Räumliche Anforderungen des Kur- und Seebädertourismus


Hausarbeit, 1995

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Kurort, Kurortbehandlung, Kurtourismus, Kurortcharakter
2.2 Seebad

3 Begriffliche Differenzierungen des Kur- und Seebädertourismus
3.1 Differenzierung der Begriffes "Kur"
3.1.1 Behandlungsformen der Kur
3.1.2 Wirtschaftliche Gesichtspunkte des Kurtourismus
3.2 Differenzierung des Begriffes "Kurort"
3.2.1 Bädersparten
3.2.1.1 Mineral- und Moorheilbäder
3.2.1.2 Seeheilbäder
3.2.1.3 Heilklimatische Kurorte
3.2.1.4 Kneippheilbäder und Kneippkurorte
3.2.2 Räumliche Verteilung der Kur- und Seebäder in der Bundesrepublik
3.2.3 Organisation der Kurorte

4 Entwicklung des Kurwesens
4.1 Historische Entwicklung
4.2 Jüngere Entwicklung
4.3 Zukunftsaussichten im Europäischen Binnenmarkt

5 Tourismusangebot in Kurorten
5.1 Natürliches Angebot
5.2 Kurangebot
5.2.1 Mindestanforderungen an den Kurort
5.2.2 Räumliche Verteilung der kurörtlichen Einrichtungen innerhalb des Kurortes oder Seebades
5.2.2.1 Fallbeispiel I: Bad Wildungen-Reinhardshausen - als Beispiel für ein Heilbad
5.2.2.2 Fallbeispiel II: Westerland/Sylt - als Beispiel für ein Seebad

6 Schlussbemerkung

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der folgenden Arbeit sollen die räumlichen Anforderungen des Kur- und Seebädertourismus untersucht und vorgestellt werden. Hierzu wird zuerst mit Hilfe von Definitionen und begrifflichen Differenzierungen das Untersuchungsobjekt dargestellt. In Punkt 3.2.1. wird auch schon auf die einzelnen Bädersparten, die für die räumlichen Anforderungen von großer Bedeutung sind, eingegangen. Die für das Verständnis der Arbeit wichtige Entwicklung des Kurwesens wird aufgegliedert in die historische Entwicklung, die jüngere Entwicklung und die Zukunftsaussichten des Kurwesens. Das Tourismusangebot, welches die räumlichen Anforderungen des Kur- und Seebädertourismus widerspiegelt, wird in das natürliche Angebot und das Kurangebot untergliedert und untersucht.

2 Definitionen

2.1 Kurort, Kurortbehandlung, Kurtourismus, Kurortcharakter

"Kurorte sind Gebiete (Orte oder Ortsteile), die besondere natürliche Gegebenheiten - natürliche Heilmittel des Bodens, des Meeres und des Klimas -, zweckentsprechende Einrichtungen und einen artgemäßen Kurortcharakter für Kuren zur Heilung, Linderung oder Vorbeugung menschlicher Krankheiten aufweisen." (Deutscher Bäderverband/ Deutscher Fremdenverkehrsverband 1991, S. 15. - zitiert nach: Bauer 1993, S. 21)

"Die Kurortbehandlung dient der Vorbeugung von Krankheiten (Prävention), der Nachsorge (Rehabilitation) und der Behandlung von chronischen Krankheiten." (Deutscher Bäderverband/ Deutscher Fremdenverkehrsverband 1991, S. 14. - zitiert nach: Bauer 1993, S. 21)

Als Kurtourismus bezeichnet man die "Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Aufenthalt von Personen zum Zwecke der Erholung des menschlichen Organismus aufgrund einer Kur und aus den damit im Zusammenhang stehenden Reisen vom und zurück zum Herkunftsort ergeben" (KASPAR/ FEHRLIN 1984, S.24).

"Der Kurortcharakter muss sich in Kureinrichtungen aller Art, in gepflegtem Ortsbild und aufgelockerter Bebauung und der Einbettung von Grün in das Ortsbild widerspiegeln." (MEES 1991, S.14)

2.2 Seebad

"1) Erholungsort am Meer 2) Bad im offenen Meer, dessen Wirkung auf den Salzgehalt, der Kühle des Wassers und auf der Wellenbewegung beruht; warme S. wirken wie Solbäder (-> Heilquellen)." (F. A. Brockhaus 1979, S. 662)

3 Begriffliche Differenzierungen des Kur- und Seebädertourismus

3.1 Differenzierung der Begriffes "Kur"

"Der Begriff "Kur" wurde im Jahre 1973 von der "Internationalen Vereinigung für Balneologie und Klimatologie - FITEC" (Fédération Internationale du Thermalisme et du Climatisme) in den "Mindestbestimmungen für die Anerkennung von Bade- und Klimakurorten" auf Grund von Arbeiten des Deutschen Bäderverbandes festgelegt" (KASPAR/ FEHRLIN 1984, S.19).

Die Kur wird als sinnvolle Ergänzung zur klinischen Medizin gesehen und stützt sich auf die natürlichen Heilmittel des Bodens, des Klimas und der Landschaft. Das Ziel der Bäderbehandlung oder Balneotherapie, die eine Reaktions- und Regulationstherapie darstellt, ist die Umstimmung und Aktivierung der Ordnungs- und Selbstheilungskräfte des Kurgastes. Die bevorzugten Methoden sind die schon erwähnte Balneotherapie, die gezielte Klimatherapie mit Sonnenbehandlung, die Verfahren der physikalischen Therapie, die Therapie nach Kneipp, Priessnitz und Felke, sowie die Diätbehandlung. (vgl. HOEFERT 1993) Der Deutsche Bäderverband untergliedert die Kurgäste in Sozialversicherungsgäste und Privatkurgäste (vgl. BAUER 1993). Die Motive dieser Nachfrageseite des Kurwesens sind, die "Kurerholung zur Herstellung psychischer und körperlicher Heilung durch natürliche Heilfaktoren (Wasser, Gase, Peloide, Klima)" (BAUER 1993, S.22) zu nutzen.

3.1.1 Behandlungsformen der Kur

Die Krankheitsbehandlung in einer Kurklinik dient als Heilungsmaßnahme zur Prävention oder Rehabilitation sowie als Abschlussbehandlung. Hierbei unterscheidet man stationäre und ambulante Vorsorge- und Rehabilitationskuren. Stationäre Vorsorge- und Rehabilitationskuren haben eine Dauer von mindestens vier Wochen und sollen nach dem ökonomischen Grundsatz der Rentenversicherung "Rehabilitation geht vor Rente" die Erwerbsunfähigkeit des Patienten verhindern. Ambulante Vorsorge- und Rehabilitationskuren sind individualpräventive Maßnahmen, die eine Kurdauer von mindestens drei Wochen haben. Die Krankenkasse bezahlt bei diesen Maßnahmen die Arztkosten in voller Höhe, die Kosten für die Kurmittel zu 90% und einen pauschalen Kostenzuschuss in Höhe von 15 DM pro Tag. (vgl. BAUER 1993). Der allgemeine Zweck der Rehabilitation im Kurwesen sind die Maßnahmen zur Vermeidung beziehungsweise Minderung von Pflegebedürftigkeit (vgl. HOEFERT 1993, S.395). "Rehabilitation umfasst alle Maßnahmen, die das Ziel haben, das Einwirken jener Bedingungen, die zu Einschränkungen oder Benachteiligungen führen, abzuschwächen und die eingeschränkten und benachteiligten Personen zu befähigen, soziale Integration zu erreichen (...)" (HOEFERT 1993, S.395). Der Kuraufenthalt kann für den Kurgast auch zur "kritischen Phase" werden, da durch die Trennung von Familie und Heimatort oder die Trennung von Beruf und Heimatort der Erholungseffekt verhindert wird (vgl. HOEFERT 1993, S.395).

3.1.2 Wirtschaftliche Gesichtspunkte des Kurtourismus

Die westdeutschen Heilbäder und Kurorte bedienen pro Jahr mehr als zehn Millionen Gäste und erwirtschaften so einen Gesamtumsatz von über 13 Milliarden DM, was einer Nettowertschöpfung von ungefähr 6,5 Milliarden DM entspricht. Dieser Gesamtumsatz beinhaltet die zusätzlichen Umsätze durch den Verkauf ortsgebundener, natürlicher Kurmittel und die Einnahmen durch die Anwendungen der physikalischen Therapie (zum Beispiel Massage oder Krankengymnastik) in den Kurhäusern in Höhe von 450 Millionen DM, sowie 240 Millionen DM durch die Erhebung von Kurtaxen. Außerdem sind im Gesamtumsatz die Umsätze durch ambulante Kurgäste, Passanten und Tagesausflügler enthalten. (HOEFERT 1993, S. 394).

3.2 Differenzierung des Begriffes "Kurort"

Traditionell gliedert man Kurorte in Mineral- und Moorbäder, heilklimatische Kurorte, Seeheilbäder und Seebäder und Kneippheilbäder und Kneippkurorte (vgl. HOEFERT 1993, S. 393/394).

In Deutschland gibt es gesetzliche Vorschriften, die die Bezeichnung eines Ortes als Badeort regeln und ihm erlauben eine der oben genannten Namen zu führen. Von den circa 2400 Fremdenverkehrsorten der Bundesrepublik Deutschland sind 187 Heilbäder, 67 Seebäder und 273 Luftkurorte. (vgl. FREYER 1993)

3.2.1 Bädersparten

3.2.1.1 Mineral- und Moorheilbäder

Die Mineral- und Moorheilbäder begründen ihre Bezeichnung auf die Vorkommen ortsgebundener Heilmittel des Bodens, wie zum Beispiel Minerale, Moor und Gase, die auf verschiedene Arten, zum Beispiel als Trinkkuren, Wannenbäder, Packungen oder Inhalationen, angewendet werden können. In der Bundesrepublik gab es im Jahr 1990 138 Mineral- und Moorheilbäder, die damit die größte Gruppe der Heilbäder und Kurorte bilden. Mit 38 Millionen DM Umsatz durch die Kurmittelabgabe und einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 18 Tagen, die sich durch einen Anteil von 72,1% Sozialkurgästen erklärt, ist die Kur in Mineral- und Moorheilbädern hinsichtlich dieser Faktoren die führende Kurart. (vgl. MEES 1991, S.15)

3.2.1.2 Seeheilbäder

Die Seeheilbäder sind Orte, die an der Meeresküste oder in deren direkter Nähe liegen und so über die Heilmittel des Meeres verfügen. Einen wichtigen Faktor stellen aber auch die klimatischen Verhältnisse dar, die oft mit dem Begriff "Seeklima" beschrieben werden.

Die 37 Seeheilbäder und Seebäder an der Ost- und Nordsee der alten Bundesländer erreichten 1990 für die Kurmittelabgabe einen Umsatz von 6,2 Millionen DM und eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 10,7 Tagen. (vgl. MEES 1991, S.16)

3.2.1.3 Heilklimatische Kurorte

Um die therapeutische Anwendbarkeit zu garantieren, wird die Luftqualität der heilklimatischen Kurorte ständig überwacht. Bei dieser Bäderart ist das Klima, welches durch Reize auf den Organismus des Kurgastes wirken soll, der entscheidende Faktor der Kurheilung. In der Bundesrepublik gab es 1990 43 heilklimatische Kurorte, die einen Umsatz von 1,8 Millionen DM durch abgegebene Kurmittel und eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 9,2 Tagen aufweisen. (vgl. MEES 1991, S.17)

3.2.1.4 Kneippheilbäder und Kneippkurorte

Bei den Kneippheilbädern und Kneippkurorten stehen im Unterschied zu den anderen Kurorttypen keine ortsgebundenen Heilmittel im Vordergrund. Hier werden nach dem ganzheitlichen, kurtherapeutischen Behandlungskonzept von Kneipp neben dem medizinisch anerkannten Wasserheilverfahren, Bewegungstherapie, Ernährungstherapie, Phytotherapie und Gesundheitserziehung angewendet. In der Bäderstatistik des Deutschen Bäderverbandes waren 1990 48 Kneippheilbäder und -kurorte aufgeführt, in welchen einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 11,9 Tagen mit 3,2 Millionen DM ein relativ geringer Umsatz durch abgegebene Kurmittel gegenübersteht. (vgl. MEES 1991, S.17)

3.2.2 Räumliche Verteilung der Kur- und Seebäder in der Bundesrepublik

Die Seebäder der Bundesrepublik kann man in Nordsee- und Ostseebäder aufteilen. Die Nordseebäder konzentrieren sich vor allem auf die Fremdenverkehrsgebiete Ostfriesische Inseln und Nordfriesische Inseln und liegen somit auch in den Naturparken Niedersächsisches Wattenmeer und Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Die Ostseebäder haben eine große Dichte im Bereich der Inseln Rügen und Usedom, die durch die deutsche Wiedervereinigung das Angebot der Seebäder in der Bundesrepublik quantitativ stark erhöht haben und nach einer Sanierung auch eine Wettbewerbsverschärfung für die ehemaligen westdeutschen Seebäder zur Folge haben werden. Weitere Ostseebäder befinden sich im Bereich der Kieler und Lübecker Bucht, der Großstadt Rostock und dem angrenzenden Fremdenverkehrsgebiet Darß. Die Heilbäder und Kurorte liegen vorwiegend im Bereich der Mittelgebirge, also im Harz, im Alpenvorland, im Schwarzwald, im Bayrischen Wald und im Rheinischen Schiefergebirge mit den Fremdenverkehrsgebieten Eifel/ Ahr, Westerwald/ Lahn, Sauerland und Hessisches Bergland. (vgl. Karte 1, S. 8)

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Details

Titel
Räumliche Anforderungen des Kur- und Seebädertourismus
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Proeminar Fremdenverkehrsgeographie
Note
1,0
Autor
Jahr
1995
Seiten
22
Katalognummer
V126381
ISBN (eBook)
9783640323326
ISBN (Buch)
9783640321346
Dateigröße
1970 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tourismus, Tourismusmanagement, Kurort, räumliche Anforderungen, Fremdenverkehr, Seebad, Fremdenverkehrsgeographie
Arbeit zitieren
Diplom-Geograph, Master of Arts Joachim Kolb (Autor), 1995, Räumliche Anforderungen des Kur- und Seebädertourismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126381

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