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Die Person in Ritualen bei den Tobelo

Title: Die Person in Ritualen bei den Tobelo

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Kristin Müller-Wenzel (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Die Arbeit befasst sich mit der Funtkion von Personen in religiösen Ritualen bei den Tobelo in Indonesien. Persönlichkeit und die eigene Person werden in unseren westlichen Gesellschaften meist mit Individualismus in Verbindung gebracht. Eine Person charakterisiert sich durch ihre individuellen Eigenschaften, sowohl im Charakter als auch in der Erscheinung. Doch wie sieht das in anderen Gesellschaften aus? Steht das Individuum auch über der Gemeinschaft? Oder tritt die Person gegenüber der Gesellschaft zurück? Wodurch zeichnet sich aber dann die einzelne Person aus? Der Bergriff der Person wurde als erste von Durkheim in der Ethnologie eingeführt. Er unterschied dabei Person und Individuum
(Kramer 2000: 108). Dem Individuum ordnete Durkheim die Gefühle und Leidenschaft zu, dagegen wird durch die Person Vernunft und Moral verkörpert. Auf Grund dieser Unterscheidung stellt Mauss die These der moralischen Person und des Ichs, "die er als nicht angeborene, sondern historisch gewordene Kategorie des menschlichen Geistes auffasste" (Kramer 2000: 108). Für das Konzept der moralischen Person zieht Mauss die Maske im griechischen Theater heran. Hierbei stellt der Schauspieler hinter der Maske die moralische Person da, die die moralischen Werte der Gesellschaft vermittelt. In Bezug zum Christentum wird aus der Maske die Idee der Seele "to arrise finally at the notion of a unity, of body and soul, mind and conscience, tought and action which is summed up in the concept of the induvidual which Mauss labelled (...) 'la personne morale'. (La
Fontaine 1985: 124). Demnach ist die Persönlichkeit eines Menschen durch den Einfluss seiner Umgebung entstanden und steht immer im Zusammenhang mit seiner sozialen Position in der: Gesellschaft. Auch Radcliff-Brown unterscheidet zwischen einen Individuum und der Person, wobei das Individuum der biologische Mensch ist und die Person der Mensch in seinem gesellschaftlichen Kontext. Somit sind nicht beide Aspekte eines Menschen durch seine Gesellschaft beeinflusst, sondern nur der Aspekt der Person, da das Individuum nur durch die biologischen Merkmales eines Menschen gekennzeichnet ist. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ETHNOGRAPHISCHE DATEN

2.1. Soziale Kategorien

3. DIE PERSON

3.1. Der Entstehungsmythos

3.2. Komponenten der Person

4. RITUALE

4.1. Das erste Beerdigungsritual

4.2. Das zweite Beerdigungsritual

4.3. Das Hochzeitsritual

5. DIE PERSON IN DEN RITUALEN

6. DER WANDEL DER PERSON DURCH DEN EINFLUSS DES CHRISTENTUMS

6. 1. Neujahrsparade und Kirchenauktion

6.2. Einfluss auf das Konzept der Personen

7. ZUSAMMENFASSUNG

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht das Konzept der Person bei den Tobelo auf den Nordmolukken und analysiert, wie dieses Verständnis durch soziale Beziehungen und spirituelle Komponenten geprägt ist. Die Forschungsfrage widmet sich der Bedeutung von Ritualen für die Konstituierung und Transformation des Personseins sowie dem Einfluss des Christentums auf diese traditionellen Konzepte.

  • Konzeptualisierung der Person (gikiri, gurumini, Körper)
  • Bedeutung der ma dutu-Beziehungen zu Ahnen und Göttern
  • Die Rolle der Beerdigungs- und Hochzeitsrituale bei der Identitätsstiftung
  • Transformation traditioneller Strukturen durch christliche Einflüsse
  • Der soziale Kontext und die Bedeutung des Austauschs von Ressourcen

Auszug aus dem Buch

3.2. Komponenten der Person

Damit aus einem Menschen eine vollständige Person wird benötigt es drei Komponenten. Neben dem lebenden Körper sind das gurumini und das gikiri von großer Bedeutung.

Das gurumini ist das Images des Menschen, das man durch die körperliche Erscheinung, den Namen und das soziale Bild, das andere von jemand haben erkennen. Es überdauert den Tod und Ahnen bestehen nur noch aus gurumini. Es unterliegt einem ständigem Entwicklungsprozess und kann durch das Töten von Menschen und Tieren vergrößert und gestärkt werden, vor allem die Männer sind bemüht ihr gurumini zu erweitern (Platenkamp 1988'.143). Das gurumini erhält jeder Mensch während seiner Geburt durch den höchsten Gott (jou ma dutu), das gurumini gibt dem Menschen jedoch noch keine Identität wie ein Name. Den Namen erhält das Kind erst durch den Vater. Er geht auf die Jagd und muss ein Tier erlegen, von dem weder er noch einer seiner Ahnen sein gurumini erhalten hat. Die Mutter isst das erlegte Tier und gibt so das gurumini des Tieres durch die Muttermilch an das Kind weiter. Das Tier stärkt dadurch nicht nur das gurumini des Kindes, es ist auch gleich der Namensgeber des Kindes (Platenkamp 1988: 137). Durch die Namensgebung entsteht zwischen dem Tier und dem Kind eine ma dutu -Beziehung, das zum älteren Bruder und somit auch zum Besitzer des Kindes wird. Eine weitere a dutu -Beziehung entsteht auch zwischen dem Kind mit seinem Vater und dessen Ahnen die dem Kind seine Identität geben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in die ethnologische Diskussion um Person und Individuum sowie die theoretische Verortung im Kontext der Tobelo-Gesellschaft.

2. ETHNOGRAPHISCHE DATEN: Beschreibung der Lebensweise der Tobelo auf den Nordmolukken mit Fokus auf sozialen Einheiten wie der Hausgemeinschaft (fam).

3. DIE PERSON: Erläuterung des Schöpfungsmythos und der essenziellen Komponenten, aus denen sich die Person bei den Tobelo zusammensetzt.

4. RITUALE: Detaillierte Betrachtung der Beerdigungs- und Hochzeitsrituale und deren Bedeutung für die soziale Ordnung.

5. DIE PERSON IN DEN RITUALEN: Analyse der rituellen Praxis als Mechanismus zur Stärkung der sozialen und spirituellen Komponenten der Person.

6. DER WANDEL DER PERSON DURCH DEN EINFLUSS DES CHRISTENTUMS: Untersuchung der Anpassung ritueller Strukturen an christliche Gebräuche wie die Kirchenauktion.

7. ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Abhängigkeit der Person von ma dutu-Beziehungen und ritueller Integration.

Schlüsselwörter

Tobelo, Person, Identität, Ritual, Ahnen, ma dutu, gurumini, gikiri, Beerdigung, Hochzeit, Sozialstruktur, Christianisierung, Ethnologie, Nordmolukken, Familiensystem.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem Verständnis von Persönlichkeit und Personsein in der Gesellschaft der Tobelo auf den Nordmolukken.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Person, die Bedeutung von rituellen Handlungen für den sozialen Zusammenhalt sowie der Einfluss externer Faktoren wie des Christentums.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es wird erforscht, wie sich eine Person bei den Tobelo konstituiert und inwiefern soziale und spirituelle Beziehungen durch Rituale aufrechterhalten werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Die Arbeit stützt sich auf ethnographische Daten und eine kulturwissenschaftliche Analyse, insbesondere unter Rückgriff auf die Arbeiten von Platenkamp.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Bestandteile der Person (gikiri, gurumini), die Abfolge und Bedeutung von Beerdigungs- und Hochzeitsritualen sowie deren Wandel im Laufe der Zeit.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?

Die wichtigsten Schlagworte sind Person, Tobelo, Rituale, ma dutu-Beziehungen und Ahnenkult.

Wie beeinflusst das Konzept des "lebendigen Geldes" die Totenrituale?

Das Geld fungiert als Träger eines Images, ersetzt den Verstorbenen als soziale Entität und ermöglicht durch den Umlauf die Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen zu den Ahnen.

Inwieweit hat das Christentum die traditionellen Rituale der Tobelo verändert?

Traditionelle Abläufe wurden teilweise ersetzt oder modifiziert, wobei Strukturen wie das Sammeln von Früchten oder der Brautpreisaustausch in christlich geprägte Formen wie Kirchenauktionen überführt wurden.

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Details

Title
Die Person in Ritualen bei den Tobelo
College
University of Münster
Grade
1,3
Author
Kristin Müller-Wenzel (Author)
Publication Year
2004
Pages
19
Catalog Number
V126440
ISBN (eBook)
9783640323616
ISBN (Book)
9783640321599
Language
German
Tags
Indonesien Religion Tobelo Rituale
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kristin Müller-Wenzel (Author), 2004, Die Person in Ritualen bei den Tobelo, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126440
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