Adolf Eichmann - Banalität des Bösen?


Hausarbeit, 2002
32 Seiten, Note: 13

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. 1906-1932
2.1. Kindes- und Jugendzeit
2.2. Erste Arbeit

3. 1932-1937
3.1.Eintritt in die NSDAP
3.2 Die Ausbildung
3.3.Der Weg in den Sicherheitsdienst der SS
3.4 Referat II 112 und der Aufstieg

4. 1938
4.1 Versetzung nach Österreich
4.2 Bildung der Zentralstelle für jüdische Auswanderung
4.3 Der Erfolg und sein Ausbau

5. 1939-1940
5.1 Prag
5.2 Erste Deportation
5.3 Der Madagaskar-Plan

6. 1941
6.1 Der Venichtungsbefehl
6.2 Eichmann als Zeuge/ Erste Versuche
6.3 Eichmanns Arbeit
6.4 Theresienstadt

7. 1942-1943
7.1Staatssekretärkonferenz/Wannseekonferenz
7.2 Rountinedeportation
7.3 Ausschwitz

8. 1944-
8.1 Ungarn/Zentralisierung
8.2 Ungarn/Deportation
8.3 Der Todesmarsch
8.4 Flucht und Festnahme

9. 1960-1962
9.1. Vernehmung und Bekanntgabe
9.2 Prozessbeginn
9.3 Beweisführung der StA
9.4 Das Urteil
9.5 Revision
9.6 Hinrichtung

10. Literatur

1.Einleitung

„Mich reut gar nichts. Ich krieche in keinster Weise zu Kreuze. Das kann ich nicht, weil sich mir das Innerste sträubt zu sagen, wir hätten etwas falsch gemacht. Ich muss ihn in ganz ehrlich sagen: Hätten wir von den 10,3 Millionen Juden, die Korherr ( Richard Korherr, Inspekteur für Statistik beim Reichsführer ) ausgewiesen hat, 10,3 Millionen Juden getötet, dann wäre ich befriedigt und würde sagen: "Gut wir haben einen Feind vernichtet ! " 1

Diese eindeutigen Worte stammten von dem im argentinischen Exil lebende Adolf Eichmann, verantwortlich für die Deportierung von 5 Millionen Juden während der Zeit des NS-Regimes und einer der meist gesuchtesten Kriegsverbrecher überhaupt. Aufgenommen wurden dieses Tonprotokoll 1956 durch den ehemaligen holländischen SS-Mann Willem Sassen im Rahmen eines Interviews.

Menschen die Adolf Eichmann im Laufe seines Lebens kennen gelernt hatten, beschrieben diesen als einen

-Menschen mit Minderwertigkeitskomplexen 2 (Wilhelm Höttl, SS-MannGuido Knopp Seite 36),
-Null und Feigling ( Isser Harel, Chef des Mossad3 (Knopp, Seite 71) oder nur
-ganz gewöhnlichen Menschen.4

Adolf Eichmann bezeichnete sich selbst als gehorsamen SS-Mann, der getreu dem SS-Eid stets nur seine Pflicht getan habe, nichts weiter.5 (Knopp Seite 29)

In der folgenden Zusammenfassung soll nicht nur den Werdegang des Adolf Eichmann erläutert sondern auch gezeigt werden, dass er als Bürokrat wesentlich mehr getan hat, als seine Befehle lauteten.

2. 1906-1931

2.1 Kindes-und Jugendzeit

Adolf Eichmann wurde am 19. März 1906 um 5:00 Uhr morgens in Solingen geboren. Er war das Älteste von fünf Kindern. Sein Vater war Buchhalter für die Straßenbahn- und Elektrizitätsgesellschaft in Solingen. 1914 wurde er als Direktor der gleichen Gesellschaft nach Linz versetzt. Seine Familie folgte ihm.

In Linz ging Adolf Eichmann auf die Kaiser-Franz-Staatsoberrealschule, wo er den Realabschluss nicht schaffte. Nebenbei sei erwähnt, dass Adolf Hitler 15 Jahren vorher die gleiche Schule besuchte und ebenfalls den Abschluss nicht schaffte.

Das spätere Studium in Maschinenbau (Polytechnikum) schloss Eichmann ebenfalls ohne Examen ab.

Eichmann schob das Scheitern gerne auf finanzielle Missgeschicke seines Vaters, da er es für ehrenhafter hielt, deshalb durchzufallen, als aufgrund seines Nichtkönnens.

2.2 Erste Arbeitsstätten

Während dieser Zeit machte sich Eichmanns Vater mit einem eigenen Geschäft (Bergbaugesellschaft) selbstständig, und stellte seinen Sohn als einfachen Arbeiter ein.

1925 fand Eichmann mit Hilfe seiner Stiefmutter, seine Mutter war 1910 gestorben, eine Stelle als Verkaufsbeamter in der Oberösterreichischen Elektrobau AG und zwei Jahre später bei der

Ölfirma Vakuum Oil Company als Reisvertreter. Letztere Stellung bekam Eichmann wieder aufgrund verwandtschaftlicher Beziehung.

Sowohl dieser Beruf als auch der Vorherige, waren jedoch nicht in Eichmanns Sinn.

Er schreibt in seinen späteren Memoiren, daß er nach der Aufgabe suchte, die seinem Leben einen Sinn gab.

3. 1932-1937

3.1 Eintritt in die NSDAP

Bei einer Versammlung der NSDAP am 1. April 1932 im Linzer Märzenkeller sollte Eichmann seinen Sinn finden. Bei Der Versammlung kam der spätere Reichssicherheitshauptmann Ernst Kaltenbrunner, damals ein Geschäftsfreund seines Vaters, auf ihn zu,

und sagte: "Du kommst zu uns".

Eichmanns einfach Antwort:

"Ja gut".6 Eichmann wurde hierauf Mitglied der SS der NSDAP.

Hierzu sollte gesagt werden, dass Eichmann nie ein politischer Mensch war.

Die Entscheidungsgründe lagen eher darin, dass sich Eichmann schon seit seiner Jugendzeit in Gemeinschaften und Vereinen wohl fand. Desweiteren hatte er den Drang nach gesellschaftlicher Anerkennung und Karriere. Menschen wie ihm versprach Hitler ganz von vorne anfangen zu können.

Ende 1932 musste Eichmann beruflich von Linz nach Salzburg ziehen, was ihm missfiel.

Kurz darauf, wurde ihm die Arbeit bei der Ölfirma auch aufgrund der Weltwirtschaftskrise 1933 gekündigt.

Kurz nach seiner Entlassung aus der Oil Company wurde die NSDAP, als Folge der Machtergreifung in Deutschland, in Österreich verboten.

3.2 die Ausbildung

Kurzentschlossen siedelte Eichmann am 1. August 1933 nach Deutschland über und wurde gleich darauf von dem zuständigen Gauleitung Boleck zuerst in das SS-Ausbildungslager ins Kloster Lechfeld gesandt, wo er für die " österreichische Exil-Legion " gedrillt werden sollte, die im Aufbau begriffen war. Zwischendurch wurde er in das Ausbildungslager Passau und Dachau gesandt, kehrte aber danach wieder nach Lechfeld zurück.

Hinweise, die darauf deuten, daß Eichmann zu diesem Zeitpunkt Kontakt mit den dortigen Kz`s hatte, konnte ich nicht finden.

Aber auch in Lechfeld und Passau verfiel Eichmann in Langeweile. Eichmann wörtlich:

" Mir war das Einerlei des Dienstes etwas, was mir wiederstrebte. Jeden Tag dasselbe, immer wieder dasselbe".7

3.3 Sicherheitsdienst der SS

Daher bewarb er sich 1934 beim Nachrichtendienst der SS, dem so genannten Sicherheitsdienst (SD), wo er im September desselben Jahres seinen Dienst in der SD-Zentrale, Wilhelmstr., Berlin, begann.

Adolf Eichmann gab in seinen späteren Memoiren an, er habe sich unter dem Begriff " Sicherheitsdienst des Reichsführers SS " ein Kommando vorgestellt, das den Chef der SS beschützt. Von der wahren Tätigkeit des Sicherheitsdienstes SS habe er sich keine Vorstellungen gemacht.

Eichmann war bis dahin zum Scharführer befördert worden.

Die ersten Amtstätigkeiten verrichtete Adolf Eichmann in der Abteilung Freimaurerei, wo er die für ihn langweilige Aufgabe(Eichmann Memoieren) übernahm, Karteikarten über freimaurerähnliche Vereinigungen zu schreiben. Einer solchen Vereinigung war Eichmann übrigens 1927 selbst beigetreten.

3.4 Referat II 112 und der Aufstieg

Nach fünf Monaten wurde Eichmann zum Referat II 112 (Referat Juden) versetzte. Zum Auftakt empfahl ihm sein Vorgesetzter, Leopold von Mildenstein, das Buch " der Judenstaat " vom Begründer des politischen Zionismus, Theodor Herzl. Dieses Buch stellt eine Wende in Eichmann Leben dar:

" Bis dahin wusste ich von diesen Dingen nichts. Irgendwie berührte dieses Buch eine Seite in mir, und ich nahm alles in mir auf“ 8

Eichmann fing an, sich hauptsächlich nur noch mit dem Gedanken der politische Lösung der Judenfrage zu beschäftigen. Hiermit war zu dieser Zeit noch die Vertreibung der Juden aus Deutschland gemeint.

Diese Art von Enthusiasmus ging so weit, dass er für drei Reichsmark die Stunde bei einem Rabbiner Neu-Hebräisch sprechen lernen wollten. Der Antrag wurde jedoch Von Der Führung mit der Bemerkung abgelehnt, daß sich ein SS-Mann, der Hebräisch lernen will, sich doch bitte ein nichtjüdischen Lehrer besorgen solle.

Hierauf brachte sich Eichmann sich selbst ein paar Brocken Neuhebräisch bei.

Für den gezeigten Eifer gab es mehrere Gründe:

Einmal hatte Eichmann offensichtlich bemerkt, wie man bei der NSDAP und konkret dem SD, Karriere machen kann: Als Fachmann in Bezug auf die Judenfrage.

So versuchte er sich weiter zu bilden, wo ihm die Möglichkeit dafür gegeben wurde.

Innerhalb kurzer Zeit galt Eichmann als Spezialist mit Halbwissen in alle Fragen des Judentums.

Der Karrieredrang ging so weit, dass er im Sommer 1937 eine Dienstreise nach Palästina bei seinem damaligen SD-Chef, Reinhard Heinrich, beantragte, den er auch aufgrund seiner Beflissenheit in der Judenfrage genehmigt bekam. Der Auftrag an Eichmann und seinen neuen Vorgesetzten Herbert Hagen lautete, Möglichkeiten zu ergründen, deutsche Juden nach Palästina abzuschieben.

Eichmann und Hagen konnten aber keine positiven Ergebnisse aus dieser Reise mit nach Hause bringen. Das Gegenteil war der Fall: britische Behörden enttarnten die beiden SS-Beamten, wiesen sie aus und Eichmann musste wegen einer Paratyphus-Infektion ins Lazarett.

Einen weiteren Grund für seine Beflissenheit nennt sein SS Freund, Wilhelm Höttl:

" Entscheidend waren seine Minderwertigkeitskomplexe. Im SD waren alle führenden Stellen mit Akademikern besetzt. Er aber hatte nicht einmal einen Schulabschluss und das hat ihn furchtbar getroffen. Hinzu kamen noch bösartige Bemerkung seiner Kameraden wegen seines "jüdischen Aussehens". Sie haben ihn Siggi Eichmann genannt, und das hat ihn mächtig gekränkt". 9

Eichmann wollte den anderen Kollegen zeigen, dass er mit seiner "tschechischen" Ehefrau, Veronica Liebl, die er 1935 heiratete (er hatte erkannt, dass die NS-Führung auch hier eine schnellere Beförderung in Aussicht stellten), genauso gut ist wie der Rest.

Die eigentliche Tätigkeit der Abteilung II -112 bestand in der regelmäßigen Auswertung der jüdischen Presse und Überwachung der jüdischen Versammlungen.

Die Abteilung war in drei Referate unterteilt:

- Assimilanten,
- Orthodoxe und
- Zionisten.

Eichmann war für die zionistischen Organisationen zuständig, wobei er hier meist uninteressante Informationen an zuständige Ämter weitergab.

4. 1938

4.1 Versetzung nach Österreich

Am 16.03.38, also kurz nach der Einverleibungen Österreichs, wird

Eichmann als Referent in die Dienststelle des SD Führers beim SS-Oberabschnitt Donau versetzt und dort mit der Leitung des Referats II -112 betraut.

Sein Auftrag hier: Der inzwischen zum Offizier beförderte Eichmann soll alle Juden ohne jegliche Rücksicht auf Staatsangehörigkeit, Geschlecht, etc. aus den Staat Österreich vertreiben.

Eichmann Strategie ist klar definiert:

- -Ausscheidung der Juden vom Wirtschaftsleben,
- -Entblößung aller finanziellen Quellen,

um diese zu Zwingen, Österreich mittellos zu verlassen.

Die erste Maßnahme, die Eichmann und sein Vorgesetzter Hagen traf, um seine Ziele zu erreichen, war eine Welle der Verhaftungen aufgrund einer Von Eichmann vorbereiteten Liste. Bei den Namen auf der Liste handelte es sich hauptsächlich um Angehörige und Funktionäre jüdischer Organisationen.

Durchgeführt wurden die Festnahmen von einem SD-Sonderkommando. Deren Aufgabe war es weiterhin, Dokumente und Unterlagen jüdischer Organisationen und wichtiger Privatperson zu beschlagnahmen.

Diese Unterlagen wurde durch ein im Berliner Referat II -112 eigens eingesetztes "Österreich-Auswertungskommando" aufgearbeitet.

Eichmann nahm zuweilen auch selbst an den Razzien teil.

Durch diese Razzien wurde das jüdische Volk stark verunsichert und verängstigt. Dies wurde noch dadurch unterstützt, dass es in Österreich keine offiziellen Bekanntgaben bezüglich der jüdischen Politik gab.

Nachdem in Österreich alle jüdischen Organisationen und Vereine verboten worden war, richtete Eichmann die Kultusgemeinde (in der nun eine neue Auswanderungsabteilung für Juden aufgebaut wurde), den zionistischen Landesverband für Österreich und einen Verein als Träger der orthodoxen Juden wieder ein. Für den Rest sollte ein Hilfsverein gegründet werden.

Eichmann behielt in diktatorischer Härte die Oberhand über diese Vereine. Die eingeschüchterten Vorstände mussten einmal wöchentlich über ihre Tätigkeiten bericht erstatten und über jeden ihrer Schritte Eichmann um Erlaubnis fragen.

Eine weitere Aufgabe Eichmanns war es, die inhaftierten Juden zu vernehmen.

[...]


1 Interview mit Wilhelm Sassen: Guido Knopp:Hitlers Helfer, Seite

2 Isser Harel über Eichmann: Guido Knopp, Hitlers Helfer, Seite 29

3 Gesamteindruck über das Buch „Eichmann in Jerusalem“ von Hanna Arendt

4 Guido Knopp: Hitlers Helfer, Seite 29

5 Knopp: Hitlers Helfer, Seite 32

6 Knopp, Hitlers Helfer II, Seite 33

7 Knopp, Hilters Helfer, Seite 36

8 Knopp, Hitlers Helfer II, Seite 33

9 Knopp, Hilters Helfer, Seite 36

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Adolf Eichmann - Banalität des Bösen?
Hochschule
Fachhochschule Gießen-Friedberg; Standort Gießen  (Studienfach Politik)
Veranstaltung
Politik
Note
13
Autor
Jahr
2002
Seiten
32
Katalognummer
V12677
ISBN (eBook)
9783638184946
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adolf, Eichmann, Banalität, Bösen, Politik
Arbeit zitieren
Joachim Beike (Autor), 2002, Adolf Eichmann - Banalität des Bösen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12677

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