Der 1174 durch Papst Alexander III. heilig gesprochene Bernhard von Clairvaux gilt bis heute als einer der bedeutendsten Mönche und Kirchenlehrer des Hochmittelalters, weswegen er von seinem Orden, den Zisterziensern, neben den drei Gründervätern Robert von Molesme, Albericht von Cîteaux und Stephan Harding als größter Ordensheiliger verehrt wird.
Doch was waren die tatsächlichen Umstände des Beitritts zum Zisterzienserorden? Was bewog Bernhard tatsächlich zu dem Schritt, Mönch zu werden?
Was zeichnete die jungen Jahre Bernhards aus, wie stieg er zu einem der einflussreichsten Äbte auf? Was bewirkte er insgesamt im Zisterzienserorden, was im von ihm gegründeten Clairvaux?
Mit diesen Fragen will sich die vorliegende Hausarbeit auseinandersetzen.
Diesbezüglich soll im ersten Teil der vorliegenden Arbeit zwecks Vorstellung der Person des Bernhard von Clairvaux kurz auf dessen biographischen Daten eingegangen werden.
Der zweite Abschnitt setzt sich dann explizit mit Bernhards Zeit vor seinem Eintritt ins Kloster auseinander. Hierbei werden zunächst Bernhards zeitgenössische Biographen Gottfied von Auxerre und Wilhelm von Saint-Thierry und deren hagiographischen Aufzeichnungen Fragmenta und Vita prima vorgestellt, woraufhin Bernhards Abstammung, seine Familie, sowie seine Kindheit und Jugend beleuchtet werden sollen.
Das zentrale dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Umständen seines Beitritts zum Zisterzienserorden.
Der darauf folgende Passus will dann Bernhards Anfangsjahre im Kloster Cîteaux beschreiben, wobei ein gesonderter Augenmerk auch auf den Zisterzienserorden als strenge Alternative den zu anderen Gemeinschaften in Bezug auf die Einhaltung der regula benedicti, sowie allgemein auf den 1098 gegründeten Konvent Cîteaux erfolgen soll.
Anschließend soll das von Bernhard 1115 gegründeten Kloster Clairvaux im fünften Abschnitt genauer untersucht werden. Dabei sollen zunächst die Umstände der Klostergründung analysiert werden, bevor dann auf die Reformbestrebungen eingegangen wird. Des Weiteren befasst sich dieser Part mit der ungeheuren Ausbreitungswelle, die vom Kloster Clairvaux ausging und den Zisterzienserorden in ganz Europa entfaltete.
Im Schlussteil dieser Hausarbeit sollen dann unter Berücksichtigung der Fragestellung die Ergebnisse über Bernhards Aufstieg zusammengefasst und resümiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Biographie des Bernhard von Clairvaux
2. Die Jahre vor dem Eintritt ins Kloster aus Sicht seiner Viten
2.1 Die Fragmenta des Gottfried von Auxerre
2.2 Wilhelm von Saint-Thierrys Vita prima
2.3 Abstammung und Familie des Bernhard von Clairvaux
2.4 Kindheit und Jugend Bernhards
3. Die Umstände des Ordenseintrittes
3.1 Bernhards Gründe für den Eintritt in den Konvent
3.2 Der Ordenseintritt 1112
4. Bernhards Anfangsjahre in Cîteaux
4.1 Das Kloster Cîteaux
4.2 Der Zisterzienserorden und die Regula benedicti
4.3 Bernhards Zeit in Cîteaux
5. Die Gründung des Klosters Clairvaux
5.1 Die Klostergründung und die Anfangszeit in Clairvaux
5.2 Clairvaux als Ausgangspunkt neuer Klostergründungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die biographischen Ursprünge und die Umstände, die Bernhard von Clairvaux dazu bewegten, in den Zisterzienserorden einzutreten, und analysiert die Faktoren, die seinen schnellen Aufstieg zu einem der einflussreichsten Äbte und Gestalter des Ordens ermöglichten.
- Biographische Einordnung von Bernhard von Clairvaux
- Analyse hagiographischer Quellen zur Jugendzeit
- Die religiösen und sozialen Beweggründe für den Klostereintritt
- Die Entwicklung des Zisterzienserordens und die Rolle von Cîteaux
- Bernhards Wirken als Gründer und Reformer des Klosters Clairvaux
Auszug aus dem Buch
2. Die Jahre vor dem Eintritt ins Kloster aus Sicht seiner Viten
Da in Bernhards eigenen (sehr zahlreich vorhandenen) Aufzeichnungen und Briefen praktisch nichts über dessen Jahre vor seinem Klostereintritt ausgesagt wird, müssen diesbezüglich die über ihn geschriebenen Viten Fragmenta des Gottfried von Auxerre und Wilhelm von Thierrys Vita prima Auskunft erteilen.
Problematisch an den beiden Lebensbeschreibungen ist die Tatsache, dass es sich bei ihnen weniger um auf Fakten gestützte Biographien, sondern vielmehr um Hagiographien handelt, deren Intention weniger eine objektive Darstellung der Person, sondern vielmehr dessen heroische Darstellung als Heiliger, der uneigennützig nur kirchlichen Belangen bzw. Christus diente, zwecks Schaffung einer Vorbildfigur für die Nachwelt ist. Daher treten bei Hagiographien oftmals historische Fakten zugunsten von exemplarischen und ideologischen Darstellungen und angeblichen Wundertaten in der Lebensbeschreibung in den Hintergrund. Ziel einer jeden hagiographischen Schrift war es, eine spätere Heiligsprechung des Beschriebenen zu erreichen.
So enthalten auch die Fragmenta und die Vita prima Elemente, die für die hagiographischen Heiligenbeschreibungen des Mittelalters typisch sind. Zum einen ist hier auf die Darstellung der Eltern zu verweisen, wobei „der Vater künftiger Heiliger […] im Mittelalter durchweg tapfer, die Mutter durchweg fromm zu sein“ pflegt. Von seiner Mutter wird berichtet, sie habe vor Bernhards Geburt geträumt, ein bellender Hund befände sich in ihrem Leib, woraufhin ihr ein Kleriker prophezeite: „Ein ausgezeichneter Prediger wird aus dir geboren werden, nicht zu vergleichen mit den vielen Hunden, die nicht bellen können.“ Auch die Prophezeiung der werdenden Mutter über die Zukunft des Ungeborenen ist in Anknüpfung an Maria, die angeblich von Gott über ihre Gravidität in Kenntnis gesetzt wurde, Teil einer hagiographischen Vita.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Biographie des Bernhard von Clairvaux: Ein kurzer Überblick über Bernhards Lebensdaten, sein Wirken als Zisterzienser und seinen kirchenpolitischen Einfluss im Hochmittelalter.
2. Die Jahre vor dem Eintritt ins Kloster aus Sicht seiner Viten: Eine kritische Untersuchung der hagiographischen Quellen, die Bernhards Jugend und familiären Hintergrund beleuchten.
3. Die Umstände des Ordenseintrittes: Analyse der persönlichen und religiösen Motive, die Bernhard und seine Familie zum Eintritt in den Zisterzienserorden führten.
4. Bernhards Anfangsjahre in Cîteaux: Darstellung der frühen klösterlichen Ausbildung und der Ideale des Zisterzienserordens unter Bezugnahme auf die Benediktsregel.
5. Die Gründung des Klosters Clairvaux: Untersuchung der Umstände der Klostergründung und wie Clairvaux zum Zentrum einer europaweiten monastischen Erneuerungsbewegung wurde.
Schlüsselwörter
Bernhard von Clairvaux, Zisterzienser, Kloster Cîteaux, Kloster Clairvaux, Regula benedicti, Hagiographie, Mönchtum, Mittelalter, Reformbewegung, Christusmystik, Heiligenviten, Ordenseintritt, Hochmittelalter, Askese, Kirchenpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Leben des heiligen Bernhard von Clairvaux, insbesondere mit seinen frühen Jahren und den Gründen für seinen Eintritt in den Zisterzienserorden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Interpretation hagiographischer Quellen, das mittelalterliche Klosterleben und die Rolle Bernhards bei der Verbreitung der Zisterzienser.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Umstände des Ordenseintritts zu klären und zu analysieren, wieso Bernhard zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit aufstieg.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die historische Analyse und Quellenkritik, insbesondere die Untersuchung zeitgenössischer Heiligenviten im Kontext des mittelalterlichen Selbstverständnisses.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Quellenanalyse der Jugendjahre, die Motive des Ordenseintritts, die Ausbildung in Cîteaux und die Gründung sowie Ausbreitung von Clairvaux.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Bernhard von Clairvaux, Zisterzienser, Hagiographie, Regula benedicti und monastische Reform.
Wie kritisch bewertet der Autor die verwendeten Lebensbeschreibungen?
Der Autor ordnet die Viten als Hagiographien ein, die historische Fakten zugunsten einer idealisierten Heiligenfigur in den Hintergrund drängen, und mahnt daher zur Quellenkritik.
Warum war der Einfluss der Mutter Aleth so bedeutend für Bernhard?
Die Mutter förderte schon früh eine spartanische, gottgefällige Erziehung und hegte den Wunsch, dass mindestens einer ihrer Söhne ein geistliches Leben führt.
Welche Rolle spielte das Jenseitsverständnis für Bernhards Entscheidung?
Das mittelalterliche Bewusstsein, geprägt von der Angst vor der Hölle und dem Wunsch nach dem Seelenheil, machte das klösterliche Leben für Bernhard zu einem notwendigen Schritt.
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- Joachim Graf (Author), 2007, Die jungen Jahre des Bernhard von Clairvaux, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126583