Das deutsche Gesundheitswesen und als stellvertretender Akteur das Krankenhaus stehen heute unter einem zunehmenden Wettbewerbsdruck in Bezug auf Kosten, Zeit und Qualität. Es werden an allen Stellen die bisherige Leistungsstrategien überdacht, immer auf der Suche nach weiteren Rationalisierungs- und Optimierungsmöglichkeiten, ohne den originären Versorgungsauftrag zu unterbrechen oder zu gefährden.
Im Krankenhaussektor steht in der jüngsten Gegenwart vor allem die gesamte Logistik im Fokus des Interesses. Die Höhe des Einsparpotenzials innerhalb der Krankenhauslogistik ist bis jetzt allerdings nicht genau bekannt. Eine erste repräsentative Studie zeigt, dass eine Optimierung der Logistikprozesse im Krankenhaus ein Einsparpotential zwischen 10% und 20% eröffnen kann. Eine andere Studie beziffert den Einspareffekt in Höhe von 3.000 bis 5.000 Euro pro Jahr und Bett.
Sämtliche krankenhausbezogene Prozesse der Logistik werden unter dem Oberbegriff der Krankenhauslogistik zusammengefasst; stellvertretend stehen Begriffe wie Healthcare Logistics oder Hospital Logistics. Zur Hauptaufgabe der Krankenhauslogistik gehören die Planung sowie Steuerung des Materialflusses, mit dem Ziel eine effiziente Versorgung des Krankenhauses und des Patienten bei maximaler Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Die Krankenhauslogistik unterliegt dabei fast vollständig strukturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen, so dass klassische - in der Industrie und im Handel seit Jahrzehnten erfolgreiche - Strategien, Konzepte sowie Instrumente der Logistik erst in der jüngsten Vergangenheit Beachtung finden. Ein klassischer Ansatz zur Optimierung des Materialflusses, bei gleichzeitiger Senkung von Lagerhaltungskosten, ist das Just-In-Time-Konzept.
Im Rahmen dieser Hausarbeit wird - nach einer Kurzdarstellung der wichtigsten theoretischen Grundlagen - das Just-In-Time-Konzept erläutert und exemplarische Ursachen für den allgemeinen Bedeutungszuwachs der Just-In-Time-Beschaffung aufgezeigt. Die gewonnenen Erkenntnisse aus dem klassischen Ansatz werden auf die Arzneimittelbeschaffung in einer Krankenhausapotheke übertragen um zu untersuchen, inwieweit eine Just-In-Time-Beschaffung in diesem sensiblen Teilbereich der Krankenhauslogistik umsetzbar und notwendig ist.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN
2.1 Materialfluss
2.2 Beschaffungsläger
2.3 Lieferservice aus der Sicht der Beschaffungsläger
3 DAS WESEN VON JUST-IN-TIME (JIT)
3.1 Entstehung und Inhalt des JIT-Konzeptes
3.2 Just-In-Time-Beschaffung
3.3 Bedeutung des JIT-Konzeptes in der Gegenwart
4 JUST-IN-TIME IN DER KRANKENHAUSAPOTHEKE
4.1 Krankenhausapotheke
4.2 JIT-Beschaffung in der krankenhausversorgenden Apotheke
4.3 Potenzial der JIT-Beschaffung in der Krankenhausapotheke
5 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit und die Potenziale des Just-In-Time (JIT)-Beschaffungskonzepts im Kontext der Krankenhauslogistik, wobei der Fokus gezielt auf die Arzneimittelversorgung in Krankenhausapotheken gerichtet wird.
- Grundlagen des Materialflusses und der Logistik
- Historische Entwicklung und Prinzipien des JIT-Konzepts
- Besonderheiten der Arzneimittelversorgung in Krankenhäusern
- Konfliktfeld zwischen Just-In-Time-Zielen und gesetzlichen Vorratspflichten
- Optimierungsmöglichkeiten durch partnerschaftliche Logistikmodelle
Auszug aus dem Buch
3.1 Entstehung und Inhalt des JIT-Konzeptes
Das Just-In-Time-Konzept - eine Säule des Produktions-Systems des japanischen Automobilkonzerns Toyota - basiert auf dem Wettbewerbsdruck, dem Toyota in den 50er Jahren ausgesetzt war und wurde von TAIICHI OHNO entwickelt.
Auf der Suche nach einer Antwort, wie Toyota trotz knapper finanzieller Ressourcen, begrenzter Nutzfläche und verstärkter Rohstoffknappheit auf dem Automobilmarkt eine Chance erhält, wurde von T. Ohno das tayloristisch geprägte Produktionssystem der Ford-Werke näher untersucht. Die Antwort war die Entwicklung des Toyota-Produktions-System, das letztendlich zu einer Reihe von revolutionären Veränderungen innerhalb der japanischen Produktion sowie Logistik führte. Dieses System hat seit den 80er Jahren weltenweiten Einfluss auf Unternehmen und findet entsprechende Anwendung. Die Zielsetzung des Toyota-Produktions-Systems war das Erkennen und Beseitigen von Verschwendungen (auf japanisch: Muda). Dabei erfolgte eine Konzentration auf alle Tätigkeiten, die ausschließlich der Wertschöpfung dienen und diese nachhaltig verbessern. Nach T. Ohno gab es sieben Kategorien der Verschwendung. Zu diesen zählen unter anderem: die Überproduktion, der Lagerbestand und die Wartezeiten während der Produktion.
Ein entscheidender Ansatz zur Vermeidung von Verschwendungen ist das Just-In-Time-Konzept, welches aus zwei ineinander verzahnten Vorgehensweisen besteht - der innerbetrieblichen Just-In-Time-Produktion und der zwischenbetrieblichen Just-In-Time-Beschaffung. Nur die ganzheitliche Betrachtung beider Aspekte führt letztendlich zur Vermeidung von Verschwendung. Das führt dazu, dass mit Hilfe des Just-In-Time-Konzeptes verschiedene Ziele verfolgt werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung des zunehmenden Wettbewerbsdrucks im Gesundheitswesen und die Relevanz von Logistikoptimierungen für die Krankenhausapotheke.
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Erläuterung der logistischen Kernkonzepte wie Materialfluss, Beschaffungslager und die Bedeutung des Lieferservices.
3 DAS WESEN VON JUST-IN-TIME (JIT): Historischer Rückblick auf die Entwicklung bei Toyota sowie Definition der zentralen Mechanismen der JIT-Beschaffung.
4 JUST-IN-TIME IN DER KRANKENHAUSAPOTHEKE: Analyse der spezifischen Rahmenbedingungen im Krankenhaus und Bewertung des JIT-Potenzials unter Berücksichtigung rechtlicher Vorgaben.
5 ZUSAMMENFASSUNG: Fazit zur aktuellen Umsetzbarkeit und den langfristigen Chancen von JIT-Modellen im speziellen Umfeld der Krankenhauslogistik.
Schlüsselwörter
Just-In-Time, Krankenhausapotheke, Krankenhauslogistik, Materialfluss, Arzneimittelbeschaffung, Lagerhaltungskosten, Lieferservice, Versorgungssicherheit, Sourcing-Konzepte, Supply-Chain-Management, Bestandssenkung, Medikamentenversorgung, Lean Management, Prozessoptimierung, Qualitätsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendung des Just-In-Time (JIT) Prinzips aus der Industrie auf die speziellen Logistikprozesse einer Krankenhausapotheke.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Materialfluss, Lagerhaltungsstrategien, Arzneimittelversorgung sowie die rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen in Krankenhäusern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, ob und inwieweit das JIT-Konzept im sensiblen Bereich der Arzneimittelversorgung umsetzbar ist, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit logistischen Konzepten, die durch eine Literaturanalyse und den Transfer auf das Krankenhausumfeld untermauert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von JIT, die theoretischen Logistikgrundlagen und wendet diese Erkenntnisse spezifisch auf die Krankenhausapotheke und deren Herausforderungen an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Just-In-Time, Krankenhauslogistik, Arzneimittelbeschaffung, Versorgungssicherheit und Bestandssenkung.
Warum ist eine JIT-Beschaffung in der Krankenhausapotheke so schwierig?
Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen besteht eine Vorratspflicht für Arzneimittel, was den Spielraum für bestandslose Logistikmodelle im Vergleich zur Automobilindustrie stark einschränkt.
Was sind sogenannte Z-Produkte in diesem Kontext?
Z-Produkte zeichnen sich durch unregelmäßigen Verbrauch und eine sehr schlechte Vorhersagbarkeit aus, weshalb sie sich nur schwer in ein rein JIT-gesteuertes Modell integrieren lassen.
Welche Rolle spielt die partnerschaftliche Zusammenarbeit?
Da keine unmittelbare unternehmensinterne Kette besteht, ist die Zusammenarbeit mit externen Logistikpartnern und Pharma-Großhändlern entscheidend, um trotz der schwierigen Rahmenbedingungen Optimierungen zu erzielen.
- Quote paper
- Peter Janakiew (Author), 2009, Just-In-Time-Beschaffung in der Krankenhausapotheke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126611