Das Spannungsverhältnis von Medien und Militär am Beispiel des Irakkrieges


Hausarbeit, 2008
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Warum sind Medien im Hinblick auf politische Entscheidungen so wichtig?

Journalisten als Weggefährten: die „embedded journalists“

Der Krieg um die Informationshoheit - „Information Warfare“

„Information Warfare“: Kriegerische Handlungen

„Information Warfare“: Desinformation und Täuschung

Konsequenzen für Journalisten

Zusammenfassung

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Irakkrieg im Jahr 2003 war ein mediales Großereignis. Nicht nur, dass er bereits im Vorfeld die Nachrichten dominierte, auch während der Kriegshandlungen war er durch eine spektakuläre Bilderflut in den Medien präsent. Er verdeutlichte: Einerseits wollen Kriegsparteien Medien für ihre Zwecke benutzen, andererseits versuchen sie, unliebsame Berichterstattung und damit eine freie Presse zu verhindern. Diese Hausarbeit soll anhand von Fachliteratur und Expertenaussagen einen Überblick darüber geben, in welchem Spannungsverhältnis Kriegsparteien und Medien stehen.

Allerdings sind die wechselseitigen Beziehungen zwischen Militär und Medien zu komplex, als dass sie auf den folgenden Seiten auch nur annähernd umfassend dargestellt werden könnten. Denn während diese Hausarbeit darlegen will, wie das Militär ins Kriegszeiten Medien mit „Zuckerbrot und Peitsche“ zu lenken versucht, darf nicht vergessen werden, dass letztere durch Quotenrekorde auch von Kriegshandlungen profitieren können. Dieser Aspekt kann hier allerdings nicht weiter vertieft werden, würde sich aber als Thema weiterer Abhandlungen anbieten.

Wenn hier die Rede von „den Medien“ ist, so sind damit in erster Linie journalistische Produkte gemeint und weniger Mittel der Informationstechnologie wie beispielsweise Satellitentechnik oder Kommunikationsnetzwerke.

Warum sind Medien im Hinblick auf politische Entscheidungen so wichtig?

Dass Krieg der Unterstützung der öffentlichen Meinung bedarf, ist schon lange bekannt. Konkret formulierte es General Eisenhower 1940 vor einer Versammlung amerikanischer Verleger: „Public opinion wins war“[1]. Der Grund hierfür ist, dass Medien Orientierungsmittel sind: Sie vermitteln ein Bild der Vorgänge in der Welt und organisieren damit Realität.[2]

In der Politik verabschiedete Beschlüsse kann man als „Sprechakte“ bezeichnen. In ihnen kommt zum Ausdruck, was gesellschaftlich praktiziert werden soll, d.h. gesellschaftliche Geschehnisse werden gedeutet.

Übernimmt die Bevölkerung dieses Deutungsangebot, „so ist eine soziale Situation definiert, bestimmte Handlungen werden gefordert und erlaubt, andere verboten.“[3]

Die Medien wiederum fungieren dabei als Bindeglied, sie vermitteln die Vorgänge in der Politik und sorgen dafür, dass diese das größtmögliche Publikum erreichen. Das heißt, sie verstärken die Wirkung dieser Sprechakte ganz besonders, wenn sie sich den Beschlüssen der Politik anschließen: Dadurch „erzeugen sie in Richtung auf die Öffentlichkeit einen hohen Druck, diese Deutung gleichfalls zu übernehmen.“[4]

Im Falle des Irakkrieges handelte es sich um einen Sprechakt, der dezisionistisch war und damit objektiv nicht begründbar war, sondern nur auf der ihm eigenen Logik basierte.[5] Die Botschaft an die amerikanische Bevölkerung lautete: „Wir sind eben das, was der Feind nicht ist, selbst wenn wir das gleiche tun, die gleichen Mittel wie der Feind anwenden, dann tun wir das aus anderen Gründen und mit anderen Zielen.“[6]

Man kann dabei also von der Konstruktion einer Weltsicht sprechen, indem in ein binäres Freund- und Feindschema eingeteilt wurde.[7] Diese Feindbilder werden zwar vorwiegend durch die Politik erzeugt und geschürt, letztlich aber kommen sie dem journalistischen Bedürfnis entgegen, Komplexität zu reduzieren und sind durch ihren emotionalisierenden und, wie im Fall Saddam Husseins, personalisierenden Charakter leicht zu vermittelnde Themen.[8] Denn Journalismus ist zum Zwecke einer optimalen Vermittelbarkeit darauf aus, besonders leicht verdauliche Ordnungen zu publizieren.[9]

Aus Sicht der Regierungen sollen Massenmedien die eigene Sicht der Dinge vermitteln und im Extremfall die eigene Nation zum Opfer einer externen Bedrohung stilisieren.[10] Dass die Politik sich der Unterstützung der Medien sicher sein muss, gilt generell, also nicht nur in Zeiten sich anbahnender internationaler Konflikte. Ohne die Begleitung, Hilfe oder gar den Widerstand der Medien ist Politik heute nicht mehr denkbar.[11] Denn der Journalismus als Konstrukteur von Öffentlichkeit erfüllt eine Synchronisationsfunktion und ermöglicht der Gesellschaft, „Neuigkeiten und Unsicherheiten sinnvoll zu verarbeiten.[12]

Dadurch besteht eine enge Verflechtung zwischen Politik, Medien und Gesellschaft, die sich wie folgt umschreiben lässt: „Die Politik braucht die Medien, die Medien brauchen die Zuschauer, die Zuschauer wollen leicht verständliche, unterhaltsame Informationen. Die Zuschauer werden von den Journalisten bedient, die Journalisten und Medienleute liefern die gewünschten Informationen über Politiker, die wiederum mediengerechte Informationen liefern.“[13]

Dieser Kreislauf begünstigt das Bedürfnis der Politik, den Journalismus als Sprachrohr zu benutzen. Sie erreicht dies durch populistische Formulierungen, die dem Bedürfnis journalistischer Produkte nach griffigen Ausdrücken entsprechen. Beispiele dafür gab es im Vorfeld des Irakkrieges genug: Nicht nur die „Achse des Bösen“ wurde zum vielbenutzten Schlagwort, auch die Formulierung „Krieg gegen den Terror“ wurde von US-Medien unverzüglich und ohne kritisches Hinterfragen übernommen.[14] Nach kurzer Zeit hatten sich diese Sprechakte der Regierung ins öffentliche Bewusstsein eingegraben.

Das Spannungsverhältnis zwischen Medien und Militär ist also der allgemeine Konflikt zwischen Politik und den Medien, denen in demokratischen Staaten die Rolle der vierten Gewalt zugeschrieben wird. Denn die Informationen darüber, „dass „dieser“ Krieg notwendig und das eigene Vorgehen richtig ist, werden in der nationalen Sphäre der Politik produziert.[15] Der Konflikt findet lediglich in einem anderen Zusammenhang statt.

Die Gründe dafür, dass sich die Politik im Vorfeld eines Krieges bei ihrer Bevölkerung für diesen zu rechtfertigen versucht, sind vielfältig. In erster Linie müssen die kleinsten Einheiten der Gesellschaft, also die einzelnen Bürger, von der moralischen Richtigkeit der Kriegshandlung überzeugt werden. Denn im Kriegsfall wird von Soldaten, hierzulande auch „Staatsbürger in Uniform“ genannt, verlangt, was in einer Gesellschaft in Friedenszeiten ein absolutes Tabu ist: „Sie sollen Gewalt anwenden und Menschen töten. Auch wenn sich (...) behaupten lässt, dass diese nicht als Einzelpersonen, sondern als Akteure des Staates handeln“, (der in Friedenszeiten über das Gewaltmonopol verfügt, d.V.), „(...) mag dieses Wissen für den Einzelnen nicht ausreichend sein.“[16]

Nicht nur im Hinblick auf die Einsatzbereitschaft in Kampfhandlungen muss eine Stabilisierung der Gesellschaft stattfinden. Sie muss es letztlich auch ertragen, hohe Verluste in der Bevölkerung hinzunehmen, die sich auch im Kreise der Angehörigen auswirken können. Schließlich hat ein Krieg auch enorme volkswirtschaftliche Auswirkungen, die sich an anderer Stelle im Staatsetat bemerkbar machen.[17] Nicht nur, dass vor Beginn des Irakkrieges die vorsichtig veranschlagte Summe von etwa 200 Milliarden US-Dollar bereits für Empörung sorgte – nach einer Zwischenbilanz des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Josef Stiglitz im Februar 2008 belastete der Einsatz im Irak den US-Haushalt bis dato in einer Höhe von etwa drei Billionen US-Dollar.[18]

Um einen Kriegseinsatz also durchführen zu können, muss die Politik bereits in Friedenszeiten „die gesamte Gesellschaft auf die kriegerische, sozusagen finale Aktion“[19] einstimmen.

Medien können dabei, entgegen ihrer Funktion als Kontrollorgan der Politik, zum Wegbereiter für einen Krieg werden und eine Mentalität erzeugen, „die Krieg als ein normales Mittel der Politik sieht.[20]

Journalisten als Weggefährten: die „embedded journalists“

Während des Irakkrieges wurde es rund 500 Reportern gestattet, die US-Kampfeinheiten im Irak zu begleiten. Sie waren dabei über längere Zeiträume hinweg deren ständiger Begleiter.[21] Zu diesem neuartigen Konzept der Kriegsberichterstattung kam es aufgrund der schlechten Erfahrungen, die die USA in den Kriegen zuvor mit einer allzu freien Presse gemacht hatten.

[...]


[1] vgl. PALM, Carla: Informationen als Waffe? Die Rolle des amerikanischen Soldatensenders AFN sowie der Front-Zeitung Stars and Stripes während des Golfkonflikts 2003. In: Capurro, Rafael (Hrsg.): Krieg und Medien. Verantwortung zwischen apokalyptischen Bildern und paradiesischen Quoten? Stuttgart, 2004, S.107.

[2] vgl. WIEGERLING, Klaus: Kriegsmedien und Medienkriege. Zum Verhältnis von Krieg und Medien. In: Capurro, Rafael (Hrsg.): Krieg und Medien. Verantwortung zwischen apokalyptischen Bildern und paradiesischen Quoten? Stuttgart, 2004, S.44.

[3] MÜLLER, Harald: Demokratie, die Medien und der Irakkrieg. In: BÜTTNER, Christian / VON GOTTBERG, Joachim / METZE-MANGOLD, Verena (Hrsg.): Der Krieg in den Medien. Frankfurt [u.a.], 2004, S.22.

[4] MÜLLER, Harald, a.a.O., S.22.

[5] vgl. WIEGERLING, Klaus, a.a.O., S.44.

[6] ebd., S.44.

[7] vgl. MÜLLER, Harald , a.a.O., S.24.

[8] vgl. STAIGER, Jan: Selbstorganisation, Nicht-Linearität, Viabilität. Eine konstruktivistisch-sozialsystemische Perspektive auf Kriegsberichterstattung. In: LÖFFELHOLZ, Martin (Hrsg.): Krieg als Medienereignis II. Krisenkommunikation im 21. Jahrhundert. Wiesbaden, 2004, S.165.

[9] vgl. ebd., S.158.

[10] vgl. WIEGERLING, Klaus, a.a.O., S.53.

[11] vgl. BÜTTNER, Christian / VON GOTTBERG, Joachim / METZE-MANGOLD, Verena: Editorial. In: BÜTTNER, Christian / VON GOTTBERG, Joachim / METZE-MANGOLD, Verena (Hrsg.): Der Krieg in den Medien. Frankfurt [u.a.], 2004, S.7.

[12] vgl. GÖRKE, Alexander: Zwischen Selbstbehauptung und Vereinnahmung. Strukturen und Funktion journalistischer Krisenkommunikation. In: LÖFFELHOLZ, Martin (Hrsg.): Krieg als Medienereignis II. Krisenkommunikation im 21. Jahrhundert. Wiesbaden, 2004, S.128.

[13] ROTA, Franco: Dramaturgie, 'Embeddedness' und der Verlust politischer Orientierung. Aspekte der Darstellung des Irakkrieges 2003 im Fernsehen. In: Capurro, Rafael (Hrsg.): Krieg und Medien. Verantwortung zwischen apokalyptischen Bildern und paradiesischen Quoten? Stuttgart, 2004, S.145

[14] vgl. MÜLLER, Harald , a.a.O., S.21.

[15] NAGENBORG, Michael: Kriege, Informationen, Medien. Ein Fragenkatalog. In: Capurro, Rafael (Hrsg.): Krieg und Medien. Verantwortung zwischen apokalyptischen Bildern und paradiesischen Quoten? Stuttgart, 2004, S.59.

[16] ebd., S.59.

[17] vgl. WIEGERLING, Klaus, a.a.O., S.49.

[18] vgl. HOFF, Henning: Der Drei-Billionen-Krieg. 2008. URL: http://www.zeit.de/online/2008/09/stiglitz-irakkrieg-kosten (Stand: 10.April 2008, 21:16 Uhr)

[19] WIEGERLING, Klaus, a.a.O., S.48.

[20] LOQUAI, Heinz: Sprache des Krieges, Bilder des Krieges – Medien als Kriegstreiber: Jugoslawien, Irak, Iran. In: ROITHNER, Thomas (Hrsg.): Gute Medien – Böser Krieg? Medien am schmalen Grat zwischen Cheerleadern des Militärs und Friedensjournalismus. Wien [u.a.], 2007, S.58.

[21] vgl. ROTA, Franco, a.a.O., S.154.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Spannungsverhältnis von Medien und Militär am Beispiel des Irakkrieges
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Institut für Journalistik)
Veranstaltung
"Einführung in die Journalistik und Aspekte der Wissenschaftstheorie" im WS 2007/08
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V126578
ISBN (eBook)
9783640324590
ISBN (Buch)
9783640326259
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Irak, Irakkrieg, Massenmedien, Journalismus, embedded journalists, Kriegsberichterstattung, Information Warfare, Ulrich Tilgner
Arbeit zitieren
Christian Spöcker (Autor), 2008, Das Spannungsverhältnis von Medien und Militär am Beispiel des Irakkrieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126578

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