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Kinder- und Jugendarmut als Resultat intergenerationeller Transmission. Eine Herausforderung für die Soziale Arbeit?

Titel: Kinder- und Jugendarmut als Resultat intergenerationeller Transmission. Eine Herausforderung für die Soziale Arbeit?

Bachelorarbeit , 2022 , 73 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Stefanie Langerwisch (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit untersucht folgende Fragen: Haben Kinder aus deprivierten Familien geringere Erfolgschancen? Wie kann der Prozess der intergenerationellen Reproduktion von Armut erklärt werden? Welche Möglichkeiten hat die Soziale Arbeit, zu intervenieren?

Armut ist mehrdimensional und führt zu Ausgrenzung und Benachteiligung der betroffenen Menschen, doch besonders schutz- und wehrlos sind Kinder multiplen Deprivationen ausgesetzt. Die Armutsgefährdungsquote von Kindern in Deutschland lag 2019 bei durchschnittlich 20,5 % und war somit auf dem höchsten Stand seit 2005. Die Tatsache, dass jedes fünfte Kind in Deutschland von Armut betroffen ist, kann und sollte als skandalös beurteilt werden. Durch die globale Covid-19-Pandemie hat sich die Situation für benachteiligte Familien noch zusätzlich verschärft, indem die politisch handelnden Personen die Betroffenen mit den Folgen der Krise ihrem persönlichen Schicksal überlassen haben. Dabei drängt das Thema Kinderarmut immer mehr in den Fokus der Politik und wird mittlerweile vielfach in diversen Parteiprogrammen aufgegriffen und in öffentlichen Diskussionen als politischer Kampfbegriff missbraucht. Denn oftmals folgt auf die bloße Kenntnisnahme und die Anerkennung existierender Armutslagen von Familien kein beziehungsweise kein umfassendes Konzept, um Kinderarmut wirksam zu begegnen. Butterwegge hält allerdings fest, dass ein Leben in Armut keine individuelle und selbst verschuldete Problemlage darstelle, sondern das sozioökonomische System, von dem die Menschen abhängig sind, die hauptsächliche Ursache sei.

Dass besonders Kinder von Armut betroffen sind, wurde bereits in den 80er-Jahren deutlich, woraufhin Richard Hauser den Begriff der "Infantilisierung der Armut" prägte. Dieser Ausdruck sorgte damals für viel Aufsehen, jedoch bleibt bis heute besonders die Jugendarmut in der Forschung und politischen Auseinandersetzungen unterrepräsentiert. Dabei ist besonders die Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen quantitativ am stärksten von Armut betroffen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kinder- und Jugendarmut in Deutschland

2.1 Abgrenzung von Kindheit und Jugend

2.2 Versuch einer Definition von Kinder- und Jugendarmut

2.3 Messbarkeit von Armut

2.3.1 Formen von Armut: Absolute und relative Armut

2.3.2 Der Lebenslagenansatz

2.3.3 Der Capability Approach

2.4 Kinder- und Jugendarmut – Zahlen und Fakten

3 Mehrdimensionale Deprivationen und ihre Auswirkungen auf die Lebenschancen

3.1 Soziale Segregation

3.2 Der Einfluss von Armut auf die Gesundheit betroffener Kinder und Jugendlichen

3.2.1 Armutsbedingte pränatale Einflussfaktoren

3.2.2 Armutsbedingte Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit

3.3 Einfluss der sozialen Herkunft auf die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen

4 Transgenerationelle Transmission von Armut

4.1 Studien zur Transmission wohlfahrtstaatlicher Abhängigkeit

4.1.1 AWO-ISS-Studie

4.1.2 Reproduktion von Arbeitslosigkeit

4.2 Intergenerationenmobilität

4.3 Sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze zur intergenerationellen Armutstransmission

4.3.1 Die Investitionstheorie und die Theorie der guten Eltern

4.3.2 Rationale Wahlen

4.3.3 Erlernte Hilflosigkeit

4.3.4 Habituelle Reproduktion sozialer Ungleichheit nach Pierre F. Bourdieu

5 Kinderarmut aus Sicht der Sozialen Arbeit

5.1 Annäherung an das Resilienzkonzept

5.1.1 Resilienzförderung durch positive Peerkultur

5.1.2 Kritik am Resilienzkonzept

5.2 Frühe Hilfen als Mittel zur Prävention

5.3 Kinder- und Jugendarmut aus Sicht der Hilfen zur Erziehung

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Phänomen Kinder- und Jugendarmut unter besonderer Berücksichtigung der intergenerationellen Transmission. Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, zu analysieren, ob und wie Armut innerhalb von Familien von einer Generation auf die nächste übertragen wird, und welche Rolle die Soziale Arbeit bei der Bewältigung dieser strukturellen Benachteiligungen spielen kann. Dabei steht die Frage im Vordergrund, inwiefern ein Leben in prekären Verhältnissen die Lebenschancen von Kindern nachhaltig einschränkt und welche Interventionsmöglichkeiten bestehen.

  • Dimensionen und Messbarkeit von Kinder- und Jugendarmut
  • Auswirkungen von Armut auf Gesundheit, Bildung und soziale Teilhabe
  • Wissenschaftliche Erklärungsmodelle zur intergenerationellen Reproduktion von Armut
  • Die Rolle von Resilienzkonzepten und Frühen Hilfen in der Sozialen Arbeit

Auszug aus dem Buch

3.1 Soziale Segregation

Als soziale Segregation wird die Ballung von Bevölkerungsgruppen mit ähnlichen Merkmalen in einem geografisch definierten Raum bezeichnet. Allerdings ist dieser Ausdruck überwiegend negativ konnotiert, denn Segregation bezieht sich auf die Entstehung von Bevölkerungsstrukturen, innerhalb derer sozioökonomisch benachteiligte Menschen ein alternatives Normen- und Wertesystem entwickelt haben. Dieses weicht von den gesellschaftlichen Wertorientierungen der Mehrzahl der Bevölkerung ab, wodurch wiederum die Gefahr gesellschaftlicher Exklusion steigt und die Teilhabeungleichheit zusätzlich verstärkt wird (vgl. Alisch 2018, S. 503). Derartige Sozialräume sind häufig geprägt von unattraktiven Infrastrukturen, städtebaulichen Mängeln und einem wenig anregenden Wohnumfeld.

Die Entstehung solcher deprivierenden Quartiere ist ein Prozess: Menschen, die wirtschaftlich dazu in der Lage sind, verlegen ihren Wohnsitz und sozioökonomisch schwache Menschen ziehen zu, da Wohnraum in anderen Stadtteilen für sie oftmals nicht erschwinglich ist. Dadurch erweitert sich die prekäre Lage immer mehr und wirkt sich potenziell immer stärker auf die betroffene Bevölkerung aus. Denn die Nachbarschaft beeinflusst das individuelle Verhalten sowohl mittel- wie auch unmittelbar. Die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen wird durch das Beobachten und Imitieren von Handlungs- und Verhaltensweisen des sozialen Umfelds geprägt. Ist diese alltäglich erlebte Umwelt durch eine Mentalität der Resignation und Hoffnungslosigkeit bestimmt, wird diese Haltung von den Heranwachsenden übernommen und die Bildungs- und Erwerbsaussichten verschlechtern sich weiter.

Dabei ist das Vorhandensein von Vorbildern von großer Bedeutung, um Zukunftsaussichten entwickeln zu können (vgl. Kohler-Gehring 2019, S. 115). Familien mit Kindern, die auf wohlfahrtsstaatliche Leistungen angewiesen sind, leben besonders häufig in denselben Stadtvierteln. Bei einer Untersuchung von 36 deutschen Städten wurde festgestellt, dass dort Quartiere existieren, in denen sich mehr als die Hälfte der Kinder im SGB-II-Leistungsbezug befinden (vgl. Helbig & Jähnen 2018, S. 11). Das Risiko der Armutsbetroffenheit sowie die Permanenz der Armut erhöhen sich bereits ab einer Verdichtung von Haushalten mit einem niedrigen Sozialstatus von 20 % (vgl. Kohler-Gehring 2019, S. 117). Durch sozialen Wohnungsbau wird die räumliche Konzentration von Armut noch verstärkt, indem Sozialwohnungen oftmals in ohnehin bereits durch Armut segregierten Stadtteilen erbaut werden (vgl. Helbig & Jähnen 2018, S. 11).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Kinder- und Jugendarmut in einem wohlhabenden Land wie Deutschland ein und formuliert die zentralen Forschungsfragen sowie das methodische Vorgehen.

2 Kinder- und Jugendarmut in Deutschland: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe, diskutiert die Schwierigkeiten der Abgrenzung von Kindheit und Jugend und erläutert verschiedene Ansätze zur Messung von Armut.

3 Mehrdimensionale Deprivationen und ihre Auswirkungen auf die Lebenschancen: Das Kapitel analysiert die strukturellen Folgen von Armut, insbesondere in den Bereichen soziale Segregation, Gesundheit und Bildung.

4 Transgenerationelle Transmission von Armut: Hier wird der Prozess der generationsübergreifenden Armutsübertragung wissenschaftlich beleuchtet und anhand empirischer Studien wie der AWO-ISS hinterfragt.

5 Kinderarmut aus Sicht der Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel untersucht, wie Fachkräfte in der Sozialen Arbeit mit den Folgen von Armut umgehen können, mit Fokus auf Resilienzförderung und Frühe Hilfen.

6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit für weiterführende Forschung und eine Anpassung des Sozialhilfesystems.

Schlüsselwörter

Kinderarmut, Jugendarmut, intergenerationelle Transmission, Armutsspirale, Soziale Segregation, Bildungsungleichheit, Resilienzkonzept, Frühe Hilfen, Soziale Arbeit, Mehrdimensionale Deprivation, Sozialer Status, Lebenschancen, Armutsprävention, Sozialisation, SGB II.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Thematik der Kinder- und Jugendarmut in Deutschland und untersucht, wie sich Armutssituationen von einer Generation auf die nächste übertragen (intergenerationelle Transmission) und welche Herausforderungen dies für die Soziale Arbeit mit sich bringt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den zentralen Themen gehören die Definition und Messbarkeit von Armut, die Auswirkungen multipler Deprivationen auf die Lebenschancen von Kindern sowie die Analyse sozialwissenschaftlicher Erklärungsansätze für die Reproduktion von Armut.

Welche Forschungsfragen werden primär behandelt?

Die Arbeit untersucht unter anderem, ob Kinder aus deprivierten Familien geringere Erfolgsaussichten haben, wie der Prozess der intergenerationellen Reproduktion von Armut erklärt werden kann und welche Interventionsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit zur Verfügung stehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Zur Beantwortung der Forschungsfragen wird die Methode der Literaturanalyse angewandt, um bestehende empirische Studien und theoretische Konzepte zusammenzuführen und kritisch zu reflektieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Lebenssituationen von in Armut aufwachsenden Kindern, die Untersuchung der Armutsübertragung mittels Studien wie der AWO-ISS sowie die Darstellung handlungspraktischer Ansätze der Sozialen Arbeit wie das Resilienzkonzept.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe sind vor allem Kinder- und Jugendarmut, soziale Segregation, intergenerationelle Transmission, Bildungsungleichheit sowie präventive Ansätze wie Frühe Hilfen.

Kann Armut in Industrieländern wie Deutschland mit der "absoluten Armut" gleichgesetzt werden?

Nein, die Arbeit stellt dar, dass in Deutschland vorrangig von relativer Armut gesprochen wird, da absolute Armut als Mangel an existenzsichernden Ressourcen nur in sehr geringem Maße auftritt, während relative Armut die soziale Teilhabe und Lebensstandards einer Gesellschaft in den Mittelpunkt rückt.

Welche Bedeutung kommt dem Resilienzkonzept in dieser Arbeit zu?

Das Resilienzkonzept wird als eine Methode diskutiert, mit der die Soziale Arbeit individuelle Widerstandskräfte bei Kindern stärken kann, um trotz belastender Armutsverhältnisse eine positive Entwicklung zu ermöglichen, wobei die Autorin auch kritische Sichtweisen darauf beleuchtet.

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Kinder- und Jugendarmut als Resultat intergenerationeller Transmission. Eine Herausforderung für die Soziale Arbeit?
Hochschule
Fachhochschule Bielefeld
Note
1,0
Autor
Stefanie Langerwisch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
73
Katalognummer
V1267791
ISBN (PDF)
9783346710857
ISBN (Buch)
9783346710864
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kinder- jugendarmut resultat transmission eine herausforderung soziale arbeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefanie Langerwisch (Autor:in), 2022, Kinder- und Jugendarmut als Resultat intergenerationeller Transmission. Eine Herausforderung für die Soziale Arbeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1267791
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Leseprobe aus  73  Seiten
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