Authentische Polizei- und Kriminalgeschichten. Teil 4

Stationen und Situationen mit Bildern aus einem langen Berufsleben – Nachträge von 1962 bis 2009


Ausarbeitung, 2009

53 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

Landespolizeischule Niedersachsen (1962/63)

Tauchen bis kurz vorm Ertrinken

Das „Bergfest“ als gesellschaftlicher Höhepunkt

Bereitschaftspolizei Hannover (1963 bis 1965)

Tod eines Kollegen durch fahrlässige Waffenhandhabung

Polizeiabschnitt Lingen (1965 bis 1967)

Schussauslösung durch falsche Waffenhandhabung

Gefährliche „Tankbetrüger“ – oder: Eigensicherung als Lebensversicherung

Auf den Spuren eines Trunkenheitsfahrers

Vorsicht unter Alkoholeinfluss

„Soldatenglück“

„Bombentransport“ im Kofferraum

Noch kein richtiges „Korruptionsgewissen“

Landeskriminalpolizeistelle Osnabrück (1967 bis 1971)

- 3. Kommissariat -

„Bretterranchromantik“ im südlichen Landkreis

Osnabrück

Ablagesystem „A bis Z“ und „Erben K.“

Landeskriminalpolizeistelle Osnabrück – Kriminalwache

bzw. Kriminaldauerdienst (1968 bis 1972) –

Mutter mit Kindern als Einbrecherbande –

toter Hund im Bett

Einbruchs-Vandalismus

Lebensbeichte am Heiligabend

Mord im Hotel

Kriminalpolizeiinspektion Lingen (1978)

Rauschgiftaktion und Einsatz eines „Geldspürhundes“

Landespolizeischule Niedersachsen – Ausbildungsstätte

Bad Iburg (1982 bis 1988)

„Lüneburger Heide“ als Erlebnispark – oder:

Abzocke wie sprichwörtlich auf „St. Pauli“

Kriminalpolizeiinspektion Lingen (1993/94)

Babyopfer durch Satanisten?

Zentraler Kriminaldienst Osnabrück-Stadt (1994 bis 2004)

Verdächtiger VW-Bulli mit britischen Holzkennzeichen

Raubüberfall unter „Polizeiaufsicht“

Sitz-Vereidigung von „Chris“ aus Hamburg

Pensionärsdasein (ab März 2004)

Anhang

(Fach-)Bücher

von Ernst Hunsicker

mit Ernst Hunsicker

Berufliche Vita des Verfassers in Kurzform

Landespolizeischule Niedersachsen (1962/63)

Über die harte Zeit meiner Ausbildung im Grundlehrgang an der Landespolizeischule Niedersachsen (1962/63) habe ich in Teil 1 ausführlich berichtet. Eine Strapaze ist allerdings nachzutragen:

Tauchen bis kurz vorm Ertrinken

Um eine einigermaßen ordentliche Note im Fach Sport zu erreichen, musste neben dem Sportabzeichen auch der DLRG-Leistungsschein gemacht werden.

Mit (Kleider-)Schwimmen, Retten und Tieftauchen gab es bei mir keine Probleme. Lediglich beim Streckentauchen über 25 Meter hatte ich 5 Meter vor dem Tauchziel immer wieder den Kopf vorzeitig aus dem Wasser.

Hinzu kam im Göttinger Hallenbad die Schwierigkeit, dass bei einer Beckenlänge von 20 Metern unter Wasser gewendet werden musste, um dann noch die restlichen 5 Meter tauchend zurückzulegen.

Außer mir gab es unter den Polizeischülern noch andere „Kurztaucher“, was nicht ohne Konsequenzen blieb: Jeden Sonntagmorgen fuhren im Winter 1962/63 um 07.00 Uhr die „Tauchschüler“ mit einem Ausbilder abwechselnd in die Hallenbäder nach Göttingen und Kassel, weil es in Hann. Münden noch kein Hallenbad gab.

Während meine Stubenkollegen sich noch in ihren Betten räkelten, musste ich bereits um 06.30 Uhr aufstehen.

Eingehüllt in einen Trainingsanzug, einen langen Wintermantel und einer „Hausmütze weich“ auf dem Kopf fuhren wir auf der Ladefläche eines Gruppenkraftwagens (kleiner LKW mit Plane) zu unseren „Tauchbecken“.

Nachdem ich zum 3. oder sogar zum 4. Mal erfolglos diese „Tauchreisen“ absolviert hatte, musste etwas passieren: Die Nacht vor dem nächsten „Tauchgang“ habe ich im Bett mit Atemübungen verbracht. Manchmal glaubte ich, dass mir durch das lange Luftanhalten der Kopf platzen würde. Aber diese Strapazen hatten sich gelohnt – ich tauchte nach der Ankunft in Göttingen in das Hallenbecken ab, um erst nach 25 Metern wieder mit dem Kopf aus dem Wasser zu kommen. Ich glaubte, kurz vorm Ertrinken zu sein.

Halleluja, ich hatte es geschafft und konnte danach sonntags ausschlafen.

Es war übrigens ein harter Winter, in dem die Lehrgangsteilnehmer auch zum Schneeräumen eingesetzt wurden (Foto auf der Folgeseite).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Foto: privat

Ernst Hunsicker (2. von rechts) mit Schneeschaufel

und „Hausmütze weich“ auf dem Kopf.

Das „Bergfest“ als gesellschaftlicher Höhepunkt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach etwa einem halben Jahr und bestandener Zwischenprüfung wurde, wie sich aus der Einladung ergibt, zu einem offiziellen „Bergfest“ eingeladen. Eine besondere Herausforderung war die erwartete Damenbegleitung, denn so eine Dame musste ja erst einmal gefunden werden.

Sicherlich gab es in Hann. Münden viele junge und auch hübsche Frauen, um die Polizeischüler, Bundeswehrsoldaten und erst recht die einheimischen Jünglinge gleichermaßen buhlten. Deshalb bedurfte es erheblicher Anstrengungen, um eine „Bergfestdame“ zu finden. Hinzu kam die Erschwernis, dass wir während des 1. Halbjahres an den Samstagen um 23.00 Uhr im Bett sein mussten, was auch nicht gerade dazu beitrug, eine Frauenbekanntschaft zu machen. Viele junge Frauen waren auch noch an frühere Polizeischüler gebunden.

Da das „Bergfest“ rechtzeitig angekündigt worden war, befanden sich die Polizeischüler an den Wochenenden im „Jagdfieber“ und nutzten ihre Freizeit im „Bergschlößchen“ und „Schützeneck“ sowie beim Tanztee im Hotel „Reinhardswald“, wo dann ja auch bald das „Bergfest“ stattfinden sollte.

Ich lernte dann auch bei einem Tanztee eine nette, junge und hübsche Maid kennen, die aber leider aus Uslar (Solling) kam und nur zu Besuch in Hann. Münden weilte. Aus diesem Kennen lernen ergaben sich ein längerer Briefkontakt und auch ein Wochenendbesuch in Uslar, aber zu unserem „Bergfest“ konnte die Maid leider nicht anreisen.

Also ging die Suche weiter, und so lernte ich Helga[1] kennen, die in Hann. Münden am Sportplatz wohnte und bereit war, mich zum „Bergfest“ zu begleiten.

Bereitschaftspolizei Hannover (1963 bis 1965)

Tod eines Kollegen durch fahrlässige Waffenhandhabung

Während meiner Zeit in der 1. Hundertschaft lagen wir während der Mittagspause auf unseren Betten und dösten bis zum Dienstbeginn vor uns hin. Durch einen schussartigen Knall, der aus unserer unmittelbaren Nähe kam, wurden wir schlagartig hellwach, ohne diesen Knall zunächst irgendwie zuordnen zu können.

Es stellte sich dann aber bald heraus, dass etwas Tragisches passiert war: Kraftfahrer der 1. Hundertschaft, die in dem Stockwerk über uns wohnten, hatten kurz zuvor auf dem Ausbildungsplatz vor dem Unterkunftsgebäude ihre Waffen entladen (Waffenappell).

Nach der Rückkehr auf die Stuben hat ein Kraftfahrer – aus welchen Gründen auch immer – seine Dienstwaffe (Pistole P 1 bzw. P 38, Walther[2] ) gezogen und in Richtung eines anderen Kraftfahrers abgedrückt. Dabei ging der „Waffenhantierer“ davon aus, dass seine Waffe entladen war, sich also keine Patrone im Lauf befand. Dem war aber nicht so, denn es löste sich ein Schuss, von dem ein Kollege getroffen wurde, der kurz darauf an den Verletzungen verstarb.[3]

Es hieß, dass der Sanitätswagen der Bereitschaftspolizei nicht zur Verfügung stand, weil das Kfz für einen Wäschetransport eingesetzt war.

Ein weiterer Kollege hatte Glück, weil das Geschoss, das den Körper des tödlich Verletzten durchschlug, an seinem Kopf vorbei flog, um dann in der dahinter liegenden Wand einen Schussdefekt zu verursachen.

Spielerisches Hantieren mit der Schusswaffe war übrigens nicht die Ausnahme, obwohl wir uns über die Gefährlichkeit total im Klaren waren; auch, dass bei Spielereien mit diesen „Dingern“ die Entlassung aus dem Polizeidienst drohte.

In einem meiner Fotoalben habe ich ein Foto gefunden, dass mich auch in Schusspose zeigt. Durchaus üblich, wenn es um solchen – noch harmlosen – „Budenzauber“ ging (Foto auf der Folgeseite).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Foto: privat

Die Fotos (oben und unten) verdeutlichen auch den „Wohnkomfort“ Anfang der 60er Jahre in der Bereitschaftspolizei.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Foto: privat

Ernst Hunsicker (auf dem Foto links) mit „Stubenkameraden“.

Polizeiabschnitt Lingen (1965 bis 1967)

Welche Gefahren von Schusswaffen ausgehen können, musste ich dann selbst auch erfahren.

Schussauslösung durch falsche Waffenhandhabung

In einem Nachtdienst wurde ein Einbruch in einen Karosseriebaubetrieb in Lingen, Rheiner Straße (unmittelbar neben der Fernfahrergaststätte „Ewige Lampe“ gelegen), gemeldet.

Ein Firmenangehöriger erwartete uns bereits vor dem Betrieb. Mein Kollege und ich haben unsere Schusswaffen durchgeladen, um dann mit vorgehaltener Waffe die Büro- und Fabrikationsräume zu durchsuchen. Die Durchsuchung war ziemlich zeitaufwendig, weil in einer größeren Halle fertige bis halbfertige Karosserien und Karosserieaufbauten standen, die alle abgesucht werden mussten. Um es kurz zu machen: In den Räumen wurden keine Einbrecher festgestellt.

Anschließend wollten wir unsere Schusswaffen wieder in einem Flur vor dem Bürotrakt entladen. Plötzlich gab es einen lauten Knall, weil sich aus der Pistole meines Kollegen ein Schuss gelöst hatte. Das Projektil prallte als Querschläger vom Fußboden zurück in die Deckenvertäfelung. Puh – und mal wieder Glück gehabt.

Und noch einmal Glück, weil die Grundsätze der Eigensicherung nicht beachtet wurden. An der Polizeischule und in der Bereitschaftspolizei wurde uns die Theorie hinreichend vermittelt und auch praxisnah geübt; in der praktischen Umsetzung setzte dann aber Nachlässigkeit – gepaart mit mangelnder Erfahrung – ein.

Gefährliche „Tankbetrüger“ – oder: Eigensicherung als Lebensversicherung

Kollegen der Polizei Nordhorn teilten uns mit, dass ein mit drei Männern besetzter Pkw an einer Tankstelle in Nordhorn betankt worden sei, ohne die Tankung anschließend zu bezahlen. Die Fluchtrichtung sei nicht genau bekannt. Unter Hinweis auf die Kfz-Marke und die Kfz-Farbe wurden wir um Mitfahndung gebeten.

Ein älterer und eigentlich erfahrener Kollege und ich fuhren auf der B 213 Richtung Nordhorn, um an einem Parkplatz Position zu beziehen. Und siehe da, der beschriebene Pkw mit drei Männern an Bord fuhr uns „direkt in die Arme“, d.h., wir konnten den Fahrer auf den Parkplatz weisen. Die drei Männer erklärten, das Bezahlen der Tankung vergessen zu haben.

Da sich die Männer nicht hinreichend ausweisen konnten, haben wir alle 3 in den Fond unseres Streifenwagens „verfrachtet“, um dann zu unserer Dienststelle zu fahren.

Die „Sistierung“ haben wir den Kollegen in Nordhorn mitgeteilt, die daraufhin erklärten, nach Lingen zu kommen, um die Männer zur Durchführung weiterer Ermittlungen zu übernehmen. So war es dann auch. Die drei Männer wurden abgeholt und die Sache schien damit für uns erledigt.

Aber dann kam der Hammer: Aus Gründen, die mir nicht bekannt sind, wurden die Männer (Täter) vorläufig festgenommen und in Haftzellen eingeschlossen. Vor dem Einschließen wurden alle durchsucht, und erst jetzt wurde festgestellt, dass ein Täter eine scharfe Schusswaffe mit Munition mitführte.

Großes Glück gehabt, wenn man überlegt, was alles hätte passieren können. Aber es war mir eine Lehre fürs weitere Polizeileben!

Wie bereits in Teil 1 geschildert, hatten wir es während meiner Lingener Zeit bei der Schutzpolizei immer wieder mit Trunkenbolden zu tun, die auch noch meinten, in diesem Zustand ein Kraftfahrzeug führen zu müssen. Hier noch so eine Geschichte:

Auf den Spuren eines Trunkenheitsfahrers

Zusammen mit einem Kollegen war ich auf nächtlicher Streifenfahrt im Raum Lengerich-Bawinkel. In Gersten kam uns aus Richtung Haselünne ein Pkw-Fahrer entgegen. Wir hielten rechtzeitig, um diesem Fahrer mit der Anhaltekelle ein Stoppzeichen zu geben, was dieser jedoch ignorierte. Nur durch einen Sprung zur Seite konnten wir uns in Sicherheit bringen.

Da wir den Streifenwagen erst wenden mussten, hatte der „Flüchtling“ einen ziemlichen Vorsprung. Doch uns kam „Kommissar Wetter“ zur Hilfe, denn es hatte gerade angefangen, leicht zu nieseln. Auf der Fahrbahn konnten wir so bestens die Reifenspuren und somit auch die Fluchtrichtung erkennen, sodass wir bereits nach kurzer Zeit den Flüchtigen auf Grund „verräterischer Spuren“ vor uns hatten.

Der Verfolgte erhöhte, da er die Gefahr im Nacken spürte, die Geschwindigkeit. Allerdings kam er mitten in Lengerich abrupt zum Stehen, weil er von der Fahrbahn abgekommen war und mit der Vorderachse seines Pkw auf einem Hydranten hing.

Als wir diesen Ort erreichten, war der Pkw in Qualm gehüllt, denn der Fahrer versuchte bei durchdrehenden Reifen erfolglos, sich aus diesem Schlamassel zu befreien.

Nachdem wir den stark alkoholisierten Fahrer, der aus dem (damaligen) Landkreis Meppen kam, aus seinen Pkw herausgezogen hatten, erklärte dieser, nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis zu sein. Diese sei ihm bereits wegen einer früheren Trunkenheitsfahrt entzogen worden.

Was folgte, war eine Blutprobenentnahme durch den regionalen Blutprobenarzt Dr. S., der nur wenige Häuser entfernt in Lengerich wohnte.

Nach Rückkehr auf der Lingener Wache musste noch die Strafanzeige wegen diverser Delikte geschrieben werden.

Ein weiteres Alkohol-Kuriosum im Straßenverkehr:

Vorsicht unter Alkoholeinfluss

Während einer anderen nächtlichen Streifenfahrt kam uns zwischen Mundersum und Bramsche (jeweils Altkreis Lingen) ein Kfz entgegen. Auf schnurgerader Strecke konnten wir dieses Fahrzeug bereits in weiter Entfernung ausmachen. Schon nach kurzer Zeit stellten mein Streifenkollege und ich fest, dass wir uns einem stehenden Kfz näherten.

Am Kfz angekommen erklärte uns der volltrunkene Fahrer lallend, dass er auf Grund seiner Alkoholisierung bei Gegenverkehr vorsorglich anhalte. Der Aufforderung, sein Kfz zu verlassen, kam der Fahrer nur zögerlich nach, weil er sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahme kam der Fahrer an einer Blutprobe nicht vorbei. Das Ergebnis war dann auch entsprechend: über 3 Promille.

Die Eilfahrten mit Sondersignalen – also mit „Blaulicht und Martinshorn“ – zu schweren Unfällen waren nicht nur für uns als Fahrzeugbesatzung gefährlich, sondern auch für unbeteilte Passanten – in diesem Fall für marschierende Soldaten.

„Soldatenglück“

Im Winter wurde bei Schnee und Eis ein schwerer Unfall mit Personenschaden auf der so bezeichneten „Todeskreuzung“ in Wietmarschen-Schwartenpohl[4] gemeldet. Auf dem Weg zum Unfallort kam ich als Führer eines Streifenwagens, Mercedes 180, auf glatter Fahrbahn in einer Kurve vom rechten Weg ab und landete zum Entsetzen meines Streifenführers auf einem Acker. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn nicht neben der Fahrbahn gerade eine Bundeswehrkolonne marschiert wäre. Die Soldaten haben aber die auf sie zukommende Gefahr rechtzeitig erkannt und konnten sich in Sicherheit bringen.

Glück im Unglück für alle Beteiligten: Die Soldaten waren unverletzt, und wir kamen mit Hilfe der schiebenden Soldaten wieder auf die Fahrbahn zurück, um danach mit weniger Eile zum Unfallort zu gelangen.

Heutzutage hört, sieht und liest man immer wieder von großartig angelegten Bombenräumungen mit allen denkbaren Vorsichtsmaßnahmen, was bestimmt richtig ist. Polizeibeamte, die den 2. Weltkrieg überlebt haben, waren da weniger zimperlich.

„Bombentransport“ im Kofferraum

An der Lindenstraße in Lingen wurde bei Baggerarbeiten eine Granate aus dem 2. Weltkrieg freigelegt. Ein älterer Kollege mit Fronterfahrung und ich erhielten den Auftrag, uns um diese Granate zu kümmern. Für mich war es der erste Einsatz dieser Art.

Am Fundort angekommen, nahm mein Streifenführer und „Kriegsveteran“ das Fundstück und verstaute es im Kofferraum, um dann anschließend mit dieser gefährlichen Fracht durch die Lingener Innenstadt zum Bauhof zu fahren.

Dort angekommen traute ich meinen Augen nicht, als ein Bauhofarbeiter die Granate nahm und aus nicht geringer Entfernung auf einen größeren Haufen Granaten und Bomben warf, die völlig ungesichert in einer Ecke des Bauhofes lagerten.

Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können.

Die 60er Jahre sind mit der heutigen Zeit einfach nicht zu vergleichen. Es war auch die Zeit der Geschenke, die damals noch bedenkenlos angenommen wurden.

Noch kein richtiges „Korruptionsgewissen“

Korruption war während der 60er Jahre in Polizeikreisen ein Fremdwort. Heute hört man noch hin und wieder, was der Polizei in dieser Zeit nicht nur zur Weihnachtszeit und zu den Jahreswechseln so alles zugesteckt wurde. Manchmal ist auch die Rede von Kollegen, die im „Organisieren“ besonders geschickt und erfolgreich waren.

[...]


[1] Name und Anschrift habe ich auf der „Bergfest-Karte“ handschriftlich notiert, sodass der Name noch präsent ist.

[2] Walther P 1 – Wikipedia: „Die Pistole P1 war die Standard-Dienstpistole der Bundeswehr. Bei der Bereitschaftspolizei wurde sie von den Angehörigen des mittleren Dienstes geführt. Sie ist eine leichte Modifikation der P 38 der Wehrmacht und diente der Verteidigung im Nahkampf bei Ausfall der Hauptwaffe bzw. dem Selbstschutz von Führungspersonal und Soldaten des Sanitätsdienstes. Die Pistole hat ein Kaliber von 9 mm.“

[3] Der Tod dieses Kollegen hat mich besonders betroffen gemacht, weil er aus Meppen (Ems) kam, wo ich jahrelang zur Schule gegangen bin und für den SV Meppen in der A-Jugend Fußball gespielt habe.

[4] Wietmarschen war immer wieder von Gebietsreformen betroffen – mal gehörte es zum (ehemaligen) Landkreis Lingen, mal zur Grafschaft Bentheim.

52 von 53 Seiten

Details

Titel
Authentische Polizei- und Kriminalgeschichten. Teil 4
Untertitel
Stationen und Situationen mit Bildern aus einem langen Berufsleben – Nachträge von 1962 bis 2009
Autor
Jahr
2009
Seiten
53
Katalognummer
V126792
ISBN (eBook)
9783640342990
ISBN (Buch)
9783640342976
Dateigröße
1377 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Authentische, Polizei-, Kriminalgeschichten, Teil, Stationen, Situationen, Bildern, Berufsleben, Nachträge
Arbeit zitieren
Ernst Hunsicker (Autor:in), 2009, Authentische Polizei- und Kriminalgeschichten. Teil 4, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126792

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