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Grenzräume und Randzonen als Reichssubjekte

Galizien als Grenzraum im österreichisch-ungarischen Imperium

Titel: Grenzräume und Randzonen als Reichssubjekte

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2008 , 23 Seiten , Note: 3,0

Autor:in: Stefan Lorenz (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die drei kontinentalen Imperien waren in historischen
Maßstäben von nicht allzu langer Dauer. Trotzdem sind die Auswirkungen der damaligen Politik gerade in Zentral- und Osteuropa bis heute zu spüren. Vor allem Österreich-Ungarn hat durch seine besondere geopolitische Lage viele dieser Konflikte erlebt und überlebt, trotzdem ist der Gesamtstaat nach dem Ende des ersten Weltkrieges recht schnell und ohne größere Konflikte aufgelöst worden.
War das Imperium wirklich so sinnstiftend für die einzelnen Bevölkerungsgruppen,
dass sie ihre ethnischen Differenzen friedlich und auf politischer Ebene ausgetragen haben
und erst als es nicht mehr vorhanden war alles im Chaos versank? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, eignet sich die Betrachtung eines Grenzraumes sehr gut. Grenzräume stellen
innerhalb der Nationalstaaten immer besondere Gebiete dar. Sie sind die Schnittstelle zu denKonkurrenten, hier werden Waren und Gedanken ausgetauscht, und doch werden sie meist als
rückständig betrachtet. Eigentlich müssten sie ja besonders gut entwickelt sein, da sie in ihrer Schnittstellenfunktion von beiden Seiten profitieren müssten. Der gesellschaftliche Wandel trug seinen Anteil dazu bei, dass die Frage nach der nationalen
Identität des Einzelnen immer wichtiger wurde. Die alte feudale Ständeordnung wurde abgelöst durch den eine dynamische Wirtschaftsordnung. Zum orbis interior des Einzelnen gesellte
sich plötzliche ein naher orbis exterior der direkten Einfluss auf das eigene Leben hatte und nicht von fernen Mythen und Legenden geprägt war. Die Individualisierung des Menschen
schritt immer weiter voran und der Einzelne war nun in der Lage sein Leben selbst zu bestimmen und auch willens dazu. Diese Zeit großer Umbrüche führte dazu, dass die Menschen
nach neuen Werten und Orientierungspunkten zu suchen begannen. Der Nationalismus bot ihnen die Möglichkeit, sich zu orientieren und neuen Halt zu finden. Er inkludierte einzelne aber exkludierte dafür auch wieder viele.
Am Beispiel Galiziens wird in der vorliegenden Arbeit gefragt, ob die Integration dem Imperium Österreich-Ungarn gelungen ist, oder ob sich innerhalb des Grenzraumes eigene nationale
Identitäten herausgebildet haben.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Verhältnis zwischen Reich und Grenzraum

2.1 Entstehung der Provinz

2.2 Die Vertretung Galiziens im Imperium

2.3 Die Bedeutung Galiziens für das Imperium

3 Die ethnischen Verhältnisse im Kronland Galizien

3.1 Juden und Ruthenen

3.2 Die Polen

3.3 Die Polonisierung

4 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob es dem Imperium Österreich-Ungarn gelang, im Grenzraum Galizien eine gemeinsame nationale Identität zu etablieren, oder ob sich dort eigenständige nationale Identitäten herausbildeten. Dabei wird analysiert, wie die verschiedenen ethnischen Gruppen auf die politischen Rahmenbedingungen des Habsburgerreiches reagierten und inwiefern der Nationalismus das Zusammenleben prägte.

  • Analyse der geopolitischen und staatsrechtlichen Sonderstellung Galiziens innerhalb der Doppelmonarchie.
  • Untersuchung der nationalen Bestrebungen und Identitätsbildungen von Polen, Ruthenen und Juden.
  • Bewertung der Auswirkungen der "Polonisierung" auf die gesellschaftliche und politische Struktur.
  • Kritische Reflexion der Integrationsfähigkeit eines multiethnischen Imperiums im Zeitalter des Nationalismus.

Auszug aus dem Buch

3.1 Juden und Ruthenen

Neben den später zu behandelnden Polen bestand die Bevölkerung zu einem großen Teil aus Ruthenen. Sie stellten in Galizien um 1846 noch 50,1 Prozent der Bevölkerung. Ihr Anteil nahm jedoch stetig ab und betrug 1910 nur noch 40,2 Prozent. Dieser Rückgang wurde vor allem durch die bereits angesprochene Auswanderungsbewegung ausgelöst. Diese Bewegung betraf die Ruthenen stärker als die anderen Volksgruppen. Ihre wirtschaftliche Situation in Ostgalizien war besonders schlecht. Die meisten der Auswanderer waren Tagelöhner oder selbstständige Bauern. Ungefähr 94 Prozent der Ruthenen waren in der Landwirtschaft beschäftigt, diese wurde wiederum von polnischen Großgrundbesitzern und der Kirche dominiert. Für diese Bevölkerungsgruppe war es also am attraktivsten, zu emigrieren.

Das Bildungsniveau der Ruthenen lag ebenfalls unter dem galizischem Durchschnitt. Diesen Rückstand konnten sie auch bis 1918 nicht aufholen. Auch mit der Forderung nach einer eigenen Hochschule konnten sie sich nie durchsetzen. An der polnischen Universität Lemberg existierten zwar einige ruthenische Lehrstühle ab 1901 wurde die Inmatrikulation in ruthenischer Sprache jedoch verboten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Imperien in der Geschichte und führt in die Problematik ein, ob multiethnische Reiche wie Österreich-Ungarn eine sinnstiftende Identität für ihre Bewohner schaffen konnten.

2 Das Verhältnis zwischen Reich und Grenzraum: Dieses Kapitel erläutert die staatsrechtliche Konstruktion der Doppelmonarchie und analysiert Galiziens Entstehung, politische Vertretung sowie dessen wirtschaftliche und strategische Bedeutung für das Gesamtreich.

3 Die ethnischen Verhältnisse im Kronland Galizien: Hier werden die spezifischen Lebensumstände und nationalen Identitätsbildungen der drei Hauptgruppen – Juden, Ruthenen und Polen – detailliert untersucht.

4 Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert, dass die Integration Galiziens in die österreichische Nation scheiterte, da sie nie ernsthaft versucht wurde und der Grenzraum trotz sachlicher Verwaltung ein separiertes Gebiet blieb.

Schlüsselwörter

Österreich-Ungarn, Galizien, Nationalismus, Identität, Imperium, Polen, Ruthenen, Juden, Doppelmonarchie, Grenzraum, Minderheitenpolitik, Integration, Polonisierung, Ethnien, Habsburgerreich

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das politische und gesellschaftliche Verhältnis zwischen dem Imperium Österreich-Ungarn und dem Grenzland Galizien im Zeitraum von 1867 bis 1918.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die staatsrechtliche Einordnung Galiziens, die nationalen Identitätsbildungen verschiedener Ethnien und die Auswirkungen der Polonisierung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu hinterfragen, ob das Habsburgerreich in Galizien erfolgreich eine übergeordnete nationale Identität etablieren konnte oder ob sich dort lokale Nationalismen durchsetzten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung umfangreicher Studien und zeitgenössischer Dokumente zur Geschichte des Habsburgerreiches basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die politische Struktur des Reiches, die spezifische Situation der Volksgruppen (Ruthenen, Juden, Polen) und den Prozess der Polonisierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Nationalismus, multietnisches Imperium, nationale Identität, Integration und das spezifische Beispiel des Kronlandes Galizien.

Warum war Galizien für das Imperium wirtschaftlich gesehen eher ein Verlust?

Die Investitionen in Infrastruktur und Verwaltung überstiegen die Einnahmen aus der Provinz bei weitem, zudem verhinderte die Adelsherrschaft notwendige wirtschaftliche Reformen.

Warum wird die polnische Dominanz im Kronland als entscheidend für die Zeit nach 1918 gesehen?

Die polnische Dominanz schuf unter österreichischer Herrschaft den institutionellen Kern einer Nation, der nach dem Zerfall des Imperiums als Grundlage für den neuen polnischen Nationalstaat diente.

Welche Rolle spielte der Antisemitismus in der galizischen Gesellschaft?

Der Antisemitismus nahm mit dem wachsenden Einfluss der Juden in der Wirtschaft zu und wurde von kirchlichen Kreisen genutzt, um die Bauern in eine polnische nationale Identität zu integrieren.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Grenzräume und Randzonen als Reichssubjekte
Untertitel
Galizien als Grenzraum im österreichisch-ungarischen Imperium
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
3,0
Autor
Stefan Lorenz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V126750
ISBN (eBook)
9783640327126
ISBN (Buch)
9783640327560
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grenzräume Randzonen Reichssubjekte Galizien Grenzraum Imperium
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefan Lorenz (Autor:in), 2008, Grenzräume und Randzonen als Reichssubjekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126750
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  23  Seiten
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