Die vorliegende Hausarbeit verfolgt das Ziel zu untersuchen, wie die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit minderjährige Flüchtlinge unterstützen kann. Ziel ist es also, die Möglichkeiten der Lebensweltorientierung aufzuzeigen und die Bedeutung dieses Konzeptes in der Arbeit mit minderjährigen Flüchtlingen zu beleuchten.
Hierbei liegt der Fokus auf der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Hans Thiersch. Daraus erschließt sich folgende Leitfrage: „ Inwiefern leistet das Konzept der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit eine Unterstützung in der Arbeit mit jugendlichen Flüchtlingen?“. Um diese Frage zu beantworten werden zunächst Fluchtgründe und Ursachen erläutert, wobei insbesondere die Flucht von Jugendlichen berücksichtigt wird. Infolge dessen wurde ein Bezug zur Sozialen Arbeit im Hinblick auf Herausforderungen hergestellt, denen (minderjährige) Flüchtlinge gegenüberstehen können, wie etwa der Erhalt einer Ausbildung oder die Aufarbeitung einer Fluchtgeschichte.
Anschließend wird das Konzept der Lebensweltorientierung als wichtiges Konzept in der Sozialen Arbeit diskutiert, um mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu arbeiten, die einigen Herausforderungen stehen. So wird das Konzept zunächst erklärt und dann mit jungen Geflüchteten in Verbindung gebracht. Es geht um die rechtliche Behandlung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen oder welche Möglichkeiten der Sozialen Arbeit bestehen, sie zu unterstützen und aufzunehmen. Bezüge zwischen lebensweltorientierter Sozialer Arbeit und jungen Geflüchteten spiegeln zentrale Aspekte dieser Arbeit wieder und werden im Fazit nochmals dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Flucht
2.1 Minderjährige auf der Flucht
2.1.1 Herausforderungen durch die Flucht
2.1.1.1 Psychische Herausforderungen
2.1.1.2 Schule
2.1.1.3 Arbeit
3 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
3.1 Rekonstruieren der Lebenswelten
3.2 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit und ihre Strukturmaximen
4 Rechtlicher Umgang mit minderjährigen Jugendlichen
5 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit minderjährigen Geflüchteten
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und die Bedeutung der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Hans Thiersch bei der Unterstützung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Ziel ist die Beantwortung der Leitfrage, inwiefern dieses Konzept dazu beitragen kann, die Herausforderungen junger Geflüchteter im Alltag zu bewältigen und ihre gesellschaftliche Integration zu fördern.
- Theoretische Grundlagen der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit (Strukturmaximen)
- Fluchtgründe und psychosoziale Herausforderungen von minderjährigen Flüchtlingen
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Probleme bei der Betreuung (SGB VIII)
- Methodische Ansätze zur Rekonstruktion von Lebenswelten
- Integrationsmöglichkeiten und die Rolle der Sozialen Arbeit im lokalen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1. Rekonstruieren der Lebenswelten
Die Rekonstruktion der Lebenswelt lässt sich laut Grunwald und Thiersch (2004) in vier Aspekten darstellen:
1. Der erste Aspekt stellt die Lebenswelt als ein beschreibendes, phänomenologisch-ethnomethodologisch orientiertes Konzept dar. Der Mensch wird in der Erfahrung einer Wirklichkeit verstanden, in der er sich immer schon vorfindet. In dieser Erfahrung gibt es materielle und immaterielle (symbolische) Ressourcen, die nach Erfahrungen des Raumes, der Zeit und der sozialen Beziehungen gegliedert sind (vgl. Schütz, 1974, S. 24ff.). Die Erfahrungen können ganz unterschiedlich sein, denn der Raum kann geschlossen oder offen sein, die Zeit kann strukturiert, chaotisch, perspektivlos oder attraktiv erfahren werden und die Beziehungen als selbstverständlich, randständig, stützend, herausfordernd oder belastend empfunden werden. Der Mensch wird in seiner pragmatischen Anstrengung gesehen, die ineinander verquickten Aufgaben seiner Lebenswelt zu bewältigen. Außerdem erscheint er als fähig, sich anpassend und verändernd mit den Strukturen seiner Lebenswelt auseinanderzusetzen. Formen von unzulänglichem und abweichendem Handeln müssen in diesem Kontext respektiert werden, auch wenn das Ergebnis für den Einzelnen und seine Umgebung unglücklich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die Problemlage und stellt die zentrale Leitfrage bezüglich der Unterstützungsmöglichkeiten für minderjährige Flüchtlinge durch die lebensweltorientierte Soziale Arbeit.
2 Flucht: Dieses Kapitel erläutert Ursachen der Flucht, die spezifischen psychischen und sozialen Herausforderungen minderjähriger Geflüchteter sowie die Schwierigkeiten beim Zugang zu Bildung und Arbeit.
3 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit: Hier wird das theoretische Konzept nach Hans Thiersch vorgestellt, welches den Alltag als Ausgangspunkt professionellen Handelns definiert und in Strukturmaximen gliedert.
4 Rechtlicher Umgang mit minderjährigen Jugendlichen: Dieses Kapitel analysiert die gesetzlichen Rahmenbedingungen des SGB VIII und internationale Kinderrechte in Bezug auf die Unterbringung und Betreuung von unbegleiteten Minderjährigen.
5 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit minderjährigen Geflüchteten: Eine Anwendung des Konzepts auf die Praxis, wobei Alltagsnähe, Beratung und die Einbeziehung lokaler sozialer Räume diskutiert werden.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, in der die Eignung des Konzepts als hilfreiches Instrument in der Beratung von Jugendlichen hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Lebensweltorientierung, Soziale Arbeit, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Alltagsnähe, Strukturmaximen, Hans Thiersch, Integration, psychosoziale Herausforderungen, Jugendhilfe, SGB VIII, Flucht, Traumatisierung, Sozialraum, Partizipation, Rechtlicher Status
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Anwendbarkeit des Konzeptes der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Hans Thiersch in der Begleitung und Unterstützung von minderjährigen, geflüchteten Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die Fluchtursachen, die traumatischen Erfahrungen junger Geflüchteter, die rechtlichen Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe sowie die methodische Umsetzung lebensweltorientierter Hilfen im Alltag.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern das Konzept der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit eine wirksame Unterstützung in der Arbeit mit jugendlichen Flüchtlingen leistet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Anwendung sozialwissenschaftlicher Konzepte auf das spezifische Handlungsfeld der Flüchtlingsbetreuung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Lebensweltorientierung, die Darstellung der rechtlichen und sozialen Lebensumstände der Jugendlichen sowie eine praktische Diskussion über Integrationsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Lebensweltorientierung, Soziale Arbeit, unbegleitete Minderjährige, Alltagsnähe und Integration charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Alltagsnähe bei der Arbeit mit Flüchtlingen?
Alltagsnähe dient als professionelles Prinzip, um Angebote niederschwellig zu gestalten und direkt an den Lebenswelten und Bedürfnissen der Jugendlichen anzusetzen, anstatt nur institutionelle Anforderungen zu erfüllen.
Wie verhält sich die rechtliche Lage zur pädagogischen Unterstützung?
Die Arbeit zeigt ein Spannungsfeld auf zwischen dem Leistungsrecht des SGB VIII, das den Schutz der Minderjährigen priorisiert, und dem Zuwanderungsrecht, das primär ordnungsrechtlichen Interessen folgt.
- Citation du texte
- Sahar Obeidi (Auteur), 2022, Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit minderjährigen Flüchtlingen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1267093