Comparative Capitalism


Essay, 2007

7 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Comparative Capitalism

I.) Die unterschiedlichen Systeme von „economic governance“ in westlichen Demokratien

Allgemein werden in der Literatur die sog. Liberal Market Economies und die Coordinated Market Economies unterschieden. Unter ersteren werden die angelsächsischen Länder (Großbritannien, USA, Kanada, Australien) klassifiziert, zweitere sind in national koordinierte Marktwirtschaften (Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark) und dezentral koordinierte Marktwirtschaften (Bundesrepublik Deutschland, Österreich, Schweiz, Japan) unterteilt.

Die angelsächsischen liberalen Marktwirtschaften sind durch einige Merkmale gekennzeichnet, die sie von den koordinierten Marktwirtschaften unterscheiden:

- frühe Abschaffung des Gilde- und Zünftesystems.
- klare Dominanz marktliberaler politischer Kräfte.
- liberales Wohlfahrtsregime, das nur einen durch Steuergelder finanzierten Minimalschutz garantiert.

Staaten wie die BRD sind in konservativen Wohlfahrtsregimes organisiert, die neben der sozialen Grundsicherung auch ein bestimmtes erreichtes Lebensniveau zu sichern versuchen.

Charakteristisch für die sozialdemokratischen Wohlfahrtsregimes der national koordinierten Marktwirtschaften ist die durch Einkommensumverteilungen erreichte materielle Angleichung des Lebensniveaus aller Staatsbürger auf hohem Level.

- Schließendlich sind liberale Marktwirtschaften auf der wirtschaftlichen Ebene durch ein kaum vorhandenes Maß an Koordinationsfähigkeit zwischen den Unternehmen gekennzeichnet. Während z.B. die BRD klar korporatistisch geprägt ist, was den Unternehmen gute Möglichkeiten zur „Aushandlung“ von Lösungen mit dem Staat bietet, verläuft die Tendenz in den angloamerikanischen Staaten in Richtung Deregulierung.

Die Hauptunterschiede der beiden Systeme in Bezug auf die „production regimes“

Unter „production regimes“ versteht man die institutionell vorgegeben Rahmenbedingungen, die in die vier konstitutiven Teile Finanzsystem (I.), System der Arbeitsbeziehungen (II.), Berufsausbildungssystem (III.) und Beziehungen zwischen den Unternehmen (IV.) unterteilt und untersucht werden.

In Bezug auf I. dominiert in den liberalen Marktwirtschaften der Kapitalmarkt, wobei sich die Unternehmen ihr Kapital an der Börse besorgen, an der sie notiert sind. Dies impliziert zum einen die Orientierung an kurzen Zeithorizonten, zum anderen die Möglichkeit höherer Risiken. Anders bei den koordinierten Marktwirtschaften: Hier herrscht eine Bankendominanz vor, da die Industrie sich über Bankkredite finanziert, was den Banken Einflussnahme in den Aufsichtsräten verschafft. Die Gründe für diese Unterschiede sind in der Industrialisierung zu suchen, bei welcher sich Großbritannien auf wenig kapitalintensive Branchen (Textil z.B.) spezialisierte, die deutsche Stahlindustrie aber auf langfristig gebundenes Kapital angewiesen war, was nur die Banken zur Verfügung stellen konnten.

Im System der Arbeitsbeziehungen dominieren in liberalen Ländern deregulierte Arbeitsmärkte, bei denen die Beschäftigten kaum Einfluss auf die Unternehmensführung nehmen können. Betriebsrätliche Mitbestimmung gibt es nicht, Löhne werden hauptsächlich auf der Unternehmerseite ausgehandelt. Die Beschäftigungspolitik ist wesentlich flexibler, Entlassungen können also wesentlich leichter vom top management durchgesetzt werden.

Kennzeichnend für die koordinierten Staaten sind hingegen gewerkschaftliche Mitbestimmung, überbetriebliche Lohnaushandlung und ein begrenzter Kündigungsschutz. Beschäftigte können in nicht unerheblichem Ausmaß Einfluss auf die Unternehmensführung ausüben, der Druck durch Betriebsräte und Gewerkschaften ist enorm.

Bezüglich III. wird in den angelsächsischen Ländern der Schwerpunkt auf allgemeine Kenntnisse gelegt, wobei Beschäftigte nur selten eine längere berufsbezogene Ausbildung erhalten und kaum in Fortbildungsprogrammen geschult werden. Wesentlich mehr Aufmerksamkeit wird der Aus- und Weiterbildung in den koordinierten Marktwirtschaften geschenkt, in denen die Beschäftigten eine intensive berufsbezogene Ausbildung durchlaufen, in welche die Wirtschaftsverbände und einzelnen Unternehmen relativ stark mit einbezogen werden.

Hinsichtlich der Unternehmensbeziehungen ist in liberalen Marktwirtschaften ein starker Konkurrenzdruck zu beobachten, wodurch wenige Möglichkeiten zur Kooperation bestehen. In Staaten wie der BRD bestehen dagegen erhebliche Möglichkeiten zur Kooperation, z.B. bei der Standardsetzung oder der technologischen Entwickl]ung. Des Weiteren bietet die gute Koordinierung untereinander und die korporatistische Organisierung vielfältige Einflussmöglichkeiten z.B. auf den Staat, mit dem Lösungen ausgehandelt werden können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Comparative Capitalism
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar "Politische Wirtschaftslehre"
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
7
Katalognummer
V126598
ISBN (eBook)
9783640324729
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Comparative, Capitalism
Arbeit zitieren
Joachim Graf (Autor), 2007, Comparative Capitalism, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126598

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