Seit der Jahrtausendwende ist interkulturelle Kompetenz durch einen enormen Bedeutungszuwachs in Deutschland gekennzeichnet und wird häufig sogar als Schlüsselqualifikation des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Wie der Begriff definiert werden kann und ob die Möglichkeit zur gezielten Aneignung dieser Kompetenz besteht, wird fachlich heterogen debattiert. Nicht nur dadurch, als dass sich Deutschland als Einwanderungsgesellschaft begreift, sondern auch aufgrund von Globalisierungsprozessen erfährt der interkulturelle Kompetenzbegriff steigende Aufmerksamkeit. Sowohl im privaten als auch beruflichen Bereich nimmt die kulturelle Vielfalt zu, weshalb auch in Unternehmen internationale Vernetzungen stets bedeutsamer werden. Gleichzeitig lässt sich eine steigende Anzahl derjenigen Studierenden und Hochschulmitarbeitenden erkennen, die für mindestens ein Semester im Ausland studieren oder wissenschaftlich tätig sind.
Die soeben beschriebenen gesellschaftlichen Entwicklungen betonen die Wichtigkeit interkultureller Kompetenz in der heutigen Zeit, wobei sich gleichzeitig eine zunehmende Zahl derjenigen verzeichnen lässt, die ein Auslandssemester absolvieren. Im Zuge dieser Bachelorthesis gilt es nun beide Komponenten miteinander zu verbinden. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, der Frage, inwieweit Auslandssemester eine Wirkung auf die Entwicklung interkultureller Kompetenz haben können, auf den Grund zu gehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Bedeutung interkultureller Kompetenz
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Kulturbegriff und Interkulturalität
2.2 Kompetenzbegriff
2.3 Definition interkultureller Kompetenz
3 Forschungsstand
3.1 Querschnittstudien
3.2 Längsschnittstudien
3.3 Zusammenfassung
4 Methodik
5 Kritische Auseinandersetzung mit der „DAAD Wirkungsstudie“ und der Studie „Interkulturelle Kompetenz durch Auslandsaufenthalte“
5.1 Vorstellung der „DAAD Wirkungsstudie“
5.1.1 Einführung in zentrale Aspekte
5.1.2 Methodik
5.1.3 Präsentation der Ergebnisse
5.2 Vorstellung der Studie „Interkulturelle Kompetenz durch Auslandsaufenthalte“
5.2.1 Einführung in zentrale Aspekte
5.2.2 Methodik
5.2.3 Präsentation der Ergebnisse
5.3 Kritische Auseinandersetzung mit der „DAAD Wirkungsstudie“
5.3.1 Erhebungsverfahren
5.3.2 Studiendesign
5.3.3 Methodik
5.3.4 Sample
5.3.5 Theoretische Kritik
5.4 Kritische Auseinandersetzung mit der Studie „Interkulturelle Kompetenz durch Auslandsaufenthalte“
5.4.1 Erhebungsverfahren
5.4.2 Studiendesign
5.4.3 Methodik
5.4.4 Sample
5.4.5 Theoretische Kritik
6 Fazit
7 Implikationen
Zielsetzung & Themenbereiche
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwieweit Auslandssemester zur Entwicklung interkultureller Kompetenz bei Studierenden beitragen. Durch eine kritische Analyse zweier quantitativer Studien wird hinterfragt, welche Effekte verschiedene Auslandsaufenthalte auf dieses Kompetenzkonstrukt haben und wie plausibel die verwendeten wissenschaftlichen Messmethoden sind.
- Bedeutung und Definition interkultureller Kompetenz
- Forschungsstand zu Auslandsaufenthalten und Kompetenzentwicklung
- Kritische Analyse der „DAAD Wirkungsstudie“
- Kritische Analyse der Studie „Interkulturelle Kompetenz durch Auslandsaufenthalte“ von Fabian Wolff
- Methodische Bewertung von Selbst- und Fremdeinschätzungsmodellen
Auszug aus dem Buch
2.1 Kulturbegriff und Interkulturalität
Bezogen auf die Verwendung des Kulturbegriffs, so Römhild (2018), hat sich ein Wandel vollzogen. Der Ausdruck, der zunächst ausschließlich Teil der Wissenschaft gewesen ist, findet sich nun in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wieder. Aus dieser Verschiebung resultieren alltägliche „Kulturdiskussionen“, die unter anderem Themen der Einwanderung, soziale Differenzen oder Konflikte basierend auf kulturellen Unterschieden beinhalten. Auch die Politik begründet derartige gesellschaftliche Entwicklungen zunehmend mit Kulturdifferenzen, sodass eine Politisierung von Kultur festzustellen ist. Diesbezüglich warnt Römhild vor einer illegitimen Vereinfachung eines vielschichtigen Konstrukts. (vgl. ebd., S. 17)
Vogelsang (2017) sieht Kultur als „Orientierungssystem“ (ebd.) an, welches dem Individuum hilft, Dinge und Situationen einzuordnen. Dieses Verständnis basiert auf der Annahme, dass in kulturellen Gemeinschaften spezielle Normen und Werte gelten, die eventuell in anderen keinen Zuspruch finden. Jedes Individuum ist einerseits von der Gesellschaft, in die es hineingeboren wird, geprägt und wird andererseits im Laufe der Zeit durch diverse Kulturen sozialisiert. Eine individuelle Prägung einer jeden Person tritt folglich hervor. Darüber hinaus befinden sich die Kulturen selbst stetig im Wandel, weshalb Vogelsang eine generationenübergreifende Konstanz einer Kultur ausschließt. Durch die Einordnung des Kulturbegriffs nach Vogelsang wird die Komplexität des Konstrukts erneut deutlich. (vgl. ebd., S. 1 f.)
Das „Eisberg-Modell“ ist ein häufig herangezogenes Modell zur Erklärung dessen, was Kultur in der soeben beschriebenen Vielschichtigkeit meint (vgl. ebd., S. 2-4). Aufgrund der strukturellen Gegebenheiten ragen circa zwanzig Prozent eines Eisbergs aus dem Wasser, wohingegen sich achtzig Prozent unter der Wasseroberfläche befinden. Übertragen ist die Metapher Ausdruck dafür, dass nur ein Fünftel aller kulturellen Ausprägungen einer Person sichtbar sind und der deutlich größere Teil zunächst verborgen bleibt. Es gestaltet sich somit schwer, die individuelle Kulturprägung eines Menschen zu erkennen. Gemäß Vogelsang (2017) lassen sich „Symbole, Tänze, Sitten und Gebräuche sowie Kleidung oder Tracht“ (ebd., S. 4) zu dem Sichtbaren zählen. Aspekte der Persönlichkeit, Grundannahmen und zwischenmenschliche Beziehungen bleiben unsichtbar. (vgl. ebd., S. 2-4) Sowohl Römhild (2018) als auch Vogelsang (2017) zeigen auf, dass Kultur ein komplexes Konstrukt ist, über welches keine definitorische Einigkeit herrscht. Die Metapher des Eisbergs steht ebenfalls sinnbildlich für die Vielschichtigkeit des Kulturbegriffs (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Bedeutung interkultureller Kompetenz: Dieses Kapitel erläutert die zunehmende Relevanz interkultureller Kompetenzen in einer globalisierten Welt und im Bildungskontext.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden zentrale Begriffe wie Kultur, Kompetenz und interkulturelle Kompetenz definiert, um ein wissenschaftliches Fundament für die Arbeit zu schaffen.
3 Forschungsstand: Es wird ein Überblick über bisherige Studien gegeben, die den Zusammenhang zwischen Auslandsaufenthalten und der Entwicklung interkultureller Kompetenzen untersuchten.
4 Methodik: Dieses Kapitel begründet die Entscheidung, zwei spezifische Studien einer kritischen Auseinandersetzung zu unterziehen.
5 Kritische Auseinandersetzung mit der „DAAD Wirkungsstudie“ und der Studie „Interkulturelle Kompetenz durch Auslandsaufenthalte“: Der Kernteil der Arbeit, der beide ausgewählten Studien detailliert hinsichtlich Design, Erhebung und Ergebnissen analysiert und bewertet.
6 Fazit: Die Ergebnisse aus der kritischen Analyse werden zusammengeführt und auf die Forschungsfrage bezogen.
7 Implikationen: Dieser Teil reflektiert die Grenzen der Bachelorarbeit und gibt Ausblicke auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Auslandssemester, DAAD Wirkungsstudie, Fabian Wolff, Selbstwirksamkeit, Kulturbegriff, Längsschnittstudie, quantitative Forschung, Kompetenzentwicklung, Globalisierung, Studierende, Bildungsforschung, kulturelle Diversität, Evaluation, empirische Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Wirkung von studentischen Auslandsaufenthalten auf die Entwicklung der individuellen interkulturellen Kompetenz.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Bestimmung interkultureller Kompetenz, dem Forschungsstand zu Auslandserfahrungen und der methodischen sowie inhaltlichen Kritik zweier ausgewählter quantitativer Studien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis einer kritischen Analyse zu prüfen, inwieweit Studien belegen können, dass ein Auslandssemester tatsächlich zu einem Zuwachs an interkultureller Kompetenz führt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die eine kritische Sekundäranalyse von zwei existierenden quantitativen Studien (DAAD Wirkungsstudie und Fabian Wolffs Diplomarbeit) vornimmt.
Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Im Hauptteil werden Erhebungsverfahren, Studiendesigns, Stichprobenziehungen und die theoretischen Fundierungen der beiden analysierten Studien hinterfragt und auf ihre Validität geprüft.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit kennzeichnen?
Die zentralen Begriffe sind interkulturelle Kompetenz, Auslandssemester, Wirkungsforschung, Kompetenzentwicklung und methodenkritische Analyse.
Inwiefern beeinflusst das „Eisberg-Modell“ die Argumentation der Autorin?
Das Modell wird herangezogen, um die Komplexität und die teilweise Unsichtbarkeit kultureller Prägungen zu verdeutlichen, was zeigt, dass die bloße Messung interkultureller Kompetenz methodisch schwierig bleibt.
Welche Rolle spielt die „DAAD Wirkungsstudie“ in der vorliegenden Arbeit?
Sie dient als eine der beiden primären Datenquellen für die kritische Auseinandersetzung und wird hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf die spezielle Fragestellung der Auslandssemester untersucht.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Messbarkeit der Kompetenzentwicklung?
Die Autorin stellt fest, dass es zwar Hinweise auf positive Effekte gibt, jedoch aufgrund methodischer Einschränkungen der Studien eine abschließende wissenschaftliche Bestätigung schwierig bleibt.
Was kritisiert die Verfasserin an den untersuchten Stichproben?
Sie bemängelt unter anderem die Überrepräsentanz weiblicher Studierender und Studierender mit hohem Bildungsabschluss, was die Generalisierbarkeit der Ergebnisse auf die Gesamtpopulation einschränkt.
- Quote paper
- Lea Gobel (Author), 2021, Die Wirkung von Auslandssemestern auf die Entwicklung interkultureller Kompetenz. Eine kritische Auseinandersetzung mit zwei Studien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1267942