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Pastoralliturgische Innovationen im Osten Deutschlands

Die "Feier der Lebenswende" im Bistum Erfurt als rite de passage ungetaufter Jugendlicher im Vergleich mit profanen, kirchlichen und sakramentalen Feierformen

Title: Pastoralliturgische Innovationen im Osten Deutschlands

Diploma Thesis , 2001 , 98 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Markus Stutzenberger (Author)

Theology - Practical Theology
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Summary Excerpt Details

Die Jugendweihe der früheren DDR erfreut sich über 15 Jahre nach dem schicksalhaften Fall der "Mauer" in Deutschland bleibender Beliebtheit in einem von vielen als "areligiös" beschriebenen und geprägten Umfeld, in dem sich über 80 Prozent des Bevölkerungsteils nicht zu einer -christlichen- Konfession bekennen. Der Osten Deutschlands ist religiös unbedarft und weniger gekennzeichnet durch bewussten Atheismus oder Religionsfeindlichkeit, sondern vielmehr durch ein verhaltenes Interesse, dass sich bei ersten Berührungen mit dem Phänomen Kirche äußert. Das Bistum Erfurt hat bereits zu Zeiten der DDR innovative Projekte für die Zielgruppe der Nichtgetauften entwickelt, um diese in der Liturgie nicht zu überfordern. Beispielhaft hierfür steht das nächtliche "Weihnachtslob" am Heiligen Abend im Erfurter Dom. Nach dem Fall der Mauer wurden andere, neue Feierformen speziell für Jugendliche entwickelt, um der postsozialistischen, sinnentleerten Jugendweihe eine christliche Alternative zuzugesellen: nicht um "junge Christen zu machen", sondern die soziologisch bedeutsame Schwelle des Übergangs vom Jugend- zum Erwachsenenalter in einem neuen rité des passages in geeigneter Weise rituell zu kennzeichnen. Dies erfolgt seither in Form einer Sensibilisierung für die Bedeutung des Kirchenraumes, der existentiellen Fragen religiös unbedarfter, jungen Menschen in der jährlich wiederkehrenden "Feier der Lebenswende" im Erfurter Dom, die sich nunmehr einer zehnjährigen Tradition erfreut. Dieses Buch lädt zu einem kritischen Vergleich mit den (national-) sozialistischen Ersatzriten ein, die von den jeweiligen Regimes in Abgrenzung zu den christlichen Initiationssakramenten Firmung/Konfirmation entwickelt wurden und ermutigt den Leser, sich selber auf die Suche zu machen nach Feierformen jenseits der gewohnten kirchlichen Initiation durch die Sakramente, um Liturgie in ihrer Praxis "menschenfähig" zu machen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Gliederung

II. Einleitung

III. Liturgische Inkulturation

1. Der Terminus

2. Einblicke in die Lebenswelt Jugendlicher im vereinigten Deutschland

3. Die Suche nach Vorbildern geglückten Lebens

4. Die Jugendweihe im Osten Deutschlands als (post-) sozialistischer Religionsersatz

4.1 Die historischen Wurzeln der Jugendweihe

4.2 Die Grundgestalt der Feier von 1955 bis 1989/1990

4.3 Die Funktionen der sozialistischen Jugendweihe

4.4 Postsozialistische Jugendweihefeiern nach 1990

4.5 Die nationalsozialistische Funktionalisierung jugendlicher Passageriten

4.5.1 „Jugendweihe“ und „Jugendleite“

4.5.2 Überweisungs- und Schulentlassfeiern

4.5.3 Die Verpflichtungsfeier der Jugend

5. Ritus und Lebenswende als pastorale Herausforderung in der Begleitung ungetaufter Jugendlicher

5.1 Zum Begriff und zum Verständnis von Lebenswenden

5.2 Die Erfurter „Feier der Lebenswende“ (Prototyp nach Reinhard Hauke) seit 1998

5.2.1 Entstehungshintergründe der Feier

5.2.2 Zeiten und Orte der Feier

5.2.3 Die Feiergestalt des Prototyps (1998)

5.2.4 Schematisches Ablaufraster der Feiern der Lebenswende 1998-2000

5.2.5 Modifikationen des Prototyps 1999/2000

5.2.6 Nach den einzelnen Feiern: Reaktionen von Eltern und den beteiligten Jugendlichen. Gründe für die Fortführung des Projekts

5.2.7 Resümee und Überleitung

6. Die Erfurter „Feier der Lebenswende“: liturgisch ortlos „im Vorhof der Heiden“?

6.1 Die „Feier der Lebenswende“- ein Gottesdienst?

6.2 Die liturgisch-theologische Einordnung der „Feier der Lebens“

6.2.1 Vergleich mit der Struktur des christlichen Wortgottesdienstes

6.2.2 Die Abläufe im Vergleich

6.2.3 Die Feier der Lebenswende: Liturgie?

6.3 Akzente im liturgischen Erfahrungsbezug der Feier der Lebenswende

6.3.1 Vorbemerkung

6.3.2 Die diakonische Dimension reflektierter Fest- und Feierkultur

6.3.2.1 Die Bedeutung der Tischgemeinschaft im Leben Jesu

6.3.2.2 Die liturgische Vermittlung zwischen der Lebenswelt Jugendlicher und deren Religiosität

6.3.2.2.1 Das Beispiel ökumenischer Initiativen

6.3.2.2.2 Das Bedürfnis nach Struktur: Mystagogische Zugänge Nichtgetaufter

6.3.2.2.3 Die Vorbereitungsphase als Lernfeld im Rahmen der Erfurter Lebenswendefeier

6.3.2.2.3.1 Diakonische und liturgischer Erfahrungsbereiche

6.3.2.2.3.2 Erfahrungsbezogene Mahlkultur

IV. Firmung und Konfirmation als Vergleichspunkte christlicher Initiation

1. Die Konfirmation

2. Die Firmung

3. Die Firmung als verselbständigter rite de passage

4. Exkurs: Das Problem des Firmalters

5. Optionen einer zeitlich und theologisch kontextualisierten Initiation

6. Die Relevanz nichtsakramentaler Initiationsfeiern zur liturgischen Kultivierung markanter Lebenseinschnitte

V. Gesamtresümee

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das pastoralliturgische Konzept der „Feier der Lebenswende“ im Bistum Erfurt als alternative Initiationsform für ungetaufte Jugendliche. Ziel ist es, diese Feier im Kontext der säkularen Jugendkultur und im Vergleich zu christlichen Riten wie Firmung und Konfirmation theologisch zu bewerten und Möglichkeiten für eine „offene Inkulturation“ der Kirche in der ostdeutschen Diaspora aufzuzeigen.

  • Analyse der Lebenswelt Jugendlicher im vereinigten Deutschland
  • Aufarbeitung der Geschichte sozialistischer und nationalsozialistischer Jugendrituale
  • Theologische Einordnung der „Feier der Lebenswende“ als gottesdienstliches Geschehen
  • Vergleich von Initiationsmodellen (Firmung, Konfirmation, Lebenswendefeier)
  • Impulse für eine differenzierte Sakramentenpastoral und diakonische Lernfelder

Auszug aus dem Buch

Die Suche nach Vorbildern geglückten Lebens

In dieser schwierigen Phase des schrittweisen Übergangs vom Jugend- in den Erwachsenenstatus hat die Suche nach Vorbildern beim Ringen um die eigene, verunsicherte Identität, eine außerordentliche Relevanz. Dabei geht es, allgemein gesprochen, um die Beantwortung einer der wesentlichsten Fragen des Menschseins: Was soll ich tun? Diese Frage beantworten junge Menschen für sich selbst dadurch, indem sie sich an ganz bestimmten Menschen aus der Musik- und Popszene orientieren, die in hohem Maße gesellschaftlich akzeptiert sind und somit zu Vorbildern avancieren.

Auffällig sind hierbei die fließenden Grenzen zwischen modernem Starkult und traditioneller Heiligenverehrung. Dieser Starkult ist ein Ausdruck der Suche nach einer passenden Identifikationsfigur, die der einzelne Mensch unbewußt mit sich selbst in Beziehung bringt. Im Extremfall können sich hieraus –bei eingeschränktem Realitätsbezug- destruktive, narzistische Projektionen des eigenen Selbst entwickeln. Der Star verwirklicht das „ungelebte Leben“, die Träume und Sehnsüchte des eigenen Selbst. Dabei zeigt ein Vergleich mit der klassischen Heiligenverehrung an dieser Stelle recht gut, dass dem hohen Maß an moderner, zum Teil exzessiver Selbstverwirklichung mehr Bedeutung zugemessen wird als den asketischen Tugenden, wie sie bspw. aus dem Leben von Menschen der christlichen Hagiographie überliefert werden: „Die Idolisierung des einzelnen verdrängt die Vorbildnachfolge.“

Allerdings erweist sich das Lebenszeugnis der „selbstgekürten Heiligen“ der Moderne als unzureichend für ein dauerhaft tragfähiges Lebens- und Identifikationskonzept junger Menschen: Die Ikonisierung der Stars ist außerordentlich kurzweilig und nicht dauerhaft identitätssichernd. Das relativiert denn auch die modernen Starkulte im Hinblick auf die Zeitlosigkeit der im Christentum als Heilige verehrten Menschen. Deren Vorbildhaftigkeit, die sich gerade in der Einlösung von Tugenden der Askese und des Selbstverzichtes zeigt, ist von bleibendem Wert. Die Heiligen stellen mehr als sich selbst und ihren besonderen Lebenswandel dar, denn darin spiegelt sich immer ein besonderer Aspekt des Lebensbeispiels Jesu.

Zusammenfassung der Kapitel

III. Liturgische Inkulturation: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Inkulturation und analysiert die veränderte Lebenswelt von Jugendlichen nach 1990 sowie die geschichtliche Entwicklung von Jugendritualen unter sozialistischen und nationalsozialistischen Vorzeichen.

IV. Firmung und Konfirmation als Vergleichspunkte christlicher Initiation: Hier werden die beiden traditionellen christlichen Initiationsfeiern analysiert, ihre theologische Bedeutung reflektiert und ihr Verhältnis zur Lebensphase Jugendlicher kritisch hinterfragt.

V. Gesamtresümee: Dieses abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit für die Kirche, durch differenzierte pastorale Angebote auf die Bedürfnisse religiös Suchender einzugehen, ohne den christlichen Kern aufzugeben.

Schlüsselwörter

Liturgische Inkulturation, Lebenswende, Jugendpastoral, Diaspora, Firmung, Konfirmation, Rite de passage, Ungetaufte, Jugendkultur, Religionsersatz, Sakramentenpastoral, Katechese, Identitätsfindung, Sinnstiftung, christliche Initiation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit untersucht, wie die katholische Kirche in der Diaspora des Ostens Deutschlands durch innovative, liturgische Feierformen wie die „Feier der Lebenswende“ Jugendliche erreichen kann, die keinen kirchlichen Hintergrund haben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Themen sind die Liturgiewissenschaft, die Religionspädagogik, die Familiensoziologie sowie die kritische Aufarbeitung historischer Jugendrituale (Jugendweihe der DDR, NS-Verpflichtungsfeiern) im Vergleich zum christlichen Initiationsverständnis.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die pastoralliturgische Erschließung und Einordnung des Erfurter Modells der Lebenswendefeier, um zu prüfen, ob und wie diese Form als „präkatechumenales“ Angebot eine Brücke zum christlichen Glauben schlagen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine soziologische Analyse der Lebenswelt Jugendlicher mit einer liturgietheologischen Untersuchung, wobei sie auf historische Dokumente, Praxisberichte aus dem Bistum Erfurt und theologische Lehrschreiben zurückgreift.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Wurzeln von Jugendweihen, die Struktur der Erfurter Feier der Lebenswende, den Vergleich zu Firmung und Konfirmation sowie konkrete Möglichkeiten, wie Kirche im Vorfeld solcher Feiern diakonisch und liturgisch wirken kann.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Liturgische Inkulturation, Lebenswende, Jugendpastoral, Firmung, Konfirmation und rite de passage.

Inwieweit spielt die Geschichte der DDR für diese Arbeit eine Rolle?

Die DDR-Vergangenheit ist zentral, da die Jugendweihe als „postsozialistischer Religionsersatz“ bis heute das kulturelle Gedächtnis und die Erwartungshaltungen ostdeutscher Familien prägt, was die Kirche vor die Herausforderung stellt, alternative, aber ebenso anspruchsvolle Rituale anzubieten.

Warum ist das Beispiel der „Edith-Stein-Schule“ für die Arbeit so wichtig?

Diese Schule dient als konkretes Fallbeispiel, da dort ein Zusammenleben von getauften und ungetauften Schülern im Religionsunterricht stattfindet, was Pfarrer Reinhard Hauke als Anlass für die Entwicklung der alternativen Feier der Lebenswende nutzte.

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Details

Title
Pastoralliturgische Innovationen im Osten Deutschlands
Subtitle
Die "Feier der Lebenswende" im Bistum Erfurt als rite de passage ungetaufter Jugendlicher im Vergleich mit profanen, kirchlichen und sakramentalen Feierformen
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (FB 01-Katholische Theologie)
Grade
1,3
Author
Markus Stutzenberger (Author)
Publication Year
2001
Pages
98
Catalog Number
V12652
ISBN (eBook)
9783638184809
ISBN (Book)
9783638879125
Language
German
Tags
Pastoral
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Stutzenberger (Author), 2001, Pastoralliturgische Innovationen im Osten Deutschlands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12652
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