Die Person in Ritualen bei den Tobelo


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ethnographische Daten
2.1. Soziale Kategorien

3. Die Person
3.1. Der Entstehungsmythos
3.2. Komponenten der Person

4. Rituale
4.1. Das erste Beerdigungsritual
4.2. Das zweite Beerdigungsritual
4.3. Das Hochzeitsritual

5. Die Person in den Ritualen

6. Der Wandel der Person durch den Einfluss des Christentums
6.1. Neujahrsparade und Kirchenauktion
6.2. Einfluss auf das Konzept der Personen

7. Zusammenfassung

8. Literaturangaben

1. Einleitung

Persönlichkeit und die eigene Person werden in unseren westlichen Gesellschaften meist mit Individualismus in Verbindung gebracht. Eine Person charakterisiert sich durch ihre individuellen Eigenschaften, sowohl im Charakter als auch in der Erscheinung. Doch wie sieht das in anderen Gesellschaften aus? Steht das Individuum auch über der Gemeinschaft? Oder tritt d i e Person gegen ü ber der Gesellschaft zurück? Wodurch zeichnet sich aber dann die einzelne Person aus? Der Bergriff der Person wurde als erste von Durkheim in der Ethnologie eingeführt. Er unterschied dabei Person und Individuum

(Kramer 2000: 108). Dem Individuum ordnete Durkheim die Gefühle und Leidenschaft zu, dagegen wird durch die Person Vernunft und Moral verkörpert. Auf Grund dieser Unterscheidung stellt Mauss die These der moralischen Person und des Ichs, "die er als nicht angeborene, sondern historisch gewordene Kategorie des menschlichen Geistes auffasste" (Kramer 2000: 108). Für das Konzept der moralischen Person zieht Mauss die Maske im griechischen Theater heran. Hierbei stellt der Schauspieler hinter der Maske die moralische Person da, die die moralischen Werte der Gesellschaft vermittelt. In Bezug zum Christentum wird aus der Maske die Idee der Seele "to arrise finally at the notion of a unity, of body and soul, mind and conscience, tought and action which is summed up in the concept of t he induvidual which Mauss la b elled ( ... ) 'la personne morale'. (La

Fontaine 1985: 124). Demnach ist die Persönlichkeit eines Menschen durch den Einfluss seiner Umgebung entstanden und steht immer im Zusammenhang mit seiner sozialen Position in der: Gesellschaft.[1] Auch Radcliff-Brown unterscheidet zwischen einen Individuum und der Person, wobei das Individuum der biologische Mensch ist und d ie Person der Mensch in seinem gesellschaftlichen Kontext.[2] Somit sind

nicht beide Aspekte eines Menschen durch seine Gesellschaft beeinflusst, sondern nur der Aspekt der Person, da das Individuum nur durch die biologischen Merkmales eines Menschen gekennzeichnet ist. Damit stellt Radcliff-Brown auch keinen zwingenden Zusammenhang zwischen den beiden Komponenten her.[3] Diese strenge Unterteilung nimmt La Fontaine nicht vor, er unterscheidet weiterhin zwischen Person und Individuum , jedoch gehört beides zu eine kompletten Person.[4] Somit wird in der Ethnologie zwischen der Person und dem Individuum unterschieden. Das Individuum, das sich vor allem durch biologische Merkmale verdeutlicht wird von der Person unterschieden, die durch gesellschaftliche Faktoren sich entwickelt. Für die Entwicklung einer Person sind nicht nur die Beziehungen innerhalb der Gesellschaft[5] von Bedeutung, auch wenn sie die Grundlage bilden auf der sich eine vollständige Person entwickeln kann, sondern auch die Beziehung zu den Ahnen und zu Göttern.

Bei den Tobelo in Indonesien wird ein Mensch nicht nur durch seine unmittelbare Umgebung zu einer Person, sondern auch durch den Einfluss seiner Ahnen und durch Götter. Somit besteht ein Mensch nicht nur aus einer Komponente, er setzt sich aus mehreren zusammen damit er eine vollständige Person wird. Auch das Individuum spielt bei der Personwerdung eine Rolle, denn wenn man sich auf Radcliff-Brown T hese bezieht, bei d er, d e r Mensch auch ein e biologisches Wesen ist, so ist das Individuum die Grundlage auf der sich dann die Person aufbaut.

2. Ethnographische Daten

Die Tobelo leben auf den Nordmolukken, sowohl im nördlichen Teil der Halbinsel von Halmahera, wie auch auf der Morotai Insel vor der nördlichen Küste. Die Tobelo umfassen ca. 20000 Menschen, von denen die meisten in Küstendörfern im

Subdistrikt von Tobelo wohnen. Seit der niederländische Missionierung ~

im 20 . Jahrhundert konvertierte die Mehrzahl der Bewo h ner zum Protestantismus. Sie sprechen eine Nicht-austronesische-Sprache (Platenkamp 1992: 74).

2.1. Soziale Kategorien

Die wichtigste soziale Einheit bei den T obelo bildet die Hausgemeinschaft (fam) , die aus Nuklearfamilien besteht, bei denen sich Familien von verheirateten Kinder anschließen können. Die ideale Form der Hausgemeinschaft ist bestimmt durch patrilinearen Beziehungen, die auf der Vorstellung des 'Stammes' (o utu). Dabei umfasst der 'Stamm' die männliche Linie. Die männlichen Nachkommen bleiben auf dem Familieterritorium und bestellen hier auch die Plantagen. Der Name eines fam wird von dem Vater zum

Sohn weitergegeben. Die weiblichen Nachkommen einer Familie werden mit Blüten bzw. Blumen (ma hohoko) gleichgesetzt. Die Schwestern und Töchter verlassen den fam und heiraten in einen anderen ein. Die Mitglieder eines fam erkennt man nicht nur an dem gemeinsamen Namen, sondern auch an ihrer Dazugehörigkeit zu einem bestimmten Stück Land und Wasser, welches mit der Hausgemeinschaft in Verbindung gebracht wird.

Über die soziale Einheit eines fam ordnet sich die soziale Einheit des Hauses, die aus mehren fam besteht. Diese einzelnen fam unterteilen sich in ältere und jüngere Brüder, die durch patriliniere Beziehungen definiert werden (Platenkamp 1992: 76). Ein Haus basiert nicht nur

auf den patrilinearen Verwandtschaftsbeziehung, sondern auch auf der Vorstellung eines gemeinsamen Ursprungs (o ahali moi), der sich außer auf das gemeinsame Territorium eines Hauses auch auf einen gemeinsamen Urahnen, der durch eine bestimmte Tierart verkörpert wird. Diese gemeinsame Urahn gibt dem fam auch seine Namen. Um an die natürlichen Ressourcen des Territoriums zu kommen müssen die Menschen eine Beziehung zu den Ahne, die Anspruch auf die Ressourcen haben, herstellen (Platenkamp 1992: 76). Dabei ordnen sich die Menschen den Ahnen unter. Um diese hierarchische Beziehung zu verdeutlichen tritt das Konzept des ma dutu auf. Es dient dazu die Abhängigkeit eines untergeordneten Elements zu einem übergeordneten zu verdeutlichen. Alle Elemente des Universums stehen zu anderen Elementen in einer ma dutu Beziehung, so auch jede einzelne Person (Platenkamp 1992: 77). Bei der Unterbrechung einer solche Beziehung zu seinem spirituellen Besitzer führt zur Entfremdung und schließlich zum Tod.

3. Die Person

3.1. Der Entstehungsmythos

Der Mythos von den nahen verwandten Galela (Platenkamp 1992: 77), erzählt eine ähnliche Entstehungsgeschichte , wie die der Tobelo . Der erste Mann und die erste Frau wurden aus der Erde geformt, so wie auch ein Paar aus jedem anderen Lebewesen. Jedoch fehlte ihnen das Image und die Menschen waren unvollständig. Dieses Image bekamen sie von den Besitzern des Landes (o tonaka ma du tu), die von unspezifischen Landbesitzern zu den Besitzern des Landes der jeweiligen Ethnie werden. Die spirituellen Besitzer sind immer ein weibliches und männliches Tier einer bestimmten Spezies. Nachdem nun die beiden Menschen vollständig waren konnten sie sich jetzt auch fortpflanzen und sie bekamen einen vollständigen Sohn.

[...]


[1] " ( ... ) wich deal for the most part with the relationship existing in time and space between the speaker (the subject) and the object about which he is speaking." (Mauss 1985: 3)

[2] "Every human being living in society is two things: he is an individual and he is also a person. As an individual he is a biological organism Human beings as individuals are objects of s t u d y for physiologists and psychologists. The human being as a person i s a complex of social relationships As a person the human being is the object of study for social anthropologists". (J.S. La Fontame 1985'. 125)

[3] Hierzu nimmt Radcliff-Brown das Beispiel des christlichen Gottes heran. In diesem Gott vereinigen sich drei Personen in einem Individuum (J.S. La Fontaine 1985: 125).

[4] "The completed person, ( ... ) is the product of a whole life." (La Fontaine 1985: 132)

[5] Mit Gesellschaft meine ich die Beziehungen zu noch lebenden Personen in einer Gesellschaft, da ansonsten auch schon die Ahnen, die auf gewisse Weise in eine Gesellschaft der Lebenden integriert sind, mit dazu zählen würde.

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Details

Titel
Die Person in Ritualen bei den Tobelo
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V126440
ISBN (eBook)
9783640323616
ISBN (Buch)
9783640321599
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Indonesien, Religion, Tobelo, Rituale
Arbeit zitieren
Kristin Müller-Wenzel (Autor), 2004, Die Person in Ritualen bei den Tobelo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126440

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