Die bundesweit verhängten Maßnahmen zur Eindämmung des neuartigen SARS-CoV-2, führten unter anderem im Sektor Sport, zu einer übergangslosen Aussetzung sämtlicher Wettbewerbe. Nachdem die Auflagen der Bundesregierung Wirkung gezeigt haben, bekommt im Rahmen der Diskussion über die Lockerung der Maßnahmen insbesondere die Frage nach der Fortsetzung der Bundesliga-Saison immer mehr Aufmerksamkeit. Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs kann nach aktuellem Stand nur unter strengen Auflagen stattfinden. Neben der Einhaltung strikter Hygiene-Bestimmungen, sollen die
Spiele vorerst unter Ausschluss von Publikum stattfinden. Die psychologische Wirkung von sogenannten Geisterspielen stellt das Thema dieser Hausarbeit dar.
Auf Basis einer Selbstbeschreibung und einer Befragung in Form eines Interviews wird versucht, das Phänomen zu rekonstruieren und darauf aufbauend, Empfehlungen für Trainer oder Sportler abzuleiten, die die uneingeschränkte Leistungsfähigkeit der Fußballer zum Ziel hat. Um das psychologische Phänomen Geisterspiel in seiner gänzlichen Morphologie und seinen komplexen Zusammenhängen zu rekonstruieren, werden mehrere Hypothesen
möglicher Wirkungsflächen formuliert und anhand derer jeweilige Empfehlungen abgegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 ZUSAMMENFASSUNG
2 EINLEITUNG
3 METHODEN
4 PSYCHOLOGIE DES LEISTUNGSSPORTES
4.1 HYPOTHESEN UND EMPFEHLUNGEN
5 DISKUSSION
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das psychologische Phänomen der „Geisterspiele“ am Beispiel des Fußballs, um deren Auswirkungen auf Spieler und Trainer zu rekonstruieren und daraus handlungsorientierte Empfehlungen für die sportliche Leistungsfähigkeit abzuleiten.
- Analyse der psychologischen Wirkmechanismen von Geisterspielen
- Rekonstruktion des Flow-Zustands bei fehlender Zuschauerpräsenz
- Bedeutung der sozialen Resonanz und Fan-Interaktion im Sport
- Entwicklung psychologischer Interventionsstrategien für den Trainingsbetrieb
- Einfluss des Ego-Verhältnisses und der Eigenweltlichkeit auf Profisportler
Auszug aus dem Buch
4.1 Hypothesen und Empfehlungen
Wenn angenommen wird, dass die Fans für den Flow-Zustand der Spieler, eine entscheidende Rolle einnehmen und die Leistungsfähigkeit der Fußballer unmittelbar von der Vereinheitlichung abhängt, so lässt sich die Annahme formulieren, dass die Spieler ohne Anwesenheit der Fans nicht vollumfänglich leistungsfähig sind. Dies wird unter der Betrachtung der Theorie „Vom Sinn der Sinne“ nach Straus (1956), die wie bereits erwähnt die Grundlagen der Verschmelzung darstellen, offensichtlich. Unter normalen Umständen nimmt der Spieler die Fans mindestens visuell und auditiv war. Durch Abklatschen vor und oder nach dem Spiel oder im Zuge eines Jubelverhaltens, können auch taktile Reize aufgenommen werden. Zigarettenrauch, der Geruch von Bier oder einer intensiven Rauchschwade aus Marihuana, geben dem Spieler auch olfaktorisch zu erkennen, dass der Fan im Stadion ist. Bei Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, bleiben diese Reize aus.
I. Durch das Fehlen der Fans, besteht die Gefahr, dass die Spieler sich zu verkrampft darauf fokussieren, den bekannten „Tunnelblick“, den ich hier als Flow bezeichnen möchte einzunehmen. Den Spielern fehlt die freischwebende Aufmerksamkeit und ein gewisser Freiraum, den normalerweise die Fans einnehmen. Es kommt nicht zu dem Prozess des Los- und somit auch nicht des Zu-Lassens. Dementsprechend gelingt es nicht, den wesentlichen Raum, den ihm normalerweise die Zuschauer „zeigen“, zu begrenzen. Auf Grund der fehlenden Resonanz, schafft es der Spieler nicht, sich dem Raum hinzuwenden, ihn mit seinem Können zu beherrschen und andere störende Einflüsse wegzudrängen. Es liegen offensichtlich unterschiedliche Spannungsverhältnisse zwischen den Gestaltfaktoren vor, die es dem verkrampften Spieler nicht möglich machen den Zustand des Unmittelbaren einzunehmen. Unter diesen Umständen ist es essenziell, die Situation mit den Spielern zu analysieren und ihnen deutlich zu machen, auf welche Szenarien sie vorbereitet sein müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 ZUSAMMENFASSUNG: Die Auswirkungen von Geisterspielen auf Spieler und Trainer werden thematisiert, wobei die zentrale Erkenntnis ist, dass Zuschauer das sportliche Verhalten unbewusst determinieren und diese Anwesenheit kompensiert werden muss.
2 EINLEITUNG: Es wird der Kontext der SARS-CoV-2-Pandemie beschrieben, der zur Aussetzung des Sports und zur Einführung von Geisterspielen führte, sowie die Zielsetzung erläutert, dieses Phänomen psychologisch zu untersuchen.
3 METHODEN: Die Vorgehensweise stützt sich auf eine psychologisch-analytische Rekonstruktion basierend auf Selbstbeschreibungen und Tiefeninterviews mit Fußballern und einem Tennisspieler.
4 PSYCHOLOGIE DES LEISTUNGSSPORTES: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des sportlichen Erlebens und des Flow-Zustands anhand morphologischer Betrachtungen und der Theorie nach Czikszentmihalyi und Straus.
4.1 HYPOTHESEN UND EMPFEHLUNGEN: Es werden spezifische Thesen zur psychologischen Belastung bei Geisterspielen formuliert und daraus konkrete Trainings- sowie psychologische Interventionsmöglichkeiten abgeleitet.
5 DISKUSSION: Hier wird der aktuelle Krisenkontext inklusive der Angst vor dem Virus und die Wirkung der Hygienekonzepte der DFL kritisch reflektiert.
Schlüsselwörter
Geisterspiel, Sportpsychologie, Flow-Zustand, Leistungssport, Zuschauer, Resonanz, Training, Motivation, Eigenweltlichkeit, Interventionsstrategien, Fußball, Pandemie, Leistungsfähigkeit, Selbstwahrnehmung, Trainingseinheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der psychologischen Wirkung von Geisterspielen auf Leistungssportler und Trainer im Fußball.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die psychologischen Mechanismen von Fanresonanz, das Phänomen des „Flows“ im Sport und die Auswirkungen des Wegfalls externer sozialer Stimuli.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Phänomen Geisterspiel morphologisch zu rekonstruieren und Empfehlungen für Trainer und Spieler zu formulieren, um deren Leistungsfähigkeit unter den veränderten Bedingungen sicherzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer psychologisch-analytischen Rekonstruktion, die auf Tiefeninterviews und Selbstbeschreibungen von Sportlern beruht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zum sportlichen Erleben (Flow) und die praktische Ableitung von Hypothesen zu Wirkungsflächen bei Geisterspielen sowie entsprechende Handlungsempfehlungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Geisterspiel, Flow, Resonanz, Eigenweltlichkeit, Motivation und Leistungsfähigkeit.
Wie gehen Spieler laut der Arbeit mit dem Wegfall der „12. Mann“-Unterstützung um?
Die Arbeit stellt dar, dass der Wegfall als Bedrohung für das Erleben des „Unmittelbaren“ wahrgenommen wird und Ängste vor Eigenverantwortung bei Fehlern schürt, weshalb mentale Strategien zur Resonanz-Kompensation essenziell sind.
Welche Rolle spielt der Begriff „Geist“ bei der sportpsychologischen Betrachtung?
Der Begriff wird als etwas Unheimliches assoziiert, das in ein positives, motivierendes Bild (als „Geister der Fans“) umgewandelt werden muss, um die Leere im Stadion psychologisch zu bewältigen.
Welchen Interventionsvorschlag macht der Autor für den Trainer-Athleten-Kontakt bei Geisterspielen?
Empfohlen wird unter anderem die Stärkung der Eigenverantwortung durch Training unter spielnahen Bedingungen, der bewusste Einsatz von Fan-Choreografien oder personalisierten Videos sowie die gezielte Förderung des Mannschaftsgeistes.
Warum wird im Fazit die Rolle des Virus explizit erwähnt?
Die Diskussion betont, dass die allgegenwärtige Angst vor dem Virus selbst eine psychologische Belastungsquelle für Spieler darstellt, die neben der geänderten Stadionsituation berücksichtigt werden muss.
- Quote paper
- Vincent Ermisch (Author), 2020, Darstellung der psychologischen Wirkung des Phänomens "Geisterspiel" mit anschließender Empfehlungsformulierung für Spieler und Trainer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1263776