Systemische Therapie bei der Behandlung psychischer Störungen. Ein Überblick über Techniken, Methoden und Wirksamkeit


Hausarbeit, 2022

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Grundphilosophie der Systemischen Therapie

3. Techniken und Methoden der Systemischen Therapie
3.1 Gesprächstechniken
3.2 Interventionsmethoden

4. Wirksamkeit Systemischer Therapie
4.1 Wirksamkeit Systemischer Therapie bei Erwachsenen
4.2 Wirksamkeit Systemischer Therapie bei Kindern und Jugendlichen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Systemische Therapie ist in den USA sowie den meisten europäischen Ländern schon lange ein selbstverständlicher Teil der psychotherapeutischen Versorgung von Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen (vgl. von Sydow et al. 2007, 5, 11). Historisch ist die Systemische Therapie aus der amerikanischen Familientherapie der 50er und 60er Jahre hervorgegangen und wird als deren Weiterentwicklung begriffen, wobei auch heute in den USA noch häufig unter den Begriffen der Familien- und Paartherapie gehandelt und geforscht wird, welche wiederum mit systemischen Grundorientierungen arbeiten (WBP 2009, 209). Auch in anderen Ländern spielen diese Wurzeln und zugrundeliegenden familientherapeutischen Konzepte eine wichtige Rolle für das therapeutischen Handeln im Sinne der Systemischen Therapie.

Während die Systemische Therapie in anderen westlichen Ländern schon seit einigen Jahren verbreitet ist, ist ihre rechtliche Anerkennung in der Bundesrepublik erst vor einigen Jahren erfolgt. Erst Ende des Jahres 2008 wurde die Systemische Therapie - nach voriger Ablehnung im Jahr 1999 - vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) als wissenschaftlich fundiertes Therapieverfahren für Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche anerkannt (WBP 2009). Im November 2019 erfolgte dann die Aufnahme der Systemischen Therapie für Erwachsene durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) als weiteres Richtlinienverfahren und steht Erwachsenen seitdem als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zur Verfügung (G-BA 2019). Eine Entscheidung über die Zulassung der Systemischen Therapie als gesetzlich finanzierte Behandlungsform für Kinder und Jugendliche ist derzeit noch offen. Für eine Entscheidung über die Zulassung ist eine Betrachtung der Wirksamkeit der Systemischen Therapie auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen - also randomisierter, kontrollierte Outcome-Studien (RCT) - eine Voraussetzung.

Die Systemische Therapie als psychotherapeutischer Ansatz soll im Rahmen dieser Arbeit vorgestellt und in ihrer Wirksamkeit betrachtet werden. Hierfür wird im (2.) Kapitel die Systemische Therapie zunächst deskriptiv in ihrem Ansatz, ihrer Grundphilosophie, Zielgruppe und Zielsetzung vorgestellt. Daraufhin sollen im (3.) Kapitel die Methoden und Techniken der Systemische Therapie sowie die Anforderungen an den Therapeuten dargestellt werden. Im (4.) Kapitel wird schließlich die Wirksamkeit Systemischer Therapie bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen aufgezeigt. Abschließend sollen im (5.) Kapitel die erarbeiteten Ergebnisse resümiert werden.

2. Die Grundphilosophie der Systemischen Therapie

Im Rahmen der Systemischen Therapie wird die psychische Erkrankung einer Person als Symptom für eine Störung im sozialen Umfeld, also des Sozialen Systems der betroffenen Person, verstanden. Belastende Interaktionen sind nicht zwingend alleinige und unmittelbare Ursache einer psychischen Erkrankung, tragen aber zu der Entstehung und Aufrechterhaltung bei und hemmen die Auflösung einer psychischen Störung. Es wird davon ausgegangen, dass das Verhalten einer Person durch das Verhalten anderer bedingt ist. Personen beeinflussen sich wechselseitig in ihrem Verhalten und können sich positiv entwickeln, wenn in diesem Kontext ihre Kompetenzen, Fähigkeiten und Ressourcen gefördert und unterstützt werden (Friehs & Gabriele 2021, 2). Psychische Störungen werden im Rahmen der Systemischen Therapie als zirkulär verstanden, sie resultieren also aus Wechselbeziehungen zwischen mehreren Menschen (von Sydow et al. 2007, 15). Dementsprechend werden psychische Störungen auch zirkulär behandelt und die Wechselbeziehung zu relevanten Bezugspersonen betrachtet. Hierauf aufbauend fokussiert die Systemische Therapie die sozialen Bezüge des betroffenen Individuums, vor allem wiederholt auftretende Beziehungsregeln und -muster. Personen werden also nicht isoliert, sondern immer als Teil von Systemen und Kontexten, beispielsweise im Familien-, Schul- oder kulturellen und politischen Kontext, betrachtet.

Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) und die Systemischen Gesellschaft (SG) beschreiben Systemische Therapie als psychotherapeutisches Verfahren „[...] dessen Fokus auf dem sozialen Kontext psychischer Störungen liegt. Dabei werden zusätzlich zu einem oder mehreren Patienten (,Indexpatient‘) weitere Mitglieder des für Patienten bedeutsamen sozialen Systems einbezogen. Die Therapie fokussiert auf die Interaktionen zwischen Mitgliedern der Familie oder des Systems und deren weiterer sozialer Umwelt (WBP 2009, 208).“1 Betrachtet werden neben wechselseitigen intrapsychischen Prozessen auch biologisch-somatische Prozesse und interpersonelle Zusammenhänge (ebenda). Die Auswirkungen von Interaktionen auf die Symptome einer Person werden ebenso betrachtet wie die Auswirkungen von Symptomen auf die Interaktionen mit anderen. Eine Systemische Therapie kann in Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppensettings durchgeführt werden und relevante Bezugspersonen wie Partner, Eltern, Kinder, Freunde oder professionelle HelferInnen direkt oder indirekt einbeziehen.

Die Systemischen Therapie zielt darauf ab, symptom- und krankheitsfördernde Strukturen und Interaktionen ausfindig zu machen, infrage zu stellen und die Entwicklung förderlicher Interaktionsmuster, Strukturen und Lösungsversuche anzuregen (von Sydow et al. 2007, 16).

Im Rahmen der Systemischen Therapie und Veränderungsarbeit wird den Mitgliedern des Systems Autonomie und Selbstverantwortung unterstellt, die Systemische Therapie realisiert eine ressourcenorientierte Grundhaltung (ebd. 20). Gestaltet sind psychotherapeutische Interventionen mit dem Ziel, vor allem zirkuläre zwischenmenschliche Interaktionen zu beeinflussen. Im Rahmen einer Systemischen Therapie werden Interventionen über das soziale System angeregt und durch das Infragestellen der eigenen Verhaltensweisen und Interaktionsmuster des Indexpatienten angestoßen. Es wird davon ausgegangen, dass Veränderungen sich aus den ungenutzten Ressourcen des Systems heraus ergeben und nachhaltige Veränderungen der Interaktions- und Kommunikationsprozesse positiv auf das Krankheitsbild des betroffenen Individuums wirken (WBP 2009, 209 f.).

Aufgrund des historischen Hintergrunds sowie der Relevanz der Familie für den Erwerb und die Erhaltung von Interaktions- und Beziehungsstrukturen wird die Systemische Therapie oft im Familiensetting umgesetzt. Dementsprechend liegt ein Schwerpunkt der Systemischen Therapie in der Behandlung von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, wobei sie gleichermaßen für Erwachsene geeignet ist (WBP 2009, 209). Systemische Therapie ist dennoch nicht mit Familientherapie gleichzusetzen, da es sich bei der Systemischen Therapie um ein psychotherapeutisches Verfahren und auf der anderen Seite vielmehr um einen psychotherapeutischen Ansatz handelt (von Sydow et al. 2007, 15).

3. Techniken und Methoden der Systemischen Therapie

Im Rahmen einer Systemischen Therapie stehen dem Therapeuten verschiedene Methoden und Strategien zur Verfügung, um die genannten Ziele zu erreichen. Hierbei kommen vor allem strukturelle, strategische, symbolisch-metaphorische, zirkuläre, lösungsorientierte und dialogische Methoden zur Anwendung (WBP 2009, 209; von Sydow et al. 2007, 17). Auch gibt es methodenübergreifende Gesprächstechniken, die die Sitzungen prägen.

3.1 Gesprächstechniken

Zu den methodenübergreifenden Gesprächstechniken zählen (1.) die Festlegung des Behandlungsauftrages und Kontextes, (2.) das Fördern einer vertrauensvollen Beziehung von Patienten und Therapeut, (3.) eine aktive und strukturierte Gesprächsführung, (4.) eine gewisse Zurückhaltung des Therapeuten bei Interpretationen des Gesagten und Ratschlägen, (5.) eine Stärkung der persönlichen Ressourcen und (6.) eine Anregung von Problemlösungen (von Sydow et al. 2007):

Festlegung des Behandlungsauftrages und Kontextes: Zu Beginn der Therapie ist die Klärung des Anliegens des Patienten sowie der Therapieanlass zentral. Der Indexpatient ist kennenzulernen und es sind Absprachen darüber zu treffen, welche Ziele erreicht werden sollen, welche Konzeption verfolgt wird und wem welche Aufgaben zukommen (von Sydow et al. 2007, 21). Hier bekommt der Therapeut ein Verständnis für die Situation des Patienten, erkennt erste Verhaltensmuster und mögliche Herausforderungen für die Therapie. Hierauf aufbauend kann er gemeinsame Vereinbarungen und Handlungsschritte festlegen, die Methoden und Techniken an den Patienten und seine Situation anpassen und bei Bedarf frühzeitig zusätzliche Bezugspersonen in die Sitzungen integrieren. Auch ist zu erarbeiten, wann der Patient erkennt oder der Therapeut ihm ansehen kann, dass ein Ziel erreicht wurde oder eine Besserung der Symptome eingetreten ist. Transparenz über das künftige Vorgehen und die Strukturierung der Sitzungen stärkt die Kooperationsbereitschaft und Selbstwirksamkeit des Patienten (Schwing 2016, 162).

Fördern einer vertrauensvollen Beziehung: Eine vertrauensvolle Basis und Zuversicht in Bezug auf die Therapie sind von entscheidender Bedeutung für das Wohlbefinden des Patienten und die Ergebnisse der Therapie. Die Beziehung zwischen Therapeuten und Patient ist für einen großen Teil der Varianz therapeutischer Ergebnisse verantwortlich (vgl. Schwing 2016, Borst 2018b, 87). Neben Verlässlichkeit, Warmherzigkeit und Urteilsfreiheit ist besonders eine empathische Grundhaltung zentral. So zeigt der Therapeut ein wohlwollendes Interesse an dem Patienten und dessen Situation und hat eine entwicklungsfördernde, kontextsensible, ressourcenorientierte Haltung. Sein Verhalten ist respektvoll und neutral gegenüber allen an der Sitzung beteiligten Personen (von Sydow et al. 2007, 20). Der Therapeut ergreift keine Partei, stärkt aber bei Bedarf die Position von Kindern und Jugendlichen, da diese sich aufgrund des Machtgefälles zu erwachsenen Vertrauten in einer nachteiligen Position befinden. Es ist darauf zu achten, ob Therapeut und Patient zusammenpassen. Hier ist gemeint, ob das angebotene Setting und Verfahren für den Patienten gewünscht und angemessen ist und inwiefern der therapeutische Stil und die Persönlichkeit des Therapeuten und Patienten kompatibel sind. (Borst 2018a, 71; von Sydow 2018b, 139).

Aktive und strukturierte Gesprächsführung: Eine aktive Gesprächsführung zeichnet sich dadurch aus, dass der Therapeut dem Patienten Vorschläge, Anregungen oder Aufgaben gibt (Retzlaff & von Sydow 2015, 296). Diese dienen der Reflektion der bisherigen sowie der Exploration neuer Verhaltensweisen und dem Herausfinden aus einer Situation der Hilflosigkeit. Gerade für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist eine handlungs- und erlebniszentrierte Herangehensweise vielsprechend (ebd. 300). Für die Gesprächsführung ist wichtig, dass der Therapeut die Selbsterzählungen des Patienten wahrnimmt, reflektiert und ein empathisches Interesse widerspiegelt. Hierbei sind achtsames Zuhören und interessierte Nachfragen gefragt. Kritische, aber wertschätzende Nachfragen fördern die Reflektion bisheriger Verhaltensmuster (Hunger-Schoppe 2021, 93 f.). Der Therapeut geht auf das Gesagte ein und reagiert in einer angemessenen Weise auf die Erzählungen des Patienten. Er kann Angebote, Lösungsideen und Kritik vorbringen (ebd.). Die Gespräche sind durch ein Fokussieren von Alternativen zum derzeitigen Erleben gekennzeichnet.

Zurückhaltung bei Interpretationen und Ratschlägen: Die Systemische Therapie ist durch ein gemeinsames Suchen nach Alternativen zu destruktiven Verhaltens- und Interaktionsmustern gekennzeichnet. Da der Patient als autonomes Wesen gesehen wird, muss eine Veränderung der bisherigen Verhaltensweisen von „innen“ kommen. Eine Steuerung durch den Therapeuten verfehlt die Autonomie des Betroffenen und ruft gegebenenfalls Widerstand hervor. Zielführend ist es, eine Reflektion des Patienten anzustreben, welche die Sicht auf ungenutzte Ressourcen und neue Handlungsweisen eröffnet (Retzlaff & von Sydow 2015, 296). Die grundlegende Idee ist, dass sich der Therapeut auf die Ressourcen des Patienten und dessen Fähigkeit zur Selbstreflektion verlässt und nur bei Bedarf interveniert (vgl. Friehs & Gabriele 2021, 14) Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die Systemische Therapie durch eine gewisse Ergebnisoffenheit gekennzeichnet ist. Es gibt nicht die eine Lösung für ein Problem, sondern verschiedene Möglichkeiten, Symptome zu lindern.

Stärkung der persönlichen Ressourcen: Im Rahmen der Systemischen Therapie wird davon ausgegangen, dass die betroffenen sozialen Systeme die für die Problemlösung benötigten Ressourcen bereits in sich tragen und Veränderungen sich aus den ungenutzten Ressourcen des Systems heraus ergeben (Hunger-Schoppe 2021, 59; WBP 2009, 209 f.). Änderungen der Interaktionsmuster oder Verhaltensweisen werden in den Sitzungen initiiert, die Veränderung erfolgen aber primär zwischen Therapiesitzungen (von Sydow et al. 2007, 21). So gilt es die ungenutzten Ressourcen gemeinsam herauszuarbeiten und die Mobilisierung dieser zu stärken. Zentral ist hierbei, dem Patienten zu vermitteln, dass er eine gewisse Kontrolle über sein eigenes Leben hat und das ihn umgebende System sowie seine Verhaltens- und Interaktionsmuster (mit­) bestimmen kann. Wichtig ist das Fokussieren auf bisherige Erfolge und Stärken des Patienten, da dies stabilisierend, motivierend und förderlich auf das Gefühl von Selbstwirksamkeit wirkt (Schwing 2016, 165).

Anregung von Problemlösungen: Zuvor wurde bereits angesprochen, dass sich der Therapeut im Rahmen der Systemischen Therapie mit Ratschlägen und Interpretationen tendenziell zurückhält und nur bei Bedarf interveniert. Dies gilt auch für die Anregung von Lösungen. Diese soll nicht direkt erfolgen, etwa über vorgeschriebene Handlungen oder das Unterlassen von Handlungen. Vielmehr sollen durch geeignete Methoden, kritische Reflektionen, das Aufzeigen möglicher Handlungsalternativen und die Erweiterung der Wahrnehmung gemeinsam neue Handlungsweisen erarbeitet werden (Friehs & Gabriele 2021, 11). Die Patienten werden dabei unterstützt, selbst Lösungen zu finden. Hier unterstützt der Therapeut etwa im gemeinsamen Festlegen konkreter Schritte und bei der Ermittlung, welche Hilfe beim Erreichen dieser benötigt wird (Friehs & Gabriele 2021, 20).

3.2 Interventionsmethoden

Wie zu Beginn des Kapitels dargestellt, werden im Rahmen der systemischen Therapie vor allem strukturelle Methoden (z.B. Joining, Enactment) strategische Methoden (z.B. Positive Umdeutungen/ Reframing, Symptomverschreibungen), symbolisch-metaphorische Methoden (z.B. Genogramm, Familienskulptur), zirkuläre Methoden (z.B. Paradoxe Intervention, zirkuläres Fragen), lösungsorientierte Methoden (z.B. Wunderfragen, Ausnahmefragen) und dialogische Methoden (z.B. Reflecting Team, Offener Dialog) angewandt (WBP 2009, 209; von Sydow et al. 2007, 22-25). Hier sollen zum Verständnis einige charakteristische Methoden dargestellt werden (für weitere Methoden siehe etwa von Schlippe & Schweitzer 2019; Hunger- Schoppe 2021)

Umdeutungen/ Reframing: Dem Konzept des Reframings liegt die Annahme zugrunde, dass die Art und Weise, wie über ein Problem gesprochen wird, die Qualität des Problems beeinflusst. In diesem Rahmen stellt das Reframing eine Grundlage systemischer Praxis dar. Insgesamt geht es darum, Gespräche und Erfahrungen zu hinterfragen und in einem anderen Rahmen zu betrachten. Unterschieden werden kann hier das Bedeutungsframing (Welche andere Bedeutung kann dem Erlebten oder der Perspektive, unter der das Erlebte betrachtet wird, zukommen?), Kontextframing (Gibt es einen Kontext, in welchem das Verhalten oder Problem sinnvoll oder hilfreich wäre?) und Inhaltsframing (Kann das Verhalten gut gemeint oder in anderen Situationen hilfreich sein?). Beim Reframing geht es darum, Erlebtes in einem anderen Kontext zu betrachten und ein kritisches Reflektieren zu fördern. So soll das Erlebte nicht mehr als „absolut“ betrachtet und stattdessen neue Bedeutungs- und Handlungsperspektiven eröffnet werden. (von Schlippe & Schweitzer 2019, 76-82)

Genogramm: Im Rahmen der Genogrammarbeit wird der Kontext, der die Entwicklung der betroffenen Person bestimmt hat, erarbeitet und die zugrundeliegenden Beziehungsmuster bildlich dargestellt. Hierbei wird der Familienstammbaum mitsamt zugehörigen Informationen (z.B. Geschlecht, Alter, Wohnorte, Krankheiten, Eigenschaften, Einstellungen), Beziehungen und Verwandtschaften (z.B. Geschwister, Heirat, Scheidung, Konflikte, Familienatmosphäre) erfasst. Auch Personen, die nicht mehr Teil der Familie sind, zu denen aber eine Verbindung bestand, können berücksichtigt werden (z.B. Ex-Partner, Kinder aus früheren Beziehungen). Hier rücken familiäre Beziehungen und Erfahrungen, sowie Bezüge zu den Krankheitssymptomen der betroffenen Person (z.B. Auftreten der Symptome, Reaktionen der Familienmitglieder) in den Vordergrund. Im Rahmen der Genogrammarbeit sollen familiäre Strukturen dargestellt, objektiv wirkende Faktoren hinterfragt und persönliche Erlebnisse betrachtet werden. Es soll ein Ausgangspunkt für Gespräche geschaffen werden. Ziel ist zudem eine Distanzierung von dem Erlebten und eine Eröffnung alternativer Sichtweisen auf das Geschehene, die bestehenden Interaktions- und Kommunikationsmuster sowie das Beziehungsgefüge. Auch sollen hierauf aufbauend Hypothesen für das weitere therapeutische Vorgehen erarbeiten werden. (Hunger-Schoppe 2021, 103 ff.; von Sydow et al. 2007, 23; von Schlippe & Schweitzer 2019, 36 f.)

[...]


1 Im Rahmen dieser Arbeit wird nur von „Patienten“ oder „dem Patienten“ gesprochen. Hiermit sind Personen aller Geschlechter gleichermaßen gemeint. Bezieht sich eine Aussage nicht auf alle Geschlechter, so wird dies hervorgehoben.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Systemische Therapie bei der Behandlung psychischer Störungen. Ein Überblick über Techniken, Methoden und Wirksamkeit
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,0
Autor
Jahr
2022
Seiten
19
Katalognummer
V1263966
ISBN (Buch)
9783346709851
Sprache
Deutsch
Schlagworte
systemische, therapie, behandlung, störungen, überblick, techniken, methoden, wirksamkeit
Arbeit zitieren
Laura Fuchs (Autor:in), 2022, Systemische Therapie bei der Behandlung psychischer Störungen. Ein Überblick über Techniken, Methoden und Wirksamkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1263966

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