Die Wettbewerbsfähigkeit Lateinamerikas im Vergleich zu derjenigen Südostasiens


Bachelorarbeit, 2008

73 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Kapitel 1 Einleitung

Kapitel 2 Wirtschafts- und entwicklungsgeschichtliche Retrospektive
2.1 Lateinamerika
2.2 Südostasien

Kapitel 3 Wettbewerbsfähigkeit in Rahmen volkswirtschaftlicher Theorie
3.1 Innovation als Komponente internationaler Wettbewerbsfähigkeit
3.1.1 Definition und Determinanten
3.1.2 Technischer Fortschritt als entscheidender Wachstumsfaktor
3.1.3 Innovationsindikatoren
3.2 Internationale Wettbewerbsfähigkeit in der Theorie
3.2.1 Definition und Determinanten
3.2.2 Indikatoren und Messbarkeit
3.2.3 Systemische Wettbewerbsfähigkeit
3.2.4 Rankings und Indizes
3.2.4.1 The Global Competitiveness Index
3.2.4.2 The World Competitiveness Yearbook

Kapitel 4 Kontrastive Gegenüberstellung
4.1 Innovative Leistungsfähigkeit in Lateinamerika und Südostasien
4.1.1 Lateinamerika
4.1.2 Vergleich zu Südostasien
4.2 Bewertung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit
4.2.1 Lateinamerika
4.2.1.1 Analyse gemäß World Competitiveness Yearbook
4.2.1.2 Analyse gemäß Global Competitiveness Report
4.2.2 Südostasien
4.2.2.1 Analyse gemäß World Competitiveness Yearbook
4.2.2.2 Analyse gemäß Global Competitiveness Report
4.2.3 Gegenüberstellung der empirischen Befunde

Kapitel 5 Fazit

Kapitel 6 Literaturverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

KAPITEL 1: Einleitung

„While there are some storm clouds on the horizon, an attitude of “cautious optimism” reigns”,1 beschreibt die wirtschaftliche Lage Lateinamerikas wohl am zutreffendsten. Das Lateinamerika des 21. Jahrhunderts weist eine mit früheren Perioden verglichen solide mak roökonomische sowie institutionelle Struktur auf. Die Synergieeffekte demokratischer Regie-rungen und eines stetig besser werdenden Geschäftsklimas äußern sich demzufolge in den mit 5,6 % in 2004 gemessenen höchsten durchschnittlichen Wachstumsraten seit 1980. Durch unabhängige Zentralbanken und eine Politik der flexiblen Wechselkurse konnte das Inflationsproblem effektiv bekämpft werden und die kurzfristige Wirtschaftsentwicklung scheint sich als vornehmlich positiv prognostizieren zu lassen. Doch sollte eine Wettbe-werbsanalyse die „Gewitterwolken am Horizont“ nicht außer Acht lassen, denn ungeachtet des günstigen Wirtschaftsklimas wird die Region kontinuierlich von einigen scheinbar unü-berwindbaren Problemen geplagt. Nachwievor leidet Lateinamerika unter einer hohen Schul- denbelastung, einer signifikanten Ungleichverteilung des Einkommens sowie anderen struk- turellen Schwächen. Einer Vielzahl lateinamerikanischer Staaten ist somit langfristig keine Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition zu attestieren, vielmehr lässt sich Gegenteiliges vermuten. Insbesondere die zahlreichen Nationen Lateinamerikas, die wirtschaftlich vom Rohstoffexport abhängig sind und zurzeit von der intensiven Rohstoffakkumulation seitens China profitieren, machen Lateinamerika im Gegenzug empfindlich für externe Schocks wie beispielsweise die amerikanische Finanz- und Immobilienkrise oder die Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums, die wiederum fallende Rohstoffpreise oder sinkende Primärgüternachfrage induzieren könnten. Darüber hinaus lassen die weltweit wohl am stärksten divergierende Einkommensverteilung, die nachwievor existierenden sozialen spannungen und eine zunehmende Reformschwäche Lateinamerika stetig unattraktiver für ausländische Direktinvestitionen erscheinen, so dass es fortwährend Anteilsverluste am Welthandel und Wettbewerbseinbußen entgegen anderer Entwicklungsregionen, wie bei-spielsweise Osteuropa oder Südostasien, kompensieren muss.

Nichtsdestotrotz findet ein „vorsichtiger Optimismus“ durch die stabile Entwicklung der 30 realen GDP-Wachstumsraten der letzten Perioden seine Berechtigung. Nun ist es ist von essentieller Bedeutung, sich den oben erwähnten Herausforderungen zu stellen, wichtige Reformen auf den Weg zu bringen, in Institutionen, Innovation und Entwicklung zu investie-ren, um ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum sowie eine Wohlstandsverbesserung der Bürger zu erreichen und letztendlich die Wettbewerbssituation Lateinamerikas zu stärken und zu verbessern.2

Diese Bachelorarbeit konzentriert sich im Folgenden auf die Wettbewerbsfähigkeit Latei-namerikas im Vergleich zu derjenigen Südostasiens, welches zwar kulturell gegensätzlich jedoch länderspezifisch strukturell durchaus vergleichbar ist. Des Weiteren soll nach einlei-tender geschichtlicher Retrospektive (vgl. 2) und theoretischer Definition (vgl. 3) anhand des Innovationspotentials als Komponente der Wettbewerbsfähigkeit (vgl. 3.1) sowie unter Be- rücksichtigung spezifischer Indizes und Rankings (vgl. 3.2.4) die wirtschaftliche Leistungs-und Konkurrenzfähigkeit der beiden Regionen kritisch analysiert und anschließend verglei-chen werden (vgl. 4). Die Analyse stützt sich dabei auf die Auswertung spezifischer Wettbe-werbsfaktoren des jährlich vom IMD veröffentlichten World Competitiveness Yearbook sowie den vom World Economic Forum herausgegebenen Global Competitiveness Report (vgl. 4.2). Besonderer Wert wird dabei auf die Aktualität der Daten gelegt, denn die Auswertungs-ergebnisse fungieren als regionaler sowie nationaler Benchmark, wodurch im abschließen-den Fazit (vgl. 5) mögliche Chancen und Risiken beider Regionen aufgezeigt und abschlie-ßend die aktuell wirtschaftlich wettbewerbsfähigere Region eindeutig klassifiziert werden soll. Wegen des eingeschränkten Umfanges der Arbeit ist es leider nicht möglich, auf alle regi- onszugehörigen Länder explizit einzugehen. Daher soll die Wettbewerbsfähigkeit Lateiname-rikas sowie Südostasiens exemplarisch anhand einiger repräsentativer Länderbeispiele be-stimmt werden.

KAPITEL 2: Wirtschafts- und entwicklungsgeschichtliche Retrospektive

2.1 Lateinamerika

Der lateinamerikanischen Region lassen sich die Staaten südlich der USA zuordnen, in denen die Amtssprache eine romanische Abstammung besitzt. Geographisch umfasst Latei-namerika das in Nordamerika gelegene und neben Brasilien wohl wirtschaftlich potenziell stärkste Land Mexiko, in Zentralamerika Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama, in der Karibik die Dominikanische Republik, Kuba, Puerto Rico und schließlich in Südamerika Argentinien, Bolivien, Brasilien, Venezuela, Ecuador, Kolumbien, Paraguay, Peru, Uruguay und das im äußersten Süden gelegene Chile sowie Teile Guaya-nas.

Die Periodisierung der historischen sowie wirtschaftlichen Entwicklung Lateinamerikas konfrontiert den Historiker und Wirtschaftswissenschaftler mit vielfältigen Abgrenzungs- schwierigkeiten. Die Wirtschaftsentwicklung Lateinamerikas zählt nachwievor zu den schein- bar unlösbaren Rätseln der Wirtschaftswissenschaft, die sich unter der Berücksichtigung ausschließlich volkswirtschaftlicher Faktoren wohl nicht lösen lassen. So sind auch kulturelle Eigenheiten wie beispielsweise die häufig in lateinamerikanischen Ländern anzutreffenden Organisationsmängel, die schon bei der Pünktlichkeit beginnen, an der Bildung der Wettbe- werbsposition beteiligt. Es erscheint darüberhinaus sinnvoll, sich vor der theoretischen Ana- lyse der Wettbewerbsfähigkeit des heutigen Lateinamerikas (vgl. 4) kurz mit dessen wirt-schaftspolitischer Geschichte zu befassen, um bereits in der Vergangenheit geschaffene Strukturen zu identifizieren und deren Wirkung auf die internationale Konkurrenzfähigkeit der Region deuten zu können. Auf einen detaillierteren geschichtlichen Exkurs muss angesichts des in dieser Arbeit gewählten Schwerpunktes (vgl. 1) an dieser Stelle allerdings verzichtet werden. Vielmehr soll durch einen simplifizierenden geschichtlichen Überblick komprimiert über mögliche wirtschaftsgeschichtliche Einflussfaktoren bezüglich der heutigen Wettbe-werbsfähigkeit informiert werden.3

Konträr zu Europa, in dem die beiden Weltkriege oder beispielsweise die Wende in den 80er Jahren signifikante entwicklungsgeschichtliche Einschnitte darstellten, lassen sich für Lateinamerika keine tiefgreifenden Zäsuren darstellen. Die bis ins 19.Jahrhundert vom euro-päischen Kolonialismus geprägten, zentralen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftli-chen Strukturen blieben auch mit Beginn der Unabhängigkeit bis zu Beginn der Weltwirt-schaftskrise Anfang der 30er Jahre nahezu unverändert. Die globale Depression der 30er 35 Jahre stellt wohl den zentralsten Einschnitt dar, der in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht für ganz Lateinamerika weitreichende Auswirkungen besaß und das Bestreben Lateinameri-kas nach Unabhängigkeit wachsen lies. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts lässt sich angesichts der signifikanten Diversität und Differenzierung der lateinamerikanischen Staaten sinnvollerweise lediglich länderspezifisch und nicht als Ganzes betrachten. Daher können auch im späteren Ländervergleich nur ansatzweise Ergebnisse aus der Analyse einzelner Staaten auf die gesamte Region übertragen werden (vgl. 4).4 Wirtschaftlich lässt sich den wichtigsten Regionen Lateinamerikas, konträr zu den Schwellenländern Südostasiens, bis in die 90er Jahre ein deutlich geringeres und bisweilen durch die Verschuldungskrise in den 80ern sogar rückläufiges Wirtschaftswachstum attestieren. Trotz global betrachtet guten wirtschaftlichen Bedingungen, die den Aufholprozess ärmerer Länder scheinbar begünsti- gen,5 gelang es den lateinamerikanischen Staaten (LAC) nicht, das deutsch-japanische Wirt-schaftswunder zu adaptieren.6 Handelspolitische Ursachen liegen geschichtlich möglicher-weise in der engen Verbundenheit Lateinamerikas zu Europa und den Vereinigten Staaten, sowie in der bereits damals sehr hohen Exportquote von Rohstoffen und Nahrungsmitteln. So wurden die USA zwischen dem ersten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise wichtigster Kapitalinvestor und Handelspartner einer zunehmenden Anzahl lateinamerikanischer Staa-ten.7 Initiiert durch den ersten Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise gelang der Aufstieg der europäischen Staaten und der USA weitestgehend durch eine vom Protektionismus geprägte Handels- und Außenpolitik, die sich nachhaltig negativ auf die Entwicklung der Terms of Tra- de der LACs auswirkte. Zwar nahmen die Ausfuhren an Primärgütern auch im Zuge des zweiten Weltkrieges weiter zu, doch durch die zunehmende Produktion von Rüstungsgütern und den Regionalismus und Protektionismus der Industriestaaten kamen die Exporte an wichtigen zivilen Manufakturen wie beispielsweise Produktionsmaschinen für die Landwirt-schaft nahezu völlig zum Erliegen. Die LACs erkannten die Notwendigkeit des Aufbaus einer eigenen, vom Welthandel zunächst unabhängigen Industrie, die RAÚL PREBISCH und HANS WOLFGANG SINGER mit ihrer 1949 aufgestellten Hypothese8 über die strukturellen Nachteile rohstoffexportierender Länder, wirtschaftwissenschaftlich manifestierten.9

Erst 1994 wurde mit der Entstehung des NAFTA (Nordamerikanisches Freihandelsab-kommen) ein sukzessiver Liberalisierungsprozess in den beteiligten Volkswirtschaften einge- leitet, der auf eine Freigabe des Kapitalverkehrs sowie einen raschen Zollabbau zwischen den USA, Kanada und den LAC, hier jedoch bisweilen lediglich Mexiko, abzielt. So sollen beispielsweise bis 2009 die meisten Zölle vollständig aufgehoben werden. Die NAFTA-Staaten scheinen sich seither in einer andauernden wirtschaftlichen Wachstumsphase zu befinden und auch einige LAC wie beispielsweise Brasilien oder Argentinien scheinen den Umstieg auf die Industrialisierung vorerst vergleichsweise erfolgreich bewältigt zu haben.10 Andere Bündnisse wie beispielsweise der Mercosur (Mercado Común del Sur) dem Argenti-nien, Brasilien, Paraguay sowie Uruguay angehören oder die Andengemeinschaft (Kolum- bien, Ecudaor, Peru, Bolivien) verlieren in dem protektionistisch geprägten Lateinamerika zunehmend an Attraktivität. Innerhalb der Bündnisse driften die Länder durch vereinzelte Schutzabkommen wie beispielsweise zwischen Argentinien und Brasilien, zunehmend aus-einander. Viele LACs versuchen sich als Einzelgänger beispielsweise am wirtschaftlich er-folgreichen Chile zu orientieren und sich auf bilaterale Freihandelsverträge etwa mit den USA, der EU oder asiatischen Staaten zu konzentrieren,11 was sich wie sich im Folgenden herausstellen wird nicht gerade produktiv auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirkt (vgl. 4).

So gelang es zwar Chile sich in punkto Wettbewerbsfähigkeit deutlich zu steigern und sich mittlerweile als das wirtschaftlich stärkste der LAC zu präsentieren (vgl. 4.2.1), jedoch zählt auch Chile zu den Ländern, deren Exporte überwiegend auf Primärgütern und Rohstoffen wie etwa Kupfer oder landwirtschaftlichen Erzeugnissen basieren, die in hohem Maße von sich im Aufschwung befindlichen asiatischen Staaten nachgefragt werden. Wie bereits er-wähnt, besteht durch die wirtschaftlichen Abhängigkeit von Rohstoffen die Gefahr, dass die Exporte bei versiegen der Rohstoffvorkommen oder Nachfrageänderungen zum Erliegen kommen könnten, was das betroffene Land nachhaltig schwächen würde.

Einen weiteren Erklärungsansatz für die Wachstumsschwäche Lateinamerikas könnte die weitgehende weltwirtschaftliche Abkopplung Mitte des 20. Jahrhunderts und die daraus re-sultierende institutionelle Entwicklung liefern. In der Wirtschaftswissenschaft werden den institutionellen Rahmenbedingungen, d.h. dem Regelwerk einer Gesellschaft, fundamentale Wachstumswirkungen zugeordnet.12 Möglicherweise lassen sich negative Einflüsse nach- wievor auf die Kolonialzeit zurückführen. Insbesondere in Ländern, die ausschließlich der Förderung von Rohstoffen dienten, entwickelten sich Institutionen, die sich für nachhaltiges Wachstum als ungünstig erwiesen haben und beispielsweise unter Vernachlässigung wichti-ger gesellschaftsbildender Institutionen lediglich auf die Ausbeutung bestimmter Regionen abzielten.13

Analog zu der geschichtlichen Entwicklung Lateinamerikas wird im Folgenden insbeson- dere die wirtschafts- und strukturpolitische Entwicklung Südostasiens näher beleuchtet, um so einen gemeinsamen Ausgangspunkt für die Vergleichbarkeit der beiden Regionen zu schaffen.

2.2 Südostasien

Als Region des asiatischen Kontinents umfasst Südostasien die Staaten südlich von Chi­na und östlich von Indien. Dazu gehören Brunei, Indonesien, Kambodcha, Laos, Malaysia, Myanmar ehemals Birma, Timor-Leste (Osttimor), die Philippinen, Singapur, Thailand und das wirtschaftlich aufstrebende Vietnam. Auf einer Fläche von mehr als 4,5 Mio. km2 finden sich die unterschiedlichsten Kulturen, Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme, die sich infolge technischen Fortschritts zum Teil grundlegend unterschiedlich entwickelt haben. So entwi-ckelten sich beispielsweise in Singapur, nicht zuletzt durch den starken chinesischen Ein- fluss, sehr organisierte sowie strukturierte Institutionen, die den Stadtstaat international äu- ßerst wettbewerbsfähig machen. Analog zu Lateinamerika wirkte sich eine enge Korrelation zwischen humangeografischen und topografischen Einflussfaktoren in Südostasien signifi-kant auf die Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung sowie den Grad an Zivilisierung aus. Die Geographie sowie die Wirtschaftsgeschichte gewähren demzufolge Zugang zum Ver- ständnis der heutigen wirtschaftlichen Wettbewerbsposition Südostasiens, die im Folgenden kontrastiv mit derjenigen Lateinamerikas verglichen werden soll (vgl. 4.2.3).14 Ähnlich wie im Falle Lateinamerikas wurden aufgrund des Rohstoffreichtums und der damals wertvollen Gewürze alle südostasiatischen Staaten mit Ausnahme Thailands kolonialisiert. England, Holland und Spanien präsentierten sich damals als die größten Kolonialmächte mit uneinge- schränktem Bestimmungsrecht über die Region.15 Erst in den 50er Jahren gelang es einigen südostasiatischen Staaten, die Unabhängigkeit zu erlangen. Geprägt durch den Korea-Krieg sowie die kommunistische Bedrohung durch das benachbarte China und die Sowjetunion versuchten die westlich orientierten Länder eine regionale Kooperation zu etablieren, was letztendlich erst zu Beginn der 90er Jahre erfolgreich umgesetzt werden konnte. Die südost- asiatischen Nationen schlossen sich bereits 1967 zum ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) zusammen, um handelspolitische aber auch ökonomische und sicherheitspo-litische Institutionen zu bilden, anfangs jedoch ohne international handelspolitische Erfolge vorweisen zu können. Seit den Bündniserfolgen der 90er Jahre gilt ASEAN als erfolgreich-stes Länderbündnis neben der Europäischen Union. Aus der damit verbundenen Liberalisie- rung der südostasiatischen Märkte ist bereits an dieser Stelle der Region ein Wettbewerbs- vorteil gegenüber Lateinamerika zu attestieren. Wie bereits einleitend erwähnt befindet sich beispielsweise Vietnam trotz langwieriger Unabhängigkeitsbemühungen sowie erheblicher Kriegsschäden, die im Zuge des Vietnamkrieges der 60er und 70er Jahre entstanden sind, in einer guten konjunkturellen Situation (vgl. 4.2.2).16 Andere südostasiatische Provinzen wie beispielsweise Osttimor, welches auch in jüngster Zeit unter schweren Unruhen und Verwüs- tung durch militärische Milizen zu leiden hat, haben konträr dazu noch einen schwierigen Weg vor sich, um wirtschaftliche und politische Stabilität zu erlangen.17

Generell ist von einer neuzeitigen Rehabilitierung Südostasiens von den Auswirkungen der asiatischen Finanzkrise in den späten 90er Jahren, den weltpolitischen Veränderungen nach dem 11. September 2001, den wiederholten Terroranschlägen in indonesischen Touris- tenorten und den jüngsten Naturkatastrophen auszugehen (vgl. 3.2.2). Wie zuvor angedeu-tet, stellen die südostasiatischen Länder wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich eine ähnlich heterogene Region wie Lateinamerika dar.18 Daher wird sich ein Wettbewerbsver-gleich der beiden Staatenbündnisse lediglich auf einzelne wirtschaftlich vergleichbare Staa- ten beschränken müssen (vgl. 4.2). Nach der definitorischen Abgrenzung der Innovation im folgenden Kapitel wird die Wettbewerbsfähigkeit beider Regionen nachfolgend detaillierter betrachtet (vgl. 4).

KAPITEL 3: Wettbewerbsfähigkeit im Rahmen volkswirtschaftlicher Theorie

3.1 Innovation als Komponente internationaler Wettbewerbsfähigkeit

3.1.1 Definition und Determinanten

„An increasing number of industrial case studies has highlighted the importance of tech­nological innovation for industrial competitiveness“.19 Dem Zitat nach ist Innovation also eine entscheidende Komponente der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und wichtiger Be-standteil der Messung sowie Einschätzung der länderspezifischen Wettbewerbsposition (vgl. 4.2). Innovation steht in direkter Korrelation mit technischem Fortschritt, welcher sich nach DOSI signifikant positiv auf die Produktivität und damit ebenfalls auf das Pro-Kopf-Einkommen eines Landes auswirkt. 20 Diese Annahmen rechtfertigen die isolierte Betrach-tung des Innovationspotentials als bedeutende Komponente der Wettbewerbsfähigkeit.

„Innovation is essentially the creation of the knowledge of how to do something new“,21 oder „Innovation concerns the search for, and the discovery, experimentation, development, imitation, and adoptation of new products, new production processes and new organisational set-ups“.22 Definitorisch bezeichnet Innovation also die durch die Entwicklung neuer Produk-te, Produktionsverfahren oder Prozessoptimierungen implizierte Anwendung allgemeiner technologischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Verbesserungen.23 Innovationen wer- den dabei bezüglich ihres Wirkungsbereiches in Prozess,- Produkt- und Sozialinnovationen differenziert. Beispielsweise werden Modifikationen im Leistungserstellungsprozess eines Unternehmens, um leistungsfähigere Produkte effizienter, sicherer, umweltschonender und wirtschaftlicher zu produzieren, als Prozessinnovationen bezeichnet. Unter Produktinnova-tionen werden hingegen die Weiterentwicklungen und Verbesserungen an absetzbaren Pro- dukten oder Dienstleistungen erfasst. Sozialinnovationen bilden schließlich die grundlegende Basis für Prozess- und Produktinnovationen, indem durch eine Steigerung der Qualifikation und durch relevante Ausbildungsverbesserung der Arbeitskräfte eine Erhöhung des Human-kapitals erreicht wird.24

Neben dem Resultat des technischen Fortschritts stellt die Forschung und Entwicklung (F&E) einen wesentlichen Bestandteil der zuvor definierten Innovationsterminologie dar. F&E bezeichnen die systematischen Bemühungen, neues, revolutionäres und innovatives Wissen zu akkumulieren und bereits angewandte Technologien mittels der neu gewonnenen Erkenn- tnisse zu optimieren.25 Mit der Durchführung von F&E befassen sich verschiedene Institution wie beispielsweise Bildungseinrichtungen, staatlich finanzierte Forschungsinstitute oder pri­vate Unternehmen.26 Wie einleitend erwähnt, stellt technischer Fortschritt eine wichtige De-terminante der Innovation und somit einen entscheidenden Wachstumsfaktor dar.27

3.1.2 Technischer Fortschritt als entscheidender Wachstumsfaktor

Bei langfristigen Analysen der Wettbewerbsfähigkeit ist die Entwicklung des technischen Wissens, also der technische Fortschritt von essentieller Bedeutung (vgl. 3.2.1). Die totale Faktorproduktivität als Maß für die wirtschaftliche Produktivität eines Landes wird maßgeb- lich vom vorherrschenden technischen Fortschritt beeinflusst. Die Produktionstechnik legt neben den Faktoreinsatzmengen die Größe und Art des zu erstellenden Outputs fest. Als Innovationskomponente ermöglicht technischer Fortschritt die Herstellung neuartiger Produk-te und steigert die Effizienz bestehender Produktionsverfahren. Dabei kann sich der techni-sche Fortschritt beispielsweise durch organisatorische Verbesserungen im Produktionsver- fahren vergleichbar einer physischen Erhöhung der Faktoreinsatzmengen auswirken. Quali-tät und Einsatzmenge der Produktionsfaktoren bleiben jedoch konstant.28 Technischer Fort-schritt wird als autonom bezeichnet, sofern er aus spontanen Produktinnovationen erfolgt. Resultiert der Aufbau von Humankapital, also die Akkumulation technischen Fortschritts je-doch aus zielgerichteten Aktivitäten wie beispielsweise Forschung, Ausbildung oder aus der Erfahrung durch die Ausübung einer Tätigkeit („Learning by doing“), so spricht man von in-duziertem technischen Fortschritt aus prozessinnovatorischen Bemühungen.29 Nach erfolg-reicher Innovation kann es im Laufe der Zeit zur Diffusion des technischen Fortschritts kom-men. Die Bedeutung des technischen Fortschritts in der Wachstumstheorie und dementspre-chend für die Wettbewerbs- und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes wird aus der bereits seit Jahrhunderten andauernden Faszination renommierter Wirtschaftswissenschaft-ler ersichtlich.30 Wegweisend versuchte 1956 ROBERT M. SOLOW in einem dynamischen Mo­dell den steigenden Lebensstandard sowie die langfristige Entwicklung auf Basis einer neok-lassischen linear-homogenen Produktionsfunktion zu erklären, die das Niveau des techni-schen Fortschritts als über die Zeit konstant annahm.31 Doch langfristig stößt eine Investiti- onserhöhung zur weiteren Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens an ihre Grenzen, so dass diese Annahme äußerst unrealistisch und nicht dafür geeignet ist, das über mehrere Jahr-hunderte positive Pro-Kopf-Wachstum beispielsweise der USA zu erklären. So erkannten die Ökonomen der 50er und 60er Jahre, dass Innovation und der daraus resultierende technolo-gische Fortschritt ein entscheidendes Kriterium für Wachstum ist und eine Zunahme der Wachstumsraten nur in Folge technischen Fortschritts möglich sei.32 Dieser impliziert bei-spielsweise eine Effizienzsteigerung der Produktion, macht also Arbeit produktiver. Nimmt man zu guter letzt an, dass technischer Fortschritt ein öffentliches Gut ist, welches allen Ländern international gleichermaßen zur Verfügung steht, so impliziert das um technischen Fortschritt erweiterte SOLOW-SWAN-Modell infolge bedingte Konvergenz, dass ärmere Länder mit geringer Kapitalintensität zu den reichen Industrieländern aufschließen können.33 Wach-stum ist also nur in Folge technischen Fortschritts möglich, den SOLOW allerdings nicht en-dogenisiert.34

Repräsentanten der neuen Wachstumstheorie wie beispielsweise ROMER, AGHION und HOWITT gehen entgegen SOLOWS Annahmen eher von einer endogenen Rate des techni- schen Fortschritts aus und fokussieren sich bei ihren Studien auf die Interaktion zwischen Wachstum und Innovation. Konträr zu SOLOW erfolgt die Bestimmung des Wachstums inner-halb des Modells anstatt durch exogen wachsende Variablen durch den als endogen ange-nommenen technischen Fortschritt, der in vielen Modellen das Resultat privatwirtschaftlicher Forschungsbemühungen darstellt. Der Lebensstandard einer Region, definitorisch das Re- sultat der Wettbewerbsfähigkeit (vgl. 3.2.1), wird also insbesondere durch die Schaffung neuen Wissens determiniert und resultiert aus den Innovationsanstrengungen der Wirt-schaft.35 Als äußerst unrealistisch gegenüber sonstigen mikroökonomischen Annahmen wer-den in der endogenen Wachstumstheorie jedoch Unternehmen mit identischen Produktions- faktoren und –funktionen angenommen. Trotz endogener Wachstumstheorien behält auch das neoklassische Paradigma seine Gültigkeit, denn viele Wirtschaftswissenschaftler kom-men zu dem Ergebnis, dass sich ärmere Länder unter bestimmten Voraussetzungen schnel-ler ihrem Steady-State (gleichgewichtigen Wachstumspfad) annähern, als reichere Länder. Trotzdem zeigt insbesondere die Entwicklung Lateinamerikas zurzeit des deutsch- japanischen Wirtschaftswunders, dass sich ärmere Staaten ungeachtet wirtschaftlich guter Bedingungen nicht zwingend analog zueinander entwickeln bzw. wirtschaftlich in der Lage sind, zu den Industrieländern aufzuschließen (vgl. 2.1). Wirtschaftliches Wachstum wird demnach durch eine Vielzahl politischer sowie wirtschaftlicher Faktoren wie beispielsweise die finanzielle Entwicklung, das Bildungsniveau und die Markt- und Handelsoffenheit eines Staates determiniert, von denen wiederum auch die Entwicklung des technischen Fort- schritts, also das Maß an Innovation und nicht zuletzt die Wettbewerbsfähigkeit abhängen.36. Entgegen SOLOWS Annahmen ist weniger davon auszugehen, dass technischer Fortschritt jedem Land ohne Restriktionen frei zugänglich ist, sondern vielmehr ist es wahrscheinlich, dass es bestimmter Voraussetzungen bedarf, technischen Fortschritt erfolgreich zu über- nehmen bzw. an Spill-Over-Effekten (Technologieverbreitung) wirksam zu partizipieren.37 Die Messung technischen Fortschritts ist ein mitunter schwieriges Unterfangen. Im folgenden Kapitel werden verschiedene Parameter vorgestellt, die bei der Einschätzung des technolo-gischen Levels eines Landes dienlich sind.

3.1.3 Innovationsindikatoren

Zur Einschätzung des länderspezifischen Innovationspotentials und zur Einordnung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit dienen unter anderem die Anzahl angemeldeter Paten-te und die Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) als aussagefähige Schlüsselva- riablen. ROGERS kategorisiert die innovationsmessenden Faktoren zudem in Output- (z.B. Einführung neuer oder verbesserter Produkte) sowie Inputgrößen (Anzahl der Patente oder Investitionen in F&E) (vgl. Abb.8).38 Eine Definition der F&E schließt dabei die Partitionierung in grundlegende und angewandte Forschung sowie experimentelle Entwicklung mit ein. Grundlegende Forschung umfasst, auf die Zunahme wissenschaftlicher Kenntnisse fokus- sierte Aktivitäten, ohne eine spezifische Ausrichtung auf praktische Anwendungsmöglichkei-ten. Konträr dazu orientiert sich die angewandte Forschung an einer konkreten praktischen Zielsetzung. Unter experimenteller Entwicklung versteht man die systematische Anwendung der Ergebnisse grundlegender und angewandter Forschung im Hinblick auf die Einführung neuer Methoden und der Optimierung etablierter Produktionsprozesse. Gemessen werden F&E-Investitionen auf Basis interner gegenwärtiger Aufwendungen einschließlich anfallender Betriebskosten und interner Kapitalausgaben. Aus der Summe der internen Aufwendungen nationaler Institutionen lässt sich der inländische Totalaufwand ableiten, der international repräsentativ und vergleichbar ist. Dieser Totalaufwand umfasst alle F&E-Ausgaben eines Referenzjahres inländischer sowie aus dem Ausland agierender nationaler Unternehmen und Institutionen. Inkonsistente Daten, die keinem wiederkehrenden Muster folgen, werden bei der Messung kategorisch ausgeschlossen. Das sind beispielsweise Daten, die wertmäßig in Dollar gemessen mehr als 50 % ober- oder unterhalb vorangegangener Beobachtungen lagen. Die Analyse der lateinamerikanischen Innovationsposition basiert auf Erhebungen der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization), der OECD (Or- ganisation for Economic Co-operation and Development) sowie der RICYT (La Red de Indi-cadores de Ciencia y Tecnología). Die RICYT unterscheidet dabei verschiedene Kategorien: Wissenschaft und technologische Tätigkeiten sowie experimentelle F&E. Die erste Kategorie schließt experimentelle Forschung, wissenschaftlichen und technischen Unterricht sowie wissenschaftliche und technische Dienstleistungen mit ein. Die zweite Kategorie umfasst Grundlagen- und angewandte Forschung sowie einen gewissen Anteil experimenteller Ent-wicklung.

Für die Finanzierung und Durchführung von F&E-Anstrengungen lassen sich drei Sekto-ren identifizieren. Die verfügbaren Informationen umfassen die Anteile der vollständig vom produktiven Sektor finanzierten und durchgeführten F&E sowie die des höheren Bildungs- und Staatssektors. Der produktive Sektor erfasst inländische sowie im Inland produzierende ausländische, private und staatliche Unternehmen sowie gemeinnützige Organisationen, die an der Produktion beteiligt sind sowie ferner staatliche Monopole und Industrien wie Logistik, Post und Kommunikation. In den staatlichen Sektor oder allgemeinen Dienstleistungsbereich fallen beispielsweise die Regierung sowie öffentliche Unternehmen, die nicht an der Produk- tion beteiligt sind, deren Wirken jedoch gemeinnützig ausgerichtet ist. Dem höheren Bil-dungssektor werden Bildungsinstitutionen wie beispielsweise Universitäten sowie angeglie-derte Forschungseinrichtungen zugewiesen. In einer weiteren Kategorie werden die durch ausländische Finanziers initiierten F&E-Maßnahmen zusammengefasst.39

Das innovative Leistungspotenzial als wichtige Komponente zur Beurteilung der interna- tionalen Wettbewerbsfähigkeit Lateinamerikas wird nach einer theoretischen Abhandlung der Wettbewerbsfähigkeit nachfolgend genauer analysiert (vgl. 4.1).

3.2 Internationale Wettbewerbsfähigkeit in der Theorie

3.2.1 Definition und Determinanten

Weder in der Fachliteratur noch in der Praxis existiert eine homogene Definition der Wett- bewerbsterminologie. An Erklärungsansätzen mangelt es nicht, jedoch finden sich häufig widersprüchliche Definitionen. So verbinden einige Definitionen Wettbewerbsfähigkeit mit erhöhtem Vorkommen natürlicher Ressourcen, während andere Rohstoffen weniger Bedeu- tung zuteilen. Denn die erfolgreichsten Handelsnationen der jüngsten Zeit wie beispielsweise Deutschland, Japan oder China müssen Rohstoffe überwiegend importieren, wohingegen Lateinamerika trotz reichhaltiger Rohstoffvorkommen über eine deutlich schlechtere Wettbe-werbsposition verfügt (vgl. 4.2).40 Viele Herangehensweisen basieren auf dem Bestreben, herauszufinden, warum sich in einem Land erfolgreiche Unternehmen und Industrien entwi- ckeln und sich daraus Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Nationen manifestieren kön-nen. Insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit auf nationaler Ebene oder ganzer Regionen lässt sich konträr zu der Bestimmung der Wettbewerbsfähigkeit einzelner Unternehmen nur schwerlich definieren. Ein Unternehmen ist dann wettbewerbsfähig, wenn es ihm gelingt, simplifiziert ausgedrückt in der Lage sein, durch Qualitätsverbesserung, konkurrenzfähige Preispolitik und Kostensenkung in der Produktion einen einzigartigen Wert für seine Abneh-mer zu schaffen, aus dem Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten resultieren.41 Auf makroökonomischer Ebene lässt sich Wettbewerbsfähigkeit allerdings nicht ohne Weiteres in Analogie zur mikroökonomischen Definition bestimmen, denn in einem Unternehmen wirken andere Faktoren als in einem Staat.

Im World Competitiveness Yearbook des IMD (Institut für Management-Entwicklung) fin-det sich eine sehr allgemeine Definition, die besagt, dass Wettbewerbsfähigkeit einen Be-reich der ökonomischen Theorie darstellt, die anhand bestimmter wirtschaftlicher und politi- scher Faktoren die Effekte auf die Wirtschaft und die Bevölkerung eines bestimmten Landes analysiert. Ziel sei es, Unternehmen gute wirtschaftliche Bedingungen bieten zu können und die Prosperität der Bürger sukzessive zu erhöhen.42 Die OECD definiert Wettbewerbsfähig-keit konkreter als Maß für die Fähigkeit der Nationen, Güter und Dienstleistungen unter Be-rücksichtigung freier und gerechter Handels- und Marktbedingungen zu produzieren und auf internationalen Märkten zu handeln. Dabei sollen die Realeinkommen der Bevölkerung lang- fristig steigen.43 Weitere Definitionen schließen sich der OECD an und betrachten Freihandel und die Fähigkeit, auf internationalen Märkten konkurrenzfähig zu handeln als Kernpunkte. SCOTT und LODGE beispielsweise stellen dabei allerdings die Erhöhung des nationalen Le-bensstandards in den Vordergrund, der aus wirtschaftlicher Eigenleistung resultieren sollte.44

FAGERBERG hingegen betrachtet nationale Wettbewerbsfähigkeit als die Möglichkeiten eines Staates, bei gleichzeitiger Vermeidung von Zahlungsbilanzschwierigkeiten, Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum zu realisieren.45 Da die spätere Wettbewerbsanalyse zum Groh auf den Indizes des World Economic Forum (WEF) basieren, erscheint es sinnvoll, abschlie-ßend deren Definition zu betrachten (vgl. 3.2). Das WEF definiert Wettbewerbsfähigkeit als „the set of institutions, policies, and factors that determine the level of productivity of a coun- try”.46 Im Fokus dieser Definition steht die Produktivität, deren Level den Wohlstand einer Nation entscheidend beeinflusst. Demnach sind wettbewerbsfähige Länder in der Lage, für ihre Einwohner höhere Einkommen zu akkumulieren.47

[...]


1 WORLD ECONOMIC FORUM: Latin America@Risk, 2007, S. 6.

2 Vgl. SCHWAB: The Latin America Competitiveness Report, 2006, S.5f.

3 Detaillierte Informationen über die geschichtliche und wirtschaftspolitische Entwicklung Latein-amerikas von 1760 bis ins 20.Jahrhundert finden sich bei TOBLER (1992) und TOBLER (1996).

4 Vgl. TOBLER: Lateinamerika im 20. Jahrhundert, 1996, S. 3ff.

5 Siehe dazu auch JONES (1991), der das Wachstumswunder Europas näher erläutert.

6 Vgl. FODERS: Die ökonomische Entwicklung Lateinamerikas, 2001, S. 1-4.

7 Vgl. TOBLER: Lateinamerika im 20. Jahrhundert, 1996, S. 105-112.

8 Eine kritische Auseinandersetzung mit der Prebisch-Singer-Hypothese findet sich bei BAER (1961­1962)

9 Vgl. Vgl. FODERS: Die ökonomische Entwicklung Lateinamerikas, 2001, S. 11-15.

10 Vgl. PREUßE: NAFTA, 2000, S. 2-9.

11 Vgl. Onlinequelle [4].

12 Vgl. ebd., S. 29ff.

13 Vgl. EASTERLY: How endowments influence economic development, 2002, S. 7f.

14 Vgl. DAHM: Südostasien-Handbuch, 1999, S. 23-33.

15 Vgl. CHESNEAUX: Geschichte Ost- und Südostasiens, 1969, S.16f.

16 Vgl. DAHM: Südostasien-Handbuch, 1999, S. 333-340.

17 Vgl. Onlinequelle [1].

18 Vgl. BERSICK: Südostasien, 2007, S. 3ff.

19 DOSI: The nature of the innovative process, 1988, S. 221.

20 Vgl. LEDERMANN / MALONEY: R&D and Development, 2003, S. 1ff.

21 HALL: Government policy for Innovation, 2005, S. 6.

22 DOSI: The nature of the innovative process, 1988, S. 222.

23 Vgl. CORSTEN: Überlegungen zu einem Innovationsmanagement, 1989, S. 2f.

24 Vgl. SCHUMPETER: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, 1931, S. 100ff.

25 Vgl. LEDERMANN: Innovation and Development around the world, 2005, S. 26.

26 Vgl. OECD: The Measurement of Scientific and Technological Activities, 1994.

27 Näheres zur Innovationsterminologie findet sich in DOSI und NELSON AND WINTER.

28 Vgl. UZAWA: Neutral Inventions and the Stabilizy of Groth Equilibrium, 1961, S.117-124.

29 Vgl. ARROW: Learning by Doing, 2003, S.155ff.

30 Vgl. LEDERMANN: Innovation and Development around the world, 2005, S. 1f.

31 Vgl. SALA-I-MARTIN: Wirtschaftswachstum, 1998, S. 19.

32 Vgl. ebd., S.38ff.

33 Vgl. LACHMANN: Volkswirtschaftslehre 1, 2003, S.192-199.

34 Vgl. SOLOW: The 1956 contribution to economic growth theory, 2007, S.15ff.

35 Vgl. ROMER: Endogenous Technological Change, 1990, S.1003-1006.

36 Vgl. LEDERMANN: Innovation and Development around the world, 2005, S. 1ff.

37 Vgl. MALONEY: Innovation Shortfalls, 2005, S. 1-4.

38 Vgl. MAROTTA: Human Capital, 2007, S. 5ff.

35 zwischen Strategieformulierung und Implementierung eine Verbindung zu schaffen. Es muss

39 Vgl. LEDERMANN: Innovation and Development around the world, 2005, S. 4-28.

40 Vgl. PORTER: Nationale Wettbewerbsvorteile, 1991, S. 23ff.

41 Vgl. PORTER: Wettbewerbsvorteile, 2000, S.21f.

42 Vgl. IMD: World Competitiveness Yearbook, 2007, S. 15.

43 Vgl. OECD: Glossary of statistical terms, 2007, S. 122.

44 Vgl. SCOTT UND LODGE: U.S. Competitiveness in the World Economy, 1984, S. 14f.

45 Vgl. FAGERBERG: International Competitiveness, 1988, S. 355.

46 WORLD ECONOMIC FORUM: CGI, 2007, S. 3.

47 Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Die Wettbewerbsfähigkeit Lateinamerikas im Vergleich zu derjenigen Südostasiens
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
73
Katalognummer
V126691
ISBN (eBook)
9783640324101
Dateigröße
2014 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wettbewerbsfähigkeit, Lateinamerikas, Vergleich, Südostasiens
Arbeit zitieren
Bastian Herrlich (Autor), 2008, Die Wettbewerbsfähigkeit Lateinamerikas im Vergleich zu derjenigen Südostasiens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126691

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Wettbewerbsfähigkeit Lateinamerikas im Vergleich zu derjenigen Südostasiens



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden