Dieser Essay soll sich mit der Frage befassen, inwiefern das Diversionsverfahren die Möglichkeit bietet, straffällige Jugendliche an die Leistungen der Jugendhilfe anzubinden. Deshalb sollen hier konkret die Vorteile einer Diversion herausgearbeitet werden, um anschließend zu argumentieren, inwiefern Unterstützungsmöglichkeiten durch die Jugendhilfe im Strafverfahren initiiert werden können. Knapp umschrieben, handelt es sich bei einer Diversion um eine Ableitung oder Umleitung aus dem Strafverfahren heraus. Die Täter:innen sollen vom System formeller Sozialkontrolle weggeführt werden. Durch die Diversion sollen verschiedene Ziele erreicht werden, die einerseits für den:die Täter:in, die nahen Angehörigen wie die Eltern, aber auch für die Justiz von Vorteil sind. Auch der Jugendhilfe im Strafverfahren (JuHiS) werden durch Diversionsverfahren flexible Handlungsspielräume eingeräumt, die für die Erziehungs- und Entwicklungsförderung nützlich und notwendig sein können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Diversion – Was ist das genau?
2. Welche Vorteile hat das Diversionsverfahren?
3. Die Jugendhilfe im Strafverfahren als Bindeglied zwischen Adressat:innen und anderen Akteur:innen der Kinder- und Jugendhilfe
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Vorteile von Diversionsverfahren im Jugendstrafrecht, um straffällige Jugendliche gezielt an Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe anzubinden und sie dadurch präventiv zu unterstützen.
- Gesetzliche Grundlagen der Diversion nach JGG
- Stigmatisierungsvermeidung durch den Labeling Approach
- Normalsozialisation vs. Kriminalisierung im Jugendalter
- Die Rolle der Jugendhilfe im Strafverfahren (JuHiS) als Vermittlungsinstanz
- Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und anderen Akteuren
Auszug aus dem Buch
2. Welche Vorteile hat das Diversionsverfahren?
Als grundsätzliche Vorteile eines Diversionsverfahrens nennen Nix et al. (2011, S. 131) die Vermeidung von Stigmatisierung der Betroffenen durch Abbau formeller Verfahren; schnellere Reaktionen, damit der Bezug zwischen Tat und Reaktion erhalten bleibt; flexiblere Problemlösungshilfen für die Betroffenen sowie den Abbau überschließender formellerer Sozialkontrolle und die Entlastung der Justiz. Während das letztere Argument der Entlastung von Staatsanwaltschaft und Gerichten dient, sind die ersteren Argumente auf den:die Täter:in bezogen, mit dem Ziel und Zweck, die Persönlichkeit zu fördern und nicht durch formelle und aufwendige Gerichtsverfahren den:die Täter:in in seiner:ihrer Persönlichkeit zu destabilisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Hier wird die Fragestellung erläutert, inwiefern Diversion dazu beitragen kann, Jugendliche an erzieherische Hilfen anzubinden und sie dem System formeller Sozialkontrolle zu entziehen.
1. Diversion – Was ist das genau?: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Rahmenbedingungen der Diversion gemäß dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) und die Unterscheidung zwischen staatsanwaltschaftlicher und richterlicher Diversion.
2. Welche Vorteile hat das Diversionsverfahren?: Das Kapitel diskutiert kriminologische Theorien wie den Labeling Approach und die Bedeutung von Normalsozialisation sowie die Vorteile der Diversion gegenüber formellen Strafverfahren.
3. Die Jugendhilfe im Strafverfahren als Bindeglied zwischen Adressat:innen und anderen Akteur:innen der Kinder- und Jugendhilfe: Hier wird die Rolle der Jugendhilfe als Akteurin im Strafprozess beleuchtet, die prüft, ob erzieherische Hilfen zur Stabilisierung der Lebenssituation der Jugendlichen beitragen können.
Fazit: Das Kapitel reflektiert den Nutzen informeller Verfahren und weist auf die Notwendigkeit hin, Hilfen zur Erziehung in einem freiwilligen Kontext zu installieren, anstatt diese als bloße Strafe wirken zu lassen.
Schlüsselwörter
Diversion, Jugendstrafrecht, Jugendhilfe im Strafverfahren, JuHiS, Normalsozialisation, Labeling Approach, Stigmatisierung, Sozialkontrolle, Erziehungshilfe, JGG, SGB VIII, Jugendkriminalität, Prävention, Hilfeplanung, ASD.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Einsatzmöglichkeiten der Diversion im Jugendstrafrecht als Instrument, um straffällige Jugendliche frühzeitig mit Unterstützungsangeboten der Kinder- und Jugendhilfe zu erreichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die kriminologische Begründung von Diversion (Stigmatisierungsvermeidung), die rechtliche Umsetzung nach JGG und die praktische Rolle der Jugendhilfe im Strafverfahren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine Umleitung aus dem formalen Strafverfahren die Chance erhöht wird, erzieherische Maßnahmen einzuleiten, die Jugendlichen bei der Bewältigung ihrer Lebensprobleme helfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit einschlägigen kriminologischen Fachtexten sowie Gesetzeskommentierungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die gesetzlichen Grundlagen, diskutiert den Labeling Approach zur Vermeidung von Stigmatisierung und untersucht die Rolle des Jugendamtes bzw. der JuHiS als Bindeglied.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Diversion, Jugendhilfe im Strafverfahren, Labeling Approach, Normalsozialisation sowie verschiedene Fachbegriffe aus dem SGB VIII und JGG.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen der Diversion der Staatsanwaltschaft und des Richters?
Es wird präzise dargelegt, dass die Staatsanwaltschaft nach § 45 JGG bei gewissen Voraussetzungen ohne richterliche Zustimmung absehen kann, während der Richter gemäß § 47 JGG das Verfahren unter den genannten Bedingungen einstellen kann.
Welche Gefahr sieht der Autor bei der Vermittlung in Hilfemaßnahmen?
Der Autor warnt davor, dass die Jugendlichen die Hilfe als Zwang oder Strafe empfinden könnten, wenn die einzige Motivation des Verfahrens die Vermeidung einer formellen Verurteilung ist.
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- Nico Hartlich (Author), 2022, Anbindung an die Jugendhilfe durch Diversion? Vorteile eines Diversionsverfahrens zur Vermittlung in Leistungen zur Erziehungshilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1267762