Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Forschungsfrage: Warum gab es 2011 einen radikalen Politikwechsel der schwarz-gelben Koalition bezüglich des Atomausstiegs? Diese Hausarbeit soll Aufschlüsse bezüglich dieser kontroversen Entscheidung bieten. Da sich zeitgleich die Reaktorkatastrophe in Fukushima ereignete, bildet sich daraus die These, dass dieser erheblichen Einfluss auf die Umorientierung hatte. Weiterhin lässt sich die These aufstellen, dass sich der Politikwechsel mit dem Multiple Streams Ansatz erklären lässt, da dieser Ansatz dafür genutzt wird, politische Veränderungen erklären zu können.
Zuerst wird sich mit der Kernkraftpolitik der letzten Jahre beschäftigt, um den radikalen Umbruch erkennen zu können, der im Jahr 2011 aufgetreten ist. Die damalige Legislaturperiode von 2009 bis 2013 wird im Fokus liegen. Anschließend wird der theoretische Rahmen abgesteckt. An dieser Stelle kommt der Multiple Streams Ansatz zur Verwendung. Dieser soll versuchen, Policy Entscheidungen zu erklären und einen theoretischen Ansatz auf ein praktisches Beispiel anzuwenden. Dies wird auch den Analyseteil dieser Forschungsarbeit bilden, um eine Erklärung für den elementaren Richtungswechsel der schwarz-gelben Koalition zu finden. Ein optimales Analyseergebnis wird erlangt, indem der Multiple-Streams-Ansatz in mehrere Teilstücke unterteilt wird. Die daraus entstandenen Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden dann Aufschluss über den Politikwandel aufzeigen. Final wird das Fazit die vorher gestellten Fragen voraussichtlich beantworten können und die gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse abschließend zusammenfassen. Die Atompolitik war vor allem nach den Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima ein oft behandeltes Thema, da das Interesse der Öffentlichkeit diesbezüglich immer weiter wuchs. Dementsprechend lassen sich viele Publikationen zu dem Thema finden. Der Multiple-Streams-Ansatz ist ebenfalls ist sehr gut repräsentiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Atompolitik: Ein Rückblick
3. Fukushima
4. Der Multiple Streams Ansatz
5. Konzept
6. Analyse: Der MSA als Erklärung für einen Politikwechsel
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der Analyse des radikalen Politikwechsels der schwarz-gelben Koalition im Jahr 2011 bezüglich des deutschen Atomausstiegs unter Anwendung des Multiple Streams Ansatzes von John W. Kingdon.
- Historischer Rückblick auf die deutsche Atompolitik seit 1998
- Untersuchung der Bedeutung der Reaktorkatastrophe von Fukushima als externer Schock
- Theoretische Fundierung durch den Multiple Streams Ansatz (Problem-, Policy- und Politics-Strom)
- Identifikation und Analyse der Kopplungsprozesse durch Policy-Entrepreneure
Auszug aus dem Buch
4. Der Multiple Streams Ansatz
Der Multiple Streams Ansatz findet seinen Ursprung bei dem Politikwissenschaftler John W. Kingdon. Dieser entwickelte 1984 einen Ansatz, der für Agenda Setting eingesetzt werden sollte (vgl. Zohlnhöfer et al. 2015: 412). Agenda Setting meint die Setzung von Themenschwerpunkten im politischen Prozess. Das angestrebte Politikfeld, in dem der Multiple Streams Ansatz zum Einsatz kommen sollte, war die US-amerikanische Gesundheits- und Transportpolitik (vgl. Rüb 2014: 395).
Der MSA versucht zu erklären, wie es zu Wandeln in der Politik kommen kann. Es wird der Ansatz verfolgt, dass es Verschiebungen in der Politik gibt. Diese werden in verschiedene Bereiche unterteilt und als Strömungen angesehen. Es gibt drei verschiedene Strömungen, die bei Entscheidungsprozessen eine Rolle spielen: den Problem-, Policy- und Politics-Strom. (vgl. Herweg et al. 2018: 34). Die drei Ströme sind unabhängig voneinander. Nach dem Multiple Streams Ansatz liegt die Möglichkeit für einen Politik-Wandel, also einen Wechsel in den Inhalten der Politik, dann besonders vor, wenn die drei Politikströme einen ausreichenden Reifegrad aufweisen. Die Ströme bilden dabei verschiedene Dimensionen der Politik ab (vgl. Herweg 2015: 332).
Folgend werden die drei verschiedenen Ströme identifiziert und definiert: Der Problem-Strom beschreibt eine Problematik, die vorhanden ist und von der Politik losgelöst existiert (vgl. Rüb 2014: 379). Diese ist dabei abhängig von der Wahrnehmung und dem Framing durch Agierende (ebd. 392). Framing meint die unterschiedliche Formulierung einer Botschaft abhängig von dem übermittelnden Individuum und dessen Intentionen. Damit ist der Problemstrom durch agierende Akteure geprägt. Akteure können Politiker oder auch beispielsweise die Medien sein. Ein Problem kann jederzeit auftreten. Die Wahrnehmung und Darstellung können jedoch stark variieren. Das kann dazu führen, dass Probleme unterschiedlich interpretiert werden. Der Problem-Strom wird dann als reif angesehen, wenn ein Problem als identifiziert angesehen werden kann. Zudem sollte es möglich sein, das Problem klar zu definieren (Herweg 2015: 332).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Atomausstiegs ein und definiert die zentrale Forschungsfrage nach den Gründen des radikalen Politikwechsels von 2011.
2. Atompolitik: Ein Rückblick: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung der deutschen Energiepolitik von der Rot-Grünen Koalition bis zur schwarz-gelben Laufzeitverlängerung nach.
3. Fukushima: Hier wird der Verlauf der Reaktorkatastrophe in Fukushima am 11. März 2011 und deren unmittelbare Auswirkungen geschildert.
4. Der Multiple Streams Ansatz: In diesem Teil werden die theoretischen Grundlagen des Multiple Streams Ansatzes nach John W. Kingdon sowie die Mechanismen der drei Ströme und Kopplungsprozesse erläutert.
5. Konzept: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, wie der Multiple Streams Ansatz auf den Fall des deutschen Atomausstiegs angewendet werden soll.
6. Analyse: Der MSA als Erklärung für einen Politikwechsel: Dies ist der Hauptteil, in dem die drei Ströme (Problem, Policy, Politics) systematisch auf den Atomausstieg 2011 angewendet werden.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen, bestätigt die Hypothesen und beantwortet die Forschungsfrage zur Ursache des Politikwechsels.
8. Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
Schlüsselwörter
Atompolitik, Atomausstieg, Fukushima, Multiple Streams Ansatz, Politikwechsel, Agenda Setting, Policy-Entrepreneure, Problem-Strom, Policy-Strom, Politics-Strom, Energiewende, Katastrophenmanagement, Krisenkommunikation, Politische Entscheidungsprozesse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den radikalen Politikwechsel der schwarz-gelben Bundesregierung hin zum Atomausstieg im Jahr 2011 vor dem Hintergrund der Reaktorkatastrophe in Fukushima.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die deutsche Energiepolitik, das Konzept des Agenda Settings und die Anwendung politikwissenschaftlicher Theorien auf reale politische Entscheidungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Warum gab es 2011 einen radikalen Politikwechsel der schwarz-gelben Koalition bezüglich des Atomausstiegs?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt den "Multiple Streams Ansatz" nach John W. Kingdon als theoretisches Gerüst, um den Prozess der politischen Meinungsänderung und Gesetzgebung zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die drei Ströme des Modells – Problem-Strom, Policy-Strom und Politics-Strom – im Kontext des Atomausstiegs identifiziert und deren Reifegrad sowie Kopplung untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Atomausstieg, Fukushima, Multiple Streams Ansatz, Politikwechsel und Policy-Entrepreneure.
Warum wurde gerade der Multiple Streams Ansatz für die Analyse gewählt?
Dieser Ansatz eignet sich besonders gut für die Analyse von plötzlichen Agenda-Veränderungen, da er explizit den Einfluss unvorhersehbarer Ereignisse wie Katastrophen auf politische Entscheidungen einbezieht.
Welche Rolle spielten die Medien und das Framing im Analysemodell?
Die Medien fungierten als Akteure, die durch ein emotionales "Framing" der Katastrophe von Fukushima massiv zur negativen Bewertung der Atomkraft in der Bevölkerung und somit zur Reifung des Problems beigetragen haben.
Konnten die aufgestellten Hypothesen bestätigt werden?
Ja, die Arbeit bestätigt, dass sowohl der Einfluss von Fukushima als auch die Eignung des Multiple Streams Ansatzes als Erklärungsmodell für den Politikwechsel durch die Analyse gestützt wurden.
- Arbeit zitieren
- Julia Meyer (Autor:in), Deutschlands Atomausstieg. Gründe für den radikalen Politikwechsel 2011, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1264796