Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Funktionsweise der Flucht zur kaiserlichen Statue. Dabei soll auch die Frage geklärt werden, inwieweit diese auf den Schutz der Sklaven ausgelegt war. Die ad statuam confugere durfte von jedem in Anspruch genommen werden, die meisten Quellen betreffen jedoch die ad statuam confugere von Sklaven. Die Flucht von freien Menschen zur kaiserlichen Statue und Zusammenhänge mit dem Kaiserkult werden im Rahmen dieser Arbeit nicht behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen und terminologische Bestimmungen
2.1 Die Quellenlage
2.2 Der Asylbegriff in Abgrenzung zur griechischen Asylie
3. Die Sklaverei in der römischen Antike
4. Ad statuam confugere – Die Flucht zur kaiserlichen Statue
4.1 Das Kaiserbild und die kaiserliche maiestas
4.2 Die Datierung der ad statuam- Flucht und die Motive der Entstehung
4.3 Die Säulen der ad statuam confugere
4.4 Das Verfahren nach einer Sklavenflucht
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Funktionsweise der „ad statuam confugere“ (Flucht zur Kaiserstatue) im römischen Kaiserreich und analysiert, ob diese Praxis primär darauf ausgelegt war, Sklaven vor Misshandlungen zu schützen oder ob andere machtpolitische Interessen des Staates und der Sklavenhalter im Vordergrund standen.
- Methoden der systematischen Recherche und Schneeballmethode
- Rechtliche und religiöse Bedeutung des Kaiserbildnisses und der maiestas
- Vergleich des römischen Statuenasyls mit griechischen Tempelasylen
- Analyse des juristischen Verfahrens bei Sklavenbeschwerden (extra ordinem)
- Bewertung der ökonomischen und sozialen Motivation hinter dem Schutzmechanismus
Auszug aus dem Buch
4.1 Das Kaiserbild und die kaiserliche maiestas
Um nachvollziehen zu können, aus welchen Gründen eine Kaiserstatue Schutz bieten konnte, muss zunächst die Stellung einer solchen Statue herausgearbeitet werden. Aufgestellt wurden die Statuen in den Städten vom ordo decurionum und in Rom in erster Linie vom Senat. Aber auch der Kaiser selbst konnte Statuen errichten lassen. Die Verbreitung der Statuen im römischen Imperium war somit staatlich organisiert, sie wurden aber auch von Einzelpersonen und Personengruppen gestiftet. Laut Richard Gamauf handelte es sich für die Menschen der Antike nicht nur um ein Kunstwerk sondern um einen Träger vielfältiger Botschaften. Hans Georg Niemeyer konkretisiert dies wie folgt:
„Diese Statuen sind unter dem politischen, juristischen und kultischen Aspekt Stellvertreter des Kaisers mit allen Konsequenzen, die sich aus dieser Stellung ergeben: In Rang und Funktion können sie teilweise mit der Person des Kaisers identisch werden.“
Die Kaiserstatue ist demnach nicht nur ein Bildnis des Herrschers, sondern erfüllt eine Stellvertreterfunktion. Dies ergibt sich aus der Position des Monarchen in der Institution des kaiserlichen Prinzipats. Bereits Julius Caesar entwickelte während seiner Herrschaft einen von der römischen Religion losgelösten Herrscherkult, welcher nach und nach mit der Vergöttlichung seiner Person einherging. Auch zu Lebzeiten des Augustus fand eine kultische Verehrung statt und damit die Möglichkeit zu seiner Identifizierung mit einem göttlichen Wesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Sklaverei und die Fragestellung nach der Funktion der Flucht zur kaiserlichen Statue als Schutzinstrument.
2. Grundlagen und terminologische Bestimmungen: Erörterung der Quellenlage sowie Abgrenzung des römischen Asylbegriffs vom griechischen Konzept der Hikesie.
3. Die Sklaverei in der römischen Antike: Analyse der rechtlichen Stellung der Sklaven und der Bemühungen zur staatlichen Kontrolle ihrer Lebensumstände im Kaiserreich.
4. Ad statuam confugere – Die Flucht zur kaiserlichen Statue: Zentrale Untersuchung der Bedeutung des Kaiserbildes, der Rolle der maiestas, des Rechtsverfahrens und der Motive hinter der Praxis.
5. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, die darauf hinweist, dass der Schutz primär auf staatliche Interessen und die Vermeidung von Unruhen statt auf humanitäre Anliegen ausgerichtet war.
Schlüsselwörter
Ad statuam confugere, Sklaverei, Römische Kaiserzeit, Kaiserbildnis, Asylrecht, Maiestas, Sklavenflucht, Rechtsschutz, Praefectus urbi, Crimen maiestatis, Rechtshistorie, Herrscherkult, Beschwerderecht, Codex Iustinianus, Antoninus Pius
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das römische Rechtsschutzinstrument der Flucht zu kaiserlichen Statuen und dessen tatsächliche Effektivität für Sklaven.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das antike Sklavenwesen, das römische Asylverständnis, die politische Funktion des Kaiserkults und die juristische Bewältigung von Sklavenbeschwerden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist zu klären, ob die „ad statuam confugere“ tatsächlich als humanitärer Schutzmechanismus für Sklaven konzipiert war oder lediglich der Stabilität des kaiserlichen Systems diente.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine qualitative Untersuchung basierend auf systematischer Literaturrecherche sowie die Schneeballmethode zur Erschließung der Forschungsbeiträge.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtliche Grundlage des Statuenasyls, die Rolle der kaiserlichen maiestas und das prozessuale Vorgehen bei einer erfolgreichen Flucht und anschließender Anhörung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Ad statuam confugere, Sklavenflucht, kaiserliche maiestas, Asylrecht und die rechtliche Einordnung durch juristische Quellen wie die Digesten.
Welche Rolle spielte der praefectus urbi bei der Flucht?
Der Stadtpräfekt (praefectus urbi) war für die Anhörung der geflüchteten Sklaven verantwortlich und trug eine zentrale Rolle dabei, ob die Beschwerde gegen den Besitzer rechtliche Folgen nach sich zog.
Warum wird der Status der Sklaven als "Übergangsstatus" bezeichnet?
Da die Freilassung in der römischen Gesellschaft eine gängige Praxis war, wurde die Sklaverei oft als temporärer Zustand betrachtet, der häufig mit dem Erreichen des 30. bis 40. Lebensjahres endete.
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- Christina Bornheim (Author), 2021, Die Funktionsweise von kaiserlichen Statuen als Asylort im römischen Kaiserreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1266115