Italienisch und Deutsch in Südtirol


Hausarbeit, 2007

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ALLGEMEINE SITUATION IN SÜDTIROL

3. DIE ITALIENISCHE KOINÉ SÜDTIROLS

4. VARIETÄTEN DER DEUTSCHEN SPRACHE IN SÜDTIROL

5. DAS NEBENEINANDER VON DEUTSCH UND ITALIENISCH
5.1. Das Schulsystem
5.2. Spracheinstellung und Sprachgebrauch
5.2.1. Die deutschsprachigen Südtiroler
5.2.2. Die italienischsprachigen Südtiroler
5.2.3. Probleme im Zusammenleben der beiden Sprachgruppen

6. EINFLÜSSE DES ITALIENISCHEN AUF DAS DEUTSCHE

7. EINFLÜSSE DES DEUTSCHEN AUF DAS ITALIENISCHE

8. MEDIEN UND ÖFFENTLICHER SPRACHGEBRAUCH
8.1. Medien
8.2. Öffentlicher Sprachgebrauch

9. ITALIENISCHE ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird das Thema Italienisch und Deutsch in Südtirol behandelt. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Sprache. Um einen Überblick über die Situation in Südtirol zu gewinnen wird im zweiten Kapitel auf die letzte Volkszählung im Jahre 2001 und die Verteilung der unterschiedlichen Sprachgruppen in Südtirol eingegangen. In den zwei folgenden Kapiteln wird erklärt, welche Dialekte es in der italienisch- und deutschsprachigen Gruppe gibt, und wie sie entstanden sind. Nachdem die beiden Sprachgruppen in Südtirol vorgestellt wurden, geht es in dem fünften Kapitel um ihr Zusammenleben. Dabei werden u. a. die Fragen geklärt, wie das Nebeneinander der Gruppen funktioniert, wie sich diese besondere sprachliche Situation auf die Schulen auswirkt, und wie der Sprachgebrauch und die Spracheinstellung der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen ist. Daraufhin wird näher auf die Einflüsse, die die beiden Sprachen aufeinander haben, eingegangen. Abschließend wird erläutert, welche Rolle die Medien einnehmen, und es werden mehrere Beispiele für den öffentlichen Sprachgebrauch geliefert, die die bestehende Sprachproblematik in Südtirol wiederspiegeln.

2. Allgemeine Situation in Südtirol

In Südtirol gibt es drei Sprachgruppen, die sich aus deutschen, italienischen und ladinischen Muttersprachlern zusammensetzen. Der letzten Volkszählung im Jahre 2001 zu Folge sind 68% der Gesamtbevölkerung in Südtirol deutschsprachig. Die Zahl der italienischen Sprachgruppe beträgt hingegen 28%, und die Zahl der ladinischen Muttersprachler beläuft sich auf nur 4%.1

In den Städten ist das Verhältnis der Sprachgruppen anders. In Bozen leben ca. 73% Italiener, 26,3% Deutsche und lediglich 0,7% Ladiner. In der Stadt Meran hingegen ist das Verhältnis zwischen deutscher und italienischer Sprachgruppe mit 51,5% und 48,2% relativ ausgeglichen. In der Stadt Brixen wiederum leben mehr Deutsche (ca. 73%) als Italiener (ca. 25,2%). In Alta Badia und Gröden, also im süd-östlichen Teil von Südtirol, ist die ladinische Sprachgruppe in der Mehrheit.2

An diesen Zahlen ist bereits festzustellen, dass die Verteilung der Sprachgruppen im gesamten Gebiet der Provinz Südtirol nicht homogen ist. Die deutschsprachige Gruppe ist vor allem in den Gebirgstälern und Dörfern im Norden und Osten des Großraums Bozen existent, wie z. B. in Vinschgau und dem Pustertal, während die italienischsprachige Gruppe besonders in den Städten und in den Gemeinden des Bozener Unterlands angesiedelt ist. Südtiroler der deutschen Sprachgruppe bilden demnach vor allem ländliche Bevölkerung. Die Mehrheit der italienischsprachigen Südtiroler sind Städter. Allein mehr als die Hälfte von ihnen leben in der Landeshauptstadt Bozen und mehr als vier Fünftel in den größten Städten Meran, Brixen, Bruneck und Leifers.3 Dies wird durch die unten angezeigte Abbildung 1 der Sprachgruppenzugehörigkeit in Südtirol verdeutlicht. In den folgenden Kapiteln der Arbeit soll näher auf das Nebeneinander von Deutschen und Italienern in Südtirol im Bezug auf die Sprache und die Sprecher eingegangen werden.

Sowohl in der deutschen als auch in der italienischen Sprache in Südtirol gibt es verschiedene Dialekte, wie es überall auf der Welt normal ist. Aber in der besonderen sprachlichen Situation des engen Zusammenlebens zweier Sprachgruppen ergeben sich Probleme, die anderswo aus der Sprachdifferenzierung nicht entstehen.4

Bild 1.Sprachgruppenzugehörigkeit in Südtirol.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Die italienische Koiné Südtirols

Die italienische Sprache ist in Südtirol nicht bodenständig, weil es keine durchgehende italienischsprachige Besiedelung vom Ende der Antike bis heute gegeben hat. Folglich konnte sich dort kein Lokaldialekt entwickeln.

Die italienische Sprache ist bekannt für ihre vielen Dialekte. Die Deutsche Sprache ist sehr stark mundartlich gegliedert und daher mit dem Italienischen hier zu vergleichen. Ein Italiener, der nur die Hochsprache spricht und keinen Dialekt, gibt es eigentlich nicht. Die Einwanderung von Italienern aus allen Provinzen nach Südtirol hat dazu geführt, dass heute keine dialektale Variante des Italienischen in Südtirol vorherrschend ist. Dies hat jedoch der dort verwendeten italienischen Sprache einen bleibenden Stempel aufgedrückt.6 Überall in Italien hat der Zustrom der Landbevölkerung in die großen Städte zu einer „Einebnung dialektaler Eigentümlichkeiten“7 und zur Herausbildung einer Koiné8 geführt. Während normalerweise die Koiné überwiegend von Zügen geprägt ist, die für die betreffende Gegend charakteristisch ist, war dies in Südtirol nicht der Fall, da es keine bodenständige italienische Sprachform gab. Es ist für Italien in Südtirol der einmalige Fall eingetreten, dass eine regionale Koiné nicht auf der Grundlage eines gewachsenen Dialektes, sondern auf der Basis der Nationalsprache entstanden ist. In Südtirol sind bei der italienischsprachigen Bevölkerung nicht alle sozialen Schichten gleichstark vertreten. Auf der einen Seite gibt es die Beamten und Angestellten, und auf der anderen Seite die Industriearbeiter. Hieraus ergeben sich zwei wesentliche Sprachebenen, die man im Italienischen in Südtirol unterscheiden muss,9 die Beamtensprachform und die Arbeitersprachform10

4. Varietäten der deutschen Sprache in Südtirol

In Bezug auf die deutsche Sprache in Südtirol ist die Situation vollkommen anders als bezüglich des Italienischen. Während, wie in Kapitel 3 beschrieben, die italienische Sprache in der Provinz nicht bodenständig ist, geht es bei der deutschen Sprache um eine Ausdrucksform, die in einer über tausendjährigen Epoche organisch gewachsen ist.11 Es sind im Südtiroler Deutsch von heute vier Sprachebenen zu unterscheiden:

1. Die Hochsprache bundesrepublikanischer Prägung,
2. die Hochsprache österreichischer Prägung,
3. die Südtiroler Koiné und
4. der Ortsdialekt12.

Die Hochsprache bundesrepublikanischer Prägung ist erst mit der ständig zunehmenden Bedeutung des Tourismus, also seit ungefähr Anfang der sechziger Jahre, nach Südtirol gekommen, unter anderem auch durch Fernsehprogramme aus der Bundesrepublik Deutschland, die seit den siebziger Jahren in vielen Teilen Südtirols empfangen werden. Unter den Südtirolern wird diese Hochsprache eigentlich nie benutzt. Lediglich bei Personen aus dem deutschsprachigen Raum (weniger bei Bayern und Österreichern) und mit deutschkundigen Ausländern bemühen sie sich diese Sprachform anzuwenden. Aber aufgrund des steigenden Tourismus hat die Verwendung dieser Hochsprache als Mittel zur Kommunikation weiter zugenommen.13

Die Hochsprache österreichischer Prägung ist als die traditionelle Standardsprache Südtirols zu betrachten. Sie wird im Verkehr mit Österreichern und oft auch mit Bayern verwendet. Die Südtiroler verwenden sie vor allem auch bei formellen Anlässen, z. B. in der Kirche, Schule, Politik, in den öffentlichen Medien oder vor Gericht.14

[...]


1 http://www.mediatour.info/de/suedtiroler-geschichte-und-kultur/hintergruende/sprache-in-suedtirol/

2 http://tirolatlas.uibk.ac.at/maps/thema/query.py/text?lang=de;id=1060

3 Riehl, Claudia Maria (2001): Schreiben, Text und Mehrsprachigkeit. Zur Textproduktion in mehrsprachigen Gesellschaften am Beispiel der deutschsprachigen Minderheiten in Südtirol und Ostbelgien. Tübingen: Stauffenburg. S.16

4 Kramer, Johannes (1981): Deutsch und Italienisch in Südtirol. Heidelberg: Winter. S.97

5 http://tirolatlas.uibk.ac.at/maps/thema/query.py/text?lang=de;id=1060

6 Kramer, Johannes (1981): Deutsch und Italienisch in Südtirol. Heidelberg: Winter. S.98

7 Vgl. Kramer J. (1981). S.98

8 Eine durch Einebnung von Dialektunterschieden entstandene Sprache.(Duden (2005): Das Fremdwörterbuch. Mannheim)

9 Riehl, Claudia Maria (2001): Schreiben, Text und Mehrsprachigkeit. Zur Textproduktion in mehrsprachigen Gesellschaften am Beispiel der deutschsprachigen Minderheiten in Südtirol und Ostbelgien. Tübingen: Stauffenburg. S.24

10 Vgl. Kramer J. (1981). S.98

11 Kramer, Johannes (1981): Deutsch und Italienisch in Südtirol. Heidelberg: Winter. S.103

12 Vgl. Kramer J. (1981). S.103

13 Vgl. Kramer J. (1981). S.104

14 Riehl, Claudia Maria (2001): Schreiben, Text und Mehrsprachigkeit. Zur Textproduktion in mehrsprachigen Gesellschaften am Beispiel der deutschsprachigen Minderheiten in Südtirol und Ostbelgien. Tübingen: Stauffenburg. S.22

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Italienisch und Deutsch in Südtirol
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V126708
ISBN (eBook)
9783640408832
ISBN (Buch)
9783640409341
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Italienisch, Deutsch, Südtirol
Arbeit zitieren
Andrea Koschützke (Autor), 2007, Italienisch und Deutsch in Südtirol, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126708

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