Diese Arbeit setzt sich mit der Kurzgeschichte "Selbstversuch" von Christa Wolf auseinander. Dabei liegt das Augenmerk, auf der Entwicklung der Geschlechtsidentität der Protagonistin. Außerdem werden Parallelen wie auch Unterschiede zu dem Transsex- und Intersex-Diskurs untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Selbstversuch“ - Allgemeines zum Werk
2.1. Kurzbiographie der Autorin
2.2. Inhalt
2.3. Entstehung
2.4. Aufbau
2.5. Personen
2.5.1. Die Traktatschreiberin
2.5.2. Der Professor
2.5.3. Doktor Rüdiger
2.5.4. Irene
2.5.5. Beate
2.5.6. Anna
2.5.7. Sonstige Personen
2.6. Sprache und Stil
2.7. Rezeptionsgeschichte
3. Analyse und Interpretation der Geschlechtsverwandlung
3.1. Gründe für den Selbstversuch
3.2. Ablauf der Geschlechtsverwandlung
3.3 Auswirkungen des neuen biologischen Geschlechts auf das wahre Selbst
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der Kurzgeschichte „Selbstversuch“ von Christa Wolf aus dem Jahr 1973. Das primäre Ziel ist die Analyse der Identitätsentwicklung der Protagonistin, die sich durch ein fiktives Präparat in einen Mann verwandelt, sowie die Untersuchung der literarischen Darstellung von Geschlechterrollen im Vergleich zu zeitgenössischen Transsex- und Intersex-Diskursen.
- Identitätskrisen und soziale Geschlechterrollen
- Literarische Verarbeitung von Geschlechtertausch
- Sozialkritik und Geschlechterpolaritäten in der Literatur
- Die Rolle der „inneren weiblichen Stimme“
- Kritik an gesellschaftlichen Zwängen und Erwartungen
Auszug aus dem Buch
3.2. Ablauf der Geschlechtsverwandlung
Der Text kann aufgrund der in ihm erwähnten technischen Errungenschaften dem Genre der „science-fiction“ zugeordnet werden. Er spielt vom Erscheinungsdatum der Geschichte aus 20 Jahre in der Zukunft, im Jahr 1992. Trotzdem das gegenwärtige Jahr bereits ein späteres ist, werden Elemente und Geschehnisse vorgebracht, die aus dem Bereich des Phantastischen stammen.
So vollzieht sich die Verwandlung der Frau in einen Mann fern jeglicher realen chirurgischen Maßnahmen, alleine durch die Einnahme eines fiktiven Medikaments mit dem Namen „Petersein Masculinum 199“. Zunächst bekommt die Versuchsperson eine Injektion, welche sie einschlafen lässt. Dann werden ihr in Fünf-Stunden-Abständen weitere neun Dosen des Präparats verabreicht, welche sie in einen Mann verwandeln. Die Protagonistin berichtet davon, während des Geschlechtertauschvorganges im Schlaf geträumt zu haben. Schließlich erwacht sie ohne jegliche Beschwerden: „Benommenheit keine, Übelkeit keine. Körperliches Wohlgefühl und ein unbändiges Bedürfnis nach Bewegung in frischer Luft [...].“
Im Prinzip ist die Protagonistin nun eine Transsexe. Was sie gemeinsam hat mit realen Transsexen, sind die Schwierigkeiten, den Geschlechtswechsel medizinisch durchzuführen. So schreibt Sigrid Schmitz: „[...] für Transsexe [wird] die Operation zur Veränderung des zuvor eindeutigen Körpers eher erschwert.“ Und auch für die Protagonisten in Christa Wolfs Kurzgeschichte Selbstversuch war der Weg zum Geschlechtswandel ein langer. Von dem Beschluss, das Geschlecht zu wechseln, bis hin zur Versuchsdurchführung vergingen ganze 14 Jahre. Außerdem wurde sie vor die Wahl gestellt entweder den Versuch und ihre wissenschaftliche Karriere aufzugeben oder ihre Beziehung mit Ex-Freund Bertram.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Kurzgeschichte „Selbstversuch“ ein und skizziert das Forschungsinteresse bezüglich der Geschlechtsidentität der Protagonistin.
2. „Selbstversuch“ - Allgemeines zum Werk: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über Christa Wolfs Biographie, den Inhalt der Erzählung, ihre Entstehung, den Aufbau, die Charakterisierung der Figuren sowie Sprache und Rezeptionsgeschichte.
3. Analyse und Interpretation der Geschlechtsverwandlung: Hier werden die Beweggründe für den Selbstversuch analysiert, der Ablauf der Verwandlung mit der Realität kontrastiert und die Auswirkungen auf das „wahre Selbst“ der Protagonistin untersucht.
4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Protagonistin trotz ihres körperlichen Wandels in eine Identitätskrise gerät und erkennt, dass die Gesellschaft anstatt ihrer selbst verändert werden muss.
Schlüsselwörter
Christa Wolf, Selbstversuch, Geschlechtertausch, Geschlechtsidentität, Identitätskrise, Geschlechterrollen, Science-Fiction, Literaturanalyse, DDR-Literatur, Transsexe, Intersex, Rollenbild, Sozialkritik, Geschlechterpolaritäten, Humanhormonethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die 1973 veröffentlichte Kurzgeschichte „Selbstversuch“ von Christa Wolf und analysiert das Thema Geschlechtsidentität sowie die Auswirkungen eines vollzogenen Geschlechtertauschs auf die Protagonistin.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Identitätssuche der Protagonistin, die Stereotypisierung von Mann-Frau-Rollen in der Literatur, die wissenschafts- und gesellschaftskritischen Aspekte sowie der Kontrast zwischen Fiktion und Realität bei Geschlechtsumwandlungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Kernforschungsfrage?
Das Ziel ist die Ergründung, wie sich die Protagonistin in ihrer neuen männlichen Identität verhält, welche persönlichen Konflikte daraus resultieren und inwiefern der „Selbstversuch“ als Kritik an gesellschaftlichen Rollenbildern zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext durch Sekundärliteratur (Literaturforschung) interpretiert und in den Kontext von Geschlechterdiskursen einbettet.
Welche Inhalte werden im Hauptteil explizit behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Entstehungsgeschichte und den Aufbau, analysiert die Beweggründe der Protagonistin, vergleicht die fiktive „Verwandlung“ mit realen Prozessen der Geschlechtsanpassung und reflektiert die Entfremdung von ihrem ursprünglichen Selbst.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Geschlechteridentität, Christa Wolf, Selbstversuch, Rollenklischees, Geschlechterpolaritäten und gesellschaftliche Transformation.
Warum wählt die Protagonistin für ihren Tausch den Namen „Anders“?
Der Name symbolisiert ihre neue Existenzweise als Mann, die sich jedoch zunehmend als Entfremdung von ihrer ursprünglichen weiblichen Identität entpuppt und sie in eine Identitätskrise führt.
Welche Rolle spielt der Professor in der Geschichte?
Der Professor ist nicht nur Vorgesetzter, sondern das Zentrum der unerfüllten Sehnsucht der Protagonistin; der „Selbstversuch“ dient ihr unter anderem dazu, seinem „Geheimnis“ auf die Spur zu kommen und eine Verbindung zu ihm herzustellen.
- Arbeit zitieren
- Katharina Schmutterer (Autor:in), 2012, Geschlechtsidentität in Christa Wolfs Kurzgeschichte "Selbstversuch", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1264669