Mobbing und Bullying in der Schule

Definitionen, Präventionsmöglichkeiten und Maßnahmen gegen Mobbing in der Schule


Hausarbeit, 2008
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Mobbing und Bullying
2.1 Der Begriff „Mobbing“
2.2 Der Begriff „Bullying“

3. Mobbing in der Schule
3.1 Woran erkennt man Mobbing innerhalb der Klasse?
3.2 Was verursacht Mobbing in der Schule?
3.2.1 Mehr Mobbing an Großstadtschulen!?
3.2.2 Mehr Mobbing durch große Schulen und Klassen!?
3.2.3 Mehr Mobbing durch starken Konkurrenzkampf!?
3.2.4 Mehr Mobbing bei äußerlichen Auffälligkeiten!?
3.3 Kennzeichen eines Täters
3.4 Kennzeichen eines Opfers
3.5 Folgen von Mobbing

4. Schule ohne Mobbing
4.1 Maßnahmen gegen Mobbing
4.1.1 Was können Schulen tun?
4.1.1.1 Fragebogenerhebung
4.1.1.2 Pädagogischer Tag
4.1.1.3 Bessere Überwachung des Pausenhofs
4.1.1.4 Kontakttelefon
4.1.1.5 Gute Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern
4.1.2 Was können Lehrkräfte tun?
4.1.2.1 Klassenregeln gegen Gewalt
4.1.2.2 Lob
4.1.2.3 Strafen
4.1.2.4 Regelmäßige Klassengespräche
4.1.2.5 Unternehmungen im Klassenverband
4.1.2.6 (Einzel-) Gespräche mit den Tätern
4.1.2.7 (Einzel-) Gespräche mit den Opfern
4.1.2.8 Gespräch mit den Eltern
4.1.3 Was können Eltern tun?
4.1.3.1 Prävention durch Stärkung des Selbstwertgefühls
4.1.3.2 Emotionale Kompetenz entwickeln helfen
4.1.3.3 Kinder stärken durch Geborgenheit
4.1.3.4 Aktiv im Spiel die Welt gestalten
4.1.3.5 Schutz durch sichere Bindung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Man fand ihn in einem Berliner Hotelzimmer. Selbstmord durch Medikamente. Der 21jährige Berufsschüler hatte einfach keinen anderen Ausweg mehr gesehen. Was sich wie der Auftakt zu einem Kriminalroman liest öffnet in Wahrheit das Tor zu einem Phänomen, welches weltweit vielen Menschen das Leben schwer macht. Die Rede ist von gezieltem Mobbing und Bullying. Wenn man zurückblickt, dann hat es Mobbing eigentlich schon immer gegeben. In den letzten Jahren sehen sich aber auch immer öfter Schüler und Pädagogen an deutschen Schulen mit diesem sehr ernst zu nehmenden Problem konfrontiert. Wie sich aus Aufzeichnungen des Berliner Schülers im Nachhinein herausstellte hatte dieser immens unter Mobbing an seiner Schule gelitten. Das sich ein Schüler deswegen umbringt ist zum Glück noch immer die Ausnahme, doch was genau geschieht beim Mobbing innerhalb einer Klassengemeinschaft? Wie müssen Schüler miteinander umgehen, dass einige von ihnen schwere psychische Probleme entwickeln? Was lässt einige zu Opfern und andere zu Tätern werden?

Die vorliegende Hausarbeit soll diese Fragen aufnehmen und sich mit der Thematik tiefergehend beschäftigen. Dabei soll es keineswegs alleiniges Ziel sein, dem Leser die Begriffe Mobbing und Bullying durch sinnvolle Definitionen näher zu bringen, sondern vielmehr sollen im Folgenden auch gezielt Präventionsmöglichkeiten und Maßnahmen gegen Mobbing in der Schule detailliert aufgezeigt werden. Unglücklicherweise ist es immer noch so, dass in vielen Fällen die Kinder ihr Problem aus Scham und Angst verschweigen und die Eltern somit erst sehr spät davon erfahren. Zudem sind Lehrkräfte mit der Thematik zum Teil noch überfordert und können nicht in geeigneter Weise darauf reagieren. In diesem Zusammenhang soll somit auch die Rolle der Eltern und der Lehrkräfte sehr genau eruiert werden. Am Ende der Hausarbeit soll dann abschliessend die Frage geklärt werden, ob es möglich sein kann ein mobbingfreies Schulumfeld zu gestalten und mit pädagogischen Mitteln aufrecht zu halten.

2. Mobbing und Bullying

Für den weiteren Verlauf der Hausarbeit sollte man sich darüber im Klaren sein, was sich überhaupt hinter den allgemeinen Begriffen Mobbing und Bullying verbirgt. Deshalb sollen hier zu Beginn der Hausarbeit dem Leser möglichst genaue Definitonen dieser Phönomene an die Hand gegeben werden werden.

2.1 Der Begriff „Mobbing“

Wenn man sich mit der Fachliteratur zu diesem Thema beschäftigt, dann wird jedoch recht schnell ersichtlich, dass es für Mobbing nicht „die“ allgemeingültige Definition gibt. „Der Begriff Mobbing kommt von engl. ‚to mob’ = schikanieren, anpöbeln“ (Gebauer 2005, S.29). Kern des Mobbings ist folglich eine feindselige Handlung gegenüber einer anderen Person. „Ursprünglich wurde der Begriff in der Verhaltensforschung von Konrad Lorenz verwendet, um damit ein bestimmtes Tierverhalten zu kennzeichnen: Tiere rotten sich zusammen , um einen gemeinsamen Feind abzuwehren“ (Kasper 1998, S.21). Im heutigen Sprachgebrauch wird das Wort jedoch sehr oft für sämtliche Formen von konfliktbeladenen Situationen verwendet. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, dass Mobbing zu einer Art Modewort geworden ist. Aus wissenschaftlicher Sicht kommt folgende umfangreiche Definition dem Phänomen Mobbing sehr nahe.

Jemand wird gemobbt, wenn er über einen längeren Zeitraum wiederholt negativen Handlungen anderer Personen ausgesetzt ist. Zu diesen negativen Handlungen zählen unter anderem Ausgrenzungen, Schikanen und Belästigungen sowie Beleidigungen. In Mobbing-Fällen existiert daher immer eine Täter-Opfer-Beziehung. Obwohl Schikanen der psychischen Gewalt zugeordnet werden, können sie systematisch und fortwährend eingesetzt auch körperliche Gewalt erzeugen und einen Mobbing-Prozess einleiten. Man spricht von Mobbing, wenn alle folgenden Kriterien erfüllt sind:

- Ein Konflikt läuft in immer ähnlicher Art und Weise ab.
- Es sind zwei Parteien beteiligt, in der eine Partei unterlegen ist.
- Es handelt sich um wiederholte und wiederkehrende (wöchentliche oder tägliche) Angriffe.
- Das Geschehen erstreckt sich über einen längeren Zeitraum (meist mehrere Monate).
- Das Opfer ist handlungsunfähig und kann sich nicht mehr allein aus dieser Situation befreien (Sign-project 2007/08, Online Dokument).

Was eine einheitliche Definition von Mobbing zusätzlich erschwert ist die Tatsache, dass der Begriff nicht in allen Ländern verwendet wird. Im angelsächsischen Sprachraum ist Mobbing weitestgehend unbekannt. Hier ist in diesem Zusammenhang von Bullying die Rede. Im Folgenden soll hier deshalb geklärt werden, was sich hinter Bullying verbirgt und inwieweit dies sich von Mobbing unterscheidet.

2.2 Der Begriff „Bullying“

Im Prinzip kann man unter Bullying eine Erweiterung des Mobbing Begriffs verstehen.

Dieser Begriff umfasst nicht nur oben aufgeführtes sondern schließt auch tyrannisches Verhalten mit ein. Aus diesem Grund wird teilweise zwischen ‚Bullying’ und ‚Mobbing’ unterschieden.

Der Begriff ‚Bullying’ leitet sich von dem Englischen Wort ‚bully’ ab und bedeutet soviel wie brutaler Mensch, Tyrann oder Despot. Im Gegensatz zu Mobbing wird bei unfairen Bullying-Attacken weniger die Gruppe, als vielmehr ein einzelner Täter festgemacht. Bullying beschreibt demnach unfaire Attacken durch Einzelne, die besonders grob und rücksichtslos gegenüber ihrem Opfer sind. Ziel solcher Attacken ist die Terrorisierung, Einschüchterung und letztendlich die Vertreibung oder Vernichtung des Opfers (Sign-project 2007/08, Online Dokument).

Auch wenn an dieser Stelle abschliessend festgehalten werden muss, dass sich die Begriffe nicht so leicht wie vermutet erfassen lassen, so zeigen die angeführten Definitionen doch schon sehr deutlich wie ernst man diese feindseligen Handlungen unbedingt nehmen sollte. Gerade was den schulischen Kontext mit seinen immer komplexeren Klassengemeinschaften angeht, liegt es auf der Hand, dass Mobbing ein echtes Problem darstellen kann. Da in dieser Hausarbeit der eindeutige Schwerpunkt auf das Mobbing in der Schule gelegt werden soll, beschäftigen sich die nächsten Punkte eingehender mit der Analyse des Mobbings in diesem speziellen Umfeld.

3. Mobbing in der Schule

Berichte über Mobbingsituationen an deutschen Schulen haben in der jüngsten Vergangenheit immer wieder zu kontroversen Diskussionen geführt. Dabei ist das Phänomen Mobbing durch einige extreme Fälle in den verstärkten Fokus der Öffentlichkeit geraten. „Viele Fragen stehen unbeantwortet im Raum. Verfügen Lehrerinnen und Lehrer über die erforderlichen Qualifikationen, um solche Situationen wahrzunehmen, zu thematisieren und erfolgreich zu bearbeiten“(Gebauer 2005, S. 28)? Nicht wenige sehen die Beantwortung dieser Frage eher skeptisch und sind der Meinung, dass die Probleme mittlerweile nicht mehr mit rein pädagogischen Maßnahmen gelöst werden können. Um diese Frage zu beantworten ist es jedoch zunächst wichtig sich zu vergegenwärtigen was Mobbing im schulischen Umfeld ausmacht. „Mobbing in der Schule ist ein aggressiver Akt und bedeutet, dass ein Schüler oder eine Schülerin über einen längeren Zeitraum (z. B. ein halbes Jahr) von Mitschülern belästigt und/oder ausgegrenzt wird“ (Gebauer 2005, S.29). Darüber hinaus ist sich die Fachliteratur einig, dass Mobbingprozesse weitestgehend verdeckt ablaufen. Für das Erkennen von Mobbing in der Schule ist es somit von entscheidender Bedeutung, dass die von Tätern und Opfern ausgesandten Signale erkannt und verstanden werden.

3.1 Woran erkennt man Mobbing innerhalb der Klasse?

Grundsätzlich ist hier zu sagen, dass die Erscheinungsformen von Mobbing innerhalb einer Klassengemeinschaft unheimlich vielfältig sein können. Die folgende Darstellung soll einen Überblick verschaffen, welche Merkmale ein Indiz für einen Mobbingprozess sein können:

- Hefte und andere Materialien verschwinden.
- Schulsachen werden beschädigt oder zerstört.
- Kleidungsstücke werden versteckt oder zerstört.
- Das Fahrrad wird beschädigt.
- Über einen Schüler / eine Schülerin wird hinter seinem Rücken / ihrem Rücken schlecht geredet.
- Es werden über eine Person Gerüchte verbreitet.
- Es erfolgt ein Ausschluss aus sozialen Verbindungen.
- Jemand wird von anderen lächerlich gemacht, z. B. beim Lösen einer Aufgabe an der Tafel.
- Mitschüler machen Andeutungen, flüstern.
- Jemand darf bei Gruppenarbeiten nicht mitmachen.
- Man verbietet einem Schüler / einer Schülerin, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen.
- Kinder, die sich mit dem Mobbing-Opfer solidarisieren, werden unter Druck gesetzt.
- Es kommt zu körperlichen Übergriffen (stoßen, schlagen, kneifen, treten, Bein stellen, streicheln, tätscheln, Nahrung verunreinigen).
- Es gibt sexuelle Diffamierungen, Verleumdungen, Anspielungen und Provokationen.
- Demütigungen erfolgen mit Worten und Zeichnungen auf Zetteln, in Briefen, in E-mails und durch Nachrichten auf dem Handy.
- Andere Kinder werden zu aggressiven Taten gegen das Mobbing-Opfer angestachelt.
- Man macht sich über etwas Persönliches lustig (Körperformen, Nase, Frisur, Behinderung).
- Jemand wird permanent als dumm hingestellt, wird beschimpft und beleidigt, unter Druck gesetzt, bedroht (mit und ohne Waffen).
- Es werden Verletzungen zugefügt.
- Es kommt zu Erpressung von Geld oder anderen Leistungen (Gebauer 2005, S.30).

Die hier vorgestellte Liste könnte nun den Eindruck erwecken, dass unter Schulkindern ein ständiges Mobbing stattfindet. Es ist sicherlich davon auszugehen, dass die beschriebenen Merkmale an deutschen Schulen tagtäglich stattfinden. Man muss jedoch stets zwischen einmaligen negativen Handlungen und gezieltem Mobbing deutlich unterscheiden. Mobbing kommt demnach erst dann in Betracht, wenn die Drangsalierung „wiederholt und über eine längere Zeit“ (Ulweus 1992, S. 13) ausgeübt wird. Hinzu kommt, dass die Drangsalierung in diesem Zeitraum systematisch ein und dieselbe Person treffen muss. Der Begriff Mobbing ist somit mit bestimmten Voraussetzungen verbunden und sollte keinesfalls leichtfertig auf sämtliche Konfliktsituationen angewandt werden. Folglich ist es zur Früherkennung von Mobbingprozessen immens wichtig, dass sich die Lehrkräfte mit diesem Phänomen eingehend beschäftigen und im Laufe der Zeit ein Gespür für Mobbing entwickeln. Denn erst wenn Mobbing als Problem erkannt wird, kann es mit Maßnahmen sinnvoll bekämpft werden.

3.2 Was verursacht Mobbing in der Schule?

Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Bekämpfung von Mobbing ist sicherlich auch die Ergründung der Ursachen von Mobbing. Wer Mobbing sinnvoll bekämpfen will sollte zunächst einmal wissen wodurch es überhaupt entsteht und in welchem Verhältnis Täter und Opfer zueinander stehen. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass sich einige Ansichten in den Köpfen der Menschen festgesetzt haben, die sich durch wissenschaftliche Untersuchungen als nicht haltbar erwiesen haben.

3.2.1 Mehr Mobbing an Großstadtschulen!?

Immer wieder trifft man auf die Ansicht, dass an großstädtischen Schulen verstärkt gemobbt wird. Dahinter verbirgt sich die Vermutung, dass das hektische und aggressive Großstadtleben für verstärktes Mobbing ursächlich ist. Tatsächlich lässt sich diese Vermutung aber nicht belegen.

Der Anteil der Schüler und Schülerinnen in Oslo, Bergen und Trondheim (mit Bevölerungszahlen von 450.000 bis 150.000 Einwohnern), die gemobbt wurden oder die andere mobbten, war etwas gleich groß oder sogar etwas niedriger als die entsprechenden Zahlen aus dem übrigen Land. Die Großstadt-Kinder und Jugendlichen waren in dieser Hinsicht besser als ihr Ruf (Ulweus 1992, S.16).

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Mobbing und Bullying in der Schule
Untertitel
Definitionen, Präventionsmöglichkeiten und Maßnahmen gegen Mobbing in der Schule
Hochschule
Universität des Saarlandes
Veranstaltung
Hauptseminar: Interaktion und Kommunikation
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V126472
ISBN (eBook)
9783640323777
ISBN (Buch)
9783640321704
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Was genau geschieht beim Mobbing innerhalb einer Klassengemeinschaft? Wie müssen Schüler miteinander umgehen, dass einige von ihnen schwere psychische Probleme entwickeln? Was lässt einige zu Opfern und andere zu Tätern werden? Die vorliegende Hausarbeit soll die Fragen aufnehmen und sich mit der Thematik umfassend beschäftigen. Dabei sollen im Folgenden gezielt Präventionsmöglichkeiten und Maßnahmen gegen Mobbing in der Schule aufgezeigt werden. Zudem ist die Frage zu klären, ob es möglich ist ein mobbingfreies Schulumfeld zu gestalten und mit pädagogischen Mitteln aufrecht zu halten.
Schlagworte
Mobbing, Bullying, Schule, Gewalt, Prävention, Erziehung, Lehrer
Arbeit zitieren
Jan-Christoph Allermann (Autor), 2008, Mobbing und Bullying in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126472

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