Vergleich der Pilgerreisen im Islam mit den Pilgerreisen der katholischen Christen


Hausarbeit, 2009
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Definition „Wallfahrt“ und „Pilgerreise“

III. Der Islam
1. Die Geschichte des Islams
2. Die Pilgerfahrt nach Mekka
3. Weitere Pilgerfahrten im Islam

IV. Das Christentum
1. Die Geschichte des Christentums
2. Die Pilgerfahrten der katholischen Christen

V. Vergleich der Pilgerfahrten der Muslime 12 und der römisch-katholischen Christen

VI. Fazit

VII. Abbildungsverzeichnis

IIX. Literaturverzeichnis

I. Einleitung :

Der Islam und das Christentum sind beides Weltreligionen monotheistischen abrahamischen Ursprungs. Doch trotz der Ähnlichkeit in ihrem Ursprung sind sich beide Religionsrichtungen fremd. Mit meiner Arbeit möchte ich die Pilgerreisen der Muslime mit den Wallfahrten der Christen vergleichen, um so die Bedeutung einer Bildungsreise im religiösen Sinne zu erarbeiten. Um den Rahmen einer Hausarbeit einzuhalten, werde ich mich auf die katholischen Christen beschränken und einige der bekanntesten katholischen Wallfahrten in meinen Vergleich mit einbeziehen, um den Diskurs über Pilger aus unserem Seminar „Die Bildungsreise“ zu erweitern. Ich beginne mit einer kurzen Definierung der Begriffe Wallfahrt und Pilgerreise, um mich dann nach einer kurzen Einführung zum Islam und Christentum genauer mit den Pilgerreisen dieser beiden Glaubensgemeinschaften zu befassen und schließlich einen Vergleich mit anschließendem Fazit durchzuführen.

II. Definition „Wallfahrt“ und „Pilgerreise“ :

Die Wallfahrt wird allgemein definiert als eine religiös motivierte Reise zu einer Kultstätte, verbunden mit der Hoffnung auf ein Wunder oder einer Wunscherfüllung. Diesen Pilgerstätten wird eine besondere Gottesnähe zugesprochen. Die Gläubigen verehren auf der Wallfahrt Kultobjekte und geben mitgebrachte Opfergaben ab, um ihren Glauben und sich selbst zu festigen.

Die christliche Wallfahrt hat ihren Ursprung im Judentum. Nach der Abspaltung des Christentums vom Judentum, gab es zunächst einen Bruch mit der Wallfahrtstradition der Juden. Im späten Altertum und frühen Mittelalter konzentrierten sich christliche Pilger auf Wallfahrten zum „Heiligen Land“, später auch auf Wallfahrten zu Heiligen, ihren Gräbern und Reliquien. In der Gegenwart, insbesondere nach den Weltkriegen nahm zeitweise der Glaube an das Überirdische stark zu und die Christen nutzten die Wallfahrten als Möglichkeit in sich zu gehen und neue Lebensorientierung zu gewinnen. Heutzutage werden Wallfahrten hauptsächlich professionell von öffentlichen Institutionen organisiert.

Die Pilgerreise hat ihren Beginn zu Abrahams Zeiten, dessen Aufgabe in der Erinnerung an Erfahrungen der Führung durch Gott lag. Um seine Aufgabe erfüllen zu können, musste er seine Heimat verlassen und sich auf etwas Unbekanntes einlassen.[1]

Der Begriff Pilger stammt von dem lateinischen Wort Peregrinus, welches übersetzt Fremder bedeutet. Die Pilgerreise gilt somit als „Reise ins Fremde und Ungewisse“[2] Bei der Pilgerfahrt liegt die Wurzel ebenfalls im Glauben an überirdische Mächte, die ihre Kraft an bestimmten Orten entfalten. Als zentrale Pilgerorte gelten im Islam Mekka, im Judentum Jerusalem, im Hinduismus Benares am Ganges, im Buddhismus die Stationen des Siddharta Gantama Buddha und im Christentum die Stationen im Leben Jesus, Marias oder Heiliger.[3] Da heutzutage die beiden Begriffe Pilgerreise und Wallfahrt im gleichen Kontext gebraucht werden, werde ich in den folgenden Texten immer wieder zwischen den beiden Begriffen variieren.

III. Der Islam :

1. Die Geschichte des Islams:

Der Islam ist eine monotheistische abrahamische Religion. Der wichtigste Lehrsatz ist der Glaube an die Einzigartigkeit Gottes/Allahs. Muhammad ist Allahs Prophet, der Gottes Botschaft letztgültig im Koran festhielt. Der Koran ist für Muslime von unumstößlicher Wichtigkeit, da er die Botschaft Allahs beinhaltet. Für jeden Muslim sind die folgenden fünf Säulen der Religion verbindlich:

1. Schahada (Das Glaubensbekenntnis)
2. Salat (Das Gebet aus dem Koran, welches fünfmal am Tag in Richtung Mekka gebetet werden muss)
3. Zakat (Eine sozial-religiöse Pflichtabgabe, welche einmal pro Jahr an Bedürftige gezahlt wird. Hierbei werden 2,5 % des stehenden Vermögens eines jeden Moslems errechnet und gespendet.)
4. Saum (Das Fasten zu Ramadan)
5. Hadsch (Die Pilgerfahrt nach Mekka sollte jeder Moslem einmal im Leben gemacht haben)

Mekka gilt als das geistige Zentrum des Islams. Die Pilgerfahrt nach Mekka mit der Kaaba symbolisiert das Gottvertrauen und die Barmherzigkeit Allahs. Der Prophet Ibrahim hat mit seinem Sohn Ismail die Kaaba dort errichtet und der Prophet Muhammad ist in Mekka geboren.[4] Muhammad hat als Verkünder der Botschaft Allahs alle arabischen Völkerstämme zu einer Umma, einer religiösen und politischen Gemeinschaft, die er selbst beherrschte, vereinigt und somit eine der größten Religionen der Welt, den Islam, geschaffen.[5]

2. Die Pilgerfahrt nach Mekka:

„Die Seele geht zu Fuß“ Eine moderne arabische Anekdote erzählt von einem Pilger, der mit dem Flugzeug nach Mekka kam, um am Heiligtum zu beten. Aber an der Kaaba, dem heiligen Stein, gelingt es ihm nicht, seine Gedanken zu sammeln, zur inneren Ruhe zu kommen. Während seine Lippen leere Formeln sprechen, hört er sich selbst dabei zu und findet seine Gedanken bei völlig anderen Beschäftigungen. Er fragt einen Imam um Rat. „Seit wann bist du hier?“ fragt ihn der Imam. „Seit gestern; ich kam mit dem Flugzeug.“ „Dann habe Geduld, mein Sohn, die Seele kommt nach; sie geht lieber zu Fuß.““[6]

Die Pilgerfahrt nach Mekka in Saudi Arabien findet immer im letzten Monat des islamischen Jahres statt. Wird die Pilgerreise in einem anderen Monat vollführt, gilt diese nicht als Hadsch, sondern als Umrah und erfüllt nicht die fünfte Säule des Islams. Die Pilger müssen volljährig sein, körperlich fit, finanziell gut ausgestattet und sich im Vorhinein von allen Bekannten verabschieden bzw. für vergangene Taten und Sünden um Verzeihung bitten. Bevor die Pilgerfahrt beginnen kann, muss eine rituelle Waschung vollzogen werden. Während der Reise dürfen die Muslime weder Beischlaf ausüben, noch Haare oder Nägel schneiden, Tiere töten, Bäume fällen oder Sträucher knicken. Jegliche Form von Nachlässigkeit ist nicht erlaubt. Als Symbol der Gleichheit und Reinheit tragen alle Männer ein schlichtes, weißes Gewand. Den Frauen ist es anheimgestellt, welche Kleidung sie tragen, solange sich diese im Rahmen der islamischen Kleidervorschrift bewegt. Der Sinn der Pilgerreise besteht

unter anderem auch darin, auszudrücken, dass vor Gott während dieser Zeit alle gleich sind unabhängig von Status und Einkommen[7] Da das Gewand der muslemischen Männer nach erfolgreicher Durchführung der Hadsch als gesegnet gilt, wird dieses sehr oft als Leichentuch benutzt.[8]

Die Pilgerfahrt beginnt mit der Talbiya, der öffentlichen Verkündigung vor Allah zu treten, danach folgt die Tawaaf, bei der die Kaaba siebenmal von links nach rechts, also gegen den Uhrzeigersinn umrundet wird. Nach einem Gebet trinken die Pilger Wasser aus dem Zamzam-Brunnen, welcher laut Überlieferung von Ismail, dem Sohn Ibrahims, entdeckt wurde, während seine Mutter für sie beide Trinkwasser suchte. Anschließend beginnt die Sai, der Lauf zwischen den zwei Hügeln Safa und Marva. Auch dieser ist eine Nachahmung der Suche nach Wasser der Mutter Ismails. Am achten Tag des Monats pilgern die Muslime nach Mina. Am neunten beten sie tagsüber am Berg Arafat oder hören den Predigten eines Imam, dem geistlichen Leiter einer muslimischen Gemeinde, zu.[9] Der Berg Arafat gilt als der Berg der Barmherzigkeit, da dort Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies Zuflucht fanden.[10] Gepredigt wird von dem Berg aus, in Anlehnung an die Geschichte, welche besagt, dass der Prophet Muhammad auf seiner Abschiedswallfahrt von dort zu seinen Gläubigen gesprochen hatte. Nach Sonnenuntergang pilgern die Muslime nach Muzdalifah, um dort Steine zu sammeln. Morgens, nach Sonnenaufgang wandern sie zurück nach Mina, um dort die gesammelten Steine zu werfen. Bei diesem Ritus, welcher den Schaitan, den Teufel vertreiben soll, wird die Steinsäule, die sogenannte gamrat al aquaba, mit sieben Steinen beworfen.[11] Die Pilger müssen nun ein Schaf oder ein anderes Opfertier, am besten eigenhändig, für das nachfolgende viertägige Opferfest schlachten, welches immer am 10. Tag des Monats Dsul-Hidscha beginnt. Die Schlachtung nimmt Bezug auf das Gottvertrauen Ibrahims, der seinen Sohn als Opfergabe dargeboten hatte. Das Fleisch wird nach der Schlachtung gedrittelt, wobei ein Teil an Bedürftige und ein anderer Teil an Nachbarn und Freunde

[...]


[1] Vgl. Verlag Dr. Kovac, URL: <http://www.verlagdrkovac.de/pdf/0356/0356_2.pdf> [Stand 04.02.2009]

[2] Vgl. Karl-Heinrich Rust, URL: <http://www.pilger-weg.de/jakobspilgerinfofaq/pilgerwasbedeutetdaseigentlich.html> [Stand: 04.02.2009]

[3] Vgl. Karl-Heinrich Rust, URL: <http://www.pilger-weg.de/> [Stand: 04.02.2009]

[4] Vgl. Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich URL: <http://www.derislam.at/index.php> [Stand: 28.01.2009]

[5] Vgl. Karl-Heinz Ohlig, imprimatur 5+6. 2005, Die Anfänge des Islam, S. 197

[6] Vgl. Peter Freimark, Hans Grothaus, Helmut Kittel, Einhart Lederer, Dietrich Thyen, Grosse fremde Religionen, W. Crüwell Verlag, Dortmund, 1977, S. 81

[7] Vgl. Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich URL: <http://www.derislam.at/index.php> [Stand: 28.01.2009]

[8] Vgl. Reza Aslan, Kein Gott ausser Gott, Der Glaube der Muslime von Muhammad bis zur Gegenwart, Verlag C.H. Beck, 2. Auflage 2006, S. 169 - 170

[9] Vgl. Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich URL: <http://www.derislam.at/index.php> [Stand: 28.01.2009]

[10] Vgl. Reza Aslan, Kein Gott ausser Gott, Der Glaube der Muslime von Muhammad bis zur Gegenwart, Verlag C.H. Beck, 2. Auflage 2006, S. 169 - 170

[11] Vgl. Rita Stratkötter, Von Kairo nach Mekka, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Pilgerfahrt nach den Berichten des Ibrahim Rif´at Basa: Mir´at al-Haramain; Hg. Gerd Winkelhane, Klaus Schwarz Verlag Berlin, 1991, S. 143 - 144

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Pilgerreisen im Islam mit den Pilgerreisen der katholischen Christen
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Lehrveranstaltung: Die Bildungsreise
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V126812
ISBN (eBook)
9783640329564
ISBN (Buch)
9783640331413
Dateigröße
868 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pilger, Pilgerreise, Wallfahrt, Christentum, Islam, Muslime, Monotheismus, Religion, Mekka, Medina, Kulturwissenschaft, Bildungsreise, Vergleich
Arbeit zitieren
Anna Müller (Autor), 2009, Vergleich der Pilgerreisen im Islam mit den Pilgerreisen der katholischen Christen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126812

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