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Christlob Mylius Beitrag zum medizinischen Diskurs der Frühaufklärung mit dem Lustspiel "Die Ärzte"

Title: Christlob Mylius Beitrag zum medizinischen Diskurs der Frühaufklärung mit dem Lustspiel "Die Ärzte"

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 35 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Sarah Till (Author)

German Studies - Literature of History, Eras
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Die Medizin hat sich als beliebtes Thema in der antiken wie gegenwärtigen Literatur, sowohl in der Prosa wie auch im Drama oder der Lyrik, erwiesen: Immer wieder wurden Ärzte samt der durch sie vertretenen wissenschaftlichen Ausrichtung zu zentralen literarischen Gestalten. Die Literatur beschreibt und verarbeitet dabei das medizinische Wissen und bewertet schließlich Aspekte der Medizin implizit oder explizit als positiv oder negativ.
Die Wechselwirkung, die Literatur und Medizin aufeinander ausüben, lässt sich, wie Engelhardt deutlich macht, in drei Perspektiven gliedern. Es ist hier die Rede von der „literarische[n] Funktion der Medizin, [der] medizinische[n] Funktion der Literatur [sowie der] genuine[n] Funktion der literarisierten Medizin“ (Engelhardt, 12).
Gerade auch im Zeitalter der Aufklärung war die Auseinandersetzung mit dem medizinischen Diskurs hoch aktuell. Christlob Mylius (1722-1754) und Theodor Johann Quistorp (1722-1776) leisteten im Jahr 1745 mit ihren Lustspielen „Die Ärzte“ bzw. „Der Hypochondrist“ jeweils einen wichtigen Beitrag zur literarischen Verarbeitung der medizinischen Thematik.
Gegenstand vorliegender Arbeit soll nun die Untersuchung von Mylius' Lustspiel „Die Ärzte“ sein. Aufgrund des dürftigen Forschungsstandes zu Mylius und diesem Stück, der einerseits darin begründet sein mag, dass Myluis' Oeuvre aufgrund seines zeitigen Ablebens sehr begrenzt geblieben ist und andererseits darin, dass es ihm aus diesem Grund nicht vergönnt war, sein Können zu perfektionieren, erscheint es lohnend, über die Analyse des Dramas hinaus etwas weiter auszuholen.
Dabei wird insbesondere von den zwei miteinander im Legitimationsstreit liegenden medizinischen Hauptsystemen sowie von der stetig anwachsenden Gruppe der „vernünftigen Ärzte“ die Rede sein. Im Folgenden soll der Entstehungskontext um „Die Ärzte“, ausgehend von den Prätexten über den Verfasser bis hin zu den Erwartungen und Forderungen, die man in der Frühaufklärung an ein Lustspiel stellte, thematisiert werden. Schließlich soll der medizinische Diskurs, der Mylius' Lustspiel durchzieht, genauer betrachtet werden, indem der Medizin eine fiktionale, das Stück in seiner Anlage formende Funktion und eine inhaltliche Funktion, die ein spiegelbildlich-verzerrtes Abbild der realen zeitgenössischen Situation generiert, zugewiesen wird. Letztlich eröffnet die Analyse des Phänomens der Hypochondrie im Kontext von Mylius' Lustspiel Deutungsperspektiven im Hinblick auf den Aufklärungsdiskurs.

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Inhaltsverzeichnis

1. Theoretische Vorbemerkungen: Medizin und Literatur

2. Der Arzt und seine Therapie in der Aufklärung

3. Medizinische Konzepte zu Mylius' Zeit

3.1 Die mechanistische Arzneigelehrtheit

3.2 Der Stahlsche Animismus

3.3 Vernünftige Ärzte

4. Der Entstehungskontext

4.1 Der Freigeist Christlob Mylius

4.2 Prätexte

4.3 Das deutsche Lustspiel in der Frühaufklärung

5. Der medizinische Diskurs in „Die Ärzte“

5.1 Die fiktionale Funktion der Medizinthematik

5.2 Analyse der inhaltlichen Darstellung der Medizin

5.3 Hypochodrie – ein antiaufklärerisches Übel?

6. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Lustspiel „Die Ärzte“ von Christlob Mylius vor dem Hintergrund der medizinischen Diskurse und Debatten des 18. Jahrhunderts. Dabei wird analysiert, wie Mylius das zeitgenössische Ärztebild satirisch verarbeitet und inwiefern das Werk sowohl das medizinische Wissen der Zeit als auch den aufklärerischen Anspruch an literarische Unterhaltung und Belehrung widerspiegelt.

  • Medizinische Konzepte im 18. Jahrhundert (Mechanismus vs. Animismus)
  • Die Rolle der „vernünftigen Ärzte“ als aufklärerische Akteure
  • Literarische Kontextualisierung: Prätexte und die Commedia dell'arte
  • Die Funktion der Medizinthematik im Lustspiel „Die Ärzte“
  • Hypochondrie als zeitgenössisches Phänomen und "Stigma der Moderne"

Auszug aus dem Buch

3.1 Die mechanistische Arzneigelehrtheit

Diejenigen, die Medizin im 18. Jahrhundert im Sinne eines mechanistischen Denkmodells begriffen, schrieben dem menschlichen Körper im wesentlichen eine übergeordnete Passivität zu. Sowohl in Beschaffenheit wie auch Funktionsweise wurden Parallelen gezogen zu einem maschinenartigen, von Gott konstruierten, Mechanismus, dessen inneren Vorgängen unintelligente „hydraulische[...], hydrostatische[...] und andere[...] physikalische[...] Gesetzmäßigkeiten“ (Kaiser, 13) zugrunde liegen.

Neben der medizinischen Theorie einer physikalischen Dynamik (Iatrophysik) existierte auch eine chemische (Iatrochemie), die sich allerdings nicht besonders lange behaupten konnte. Vertreter dieser Richtung gingen davon aus, dass Lebensprozesse in Analogie zu den in Laboren beobachtbaren Prozessen verstanden werden müssten (vgl. Snelders, 44).

Als wichtiger Vertreter der strikt iatromechanistischen Konzeption gilt Friedrich Hoffmann (1660-1742), der sich mit seinen Arbeiten um die Etablierung und Weiterentwicklung dieser Denkrichtung bemühte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Theoretische Vorbemerkungen: Medizin und Literatur: Dieses Kapitel erläutert die Wechselwirkungen zwischen Medizin und Literatur, indem es die literarisch-fiktionale, die medizinisch-konkretisierende und die genuine Funktion der Literatur im Umgang mit medizinischen Themen analysiert.

2. Der Arzt und seine Therapie in der Aufklärung: Hier werden die geistigen Kämpfe der Aufklärung und der Säkularisierungsprozess im 18. Jahrhundert beschrieben, die zu einer Spaltung der Medizin in verschiedene Lager sowie zu einer kritischen Debatte über ärztliches Handeln führten.

3. Medizinische Konzepte zu Mylius' Zeit: Dieses Kapitel untersucht die medizinischen Hauptströmungen, namentlich den Mechanismus, den Animismus nach Stahl und die aufkommenden „vernünftigen Ärzte“, die ein Modell des leibseelischen Zusammenspiels propagierten.

4. Der Entstehungskontext: Der Fokus liegt auf der Person des Autors Christlob Mylius, seinen prätextuellen Einflüssen sowie den theaterreformatorischen Ansprüchen von Gottsched, die den Rahmen für das Lustspiel in der Frühaufklärung bildeten.

5. Der medizinische Diskurs in „Die Ärzte“: Das Kapitel analysiert die fiktionale und inhaltliche Darstellung der Medizin im Stück, den Einsatz satirischer Mittel zur Entlarvung von Scharlatanen sowie die Einordnung der Hypochondrie-Thematik im Aufklärungsdiskurs.

6. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, wie Mylius trotz der überspitzten Satire das medizinische Selbstverständnis seiner Zeit kritisch reflektiert und sich trotz inhaltlicher Unzulänglichkeiten als aktiver Teil des aufklärerischen Projekts positioniert.

Schlüsselwörter

Aufklärung, Medizin, Literatur, Christlob Mylius, Die Ärzte, Mechanismus, Animismus, vernünftige Ärzte, Lustspiel, Hypochondrie, Satire, Körperbild, Leib-Seele-Problem, Gottsched, Medizingeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Lustspiel „Die Ärzte“ von Christlob Mylius im Kontext der medizinischen Fachdiskurse und gesellschaftlichen Debatten der deutschen Frühaufklärung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die zeitgenössische Konkurrenz medizinischer Systeme (Mechanisten vs. Animisten), das Ideal des „vernünftigen Arztes“ sowie die satirische Darstellung ärztlicher Scharlatanerie und Hypochondrie in der Literatur.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, den Medizindiskurs in Mylius' Lustspiel freizulegen und zu zeigen, wie das Stück sowohl als Spiegel zeitgenössischer gesellschaftlicher Zustände fungiert als auch zur Auseinandersetzung mit der ärztlichen Ethik beiträgt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung nutzt literaturwissenschaftliche Analyseansätze, wobei zeitgenössische Traktate, Enzyklopädien (wie das Zedler-Lexikon) und theaterrelevante Poetiken zur Kontextualisierung herangezogen werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung der medizinischen Lehrmeinungen, den historischen Entstehungskontext des Dramas, eine detaillierte Analyse der fiktionalen Funktion der Medizin sowie eine spezifische Untersuchung der Hypochondrie-Darstellung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Aufklärung, Medizingeschichte, Mechanismus, Animismus, Satire, Hypochondrie und das Ideal des „vernünftigen Arztes“.

Wie bewertet der Autor das Verhältnis von Arzt und Patient im Stück?

Der Autor zeigt auf, dass Mylius die „Quacksalber“ als Ausbeuter darstellt, die das Vertrauen gutgläubiger Laien missbrauchen, während die positive Figur des Damon ein Gegenmodell des aufgeklärten, verantwortungsbewussten Arztes entwirft.

Welche Bedeutung kommt der Hypochondrie im untersuchten Werk zu?

Die Hypochondrie wird nicht nur als medizinischer Zustand, sondern als Symbol für Unvernunft und mangelnde Lebensordnung in der Frühaufklärung interpretiert, die eng mit der Abwesenheit des pater familias und einer Entfremdung von natürlichen Bedürfnissen verknüpft ist.

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Details

Title
Christlob Mylius Beitrag zum medizinischen Diskurs der Frühaufklärung mit dem Lustspiel "Die Ärzte"
College
Ruhr-University of Bochum
Grade
1,7
Author
Sarah Till (Author)
Publication Year
2008
Pages
35
Catalog Number
V126582
ISBN (eBook)
9783640324620
ISBN (Book)
9783640326280
Language
German
Tags
Arzt Mediziner Ärzte Christlob Mylius Frühaufklärung Lustspiel Medizin Gelehrsamkeit Aufklärung Die Ärzte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sarah Till (Author), 2008, Christlob Mylius Beitrag zum medizinischen Diskurs der Frühaufklärung mit dem Lustspiel "Die Ärzte", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126582
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