Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Individual, Groups, Society

Globale Ungerechtigkeiten. Verantwortung aus sozialer Verbundenheit

Title: Globale Ungerechtigkeiten. Verantwortung aus sozialer Verbundenheit

Term Paper , 2021 , 15 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Julian Fricke (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Diese Arbeit möchte aufzeigen, dass bisherige Konzeptionen von Gerechtigkeit nicht ausreichend sind für die Bewältigung globaler Krisen und Ungerechtigkeiten. Mit dem Modell der "Verantwortung aus sozialer Verbundenheit" (Iris Marion Young) soll eine Alternative vorgestellt werden, um Verantwortung für Ungerechtigkeit auch in komplexen und unübersichtlichen Kontexten zuschreiben zu können. Es soll aufgezeigt werden, dass es einen solchen Ansatz braucht, damit Gerechtigkeit nicht an den Grenzen der Nationalstaaten oder zu komplexen Zusammenhängen scheitert. Der Ansatz von Young wird an derzeitigen Entwicklungen und Diskursen in Deutschland bzw. Europa rund um das sogenannte Lieferkettengesetz verdeutlicht.

Multiple Krisen und ihre Analysen sind derzeit allgegenwärtig. Egal ob Wirtschafts- und Finanzkrisen, Gesundheitskrisen, Klimakrisen oder humanitäre Krisen, sie alle haben eine Gemeinsamkeit. Sie sind zu globalen Phänomenen einer globalisierten Welt geworden und betreffen die Weltgemeinschaft. Jede der Krisen zeigt auf, wie sehr das Zusammenleben auf der Erde durch Verflechtungen und geteilte Strukturen durchzogen ist und macht deutlich, welch globalen Ungleichheiten zwischen Nationalstaaten und ihren Bewohner*innen bestehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Globale Ungerechtigkeiten und Verantwortung

Modell sozialer Verbundenheit

Strukturelle Ungerechtigkeit

Probleme des Haftbarkeitsmodells

Verantwortung aus sozialer Verbundenheit

Das Lieferkettengesetz in Deutschland

Welche Verantwortung wird übernommen?

Globale Verantwortung und das Konzept der imperialen Lebensweise

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Modell der „Verantwortung aus sozialer Verbundenheit“ der Philosophin Iris Marion Young und dessen Anwendung auf globale Ungerechtigkeiten. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob das deutsche Lieferkettengesetz den Anforderungen an eine solche Verantwortungsübernahme gerecht wird oder ob es hinter notwendigen strukturellen Veränderungen zurückbleibt.

  • Analyse des Modells der sozialen Verbundenheit nach Iris Marion Young
  • Unterscheidung zwischen Haftbarkeitsmodell und struktureller Verantwortung
  • Kritische Würdigung des deutschen Lieferkettengesetzes
  • Diskussion des Konzepts der „imperialen Lebensweise“ in globalen Strukturen
  • Reflexion über kollektive Verantwortung in einem globalisierten Wirtschaftssystem

Auszug aus dem Buch

Modell sozialer Verbundenheit

Zentral ist die Frage, warum Young überhaupt ein neues Konzept für Verantwortungszuschreibung von Ungerechtigkeiten vorschlägt und was genau der Mehrwert des Modells der Verantwortung durch soziale Verbundenheit ist. Wie bereits angedeutet, ist sie der Meinung, dass bisherige Gerechtigkeitstheorien in gewissen Kontexten unbrauchbar oder gar schädlich sind.

Unbrauchbar sind diese in zwei Aspekten. Einerseits kritisiert Young die bisherigen Gerechtigkeitsansätze, weil diese „davon ausgegangen sind, dass Gerechtigkeitspflichten nur zwischen denen gelten, die in einer einzelnen politischen Gemeinschaft unter einer gemeinsamen Verfassung leben.“ (Young 2010: 329) Nun wäre es vorstellbar, die bisherigen Ansätze einfach über die Grenzen der Nationalstaaten auszudehnen. Hier liegt nach Young das entscheidende Problem der bisherigen Ansätze. Diese nehmen globale Verantwortung lediglich in Bezug auf Schuld und Haftbarkeit in den Blick, was bei komplexen Verstrickungen unzähliger globaler Akteure – wie am Beispiel von Lieferketten noch verdeutlicht wird – jegliche Brauchbarkeit verlieren (vgl. Young 2010).

Außerdem wird hier deutlich, dass diese Ansätze nicht nur unbrauchbar, sondern bisweilen für einen verantwortlichen Umgang mit Ungerechtigkeit gar schädlich sein können. Wenn Akteure, da ihnen keine direkt Schuld nachgewiesen werden kann und sie sich im gesetzlichen Rahmen bewegen, ihre „Mitschuld“ und Verantwortung fälschlicher Weise von sich weisen können, ist es an der Zeit eine neue Perspektive einzunehmen. Young kritisiert diese Zurückweisung der Verantwortung als inkonsistent, wenn diese handelnden Akteur*innen – wie es in globalen Lieferketten oft der Fall ist – abhängig sind von den Handlungen der von Ungerechtigkeit betroffenen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet multiple globale Krisen und identifiziert die Notwendigkeit einer neuen Gerechtigkeitsperspektive durch das Modell der sozialen Verbundenheit.

Globale Ungerechtigkeiten und Verantwortung: Dieses Kapitel erläutert, warum bei komplexen sozial-strukturellen Prozessen traditionelle Haftbarkeitsmodelle an ihre Grenzen stoßen.

Modell sozialer Verbundenheit: Hier wird das Kernkonzept von Iris Marion Young als Alternative zur rein schuldbezogenen Verantwortung vorgestellt.

Strukturelle Ungerechtigkeit: Das Kapitel definiert strukturelle Ungerechtigkeit als ein moralisches Unrecht, das aus dem Handeln vieler Individuen und Institutionen innerhalb bestehender Normen resultiert.

Probleme des Haftbarkeitsmodells: Es wird analysiert, warum das Haftbarkeitsmodell zur Verantwortungszuschreibung bei großflächigen, komplexen Ungerechtigkeiten unzureichend ist.

Verantwortung aus sozialer Verbundenheit: Zusammenfassung der fünf Merkmale des Modells, die kollektives Handeln und zukunftsorientierte Verantwortung betonen.

Das Lieferkettengesetz in Deutschland: Ein Überblick über die gesetzliche Initiative zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht und deren Zielsetzung im globalen Kontext.

Welche Verantwortung wird übernommen?: Eine kritische Prüfung, inwieweit das Lieferkettengesetz den Anforderungen des Modells der sozialen Verbundenheit entspricht, mit dem Fazit, dass es primär auf Schuldabwehr statt auf strukturelle Veränderung zielt.

Globale Verantwortung und das Konzept der imperialen Lebensweise: Dieses Kapitel erweitert die Debatte um den Ansatz von Brand und Wissen, der die imperiale Lebensweise als strukturelle Ungerechtigkeit begreift.

Fazit: Das Fazit bekräftigt, dass bei globalen Krisen kollektives Handeln und reflektierte Verantwortungsübernahme essenziell für echte Gerechtigkeit sind.

Schlüsselwörter

Globale Gerechtigkeit, Soziale Verbundenheit, Strukturelle Ungerechtigkeit, Haftbarkeitsmodell, Lieferkettengesetz, Iris Marion Young, Politische Verantwortung, Imperiale Lebensweise, Globale Wirtschaft, Menschenrechte, Gesellschaftliche Strukturen, Kollektives Handeln, Externalisierungsgesellschaft, Machtasymmetrien, Verantwortungszuschreibung.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das zentrale Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit globalen Ungerechtigkeiten und der Frage, wie Verantwortung in einer globalisierten Welt jenseits klassischer Schuldzuweisungen zugeschrieben werden kann.

Welche unterschiedlichen Konzepte von Verantwortung werden gegenübergestellt?

Der Autor unterscheidet primär zwischen dem traditionellen, juristisch geprägten Haftbarkeitsmodell und dem von Iris Marion Young entwickelten Modell der Verantwortung aus sozialer Verbundenheit.

Welches wissenschaftliche Ziel verfolgt der Text?

Das Hauptziel ist es, das Modell der sozialen Verbundenheit als Antwort auf strukturelle Ungerechtigkeiten zu etablieren und kritisch zu prüfen, ob politische Maßnahmen wie das deutsche Lieferkettengesetz diesem Anspruch gerecht werden.

Welche Rolle spielt das deutsche Lieferkettengesetz in der Analyse?

Das Lieferkettengesetz dient als exemplarisches Fallbeispiel, um zu verdeutlichen, dass aktuell regulatorische Maßnahmen oft hinter den Anforderungen an eine wirkliche strukturelle Verantwortungsübernahme zurückbleiben.

Inwiefern ist das Modell der „imperialen Lebensweise“ relevant?

Dieses Konzept dient als ergänzender Analyseraster, um aufzuzeigen, wie alltägliche Konsumpraktiken und soziale Strukturen in führenden Wirtschaftsnationen mit globalen Ungerechtigkeiten verknüpft sind.

Welche Rolle nimmt der Begriff „strukturelle Ungerechtigkeit“ ein?

Er beschreibt Situationen, in denen großflächige soziale Prozesse bestimmte Personengruppen unterdrücken oder benachteiligen, ohne dass eine einzelne Person oder Institution direkt dafür zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Warum hält der Autor das Haftbarkeitsmodell bei globalen Lieferketten für problematisch?

Weil globale Marktstrukturen extrem komplex und multifaktoriell sind; eine direkte kausale Verbindung von einer Handlung zu einem spezifischen Schaden ist dort oft nicht mehr nachweisbar.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor im Hinblick auf kollektives Handeln?

Der Autor schlussfolgert, dass die Bewältigung globaler Ungerechtigkeiten nicht allein durch das Strafen einzelner Unternehmen gelingen kann, sondern ein kollektives Umdenken und die Veränderung struktureller Rahmenbedingungen erfordert.

Excerpt out of 15 pages  - scroll top

Details

Title
Globale Ungerechtigkeiten. Verantwortung aus sozialer Verbundenheit
College
University of Marburg
Grade
1,0
Author
Julian Fricke (Author)
Publication Year
2021
Pages
15
Catalog Number
V1265841
ISBN (eBook)
9783346704610
ISBN (Book)
9783346704627
Language
German
Tags
globale ungerechtigkeiten verantwortung verbundenheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julian Fricke (Author), 2021, Globale Ungerechtigkeiten. Verantwortung aus sozialer Verbundenheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1265841
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  15  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint