Mobilfunk - Eine Gesundheitsgefahr an Schulen?


Seminararbeit, 2008

22 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mobilfunkstandards
2.1 Übersicht verschiedener Standards und ihren Erscheinungen
2.2 Entwicklungstendenzen des Mobilfunks

3. Aspekte der Wirkungen von Mobilfunk auf den Menschen
3.1 Was ist „Elektrosmog“
3.2 Wie wirkt „Handystrahlung“ auf den Menschen?
3.2.1 „V. Klitzing-Studie“ (Untersuchungsreihen von 1997-2002) - EEG-Studien
3.2.2 Die „Lund-Studie“ (schwedische Universität Lund, 1999) - Biochemische Sicht
3.2.3 Studien: DNA-Schäden durch Mobilfunk
3.2.4 Untersuchungen des Physikers Niel Cherry - Athermische Auswirkung
3.2.5 Studien zur These „Mobilfunk bringt keine Gefahr“
3.2.6 Grenzwerte und ihre Bedeutung
3.3 Resümee

4. Zur Bewegung öffentlicher Kritik am Mobilfunk

5. Aspekte zum Umgang mit Handys in Schulen
5.1 Schulen im Fokus von Mobilfunk
5.2 Bedeutung von Handys für die Jugend
5.3 Rahmenbedingungen für Schulen zum kritischen Umgang mit Handys

6. Subjektiver Bezug zur Nutzung von Handys

1. Einleitung

Seit 2006 gibt es in Deutschland mehr Handys als Einwohner.[1] Mobilfunk - speziell Handys - gehört längst zum Alltag und Bestrebungen zur Optimierung der Technologien und drahtloser Netze laufen konsequent voran. Inzwischen mehren sich aber auch kritische Stimmen, d.h. vereinzelt befürchten Bürger bereits eine zunehmende Belastung durch elektromagnetische Strahlung. Das Phänomen Mobilfunk (nachfolgend MF) erkunden Wissenschaftler vieler Disziplinen (Physiker, Mediziner, Biologen etc).

Die Leitfrage lautet „Ist der Umgang mit Handys an Schulen aus gesundheitlicher Sicht akzeptabel?“, und soll Schulen für die Thematik Mobilfunk sensibilisieren

2. Mobilfunkstandards

Um sich darüber klar zu werden, womit sich diese Abhandlung beschäftigt, ist es von Wichtigkeit einen Grundüberblick über die gängigen strahlungs- bzw. wellenemittierenden Quellen (i.d.R. MFstandards) zu haben. Es ergibt Sinn sich auf diejenigen zu beschränken, die für Schulen von Bedeutung sind: Das heißt die Quellen genauer zu untersuchen, von denen Schulen unmittelbar betroffen sind und auf die sie als Bildungsinstitutionen in realistischem Maß Einfluss nehmen könnten.

2.1 Übersicht verschiedener Standards und ihren Erscheinungen

Als erstes ist ein Standard aufgrund seiner Funktion zu kategorisieren. So gibt es Standards, die in erster Linie dazu konzipiert sind gewisse Emissionen zu erzeugen, um überhaupt ihre primäre Funktion erbringen zu können - aber auch andere, die Emissionen nur als Nebenprodukt ihres Betriebes hervorbringen. Zu erstgenannten zählen die meisten MFstandards; zu letzteren in gewissem Maße auch fast jedes Haushaltsgerät, dass nicht im Geringsten die Funktion hat, gezielt Energie, Daten o.ä. über den Raum hinweg zu transferieren. Diese Geräte bringen zumeist „nur“ sog. niederfrequente „Strahlung“ (NF) hervor. Da NF bei Entfernung von ihrer Quelle sehr schnell abnimmt, ist sie auch vergleichsweise einfach zu meiden; darum steht sie deutlich weniger im Zentrum der Kritik (und wird folgend auch nur marginal thematisiert), im Gegensatz zu Hochfrequenzen (HF), die sich weiter im Raum ausbreiten.[2]

Entgegen der Festlegung in der Physik hat die Medizin eine etwas andere Definition von HF-„Strahlung“. Dort nämlich wird schon jedes elektromagnetische Wechselfeld über einem kHz (1000 Schwingungen pro Sekunde) bis hin zum Infrarotbereich (größer 100 GHz) als HF deklariert.[3][4] In diese Kategorie fallen insbesondere die beiden größten MFstandards GSM (i.d.R. um 900 MHz o. um 1800 MHz) und UMTS (i.d.R. um 2100 GHz), über die heutzutage die meisten Mobiltelefonate geführt werden.[5]

Bei genannten und anderen modernen Standards wie bspw. DECT (schnurlose Telefone) ist es oft der Fall, dass anstatt analoger Technik digitale Pulsung zum Einsatz kommt. Dies lässt sich so verbildlichen, dass die HF-Wellen zwecks einer speziellen Codierung „fragmentiert“ werden und sich ein Signal ergibt, dass zwar guten Datentransfer gewährleistet, jedoch aus biologischer Sicht eine höhere „Belastung“ darstellt.[6][7]

Neben der Frequenz ist hauptsächlich die Sendeleistung von Relevanz, die die Sendemasten (selten mehr als 120 W) Handgeräte (max. 2W bei GSM; max. 0,5W bei UMTS) emittieren.[8][9]

Man würde nun zunächst annehmen, die höhere Leistungsflussdichte S herrsche im Umkreis von Sendemasten; da man aber meist einen relativ hohen Abstand zu diesen Masten wahrt und der Wert quadratisch abnimmt (verdoppelt man die Distanz, viertelt sich S)[10], ist S geringer als die Sendeleistung anmuten lässt. Einem Mobiltelefon hingegen, welches direkt am Kopf gehalten wird, fehlt die nötige Distanz, um seine Wirkung zu verlieren. Es kommt hinzu, dass je nach Abschirmung oder Reflexion (durch Hindernisse) des Handgerätes zum nächsten Masten eine automatische Erhöhung der Sendeleistung bis auf o.g. Maxima erfolgt.[11]

Darüber hinaus summieren sich die Leistungsflussdichten, wie das Messprojekt „Elektrosmog-messung in einem Linienbus“ vom „Informationszentrum gegen MF“ u.a. belegt. Da die meisten Geräte im Standby-Modus ebenfalls „strahlen“, heißt es „die Menge macht’s“ in vielerlei Fachliteratur; es ist trivial die Rede von einem „gefunkten und gepulsten Frequenzcocktail“.[12]

2.2 Entwicklungstendenzen des Mobilfunks

„Früher waren Ferngespräche die Ausnahme, heute sind sie die Regel. Früher stand das Telefon im Flur, heute hat man es immer dabei.“[13] stellt R. Luhr 2004 fest; Ende Juni 2005 ist die Rede von 74 Millionen MFkunden und einer höheren Anzahl von Handys als MFanschlüssen.[14] Mehr verkaufte Handys als Einwohner wurden für das Jahr 2006 prognostiziert.[15] Zum Jahreswechsel von 2007 zu 2008 werden nun 100 Millionen MFanschlüsse gezählt (25% mehr als 2,5 Jahre zuvor), davon erstmalig über 10 Millionen auf dem ‚neuen’ UMTS-Standard.[16] Das sind Fakten, die eine Steigerung der MFnutzung in Deutschland belegen.

Steigende Anzahl der Handgeräte hat auch den dadurch notwendigen Ausbau der Funknetze (mehr oder leistungsstärkere MFmasten) zur Folge. Hier sei zur Veranschaulichung Bayern genannt, das den MFausbau besonders forcierte, indem es bis 2005 ca. 10.000 MFmasten errichtet haben wollte.[17] Dies entspräche nach meiner Berechnung einer durchschnittlichen Dichte von einem Mast pro 7 km². In der Praxis wird die Mastenhäufung in Ballungsgebieten viel intensiver sein als auf dem Land. So könnte der in Bayern gesetzliche Mindestabstand von 300 Metern schnell einmal unterschritten werden.

Somit steigt die Gesamtanzahl sendender Quellen doch sichtbar an und erhöht abermals den o.g. Summationseffekt.

3. Aspekte der Wirkungen von Mobilfunk auf den Menschen

3.1 Was ist „Elektrosmog“

„Smog“ ist ein Neoanglizismus, der sich aus den englischen Wörtern „Fog“ (Nebel) und „Smoke“ (Rauch) zusammensetzt. Seinen Ursprung findet das Kunstwort Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts in der Britischen Presse in Verwendung auf schadstoffbelastete Luft. „Elektrosmog“ stammt ebenfalls aus dem Journalismus, bezeichnet jedoch „elektrische Schadstoffbelastung“, d.h. Belastung mit potentiell gesundheitsschädlichen elektromagnetischen Strahlungen bzw. elektromagnetischen Feldern, die unweigerlich Emissionen jedes strombetriebenen Gerätes (ausnahmslos aber in unterschiedlicher Dimension) sind.[18][19][20]

3.2 Wie wirkt „Handystrahlung“ auf den Menschen?

Über die Einflüsse von „E-Smog“ auf den Menschen liegen derzeit etliche Studien vor, allerdings sind diese sehr schwer zugänglich. Die breite Öffentlichkeit ist genauso genommen wenig über die Zusammenhänge und Einflüsse von MFstrahlung informiert. Einerseits begreifen sich Nutzer als Konsumenten, die möglichst einen hohen MFstandard genießen möchten, also „uptodate“ sein möchten. Andererseits wird seitens Anbietern oder Vertreibern neuster Standards nicht auf potentielle Risiken hingewiesen. Letztlich bleibt es dem Verbraucher selbst überlassen ein kritisches Nutzerverhalten zu entwickeln oder nicht.

Einige wichtige Studien im Bereich der HF- und MFforschung werden folgend exemplarisch angeführt.

3.2.1 „V. Klitzing-Studie“ (Untersuchungsreihen von 1997-2002) - EEG-Studien

Der Medizinphysiker Dr. Lebrecht von Klitzing der Universität Lübeck führte 1997 EEG-Forschungen (Elektroenzephalografie) unter HFeinfluss durch. Die Studien belegen eine veränderte Gehirnaktivität, verlangsamte Reaktionszeiten und Symptome wie Kopfschmerzen, Gedächtnisverlust, Schwindel, Konzentrationsschwäche sowie Verschlechterung des Schlafes. Es wurden neurologisch-pathologische Hirnstromveränderungen bei schon niedriger gepulster Strahlung, d.h. bei bereits 100nW/cm², in EEGs nachgewiesen. Gesundheitliche Anomalien sollen bis zu einer Woche angehalten haben. Von Klitzing folgert, dass künstliche Signale biologische Systeme beeinflussten. Zellen kommunizierten nämlich untereinander mit feinsten Signalen per Ionenaustausch in einem Frequenzbereich bis 400Hz (selbst die Elektroindustrie spricht von einer Kommunikation bei 10Hz bis 1kHz).[21]

Die Von Klitzing-Studie belegt außerdem, dass Menschen bei langzeitiger Exposition bereits bei 1nW/cm² erkranken können. Bei Kindern würde sich durch gepulste HF (DECT bei 1,8GHz / 100Hz Taktfrequenz) ein krankhaft verändertes Blutbild zeigen, das nicht ausgereifte rote Blutkörperchen aufweise und sich bei Abschalten der Telefonanlagen erst nach Tagen wieder normalisiere.[22]

Die „v. Klitzing-Studie“ wurde seitens der Forschungsgruppe um Prof. Achermann, Universität Zürch, untermauert. Hier wurde nachgewiesen, dass eine 30 minütige Handybestrahlungen zu einer vermehrten regionalen Hirndurchblutung führe. Probanden würden bereits wenige Minuten nach Aktivierung eines Handysignales Hirnstromveränderungen aufweisen. Es wird unter diesen Bedingungen die Entstehung von Hirnödemen gemutmaßt.[23]

Auch die Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz in Berlin bestätigt mittels EEG-Untersuchungen unter drei bis fünfminütigen Handytelefonaten die biologische Wirksamkeit gepulster Handywellen.[24]

Der Versuch einer sog. Gegenstudie („Anti v. Klitzing-Projekt“) soll unseriös, fragwürdig und wenig aussagekräftig verlaufen sein.[25]

[...]


[1] [Golem] (o.A.): URL: http://www.golem.de/0607/46605.html

[2] Scheiner, 2006, S 22

[3] [Wikipedia] 1 (o.A.): URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Hochfrequenz

[4] [Forum-Elektrosmog] (o.A.): URL: http://www.forum-elektrosmog.de/forumelektrosmog.php/aid/18/cat/27/

[5] Scheiner, 2006, S. 19f

[6] [Energieimpulse] (o.A.): URL: http://www.energieimpulse.net/main.php?site=elektrosmog_def

[7] Scheiner, 2006, S. 25ff

[8] [Swisscom Mobile] (o.A.): URL: http://www.swisscom-mobile.ch/scm/mce_antennen-sendeleistung-de.aspx

[9] [BMWi] (o.A.): URL: http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Wirtschaft/Telekommunikation-und-Post/...

[10] [Kein Mobilfunkmast im Dorf] (o.A.): URL: http://www.kein-mobilfunkmast-im-dorf.de/BI/Hintergrund.htm

[11] [IZGMF] (o.A.): URL: http://www.izgmf.de/Aktionen/Meldungen/Archiv_04/Messprojekt_Bus/messpro…

[12] Hellemann, 2003, S. 45

[13] [Media.NRW] (o.A.) URL: http://www.media.nrw.de/media2/site/index.php?id=73&no_cache=1&tx_ttnews%...

[14] [IDW-Online] (o.A.): URL: http://idw-online.de/pages/de/news127781

[15] [Golem] (o.A.): URL: http://www.golem.de/0607/46605.html

[16] [Bitkom] (o.A.): URL: http://www.bitkom.org/50452_50446.aspx

[17] [Elektrosmognews] (o.A.): URL: http://www.elektrosmognews.de/news/bypakt2.htm

[18] Hellemann, 2003, S. 17

[19] [MSN Encarta] (o.A.): URL: http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_721550451/Elektrosmog.html

[20] [Wikipedia] 2 (o.A.): URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Elektrosmog

[21] Scheiner, 2006, S. 156f

[22] Bürgerwelle e.V., 2007, S. 8.2

[23] Scheiner, 2006, S. 158f

[24] Scheiner, 2006, S. 163

[25] Scheiner, 2006, S. 160

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Mobilfunk - Eine Gesundheitsgefahr an Schulen?
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V126557
ISBN (eBook)
9783640324545
ISBN (Buch)
9783640326211
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Inhalt und Formalitäten 98% bewertet mit Lob vom Dozenten. Inklusive Literaturverzeichnis und zig Internetquellen.
Schlagworte
Mobilfunk, Eine, Gesundheitsgefahr, Schulen
Arbeit zitieren
Leander Roessler (Autor), 2008, Mobilfunk - Eine Gesundheitsgefahr an Schulen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126557

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