Bauernaufstände und bäuerlicher Widerstand im Frühmittelalter


Seminararbeit, 2005

12 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ursachen und Formen von Bauernaufständen

3. Die Bäuerlichen Widerstände im Früh-, Hoch-, und Spätmittelalter
3.1 Bäuerlicher Widerstand in Frühmittelalter
3.2 Bäuerlicher Widerstand im Hochmittelalter
3.3 Bäuerlicher Widerstand im Spätmittelalter

4. Schlussbetrachtung

5. Bibliographie

1. Einleitung

Obwohl es während des gesamten Mittelalters Bauernaufstände und bäuerlichen Widerstand gab, konzentriert sich die Forschung bis heute auf die bäuerlichen Erhebungen des Spätmittelalters. Zum einen wird dies damit begründet, dass die Erhebungen des Früh- und Hochmittelalters weniger spektakulär waren als die des Spätmittelalters, zum anderen liegt der Schwerpunkt der Forschung in der Untersuchung des Bauernkriegs. In diesem Sinne wurden die Erhebungen als „Vorläufer“ des Bauernkrieges betrachtet und in diesem Zusammenhang die Frage nach Ursachen und Formen gestellt. Tatsächlich aber waren die Erhebungen eine charakteristische Erscheinung des gesamten Mittelalters. Die zentralen Aspekte wie Ursachen, Ziele, Legitimation und Entwicklungsstufen einer Erhebung in Abhängigkeit von der jeweiligen Herrschaftsstruktur sind dabei so vielschichtig wie etwa ihre Dauer, Ausbreitung und Folgen, sowie die Tatsache, ob eine Erhebung im Früh-, Hoch - oder Spätmittelalter statt gefunden hat. Ziel der neueren Forschung, von Blickle u.a., ist es, die territoriale Vielfalt der Erhebungen zu erfassen, sie zu systematisieren und zu typologisieren und auch durch den Vergleich mit außerdeutschen Aufständen zu einer Gesamtbewertung des Phänomens bäuerlicher Widerstand zu gelangen. Ein großes Problem stellt allerdings die dürftige Quellenlage des Früh- und Hochmittelalters da. Es ist davon auszugehen, dass die erhaltenen Quellen natürlich nicht die einzigen waren, die von Erhebungen berichten und dass viele Erhebungen gar nicht aufgezeichnet wurden, somit also in keiner Quelle erscheinen.

Auch die DDR- Forschung beschäftigte sich in großer Zahl mit den Erhebungen des Spätmittelalters, vor allem aber mit dem Bauernkrieg. Problematisch sind die Forschungsergebnisse aber aufgrund ihrer ideologischen Gebundenheit. Bierbrauer übernimmt hieraus lediglich den Aspekt der bewusstseinsmäßigen Voraussetzung einer Erhebung.

In dieser Seminararbeit soll ein kurzer, allgemeiner Überblick über die Ursachen und Formen von Bauernaufständen im mittelalterlichen Deutschland gegeben werden. Anschließend soll in Bezug darauf das jeweils Charakteristische für das Früh-, Hoch- und Spätmittelalter dargestellt werden. Nur aufgrund des vorgegebenen Umfangs von etwa zehn Seiten wird nicht auf außerdeutsche Erhebungen eingegangen werden.

2. Ursachen und Formen von Bauernaufständen

Die Ursachen einer Erhebung sind ebenso vielfältig wie ihre Formen und lassen sich nur erfassen, wenn generalisierend alle Informationen aus den verfügbaren Quellen zusammen getragen werden. Umgekehrt zeigt sich jedoch nur in der Analyse eines Einzelfalls, welche Ursachen für eine Erhebung ausschlaggebend waren, in welcher konkreten Form Widerstand geleistet wurde, wie die jeweilige Herrschaft reagierte und wie der Konflikt schließlich gelöst wurde.

Die Ursachen einer Erhebung lassen sich zuerst einmal als ein offener Gegensatz zwischen Grundherren und abhängigen Bauern und den daraus resultierenden verschiedenen Interessenlagen beider Gruppen beschreiben. Im Laufe des Mittelalters erzeugten die inneren Wandlungen der Grundherrschaft ein großes Maß an Konfliktpotential, das sich unter gewissen Umständen durch Ausgleichsverhandlungen nicht mehr beilegen ließ. Als Ursache von Erhebungen überwiegen ökonomische Aspekte. Politische Ursachen zeigen sich vor allem im Spätmittelalter.[1]

Konkrete Ursachen waren steigende Steuern, die Erhöhung der grundherrlichen Lasten, die Leibeigenschaft, die Einführung des römischen Rechts, das Versagen des obrigkeitlichen Schutzes bei der Abwehr äußerer Feinde und die Verarmung der Bauern in Folge der Agrarkrisen des Spätmittelalters. Zur Ursachenproblematik gehören neben den „praktischen“ Aspekten auch die bewusstseinsmäßigen und institutionellen Voraussetzungen für ein Erhebung, also die Konstellationen sozialer, ökonomischer und politischer Gegebenheiten, unter denen eine Erhebung hervorgerufen wird.[2] Bierbrauer, der sich intensiv mit der DDR-Forschung über den Bauernkrieg beschäftigte, übernimmt aus dieser zwei Punkte, die sich seiner Meinung nach als generelle wichtige Aspekte im Hinblick auf die Ursachen einer Erhebung aus der DDR- Forschung herauslösen lassen. Sie seien an dieser Stelle kurz umrissen. Für Bierbrauer ist es wichtig zu verdeutlichen, dass die revoltierenden Bauern ihre Situation zuerst als ungerecht empfinden und bewerten mussten.[3] Nur wer sich seiner Situation bewusst ist, ist auch in der Lage, Widerstand zu leisten. Daraus folgt, dass die Bauern organisatorische Möglichkeiten entwickelt haben müssen, mit Hilfe derer sie die erfahrenen Ungerechtigkeiten in Widerstand umgesetzt haben.[4] Dabei bleibt jedoch aufgrund fehlender Quellen die Frage der Gewichtung des geistigen Einflusses und damit sowohl der Weg als auch die Vermittlung der Ideen offen und auch der bäuerliche Bewusstseinsprozess ist damit nicht zu erfassen. Bierbrauer hebt jedoch die Bedeutung einer entwickelten Gemeindeorganisation als Basis bäuerlicher Erhebungen hervor, indem er aufzeigt, dass eine gute entwickelte Gemeindeorganisation dazu führen konnte, dass den Forderungen der Bauern statt gegeben wurde.[5] Auch Blickle weist darauf hin, seine Aussagen beziehen sich aber vor allem auf das Hoch-, und Spätmittelalter.[6]

In einer Revolte oder anhand einer Erhebung offenbart sich natürlich auch, wie gut oder schlecht die politischen Mechanismen der Herrschaft zur Lösung von Konflikten entwickelt waren und ob es verfassungskonforme Konfliktregulierung in Form von Prozessen gab.

So vielfältig wie die Ursachen einer Erhebung können auch die Formen des Widerstandes sein. Der Widerstand ist verschieden je nach der wirtschaftlichen und rechtlichen Stellung der Bauern, je nach Struktur der Grundherrschaft und je nach Zielen der Erhebung. Auch sollte der Zusammenhang zwischen Agrarverfassung und jeweiligem Aufstand berücksichtigt werden, da sowohl die Typen der Grundherrschaft, der Umfang der feudalen Eigenwirtschaft, die Struktur der Abgaben und Dienste als auch der Grad der Selbstständigkeit der Bauernwirtschaft und die bäuerlichen Besitzrechte an Grund und Boden variierten. Generell umfasst der Widerstand folgende Formen: Verweigerung von Diensten und Abgaben, Abwanderung und Flucht, gewalttätige Aufstände, Revolten und Prozesse.[7] Porschnew unterscheidet drei Grundformen des bäuerlichen Widerstandes, indem er versucht, die Formen von Widerstand in niedere und höhere Formen einzuteilen. Die erste Grundform ist der Teilwiderstand, den er als individuelle Ablehnung bestimmter Vorschriften und Forderungen charakterisiert. Dazu zählen die Übertretungen erlassener Verbote genauso wie die Rechtsstreitigkeiten der Bauern wegen einzelner Rechte und Pflichten. Die zweite Grundform ist die Flucht, bzw. die Abwanderung. Hierbei handelt es sich schon um eine Eskalation des Widerstandsverhaltens, bei dem die Bauern mit einzelnen Forderungen des Grundherren brechen und sich entweder durch Flucht oder durch Abwanderung auf die Suche nach günstigeren Bedingungen begeben. Die dritte Grundform, die Porschnew beschreibt, ist der Aufstand, bzw. die Revolte. Dies bedeutet eine offenen Gewaltanwendung der Bauern, um die bestehenden Verhältnisse in ihrem Sinne zu ändern.[8] Sowohl Rösener als auch Bierbrauer kritisieren diese Einteilung nur indirekt, indem sie vorschlagen, einerseits Unterscheidungen zwischen latentem und offenem Widerstand vorzunehmen und andererseits das Kriterium der Gewaltsamkeit stärker mit einzubeziehen.[9] Es ist mit Schwierigkeiten verbunden, zu definieren, was in diesem Zusammenhang gewaltsam ist, ob schon die kollektive Verweigerung von Diensten und Abgaben dazu zählt oder erst die offene Zusammenrottung.[10] Ob diese vorgeschlagene Begriffsverfeinerung in der Lage ist, die verschieden Stufen und Ebenen des Konfliktes besser zu berücksichtigen, kann jedoch im Zusammenhang mit dieser Arbeit nicht geklärt werden und bleibt daher weitgehend offen.

[...]


[1] G. Franz, Bauernkriege,

[2] P. Bierbrauer, Bäuerliche Revolten im alten Reich. Ein Forschungsbericht, in: P. Blickle, P. Bierbrauer, R. Blickle, C. Ulbrich (Hrsg.): Aufruhr und Empörung? Studien zum bäuerlichen Widerstand im Alten Reich, München, 1980, S.28

[3] ebd. S.32

[4] ebd.

[5] ebd.

[6] P. Blickle, Studien zur Geschichte des deutschen. Bauernstandes, Stuttgart, New York,1989, S.123

[7] W. Rösener, Bauern im Mittelalter, München, 1985, S.242

[8] ebd.

[9] W. Rösener, Bauern im Mittelalter, München, 1985, S.243- 244,

[10] P. Bierbrauer, Bäuerliche Revolten im alten Reich. Ein Forschungsbericht, in: P. Blickle, P. Bierbrauer, R. Blickle, C. Ulbrich (Hrsg.): Aufruhr und Empörung? Studien zum bäuerlichen Widerstand im Alten Reich, München, 1980, S17

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Bauernaufstände und bäuerlicher Widerstand im Frühmittelalter
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar)
Note
gut
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V126743
ISBN (eBook)
9783640327058
ISBN (Buch)
9783640327508
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bauernaufstände, Widerstand
Arbeit zitieren
M.A. Tanja Gawlich (Autor), 2005, Bauernaufstände und bäuerlicher Widerstand im Frühmittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126743

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