In ihrem Buch Gerechtigkeit oder das gute Leben präsentiert Martha Nussbaum den aristotelischen Ansatz für eine Theorie der Verteilungs gerechtigkeit. In einem ersten Schritt präsentiert sie eine Beschreibung essentieller menschlicher Funktionen und in einem zweiten Schritt eine
Liste menschlicher Fähigkeiten. Ausgehend von der Liste menschlicher Fähigkeiten, lassen sich sowohl, ein menschliches als auch ein gutes menschliches Leben definieren. Nussbaum verbindet damit nach aristotelischem Vorbild Politik und Ethik in einer sogenannt "dicken"
Konzeption des guten Lebens, welche vom Staat verlangt, die Voraussetzungen zur Förderung jener, ein gutes Leben konstituierenden Fähigkeiten zu schaffen. Die Bezeichnung "dicke Konzeption des Guten" rührt von der von Martha Nussbaum vorgestellten expliziten Liste
menschlicher Grundfähigkeiten, die bei einem Menschen ausgebildet sein müssen, um von einem menschlichen Leben bzw. einem guten menschlichen Leben sprechen zu können. Nussbaums Konzeption ist deshalb aristotelisch, weil sie besagt, dass sich der Wert von Gütern erst
aus deren Nutzen für Tätigkeiten der Menschen ergibt.
In dieser Arbeit wird eine Interpretation von Martha Nussbaum "Gerechtigkeit oder das gute Leben" vorgenommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Nussbaums Fähigkeitenansatz - Abgrenzung gegenüber dem Utilitarismus
1.1 Die Fähigkeitenliste
1.2 Rolle des internalistischen Realismus
2. Probleme bei der Verwendung des internalistischen Realismus
2.1 Auswahlkriterien
2.2 Rationalitätskriterien
3. Schlusswort
4. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch Martha Nussbaums Fähigkeitenansatz und dessen Abgrenzung zum Utilitarismus. Dabei wird insbesondere untersucht, inwiefern Nussbaums Verwendung des internalistischen Realismus sowie die Etablierung einer universalen Fähigkeitenliste methodische und philosophische Probleme aufwirft, die den Anspruch auf universelle Geltung gefährden könnten.
- Grundlagen des Fähigkeitenansatzes nach Martha Nussbaum
- Kritische Auseinandersetzung mit dem internalistischen Realismus
- Herausforderungen bei der Definition universeller Fähigkeitenlisten
- Methodische Problematik der Auswahlkriterien für Selbstinterpretationen
- Diskussion von Rationalitätskriterien im Kontext interkultureller Vergleiche
Auszug aus dem Buch
1. Nussbaums Fähigkeitenansatz - Abgrenzung gegenüber dem Utilitarismus
In ihrem Buch Gerechtigkeit oder das gute Leben präsentiert Martha Nussbaum den aristotelischen Ansatz für eine Theorie der Verteilungsgerechtigkeit. In einem ersten Schritt präsentiert sie eine Beschreibung essentieller menschlicher Funktionen und in einem zweiten Schritt eine Liste menschlicher Fähigkeiten. Ausgehend von der Liste menschlicher Fähigkeiten, lassen sich sowohl ein menschliches als auch ein gutes menschliches Leben definieren. Nussbaum verbindet damit nach aristotelischem Vorbild Politik und Ethik in einer sogenannt "dicken" Konzeption des guten Lebens, welche vom Staat verlangt, die Voraussetzungen zur Förderung jener, ein gutes Leben konstituierenden Fähigkeiten zu schaffen. Die Bezeichnung "dicke Konzeption des Guten" rührt von der von Martha Nussbaum vorgestellten expliziten Liste menschlicher Fähigkeiten, die bei einem Menschen ausgebildet sein müssen, um von einem menschlichen Leben bzw. einem guten menschlichen Leben sprechen zu können. Nussbaums Konzeption ist deshalb aristotelisch, weil sie besagt, dass sich der Wert von Gütern erst aus deren Nutzen für Tätigkeiten der Menschen ergibt.
Ihr Ansatz unterscheidet sich von der utilitaristischen Vorstellung, welche die Gleichverteilung einer Menge von Grundgütern vorsieht, deren Wert sich aus individuellen Präferenzen und nicht aus einer Konzeption des Guten ergeben. Der Utilitarismus propagiert also lediglich die Maximierung des gesellschaftlichen Gesamtnutzens und beschränkt so die Verantwortung des Staates gegenüber dem Individuum auf eine minimale Nachtwächterrolle, weshalb er auch als "dünne Konzeption" bezeichnet wird. Nussbaum verwirft aber nicht nur die utilitaristische Vorstellung, dass die blosse Bereitstellung von Grundgütern zur Herstellung von Verteilungsgerechtigkeit ausreiche, sondern sie rückt vielmehr das Individuum via dessen Fähigkeiten ins Zentrum der Staatstätigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Nussbaums Fähigkeitenansatz - Abgrenzung gegenüber dem Utilitarismus: Dieses Kapitel erläutert den aristotelisch geprägten Fähigkeitenansatz und stellt ihn dem utilitaristischen Modell gegenüber, wobei der Fokus auf der Förderung individueller Fähigkeiten statt auf der reinen Ressourcenverteilung liegt.
2. Probleme bei der Verwendung des internalistischen Realismus: Hier werden die methodischen Schwierigkeiten analysiert, die entstehen, wenn Nussbaum versucht, den Anspruch auf universelle Gültigkeit ihres Ansatzes durch den internalistischen Realismus zu rechtfertigen.
3. Schlusswort: Das Schlusswort bilanziert, dass Nussbaums Ansatz trotz inhaltlicher Stärken mit dem Dilemma zwischen offener Individualisierung und deterministischer Universalität zu kämpfen hat.
4. Literatur: Dieses Verzeichnis listet sämtliche herangezogenen Primär- und Sekundärquellen der Untersuchung auf.
Schlüsselwörter
Fähigkeitenansatz, Martha Nussbaum, Utilitarismus, Verteilungsgerechtigkeit, internalistischer Realismus, Aristotelismus, Lebensqualität, Grundgüter, politische Philosophie, Universalismus, Kulturimperialismus, Rationalitätskriterien, Selbstinterpretation, ethische Grundprinzipien, menschliche Funktionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Untersuchung von Martha Nussbaums Fähigkeitenansatz und dessen kritischer Abgrenzung zu utilitaristischen Verteilungstheorien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen der aristotelische Fähigkeitsbegriff, die Auseinandersetzung mit dem internalistischen Realismus sowie die Herausforderungen einer universalen Ethik in einer kulturell pluralistischen Welt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, ob der Fähigkeitsansatz die methodischen Hürden des internalistischen Realismus überwinden kann, um universelle Gültigkeit für sich zu beanspruchen, ohne dabei in die Falle des Kulturimperialismus zu tappen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-analytische Methode, die auf Literaturanalyse und der kritischen Prüfung von Begriffsdefinitionen und Rechtfertigungsstrategien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Fähigkeitsansatzes und die spezifische Problemdebatte um die Auswahlkriterien von Selbstinterpretationen sowie die angewandten Rationalitätskriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Fähigkeitenansatz, Utilitarismus, internalistischer Realismus, Verteilungsgerechtigkeit und der universelle Geltungsanspruch ethischer Normen.
Warum spielt der internalistische Realismus eine so wichtige Rolle für Nussbaum?
Er dient als methodisches Fundament, um zu beweisen, dass eine Theorie auch dann als wahr gelten kann, wenn sie menschliche Erfahrungen und Überzeugungen mit objektiven ethischen Prinzipien in Einklang bringt.
Welche Kritik wird in Bezug auf den Kulturimperialismus geäußert?
Es wird kritisiert, dass Nussbaums Katalog universeller Fähigkeiten als westlich geprägt wahrgenommen werden könnte, was das Risiko birgt, lokale Traditionen zu missachten oder zu verdrängen.
- Arbeit zitieren
- Elena Holzheu (Autor:in), 2004, Zur Verwendung des internalistischen Realismus bei Martha C. Nussbaums Fähigkeitenansatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126404