Neue mobile Führungsgeräte im Museum bieten inzwischen wesentlich mehr als die klassischen Audioguides: Multimedia, Interaktion, Zielgruppenspezifikation und Serviceorientierung sind die richtungweisenden Schlagwörter der neuen Geräte-Generation. Für die Museen können sich hieraus viel versprechende Chancen ergeben: Eine gelungene Erweiterung des Service- und Vermittlungsangebots kann zum Beispiel zur Steigerung der Besucherzufriedenheit, zur Imageverbesserung oder
langfristig auch zur Sicherung der Legitimation der Einrichtung beitragen.
Dennoch nutzen bisher nur wenige Museen die neuen Möglichkeiten.
Gründe für diese Zurückhaltung sind vermutlich vor allem die Unkenntnis über den aktuellen Geräte-Markt und die bisherigen Erfahrungen in der Praxis, die Angst vor hohem Arbeitsaufwand und erheblichen Kosten sowie die bestehenden Vorurteile gegenüber moderner Technik im Museum.
Diese Arbeit möchte daher eine umfassende und strukturierte Darstellung der traditionellen und aktuellen mobilen Führungsgeräte und ihrer Leistungen bieten und anhand von Beispielen begründen, inwieweit sie in der Praxis erfolgreich sind. Die Herausarbeitung von Erfolgsfaktoren sowie
die Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen sollen vorhandene Ängste und Vorurteile abbauen und die Anwendung transparent machen. Dabei wird die These vertreten, dass innovative mobile Führungsgeräte durchaus ein erfolgversprechendes Besucherserviceinstrument sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Mehr als ein Audioguide
1.2 Inhaltlicher Überblick
2. Service im Museum
2.1 Bedeutung
2.2 Begriff
2.3 Zeitliche und inhaltliche Differenzierung
2.4 Einordnung mobiler Führungsgeräte
2.5 Servicemanagement
2.6 Ziele
3. Mobile Führungsgeräte im Museum
3.1 Begriff im Kontext der Neuen Medien
3.2 Der klassische Audioguide
3.2.1 Definition und Entstehung
3.2.2 Nutzen und Ziele
3.2.3 Technische Umsetzung
3.3 Der Multimedia-Guide
3.3.1 Definition und Entstehung
3.3.2 Nutzen und Ziele
3.3.3 Technische Umsetzung
3.4 Gruppenführungsgeräte
3.5 Zusatzfunktionen
3.5.1 Interaktion
3.5.2 Barrierefreie Nutzung
3.5.3 Bookmarking
3.5.4 Integrierte Nutzeranalysen
3.6 Kritische Überlegungen
4. Empirische Untersuchung
4.1 Ziel und Methode
4.2 Ergebnisse der Museumsuntersuchungen
4.2.1 Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
4.2.2 Das Kunsthistorische Museum Wien
4.2.3 Das Bank Austria Kunstforum Wien
5. Erfolgsfaktoren im Überblick
6. Kosten, Nutzen und Ziele im Überblick
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, den aktuellen Stand und neue Trends bei mobilen Führungsgeräten als Serviceinstrument in Museen zu evaluieren, um Ängste abzubauen, Erfolgsfaktoren zu definieren und Entscheidungshilfen für die Implementierung anzubieten.
- Analyse traditioneller und aktueller mobiler Führungstechnologien
- Untersuchung von Erfolgsfaktoren und Servicemanagement-Prozessen
- Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen für den Museumsbetrieb
- Empirische Untersuchung der Akzeptanz bei Besuchern und Museen
- Potenziale von Zusatzfunktionen wie Interaktion und Barrierefreiheit
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriff im Kontext der Neuen Medien
Unter dem Begriff „mobile Führungsgeräte“ werden im Folgenden Audioguides, Multimedia-Guides und Gruppenführungsgeräte verstanden. Doch in welchen übergeordneten Kontext lassen sie sich einordnen? Grundsätzlich gehören sie zu den Medien im Museum. Ein Medium dient der Kommunikation und vermittelt Inhalte zwischen einem Kommunikator und einem Rezipienten, deren Rollenverteilung stabil ist (vgl. Puppis, 2007, S. 32). Im Museum ist der Besucher der Rezipient, der über das Medium „mobiles Führungsgerät“ Inhalte vermittelt bekommt. Je nach Gestaltung des Führungsgerätes kann man das Medium auch zu den neuen Medien zählen. Unter diesem Begriff werden Medien zur Wissensvermittlung verstanden, die in digitalisierter Form erreichbar sind und sich durch eine hypermediale Struktur auszeichnen. Hypermedial bedeutet, dass es sich um einen nicht-linearen Text handelt, verschiedene Medien integriert sind und interaktive Elemente verwendet werden. (vgl. Reiter, 2001, S. 21).
Ein nicht-linearer Text ist ein so genannter Hypertext, das heißt, seine Struktur ist nicht hierarchisch aufgebaut, sondern ist durch Querverweise vernetzt, so dass der Benutzter selbst darüber entscheiden kann, welche Verknüpfungen er verfolgt und wie tief er in die Struktur eintaucht (vgl. Reiter, 2001, S.22). Ziel neuer Medien im Museum ist neben den in Kapitel 2.6 beschriebenen Servicezielen vor allem eine gelungene kommunikative Strategie in der Vermittlungsarbeit. Denn wie Wohlfromm treffend feststellt: „Objekte erklären sich nicht von allein. Sie erzählen weder ihre Geschichte noch ihre Bezüge. Haben der Kurator oder das Ausstellungsteam eine Aussage im Sinn, müssen sie sich kommunikativer Strategien bedienen“ (2001, S.33). Neue Medien dienen somit vor allem als Informations- und Präsentationsinstrumente in der Ausstellung (vgl. Wohlfromm, 2001, S.54f). Neben den mobilen Führungsgeräten sind Informationsterminals, die an einem fest installierten Platz im Museum stehen und meist visuell mit dem Besucher in Interaktion treten, die bekanntesten Vertreter neuer Medien im Museum. Diese werden in der vorliegenden Arbeit jedoch nicht näher betrachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung begründet die Relevanz moderner Führungsgeräte als Serviceinstrument und stellt die These auf, dass diese trotz Vorurteilen eine Chance für Museen bieten.
2. Service im Museum: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen des Servicemanagements, ordnet mobile Führungsgeräte als Value-Added-Service ein und definiert strategische Ziele.
3. Mobile Führungsgeräte im Museum: Hier erfolgt eine detaillierte technische und inhaltliche Differenzierung von Audioguides, Multimedia-Guides und Gruppenführungsgeräten sowie eine Betrachtung neuer Trends und Zusatzfunktionen.
4. Empirische Untersuchung: Dieser Teil beschreibt die methodische Vorgehensweise (Interviews und Besucherbefragungen) und präsentiert die Ergebnisse der Fallstudien in drei spezifischen Museen.
5. Erfolgsfaktoren im Überblick: Eine tabellarische Zusammenfassung der kritischen Erfolgsfaktoren für Inhalt, Technik und Handhabung.
6. Kosten, Nutzen und Ziele im Überblick: Eine strukturierte Gegenüberstellung der finanziellen Investitionen sowie der strategischen und operativen Vorteile.
7. Fazit: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass mobile Führungsgeräte ein wertvolles Instrument sind, sofern sie passend in das Gesamtkonzept eines Museums eingebettet werden.
Schlüsselwörter
Museumsmanagement, Audioguide, Multimedia-Guide, Serviceorientierung, Besucherzufriedenheit, Digitalisierung, Interaktion, Barrierefreiheit, Erfolgsfaktoren, Wissensvermittlung, Marketing, Besucherbindung, Empirische Untersuchung, Museumsservice, Neue Medien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie mobile Führungsgeräte als modernes Serviceinstrument dazu beitragen können, das Besuchererlebnis in Museen zu verbessern und die Institutionen zukunftsfähig aufzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung deckt die theoretischen Grundlagen des Servicemanagements im Museum ab, vergleicht verschiedene Gerätetechnologien und analysiert deren Nutzen, Kosten und Erfolgsfaktoren in der Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel besteht darin, den derzeitigen Stand sowie neue Trends mobiler Führungsgeräte aufzuzeigen und durch empirische Belege zu begründen, warum diese Geräte ein erfolgversprechendes Besucherserviceinstrument sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse, teilstrukturierten Experteninterviews mit Geräteherstellern und Museumsverantwortlichen sowie qualitativen Kurzbefragungen von Museumsbesuchern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffs- und Bedeutungsklärung von Service im Museum und eine detaillierte technische Vorstellung der verschiedenen Gerätetypen inklusive aktueller Zusatzfunktionen wie Bookmarking und Interaktion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Museumsmanagement, Audioguide, Multimedia-Guide, Serviceorientierung, Besucherzufriedenheit, Interaktion, Barrierefreiheit und Erfolgsfaktoren.
Wie unterscheidet sich der Multimedia-Guide von einem klassischen Audioguide?
Der Multimedia-Guide geht über die reine Audio-Wiedergabe hinaus, indem er computergestützte Funktionen wie Video, Bilder, Animationen sowie eine interaktive Benutzerführung und Rückmeldemöglichkeiten via Touchscreen integriert.
Welche Herausforderungen bei der Implementierung von "Printing on demand" werden genannt?
Die Herausforderungen liegen vor allem im hohen personellen Aufwand für die grafische Vorbereitung, der Klärung von Urheber- und Bildrechten sowie der wirtschaftlichen Kalkulation bei unklaren Absatzzahlen.
Was ist die zentrale Erkenntnis aus den Experteninterviews mit den Museen?
Die Museen bestätigen, dass ein erfolgreiches System zu 50 Prozent aus dem Gerät und zu 50 Prozent aus dem Inhalt besteht; zudem ist die einfache, intuitive Bedienung für alle Altersgruppen entscheidend.
Warum setzen vor allem Kunstmuseen auf innovative Technik?
Dies ist weniger der Art der Ausstellung geschuldet als vielmehr der Tatsache, dass Kunstmuseen tendenziell ein Bildungsbürgertum ansprechen und durch eine stärkere finanzielle und personelle Ausstattung eher in der Lage sind, innovative Vermittlungsprojekte umzusetzen.
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- Christine Lechner (Author), 2008, Innovative mobile Führungsgeräte im Museum - Ein erfolgversprechendes Besucherserviceinstrument, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126848