Der Aufstieg Japans zur dominierenden Industrienation Asiens


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

31 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung: Japan – Mythos in Fernost

2. Japan – eine Einführung
2.1 Geographie
2.2 Geschichte
2.3 Das politische System

3. Die Wirtschaft Japans bis 1945
3.1 Reformen der Meiji – Restauration
3.2 Zaibatsu

4. Die Wirtschaft Japans nach 1945
4.1 Performance
4.2 Charakteristika der japanischen Wirtschaft
4.2.1 Keiretsu
4.2.2 Lean Production oder: Der Dualismus der Betriebsstruktur
4.2.3 Just – in – Time – Lieferung
4.2.4 Kaizen
4.3 Weitere Ursachen des japanischen Erfolges
4.3.1 Die „Japan AG“
4.3.2 Protektionismus
4.3.3 Lebenslange Beschäftigung
4.3.4 Sonstige Ursachen
4.4 Exkurs: Über die japanische Mentalität

5. Japans Verflechtung in Ost- und Südostasien
5.1 Südostasien als „verlängerte Werkbank“ Asiens
5.2 Das Modell der Fluggänse

6. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Reales Wirtschaftswachstum in Japan 1956-1990

Abbildung 2: Beschäftigungsstruktur nach Sektoren

Abbildung 3: Die fünf wichtigsten Exportwaren Japans

Abbildung 4: Anteil der intern aufgestiegenen Führungskräfte im internationalen Vergleich 1995/96

1. Einleitung: Japan – Mythos in Fernost

Japan – allein beim Klang dieses Namens werden Assoziationen und Klischees vielfältigster Art geweckt. Doch was weiß man wirklich konkret über den Mythos dieses Landes am für uns äußersten Ende der Welt, und was lässt sich lediglich als Vorurteil identifizieren?

Fest steht, dass Japan nach dem zweiten Weltkrieg eine wirtschaftliche Entwicklung vollzogen hat, die zum einen bewundernswert ist, zum anderen in manchen Ländern Befürchtungen und Ängste ob einer wirtschaftlichen Weltmacht Japans geschürt hat.

Die vorliegende Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, die eindrucksvolle wirtschaftliche Entwicklung Japans nachzuvollziehen, sowie ihre Ursachen und Gründe bzw. notwendige Voraussetzungen aufzudecken.

So soll über den Tellerrand hinausgeschaut und der Versuch unternommen werden, einen abgerundeten Eindruck Japans zu vermitteln.

Aus diesem Grunde wird Japan im Anschluss an diese Einleitung hinsichtlich seiner geographischen, geschichtlichen und politischen Charakteristika vorgestellt, um dem Leser einen adäquaten Einstieg in die Lektüre zu gewähren.

Daran anschließend liegt die Aufmerksamkeit auf den spezifischen Eigenschaften sowie dem Abschneiden der japanischen Wirtschaft bis 1945, bevor dann der wirtschaftliche Aufstieg Japans nach 1945 mit den Besonderheiten des japanischen Wirtschaftssystems in den Mittelpunkt des Interesses rückt.

Darüber hinaus werden Ursachen und Gründe des japanischen „Wirtschaftswunders“ thematisiert und ein Licht auf die Verflechtung Japans in Ost – und Südostasien geworfen.

Mit einer Zusammenfassung und einem persönlichen Ausblick über die mögliche zukünftige Rolle Japans in der Weltwirtschaft wird die Arbeit abgeschlossen.

2. Japan – eine Einführung

2.1 Geographie

Der japanische Archipel besteht aus etwa 7000 Inseln und umschließt ein Staatsgebiet von 377 727 km2 (einschließlich der von Russland besetzten Süd-Kurilen-Inseln), welche sich fast völlig auf die vier Hauptinseln Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu verteilen.

Über 60 % der Fläche sind gebirgig und bewaldet, so dass für Landwirtschaft nur 13,7 %, für Wohngebiete sogar nur 4,5 % verbleiben. Die Bevölkerungszahl von 125,6 Mio. Einwohnern (1995) verteilt sich dementsprechend auf einer sehr geringen Grundfläche, die in den drei extremen räumlichen Konzentrationen Tokyo, Osaka und Nagoya ihren Ausdruck findet.

Die angesprochenen Ballungsräume befinden sich, wie der größte Teil japanischer Besiedlung, auf der Pazifikseite, während sich entlang der Küste zum japanischen Meer hin, welches Japan von der kontinentalen Landmasse Asiens trennt, sehr wenige Städte und Dörfer finden.

Große regionale Unterschiede lassen sich auch hinsichtlich der klimatischen Bedingungen feststellen. Da Japan in seiner Nord-Süd-Ausdehnung 2400 Kilometer umfasst, reicht das klimatische Spektrum von subtropischen Einflüssen auf Okinawa bis hin zum winterkalten Nadelwaldklima Hokkaidos.[1]

Ein für die Bevölkerung sehr prägender Aspekt ist die direkte Konfrontation Japans mit Naturgewalten. Die japanischen Inseln gehören durch ihre Lage am Schnittpunkt von eurasischer, philippinischer und pazifischer Platte zur seismisch aktivsten Region der Erde. Diese tektonische Labilität bedingt nicht nur eine extreme Gefährdung durch Erdbeben, sondern ist auch verantwortlich für eine außerordentlich hohe vulkanische Aktivität, sowie für das Auftreten sog. Tsunamis, d.h. gewaltige Flutwellen als Folge von Seebeben.[2]

Schließlich bedrohen Taifune regelmäßig das Land, das sich trotz dieser Gefahren gut mit seinen natürlichen Gegebenheiten arrangiert.

2.2 Geschichte

Mit der Ernennung zum Shogun im Jahre 1603 konnte der Daimyo (entspricht einem deutschen Fürsten, Anm.) Tokugawa Ieyasu (1542-1616) die Macht über ganz Japan in seiner Person vereinen. Von nun an lag dieses Amt ausschließlich in den Händen der Tokugawa-Familie, die ihren Regierungssitz nach Edo (heutiges Tokyo) verlegte.

1639 ordnete der Shogun die völlige Abschottung Japans von seiner Außenwelt an; lediglich Chinesen und Holländern war es erlaubt, über den von der Regierung kontrollierten Hafen Nagasaki Handel zu treiben. Dieser Zustand hielt an, bis das Land in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts in eine tiefe Krise geriet; Bauernaufstände und Unruhen waren die Folge, welche das System schwer erschütterten.

Nach vielen Jahren strenger Abgeschlossenheit erzwang 1854 eine Flotte unter Commodore Matthew Perry die Öffnung von Häfen und damit die Aufnahme des Handelsverkehrs.

Die Herrschaft der Tokugawa-Familie zerbrach von außen letztendlich unter dem Druck durch westliche imperialistische Mächte, von innen durch eine Gruppe reformfreudiger Samurai, so dass der letzte Tokugawa-Shogun 1867 abdankte und den Weg für Kaiser Mutsuhito freimachte. Dieser gab seiner Regierungszeit den Namen „Meiji“ (erleuchtete Regierung), dementsprechend werden die Jahre 1867/68 als Meiji-Restauration bezeichnet.[3]

Der Meiji-Kaiser schaffte das Feudalsystem ab, führte eine Wehrpflichtarmee ein, schuf eine neue Finanzverfassung und ein modernes Rechts- und Bildungssystem.

In den folgenden Jahren wandelte sich Japans Selbstverständnis hin zum weltpolitischen Akteur, und so begann Japan, gestützt auf eine modernisierte Armee, seine Expansionspolitik im asiatischen Raum.

1895/96 errang Japan einen schnellen Sieg über China, und 1904/05 besiegten japanische Truppen Russland im Kampf um die Vorherrschaft in Korea, das letztendlich 1910 von Japan annektiert wurde.

In den ersten Weltkrieg griff Japan als Partner des französisch-englischen Bündnisses ein, besetzte die deutschen Pachtgebiete und Kolonien in China und baute seine Interessen in der Mandschurei aus.[4] Obwohl Japan durch den ersten Weltkrieg einen immensen Wirtschaftsaufschwung erlebt hatte, kam es durch Krisen in den zwanziger und dreißiger Jahren zu einer dramatischen Verarmung der Landbevölkerung; Arbeitslosigkeit und stagnierende Landwirtschaft wurden zu den dringlichsten Problemen zwischen den beiden Weltkriegen.

Im März 1933 trat Japan aus dem Völkerbund aus und führte ab 1937 gezielte militärische Aktionen in China durch; dieser Krieg weitete sich später auf ganz Südostasien aus, und mit dem Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 verknüpfte Japan schließlich die europäischen und pazifischen Kriegshandlungen zu einem Weltkrieg.

Bis 1944 konnte Japan ein Weltreich erobern, um es anschließend in wenigen Monaten zu verlieren. Nachdem bereits die Städte und Industrieanlagen durch konventionelles Bombardement zerstört worden waren, wurden am 06. August 1945 auf Hiroshima und am 09. August 1945 auf Nagasaki Atombomben abgeworfen. Auf Weisung des Kaisers nahm Japan schließlich die bedingungslose Kapitulation nach der Potsdamer Erklärung an.

Der Weltkrieg und mit ihm Japans militärische Weltmachtsgelüste endeten am 02. September 1945 mit der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde an Bord des US-Schlachtschiffes „Missouri“ in der Bucht von Tokyo.[5]

Die Geschichte Japans nach 1945 ist mehrheitlich die seines wirtschaftlichen Erfolges, so dass die bisherigen Erläuterungen zur Geschichte an dieser Stelle nicht weitergeführt werden.

2.3 Das politische System

Die japanische Verfassung aus dem Jahre 1947, die unter maßgeblicher Beteiligung der US-Besatzungsbehörden erarbeitet wurde, ist in vielen formalen Grundsätzen durch amerikanisches Rechtsempfinden und Demokratiedenken geprägt. Wichtigste Änderungen gegenüber der Vorkriegsverfassung waren die Einführung des Wahlrechts für Frauen sowie die politische Entmachtung des Kaisers. Vor dem Krieg besaß der Kaiser eine gottgleiche Position, gemäß der neuen Verfassung stellt er nur noch das „Symbol Japans und die Einheit des japanischen Volkes“ dar.[6]

Höchste japanische Volksvertretung ist das Parlament, welches aus zwei Kammern, dem politisch entscheidenden Unterhaus, und dem Oberhaus, der Kammer der Berater, besteht.

Das Parlament wählt den Ministerpräsidenten, der seinerseits die Minister und die 14 höchsten Richter des Obersten Gerichtshofes ernennt.

Neben den oben angesprochenen nationalen Wahlen werden in regionalen Wahlen die Gouverneure der 47 japanischen Präfekturen gewählt. Die Präfektur als Verwaltungseinheit besitzt zwar eigenständige Kompetenzen, ist letztendlich jedoch vollständig von der Zentralregierung in Tokyo abhängig, nicht zuletzt aufgrund sehr geringer eigener Steuereinnahmen.

Darüber hinaus werden vom Volke auf kommunaler Ebene Bürgermeister und Stadtverordnete gewählt, sie bilden die unterste Stütze des Systems.

Mit Ausnahme weniger Jahre waren in Japan seit Ende des zweiten Weltkrieges konservative Parteien an der Macht. Seit ihrem Entstehen 1955 bis zu ihrer Wahlniederlage 1993 stand fast 40 Jahre lang die „Liberaldemokratische Partei“ (LDP) in der Regierungsverantwortung, deren Politik durch eine ausgeprägte Wirtschaftsorientierung und eine enge außenpolitische Anlehnung an die USA gekennzeichnet war.

Nachdem Japans Bevölkerung der „Politik des Geldes“ seitens der LDP überdrüssig geworden war, wählte sie 1993 eine Koalition von acht Parteien, die sich alle politischen Reformen verschrieben haben, in die Regierung. Die Wahlen des Jahres 1996 setzten dieser eher unruhigen Phase ein Ende; seither regiert wieder die LDP im Rahmen einer Minderheitsregierung.[7]

3. Die Wirtschaft Japans bis 1945

Die moderne japanische Wirtschaftsentwicklung begann 1868 mit der Schaffung einer zentralistischen konstitutionellen Monarchie. Die Grundlagen für die anschließende rasante industrielle Entwicklung waren allerdings schon im 18. Jahrhundert gelegt worden.

3.1 Reformen der Meiji-Restauration

Als Kaiser Mutsuhito 1868 seine Reformen einleitete, verfügte Japan bereits über monopolistisch organisierte Manufakturen, die für den Markt produzierten, und Japans Kaufleute beherrschten alle Techniken modernen Finanz- und Warenverkehrs (Banken- und Börsensystem, Kreditwesen, bargeldloser Zahlungsverkehr und „Produkt Management“, d.h. Produktion für europäische Märkte).[8]

Der Kaiser sorgte für die Übernahme technischer Errungenschaften wie Eisenbahn, Dampfschiffahrt, Post, Telegraphendienst aber auch des Gregorianischen Kalenders.

Seine Staatsreformen forderten ausdrücklich die Aneignung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Fortschritte fremder Länder. Zu diesem Zwecke wurden ausländische Forscher in das Land geholt und japanische Gelehrte und Studenten zur Ausbildung nach Europa und Amerika geschickt.[9]

[...]


[1] vgl. Flüchter, 1994, S. 22

[2] vgl. Hohn, 1990, S. 212

[3] vgl. Ruttkowski, 1994, S.57

[4] vgl. Eckardt, S. 70-74

[5] vgl. Pohl, 1997, S. 8-11

[6] vgl. Pohl, 1994, S. 72-74

[7] vgl. Köllner, 1997, S. 12-18

[8] vgl. Pohl, 1994, S. 313

[9] vgl. Troll, 1968, S. 8-9

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Der Aufstieg Japans zur dominierenden Industrienation Asiens
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie)
Veranstaltung
Das Pazifische Jahrhundert
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
31
Katalognummer
V12648
ISBN (eBook)
9783638184786
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein umfangreicher Überblick über den japanischen Werdegang nach dem 2. Weltkrieg. Einleitend ein Abschnitt über japanische Geographie, Geschichte und Politik, bevor auf die besonderen Charakteristika der japanischen Wirtschaft sowie die Ursachen des japanischen Wirtschaftserfolges eingegangen wird. Abgeschlossen wird die Arbeit mit einem Ausblick über mögliche zukünftige Entwicklungen. 268 KB
Schlagworte
Japan, Geographie, Geschichte, Politik, Meiji-Restauration, Zaibatsu, Keiretsu, Lean Production, Dualismus, Just-in-Time, Kaizen, Japan-AG, Protektionismus, Lebenslange Beschäftigung, Mentalität, Fl
Arbeit zitieren
Michael Dittmar (Autor), 2002, Der Aufstieg Japans zur dominierenden Industrienation Asiens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12648

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