"Lernen lernen" für alle Altersstufen und Situationen


Fachbuch, 2008

65 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was mich zu diesem Manuskript veranlasst hat

2. Was ist lernen?

3. Hintergrundwissen: Lerntheorie
Aufmerksamkeit und Konzentration
Gedächtnis: Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis
Vergessen
Stress
Entspannung
Motivation
Leistung
Lernstörungen
Die 9 „goldenen Regeln“ des Lernens

4. Was es abzuklären gilt

5. Wahrnehmung
Unsere 5 Sinne:
- hören – Ohren
- sehen – Augen
- tasten, fühlen – Haut
- riechen – Nase
- schmecken – Mund

6. Ihre ganz individuelle Lernstrategie

7. Wie lernen Kinder?

8. Kreativität!

9. Struktur und Disziplin

10. Und so machen sie es richtig

11. Übung macht den Meister
Der gute Start mit dem Gedächtnistraining
Die Mnemotechnik
Die perfekte Rechtschreibstrategie
Vernetztes Denken = Lernen

12. ... und falls es doch nicht klappt

13. Literaturverzeichnis

14. Über die Autorin

1. Was mich zu diesem Manuskript veranlasst hat

Sie können sich doch sicherlich auch noch an die eigene Schulzeit erinnern!? Und daran, dass es in dieser Zeit mindestens einen schulischen Gegenstand gegeben hat, in dem Sie so richtig schlecht waren. Wo Sie einfach lernen konnten soviel Sie wollten, es war Ihnen immer ein Geheimnis, wie andere es fertig brachten, konstant bessere Noten zu bekommen, während Sie immer knapp um das gefürchtete Nichtgenügend herum grundelten.

Mein Gegenstand der Qual war Latein. Nicht dass es mich grundsätzlich nicht interessiert hätte. Auch habe ich in den ersten beiden Jahren noch spielerisch gute Noten bekommen. Doch dann wurden die Wörter mehr. Die Ausnahmen zu den Grundregeln der Grammatik nahmen überhand und die Sätze der immer schräger werdenden Geschichten wurden zunehmend länger.

Wie zum Teufel sollte man in der Lage sein, das zu übersetzen? Ich war es definitiv nicht. Und bekam daher einen Fünfer nach dem anderen. Und schließlich Lateinnachhilfe verordnet. Nachhilfe von älteren Schülern und Studenten, die eben recht erfolgreich in Latein waren. Aber offensichtlich keine Ahnung vom Lernen selbst hatten. Es funktionierte bei ihnen, ohne dass sie wussten warum. Die Glücklichen. Aber weitergeben konnten sie diese Kunst nicht.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich eine Zeit lang eine Studentin als Nachhilfelehrerin hatte. Angefangen hat die Stunde immer damit, dass sie ihr Jausensemmerl ausgepackt hat und neben mir zu essen begonnen hat. In der Zwischenzeit packte ich die Lateinbücher aus und starrte verloren hinein. Bis diese Nachhilfe-Studentin sagte: „So, nun übersetzt einmal diesen Absatz da!“

Und da war wurde ich dann richtig wütend. Innerlich zumindest. Wie zum Teufel sollte ich diesen Absatz übersetzen, wenn ich doch keine Ahnung davon hatte, wie ich das ganze Ding überhaupt angehen sollte? Viele Vokabeln nicht wusste, mit den unzähligen Regeln und Ausnahmen der Grammatik stets durcheinander kam und überhaupt keinen strategischen Plan dazu hatte, wie ich das Ganze angehen sollte. Könnte ich diesen Absatz in der Nachhilfestunde übersetzen, hätte ich sicher auch nicht auf jede Schularbeit einen Fünfer!

Eines Tages sagte ich daher zur Wurstsemmel kauenden Studentin neben mir: „ Können Sie mir einmal zeigen, wie Sie das machen?“ „Du willst ja nur, dass ich die Arbeit für dich erledige. Aber ich kann das ja, du sollst es doch lernen ...“, war die äußerst unbefriedigende – und aus meiner heutigen Sicht als Lerntrainerin und Beraterin auch ziemlich unkluge - Antwort.

Diese Art der Nachhilfe hat mir nämlich nicht viel gebracht. Ich hatte in der
7. Klasse AHS schließlich einen Fünfer im Zeugnis und bin zur Nachprüfung angetreten. Diese habe ich – keine Ahnung wie! – geschafft und das ausgesprochene Glück, auf die Schularbeit in der 8. Klasse ein Genügend zu bekommen und musste damit nicht in Latein zwangs-maturieren. Auf die Erklärung, wie ich das gemacht habe, kann ich hier leider nicht näher eingehen. Schließlich möchte ich nicht riskieren, dass mir die Matura noch im Nachhinein aberkannt wird ...;-)

Das Gute an diesem Erlebnis ist, dass ich wohl seit dieser Zeit die Erfahrung im Hinterkopf trage, dass diese Form der Nachhilfe nichts bringt. Und den Verdacht, dass es andere Formen geben müsse, wie Kindern und auch Erwachsenen geholfen werden kann, ihre Lernziele zu erreichen.

Heute weiß ich, dass ich damals intuitiv recht hatte. Und ich weiß auch, wie das geht.

Es geht wohl darum, zu lernen, wie man richtig lernt. Und zwar jeder für sich.

Bemerkenswert ist es auch, dass lernen ja wie viele andere Dinge auch eine komplexe Tätigkeit an und für sich ist. So etwas wie Radfahren für jemanden, der es noch nicht kann. Lernen selbst bedingt damit unterschiedliche Fähigkeiten. Konzentration, Gedächtnis, die Möglichkeit, das Gemerkte genau wieder dann abzurufen, wenn man es gerade braucht zum Beispiel. Und unterschiedliche Formen der Wahrnehmung, damit die Lerninhalte überhaupt einmal in den Gedächtnisspeicher gelangen können. Darüber können Sie auf den folgenden Seiten mehr erfahren.

Damit war sozusagen mein Unvermögen in Latein ein erster Anstoß für mich, dieses Manuskript zu schreiben.

Aber auch die bisherigen Erfahrungen als Lerntrainerin und Beraterin haben dazu beigetragen.

So erlebe ich bei Kindern beispielsweise oft die gleichen Defizite. Und die Tatsache, dass die Eltern meist viel zu spät nach Hilfe suchen. Dann, wenn schon mehrere Fünfer im Zeugnis den Aufstieg in die nächste Klasse gefährden und es nur noch ein paar Wochen bis zu den Ferien sind.

Aber ich bin bloß Lerntrainerin und keine Zauberin ...

Auch geht es nur wirklich selten darum, dass ein Kind inhaltlich den Lernstoff (z. B.: ein bestimmtes Kapitel in Mathematik) nicht versteht. Oft liegt es an der falschen – weil nicht nützlichen – Strategie des Kindes, die gestellte Aufgabe zu lösen. Oder daran, dass sich das Kind die Lösung mittlerweile gar nicht mehr zutraut. Mit einem Wort muss daher oft mehr getan werden, als einfach ein paar Stunden Lerninhalt wiederholt werden. Und das braucht manchmal etwas Zeit.

Was nun meine erwachsene Klientel betrifft, so merke ich, dass vor allem Studenten unter einem immensen Druck stehen, wenn sie ungeheure Stoffmengen in kurzer Zeit für mehrere Prüfungen gleichzeitig lernen sollen. Dabei übersehen sie oft ganz grundlegende Regeln des Lernens, die es neben der individuellen Strategie nämlich durchaus auch gibt. Wenn mehrere dieser Regeln nicht beachtet werden, kann Lernen eigentlich keinen Erfolg mehr bringen. Das Ergebnis sind schlechte Noten, verlorene Zeit und Frust. Und nach mehreren Wiederholungen auch eine Verminderung des Selbstwertgefühls.

Viele Erwachsene tun sich anfangs schwer, Ziel bringende Kreativität einzusetzen. Weil ihnen das kindisch vorkommt. Mit Recht. Kinder gehen stark kreativ vor und lernen im Zuge der natürlichen Entwicklung unverhältnismäßig viel in sehr kurzer Zeit.

Dieses Manuskript soll als kleiner Leitfaden dienen, wie Lernen tatsächlich besser funktionieren kann. Als Anleitung zur Nachforschung der eigenen Strategien. Und als Anregung neue Wege zu beschreiten und diese zu trainieren.

Denn wer immer nur das macht, was er schon bisher gemacht hat, wird auch in Zukunft nur das erreichen, was er schon bisher zu erreichen in der Lage war. Oder wie der österreichische Psychotherapeut und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick (* 1921 - † 2007) so schön gesagt hat: „Wer als Werkzeug einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.“ Ich finde, es ist Zeit, den Werkzeugkasten um ein paar Utensilien aufzustocken! Denn wer über mehr „Werkzeuge“ verfügt, kann unterschiedliche „Probleme“ meistern.

Es kann aber sein, dass dies künftig nicht mehr ausreicht. Vorbei sind die Zeiten, in denen 9 Jahre lernen in der Schule für das gesamte weitere Leben ausreichten. Nein, es muss nicht jeder studieren. Aber Fortbildung gehört heute zur Pflicht und nicht zum Kürprogramm. Man kann dazu stehen wie man möchte. Und auch Angst davor haben. Tatsache ist allerdings: diese Angst ist nicht nützlich!! Sie steht uns im Wege, so wie wir und selbst mit vielen Aussagen über uns selbst im Wege stehen. Ein „ich kann mir das nicht merken!“ sollte endlich richtig gestellt werden in ein „bis heute gelingt es mir nicht, mir das zu merken.“

Es liegt an uns daran zu arbeiten, dass es morgen anders wird als es heute ist. Damit wir uns auf das morgen freuen können, statt uns davor fürchten zu müssen.

Es liegt also an Ihnen, die Ärmel aufzukrempeln und die Sache anzugehen. Heute. Für morgen. Und es liegt an mir, Sie dabei zu unterstützten. So wie Sie zu Beginn des Radfahrens jemand gehabt haben, der Ihnen geholfen hat. Bis Sie in der Lage waren, ihm davon zu fahren. Oder so, wie es war, als Sie Auto zu fahren lernten.

2. Was ist lernen?

Unter „lernen“ versteht man den Erwerb von geistigen, körperlichen und sozialen Fähigkeiten bzw. Kenntnissen.

Von geistigen Kenntnissen spricht man zum Beispiel beim Lernen einer Sprache oder von mathematischen Regeln. In der Tanzschule hat man es hingegen mit dem Lernen von körperlichen Fähigkeiten zu tun. Und sozialen Umgang lernen schon die Kleinsten im Kindergarten, wenn sie beginnen, erste Freundschaften zu knüpfen.

Lernen wird entweder geplanter Weise und bewusst umgesetzt oder es passiert unbewusst, also implizit.

Kinder lernen die Muttersprache und deren Regeln implizit. Die Vorbereitung für die Führerscheinprüfung wird dagegen mehr Planungsgeschick und Aufmerksamkeit erfordern.

Die Lernpsychologie spricht bei „lernen“ auch von einem Prozess der Verhaltensänderung, der aufgrund neu gewonnener Einsichten oder Erfahrungen einsetzt.

Haben Affen einmal gelernt, dass sich harte Nüsse mithilfe von einfachen Steinwerkzeugen einfacher öffnen lassen, als mit den bloßen Zähnen, werden sie ab diesem Moment ihr Verhalten für immer ändern.

Lernen ist für alle Lebewesen eine Grundvoraussetzung dafür, sich den (verändernden) Gegebenheiten der Umwelt anpassen oder diese selbst beeinflussen zu können.

Zum 'Grundinstrumentarium' des Lernens gehören auch die Fähigkeit zur Erinnerung (Gedächtnis) und die Fähigkeit zum zielgerichteten Abrufen des Erlernten.

„Jedoch ist Lernen mehr als das reine Abspeichern von Informationen. Lernen beinhaltet die Wahrnehmung und Bewertung der Umwelt, die Verknüpfung mit Bekanntem (Erfahrung) und das Erkennen von Regelmäßigkeiten (Mustererkennung).“(Zitat: http://de.wikipedia.org/wiki/Lernen - Eckpfeiler des Lernbegriffs)

Denken Sie einmal daran, dass Sie einen bestimmten Inhalt, zum Beispiel Daten und Fakten über die Aufzucht von Bienen lernen möchten.

Zuerst müssen Sie diese Daten und Fakten wahrnehmen.

Sie werden daher auf die Suche nach entsprechenden Informationen gehen (Wahrnehmung).

Sie werden die Qualität der Informationen danach bewerten, wo Sie diese finden und wie seriös Ihnen die Angabe dazu erscheint (Bewertung der Umwelt).

Beim Lesen der Informationen werden Ihnen Teile davon bekannt vorkommen. So könnte es auch sein, dass Sie sich dabei an bestimmte Episoden aus dem Kinderfilm „Biene Maja“ erinnern (Verknüpfen mit Bekanntem).

Wenn Sie unterschiedliche Bienenarten studieren, werden Sie nach Regelmäßigkeiten suchen, die alle Bienen gemeinsam haben und sich diese leichter einprägen können, als die spezifischen Unterschiede der jeweiligen Arten (Mustererkennung).

Gleiches gilt im Übrigen auch für implizites, also unbewusstes Lernen. Hierbei ist es besonders spannend, welche Informationen so „nebenbei“ bei Ihnen hängen bleiben und welche Informationen in der täglichen Flut von Inhalten untergehen. Mehr dazu finden Sie im Kapitel 5.

„Gibt es so etwas wie „gutes“ Lernen ?“ wurde ich einmal gefragt. Darüber musste ich einmal kurz nachdenken, obwohl die Antwort doch ganz einfach ist: gutes Lernen ist jenes Lernen, welches uns zur Erreichung unserer Ziele verhilft.

Dazu müssen wir allerdings einmal Ziele haben.

Bei Schülern und Studenten scheint das einfach zu sein. Warum nicht eine Eins als beste Note haben wollen? Ein gutes Ziel. Aber wohl etwas zu hoch gesteckt, wenn man bis dato nur Fünfer auf die Schularbeiten und Tests nach Hause gebracht hat. Und nicht zu vergessen: eine gute Note ist nicht nur von der eigenen Leistung abhängig sondern auch von der Benotung durch den Lehrer. Das klingt nicht nur ungerecht. Das ist in vielen Fällen auch ungerecht. Aber es ist eben so. Mühe und Energie einzusetzen lohnt sich nur dort, wo wir auch etwas bewegen, Einfluss nehmen können. Und das ist in erster Linie bei uns selbst.

Aber auch im Berufsalltag oder beim Erlernen einer neuen Fremdsprache zum Spaß ist es wichtig, sich Lernziele zu setzen. Was ist Ihr Antrieb dafür genau diese Inhalte genau jetzt lernen zu wollen? Was erwarten Sie sich davon? Bis wann wollen oder müssen Sie dies gelernt haben? Wie viel Zeit haben Sie daher zur Verfügung?

Das sind wohl die wesentlichsten Fragen, die Sie sich zu Beginn ihrer Arbeit stellen sollten. Wozu? Nun, um im Abstand von einigen Tagen immer wieder überprüfen zu können, ob Sie noch am richtigen Weg sind. Und damit Sie am Ende Ihres Wegs wissen, ob es sich tatsächlich um einen Erfolg handelt, den es dann aber auch zu feiern gilt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Hintergrundwissen: Lerntheorie

Bevor Sie noch die Frage stellen „wozu bitte Theorie in einem praktischen Ratgeber?“ Hier meine Antwort:

Weil es für viele Menschen wichtig ist, jene Inhalte, mit denen sie sich gerade beschäftigen, in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Und weil es immer wieder neugierige Menschen gibt, die einfach „etwas mehr“ wissen wollen.

Aufmerksamkeit und Konzentration

Unter Aufmerksamkeit im Bereich der Psychologie versteht man die Zuweisung von Ressourcen des Gehirns zur Verarbeitung von bewussten Wahrnehmungen und zum Denken. Dies kann willentlich geschehen, indem wir unsere Aufmerksamkeit bewusst auf unsere externe oder interne Umwelt richten oder von außen, wenn eben etwas unsere Aufmerksamkeit gewissermaßen von sich aus erregt.

Unter Konzentration (lat. concentra = Zusammen zum Mittelpunkt) versteht man das (langzeitliche) Aufrechterhalten eines Aufmerksamkeitsniveaus sowie die willentliche Fokussierung dieser Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Tätigkeit, einen Reiz oder Ähnliches.

Proaktives Lernen, welches von uns wissentlich in Angriff genommen wird, bedingt die Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Denn nur so schaffen wir es, die of große Zahl relevanter Informationen in der dafür zur Verfügung stehenden Zeit in unserem Gedächtnis abzuspeichern.

Gedächtnis: Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis

Unter Gedächtnis versteht man die Fähigkeit des Nervensystems von Lebewesen, aufgenommene Informationen zu behalten, zu ordnen und wieder abzurufen. Die gespeicherten Informationen sind dabei das Ergebnis von bewussten oder unbewussten Lernprozessen.

Die Psychologie unterscheidet dabei - unter Anderem - das sogenannte Arbeitsgedächtnis (vgl. mit Kurzzeitgedächtnis) vom Langzeitgedächtnis.

Jede neue Information gelangt über die Sinnesorgane in das sensorische Gedächtnis (auch: Ultrakurzzeitgedächtnis) und von dort in den Arbeitsspeicher, das Kurzzeitgedächtnis. Hier können rund 7 (+ / - 2) Informationsinhalte (sogenannte chunks) gespeichert werden.

Sollen Inhalte über einen längeren Zeitraum verfügbar sein, so müssen sie in das Langzeitgedächtnis überführt werden.

Über die tatsächliche Speicherkapazität des Langzeitgedächtnisses gibt es keine exakten Informationen. Beispiele besonders begabter Menschen – etwa sogenannter Savants (Hochbegabte trotz/wegen Hirnschädigungen), oder „Wunderkindern“ – lassen auf eine nahezu „unbegrenzte“ Kapazität und Verweildauer der Inhalte in diesem Teil des Gedächtnisses schließen.

Vergessen

Natürlich hat unser Gehirn nicht nur die Fähigkeit Inhalte abzuspeichern und aufzubewahren, sondern auch zu vergessen. Diese, grundsätzlich nützliche Funktion bewahrt uns davor, unnötige Energie mit der Verarbeitung und Speicherung für uns unwichtiger Details zu verschwenden.

Allerdings geschieht dieses Vergessen nicht nur auf unseren ausdrücklichen Wunsch oder Befehl. Sondern vielmehr automatisch, sofern wir diesem Prozess nicht aktiv entgegensteuern – zum Beispiel durch Wiederholungen des Gelernten.

Hermann Ebbinghaus (1850-1909) studierte Geschichte und Philosophie, lernte mehrere Sprachen und arbeitete auch als Sprachlehrer. 1885 veröffentlichte er das Buch "Über das Gedächtnis“, aus dem auch die folgende Vergessenskurve stammt:

Diese Kurve veranschaulicht, was passiert, wenn wir einen Inhalt zu100 % gut gelernt haben und diese Inhalte r d. 30 Min. später wieder abrufen wollen:

entsetzt werden wir feststellen, dass wir ca. 50 % der Inhalte bereits wieder vergessen haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieser Prozess des Vergessens ist nur durch eine gezielte Strategie von oftmaligen Wiederholungen aufzuhalten.

Die 2. Grafik zeigt genau diesen positiven Einfluss, den Wiederholungen im Lernprozess haben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ich zeige Ihnen diese Grafiken nicht wegen der darin enthaltenen Werte. Diese sind statistische Mittelwerte, an denen ich mich im Einzelfall maximal orientieren würde. Niemand kann vorhersagen, wie viele Wiederholungen Sie beim Erlernen eines bestimmten Inhalts benötigen werden. Das beste Gespür dafür können nur Sie selbst entwickeln. Aber beide Grafiken zeigen recht gut, dass wiederholen echt Sinn macht.

Stress

„Stress (engl.: Druck, Anspannung; lat.: stringere = anspannen) bezeichnet zum einen durch spezifische äußere Reize (Stressoren) hervorgerufene psychische und physiologische Reaktionen bei Tieren und Menschen, die zur Bewältigung besonderer Anforderungen befähigen, und zum anderen die dadurch entstehende körperliche und geistige Belastung.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Stress)

Stress hat damit einen durchaus positiven Effekt für uns, da er uns zu besonderen Leistungen befähigt. Aber mit Stress ist es wie mit Sachertorte: zuviel davon tut uns nicht gut.

In den letzten Jahren war immer wieder viel von „negativem“ versus „positivem“ Stress die Rede.

Auf der Homepage einer deutschen Krankenkasse heißt es zum Thema „positiver Stress“:

„Positiver Stress steigert Selbstvertrauen und Wohlbefinden: wir empfinden eine Situation als spannende Herausforderung, der wir uns gewachsen fühlen. Diese Art Stress macht uns leistungsfähiger und zufriedener. Wir sind wie elektrisiert.“ (Quelle: http://www.barmer.de/barmer/web/Portale/Versichertenportal/Gesundheit_20und_20Krankheit/Ratgeber/Stress/Was_20ist_20Stress_3F/Was_20ist_20StressCID__14124.html)

Nun ja. Die Frage ist nur, ob wir es wirklich rechtzeitig mitbekommen, wenn positiver in negativen Stress „umschlägt“.

Und wie einer meiner Ausbildner einmal (sinngemäß) gesagt hat: „Ein Auto, das von Wien nach Salzburg fährt, verbraucht Sprit. Egal, ob sich der Autofahrer dabei ärgert oder sich über die Fahrt freut.“

Wir verbrauchen also Energie. Auch im Zustand von sogenanntem „positiven“ Stress. Und wenn wir mehr verbrauchen, als wir zur Verfügung haben oder in der Lage sind nachzutanken, wird es nicht gut für uns enden.

Zuviel Stress beim Lernen würde auch bedingen, dass wir wohl unsere tägliche Speicherkapazität des Langzeitgedächtnisses überfordern. Die ist nämlich nicht unbegrenzt.

Also ist es mit dem Lernen auch so, wie mit den Sachertorten

Entspannung

Eines der Hauptprinzipien des Lebens ist der ständige Wechsel von Anspannung und Entspannung. Das Grundmuster Wachzustand im Wechsel mit Schlaf deckt dabei aber nur die Grundbedürfnisse ab. Für unser Wohlbefinden – auch im Sinne einer ausgeglichenen „Life-Balance“ – ist es wichtig, dieses Wechselspiel auch in den Wachzustand des Alltags zu integrieren.

Nach Phasen der intensiven Arbeit, egal ob körperlicher oder in erster Linie geistiger Arbeit, sollten Phasen der Ruhe und Entspannung folgen, in denen sich unser Körper und unser Gehirn erholen und neue Kraft tanken können.

Diese Zeit ist niemals eine verschwendete. Auch nicht, was das Lernen betrifft. Denn wenn sich der „Rest“ unseres Körpers bereits in der Ruhephase befindet und die Bücher zugeschlagen hat, lernt das Gehirn noch nach. Es ist dann nämlich noch immer damit beschäftigt, unzählige Verbindungen zwischen den 100 Milliarden (!) Nervenzellen herzustellen aus denen das Gehirn besteht.

Aber Lernen ist nur die eine Seite des Erfolges. Erst dann, wenn wir in der Lage sind, unser Wissen auch dann zur Verfügung zu haben, wenn wir es brauchen, werden wir die Früchte unserer Arbeit ernten können.

Aber gerade das stellt für viele Menschen ein Problem dar. Egal ob sie vor Prüfungen nervös sind, Angst davor haben, vor einem großen Auditorium eine Rede zu halten oder ohnehin davon überzeugt sind, dass sie den Erfolg gar nicht verdient haben, die Mühe des Lernens wird auf diese Art und Weise sehr spät zunichte gemacht.

Das muss aber nicht so sein!

Es gibt in vielen Beratungsansätzen sehr gute und relativ schnelle Techniken, diese „Mankos zu beheben“. Oft wird diesbezüglich mit sogenannten „ressourcevollen Zuständen“ und „Plätzen der Sicherheit“ gearbeitet.

Funktionieren tut all dies, weil unser Unterbewusstsein nicht unterscheiden kann, ob es eine bestimmte Situation tatsächlich erlebt oder sich diese Szene nur in unserer Vorstellung abspielt.

Mehr möchte und kann ich dazu hier nicht ausführen. Nur soviel: wann immer Sie sich durch derartige „Abrufschwierigkeiten“ Ihres Wissens am Erfolg gehindert fühlen: finden Sie sich damit nicht einfach ab! Nehmen Sie die Sache in die Hand und suchen Sie sich dazu die professionelle Unterstützung eines erfahrenen Coaches.

Oder lernen Sie, sich die Erfolge Ihrer Zukunft schon heute plastisch vorzustellen und richten Sie damit alle bereits vorhandenen Ressourcen auf die Erreichung dieser Erfolge aus.

Dass mentale Konzepte und die damit verbundene Anregung unserer Vorstellungskraft tatsächlich funktionieren, zeigt sich im Bereich des Spitzensports wohl am Deutlichsten.

Motivation

Der Begriff kommt von dem Lateinischen Wort „motus“ und bedeutet soviel wie „Bewegung“. Die Humanwissenschaften bezeichnen damit die Ausrichtung des aktuellen Verhaltens auf neue Ziele.

Nach Dr. Reinhard K. Sprenger, einem der bekanntesten Motivationsexperten in Deutschland, sind Menschen zwar beeinflussbar aber nicht steuerbar.

In seinen Erklärungen führt Dr. Sprenger sinngemäß aus, dass jeder angebotene Anreiz nur dann motivierend wirken kann, wenn er von demjenigen, der motiviert werden soll, als attraktiv empfunden wird.

Motivation die von außen kommt kann durchaus kurz- bis mittelfristig Wirkung zeigen. Langfristige Motivation kommt bei Menschen aber immer von Innen. Durch Interesse, Lust, Spaß.

In den meisten Fällen muss Arbeitseinsatz als sinnvoll empfunden werden, damit Menschen motiviert ans Werk gehen können. Und Lernen ist definitiv Arbeit.

Denn ohne Sinn werden die Resultate ausbleiben. Und ohne Resultate gibt es keine Erfolgserlebnisse.

Sehr populär sind in diesem Zusammenhang die Motivationsklassen des amerikanischen Psychologen Abraham H. Maslow (* 1908, † 1970). Mit dem Modell einer sogenannten „Bedürfnispyramide“ beschreibt Maslow die Motivationen von Menschen.

Dabei bilden die menschlichen Bedürfnisse gleichermaßen die Stufen einer Pyramide, der zufolge die Menschen für gewöhnlich zuerst versuchen, die Bedürfnisse der niedrigen Stufen zu befriedigen, bevor die nächsten Stufen Bedeutung erlangen.

Hier die einzelnen Stufen dieser Modell-Pyramide (von unten nach oben zu lesen):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Oft ist Lernen einfach nur Arbeit. Und manchmal fragen wir auch berechtigt nach dem Sinn. Zum Beispiel wenn es sich um Lernstoff der Nebenfächer in der Schule handelt oder es darum geht, im Sinne des beruflichen Weiterkommens für – sagen wir einmal – eine für den eigenen Arbeitsbereich nicht sehr relevante Zertifizierung zu lernen.

Oder wie der griechische Philosoph Aristoteles (* 384 v. Chr., † 322 v. Chr.) vor schon fast 2.400 Jahren sagte: „Lernen ist nicht angenehm, lernen tut weh.“

Wenn wir uns aber einmal dafür entschieden haben, diese Schule abschließen zu wollen oder dass wir am beruflichen Weiterkommen in obigem Sinne interessiert sind, nützt es nichts, über die damit verbundene Arbeit zu lamentieren. Es nützt aber sehr wohl, die innere Einstellung zum Positiven zu verändern. Denn das gibt Ihnen mit Sicherheit mehr Energie und Motivation.

Leistung

Der schon zitiert Motivationsexperte Dr. Sprenger zitiert in seinen Büchern Leistung wie folgt:

Leistung = Bereitschaft x Fähigkeit x Möglichkeit

Unter „Bereitschaft“ ist hier die weiter oben beschriebene Motivation gemeint.

Wissen darüber, wie Lernen funktioniert, der Einsatz von Lern- bzw. Kreativitätstechniken und ein trainiertes Gedächtnis stellen die „Fähigkeiten“ sicher.

Mit „Möglichkeiten“ sind hier einerseits die Umweltbedingungen (Ruhe, genügend Licht etc.) andererseits auch die persönliche innere Einstellung zum Erfolg gemeint. Erlauben Sie sich diesen Erfolg überhaupt? Glauben Sie daran, dass Sie es schaffen können?

Sobald eine dieser Teilfunktionen zu schwach oder nicht vorhanden ist, ist es nicht möglich, die optimale Leistung zu erbringen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 65 Seiten

Details

Titel
"Lernen lernen" für alle Altersstufen und Situationen
Autor
Jahr
2008
Seiten
65
Katalognummer
V126604
ISBN (eBook)
9783640323968
ISBN (Buch)
9783640321872
Dateigröße
928 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
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Schlagworte
Lernen, Altersstufen, Situationen
Arbeit zitieren
Mag. Barbara Berger (Autor), 2008, "Lernen lernen" für alle Altersstufen und Situationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126604

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