind die Vorstellungen Erwachsener darüber, was kindgerecht und kindgemäß ist.[16]

Wie „gender“ eine Kategorie der sozialen Ordnung ist, so ist auch „Kindheit“ eine Kategorie der genarationalen Ordnung der Gesellschaft. Die Merkmale sind institutionalisierte Alterszugehörigkeit und ungleiche Machtverhältnisse zwischen Generationen. Honig sagt, die wichtigsten Fragen an die Kinderforschung seien: „Wie wird die Unterscheidung von Kindern und Erwachsenen sozial organisiert? Handelt es sich noch um eine (...) pädagogische Differenz?“[17]

2.4 Zusammenfassung

Beide Ansätze greifen für sich genommen zu kurz. Der Entwicklungsansatz macht Kinder zu abhängigen und defizitären Wesen und der konstruktivistische Ansatz lässt die Leiblichkeit der Kinder außer Acht. Für diese Untersuchung ist es wichtig, erst einmal festzustellen, was unter „Kindheit“ und „Kindern“ verstanden wird.

Kindheit wird hier in Anlehnung an den konstruktivistischen Ansatz betrachtet: als eine Lebensphase, die schwer in Kategorien zu fassen ist, da sie historisch und perspektivisch wandelbar ist. Daher werde ich versuchen, den Wandel der Lebenswelten der Kinder auch unter diesem Aspekt nachzuzeichnen um zu einem Ergebnis zu kommen.

Da es keine eindeutige Definition des Begriffes „Kind“ in der Wissenschaft gibt, bzw. diese je nach Orientierung schwankt, möchte ich hier eine grobe Alterskategorie von 0 -ca.13 Jahren anlegen. Eine differenziertere Unterteilung würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Gemeint sind auch immer Kinder in der Bundesrepublik Deutschland, mehr in städtischen als in ländlichen Gebieten.

3. Kindheit „früher“ und Kindheit „heute“

Im folgenden Kapitel soll untersucht werden, ob es – wie der Autor von „Eine Generationengeschichte“ behauptet – eine Art Zäsur in den 70er/80er Jahren in Kindheitsverläufen gibt. Dazu werden Kindheiten der letzten 50-60 Jahre unter verschiedenen Aspekten untersucht. Darüber hinaus soll der Frage nachgegangen werden, wie Bildungschancen und der Zugang zur Bildung sich in dieser Zeit gewandelt haben.

3.1. „Früher“: die 50er, 60er und 70er Jahre

In den 1950er Jahren ist ein Umschwung der Gesellschaft zu verzeichnen: das Wirtschaftswunder erfasst nun auch die Bundesrepublik Deutschland. 1954, nach der für die deutsche Mannschaft siegreichen Fußball-Weltmeisterschaft stellt der damalige Wirtschaftminister Ludwig Erhard fest: „Wir sind wieder wer“.[18] Die Lebensbedingungen verbessern sich zunehmend, jedoch hauptsächlich für die Erwachsenen. Die patriarchalisch organisierte bürgerliche Kleinfamilie und ebensolche Erziehungsstile übernehmen wieder die Führung, die durch die in und kurz nach dem zweiten Weltkrieg notwendige Selbständigkeit der Frauen erschüttert war. Preuss-Lausitz u.a.stellen fest: „Im Ganzen lässt sich sagen, daß sich die bundesrepublikanische Gesellschaft in den fünfziger Jahren weder materiell noch pädagogisch besonders mit Kindern und Jugendlichen befaßte.“[19] (Hervorh. im Orig.)

Erst in den 60er Jahren wurden Kinder wieder entdeckt. Die wirtschaftliche Entwicklung erreicht in dieser Zeit ihren Höhepunkt, es herrscht Vollbeschäftigung. Kinder und Jugendliche werden nun als eine neue Zielgruppe für Konsum entdeckt: es entstehen speziell auf sie zugeschnittene Produkte, Radio- und Fernsehsendungen, Musik. Auch das Erwachsenen-Kind-Verhältnis macht einen Wandel von Autorität zu Partnerschaftlichkeit durch (vgl. hierzu Kap. 2.1.). Die wirtschaftlichen Verhältnisse lösen einen Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften aus, so dass eine Bildungsreform (1964) durchgeführt wird und eine Vielzahl an pädagogischen Angeboten entsteht. In den 70er Jahren ist dieser Trend zur Pädagogisierung der Kindheit nun verstärkt aufzufinden, zum ersten Mal kann man hier von einer geplanten Kindheit und einer Verinselung des kindlichen Lebensraums sprechen.[20]

[...]


[1] Der Text ist auf vielen Internetseiten zu finden, z.B. auf http://www.wiso.fh-osnabrueck.de/7948.html letzter Zugriff am 09.12.2008

[2] Honig 1999, S. 17

[3] a.a.O.

[4] a.a.O., S. 89

[5] vgl. Honig 1999 S. 91

[6] vgl. Führ/Furck 1998 S. 176

[7] Honig 1999 98

[8] Honig 1999 60

[9] vgl. Erikson 2003

[10] vgl. Honig 1999, S. 83

[11] vgl Göppel 2007, S. 114

[12] Hentig im Vorwort zu Ariès (1975) entnommen: Göppel 2007, S. 37

[13] Postman 1984, S. 162

[14] Postman 1984, S. 114

[15] vgl. Honig u.a. 1996, S. 13

[16] Honig 1999, S. 184

[17] a.a.O., S. 214

[18] Preuss-Lausitz u.a.1989, S. 17

[19] a.a.O. S. 22

[20] vgl. a.a.O., S. 182 ff

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
„Kinder von heute werden in Watte gepackt“ – der Wandel der Kindheit seit den 1950er Jahren und seine pädagogische Bedeutung
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Allgemeine Grundlagen der Erziehungswissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
27
Katalognummer
V126376
ISBN (eBook)
9783640323296
ISBN (Buch)
9783640321315
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zwischenprüfungshausarbeit
Schlagworte
Wandel, Kindheit, 50er, 60er, 70er
Arbeit zitieren
Anna Zielinska (Autor), 2008, „Kinder von heute werden in Watte gepackt“ – der Wandel der Kindheit seit den 1950er Jahren und seine pädagogische Bedeutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126376

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