Genetisches Lernen im Basketball - Problemorientiertes Verbessern der Angriffsarbeit im Spiel 3:3


Unterrichtsentwurf, 2009

19 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Bedingungsfelder
1.1. Struktur der Lerngruppe
1.2. Äußere Unterrichtsbedingungen

2. Didaktische Voraussetzungen und Bedingungen
2.1. Unterrichtsrelevanz
2.2 Sachanalyse (Struktur des Lerninhalts)
2.3 Didaktische Reduktion

3. Lernziele

4. Methodische Entscheidungen

5. Verlaufsplan

6. Anhang (Skizze für Plakate, Organisationsskizze, Beobachtungsbogen)

7. Literatur

1. Bedingungsfelder

1.1. Struktur der Lerngruppe

Der Kurs besteht aus 21 Jungen. Ich selber begleite den Kurs seit Beginn des zweiten Halbjahres im betreuten Unterricht gemeinsam mit Herrn B. Im ersten Halbjahr absolvierte der Kurs eine Fußballreihe. Seit Anfang Februar unterrichte ich in diesem Kurs nun die Basketballreihe. In den ersten beiden Doppelstunden meines Unterrichts konnte ich mir in der Kürze der Zeit folgendes Bild der Lerngruppe verschaffen: Das Interesse und die Motivation für den Sportunterricht im Allgemeinen, aber auch für Basketball im Speziellen, ist sehr hoch. Obwohl der Kurs hauptsächlich aus Fußballern besteht, war die Mitarbeit aller Schüler bisher stets in Ordnung. Dies konnte vor allem durch den hohen Spielanteil in den bisherigen Stunden geleistet werden. Dadurch konnte die Motivation besonders aufrecht gehalten werden, wohingegen zu lange Übungsphasen in diesem Kurs zu einem deutlichen Motivationsabfall führen.

Das Leistungsbild der Gruppe schätze ich nach meinen bisherigen Erfahrungen als äußerst hoch ein. Dies gilt wohl auch in Bezug zum Durchschnitt für diese Jahrgangsstufe. Dabei ist auch zu beachten, dass ebenso ein gewisses Maß an Heterogenität vorliegt. Neben „echten Basketballern“ die natürlich aus der Gruppe herausragen, gibt es auch wenige „schwache“ Schüler, die aber in jeder Lerngruppe anzutreffen sind. Auf den Unterricht haben diese Leistungsunterschiede keine großen Auswirkungen, da sich auch die schwächeren Schüler in jeder Stunde sehr gut beteiligen. Durch entsprechende Gruppeneinteilung und Mannschaftsbildung kann ein ausgeglichenes Niveau bei der Einteilung gleichstarker Mannschaften in den Spielphasen erreicht werden. Dies sorgt für ein angenehmes Lernklima und verstärkt für alle Schüler den Spaß am Basketball.

Alles in Allem kann von einer lernwilligen, leistungsstarken und meist disziplinierten Lerngruppe gesprochen werden, wobei darauf zu achten ist, dass der Spieldrang und die damit verbundene Dynamik nicht zu sehr ausartet. Somit muss man die Schüler manchmal etwas bremsen und gerade in den Spielsituationen zu einer ruhigeren und durchdachten Spielweise (z.B. weniger Fouls) auffordern. Der Grat zwischen einem wilden Hin- und Her- Rennen einerseits und einem kultivierten Spielaufbau ist in dieser Lerngruppe sehr schmal. Ziel des Unterrichts ist es deshalb auch immer, die Schüler hier weiterzuentwickeln und ihnen den Sinn der Übungsphasen verständlich zu machen.

1.2. Äußere Unterrichtsbedingungen

Das Fach Sport wird im Grundkurs der 12. Klasse zweistündig unterrichtet. Donnerstags in der 7. und 8. Stunde steht eine Doppelstunde pro Woche zur Verfügung. Die äußeren Unterrichtsbedingungen an der Schule können als überdurchschnittlich gut bezeichnet werden. Dies gilt nicht nur für diese Lehrprobe, sondern für den gesamten Sportunterricht, sowohl in der Halle als auch draußen. Für den Unterricht in der Halle steht eine „verkleinerte“ Dreifachhalle (Handballfeld mit etwas weniger Freiraum als in „normalen“ Dreifachhallen) zur Verfügung. In der Halle können insgesamt 8 Körbe genutzt werden: 2 auf dem großen, „normalen“ Basketballfeld und 6 Körbe an den Seitenwänden, so dass immer auf 3 Kleinfeldern auf 2 Körbe gespielt werden kann. Ebenso lässt die materielle Ausstattung keine Wünsche offen. Es ist für jeden Schüler mindestens ein Ball vorhanden (30 Bälle insgesamt), so dass auch intensive Übungsformen mit vielen Bällen durchgeführt werden können. Weiterhin gibt es genügend (5 Farben) Markierungshemden für die Kennzeichnung von Mannschaften, die auch in jeder Stunde zum Einsatz kommen. In der Regel können in jeder Stunde sechs 3er Teams gebildet werden, was dann eine optimale Auslastung der bespielbaren Körbe und eine hohe Übungsintensität gewährleistet.

Die bisherige Basketballreihe erstreckte sich auf 5 Doppelstunden. Vor Fasching fielen 2 Doppelstunden dem Betriebspraktikum der 12. Klassen zum Opfer. Nach dieser Lehrprobenstunde steht in der nächsten Woche eine Leistungsüberprüfung und evtl. ein Abschlussturnier an. Nach den Osterferien wird die Basketballreihe voraussichtlich unterbrochen (Examensreihe Herr S.) und wieder Fußball weitergeführt. Basketball wird dann wieder in Klasse 13 aufgenommen.

2. Didaktische Voraussetzungen und Bedingungen

2.1. Unterrichtsrelevanz

Der Lehrplan der Sek. II weist für Basketball in der 12. Klasse keine exakte Vorgabe aus, wie viele Stunden Basketball unterrichtet werden sollen (vgl. MfBWW, 1998, S. 50f). Dagegen werden die diese Angaben in der Handreichung zum Lehrplan Sport S II (PZ, 19/2000) dahingehend konkretisiert, dass die Planung eines Kurshalbjahres mit 12 Doppelstunden vorsieht. Prinzipiell ist vor den Osterferien die Hälfte der Stundenvorgaben abgedeckt und schließt auch mit der Überprüfung einer technischen Grundfertigkeit, sowie der Überprüfung des Spiels 3:3 ab (vgl. PZ, 19/2000, S. 31). Sicherlich kann auch im nächsten Schuljahr nach den Sommerferien nochmals auf das Thema Basketball zurückgegriffen werden. Betrachtet man sich die Sachkompetenzen, die der Lehrplan bezüglich der Inhalte zum Basketballspielen vorschreibt/vorschlägt, so ergeben sich doch Aspekte, die in Hinblick auf diesen Kurs erläutert werden müssen. Im Bereich der Techniken steht vor allem die Schulung der Ballbehandlung (Passen, Fangen, Dribbling, Fußarbeit (Sternschritt)) und die Wurftechniken (Korbleger, Positionswurf) im Vordergrund. Solche Formen werden in diesem Kurs immer wieder ins Aufwärmen integriert. Im Bereich der Taktikschulung liegen die Schwerpunkte für den Angriff zum einen auf dem situationsgerechten Verhalten des Angreifers in Ballbesitz (Wurf, Dribbling, Pass) und Nichtballbesitz sowie der Schulung des Positionsangriffs. Zum anderen wird die Schulung des Schnellangriffs in vereinfachter Form genannt (hierzu mehr in Kapitel 2.3). Für die Verteidigung schlägt der Lehrpan vor, dass sowohl die Mann- Mann- Verteidigung (MMV) und die Ball- Raum- Verteidigung (BRV) thematisiert werden sollten. (vgl. MfBWW, 1998, S. 50f) Die Handreichung des Lehrplans Sport konkretisiert die Angaben in den Planungen für ein Kurshalbjahr: Hier werden die Schwerpunkte in den ersten Doppelstunden auf Übungsformen zum Passen/Fangen, zum Korbleger, dem Freilaufen und Give & Go, der Schulung des individuellen Abwehrverhaltens, Positionswurf, Spiel 2:2, Schnellangriff und später im Spiel 3:3 gesetzt (vgl. PZ, 2001, S. 50).

Zum bisherigen Reihenverlauf muss darauf hingewiesen werden, dass sich das für diese Reihe gewählte Vorgehen von den Vorschlägen des Lehrplans etwas abgrenzt und auch von „herkömmlichen“ Vermittlungskonzepten wie z.B. dem Unterrichten nach methodischen Übungsreihen abweicht. Nach Absprache mit dem Fachleiter wird in dieser Reihe nach dem Konzept des genetischen Lernens vorgegangen (vgl. Loibl, 2006). Dieses Konzept sieht ein Lernen nach folgendem Grundschema vor:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1.: Ablaufschema des genetischen Lehrens (Loibl, 2006)

„Der Grundgedanke des Genetischen Lehrens besteht darin, dass die Lernenden nicht einfach die vorgefertigten Lösungen von Experten zu reproduzieren lernen, sondern stattdessen selbsttätig für sich nach Lösungen dieses Problems suchen, diese erproben und ggf. verwerfen oder weiterentwickeln und somit Einsicht, Verstehen und Kreativität entwickeln.“ (Loibl, 2006, S. 20) Das Phänomen stellt somit in jeder Stunde immer wieder das Spiel oder eine Spielform dar, aus der entsprechende Problemstellungen entwickelt werden. Nach der Übungsphase erfolgt immer eine zweite Spielphase, dann auf (hoffentlich) höherem Niveau.

In der ersten Doppelstunde wurden die basketballtechnischen Fertigkeiten in Turnierformen vom 1:1 über das 3:3 bis hin zum 5:5 gesichtet. In der ersten Doppelstunde lag der Schwerpunkt auf dem Spiel 1:1 und der Erarbeitung von Handlungshilfen für Angreifer und Verteidiger. Die beiden nachfolgenden Doppelstunden befassten sich mit dem Spiel 3:3 und dabei vor allem der Erarbeitung der Grundaufstellung (Dreiecksformation) und dem Einnehmen der situativ angemessenen Verteidigungspositionen. Es ergaben sich die Probleme, dass vor allem der Angriff zunächst von Einzelaktionen und der Spielaufbau von Hektik geprägt war. Die Frage war: „Wie kann der Angriff geschwächt werden?“ Durch die Erarbeitung der Verteidigungspositionen (schnelles Zurückziehen nach Korberfolg) und entsprechende Regeleinschränkungen (kein Schnellangriff; der Angriff erfolgt erst, wenn die Verteidigung steht) konnte dieses Phänomen schon etwas eingedämmt werden. In der Stunde vor der Lehrprobe wurde auch durch das Einschränken der Dribbelregel (nur ein Dribbling erlaubt) die Verteidigung derart gestärkt, dass sich die Frage ergab, wie nun der Angriff wieder gestärkt werden kann, da auch von Schülerseite die Feststellung kam, dass weniger Körbe erzielt wurden. Hier setzte nun die Einführung des Give & Go (ähnlich dem Doppelpass beim Fußball) an. Die Strukturen des Spielaufbaus, wie In- & Out- Bewegungen (Freilaufen und Anbieten), das Give & Go und die Aufstellung im Dreieck mit Rotationen (Auffüllen der Aufbauposition) sind zwar im Groben angelegt, allerdings fehlt noch eine klarere Struktur innerhalb der einzelnen Spielphasen. Der Wechsel von Ruhe und Explosivität, um im entscheidenden Moment auch einen Überraschungseffekt für die Verteidigung bereit zu halten, fehlt noch. Hier soll die heutige Lehrprobenstunde ansetzen. Es steht dann die Fragestellung im Mittelpunkt: „Welche Auslösehandlung wähle ich im Angriff, um die Verteidigung in Bewegung zu bringen und möglichst mit Hilfe des Give & Go einen Korberfolg einzuleiten?“

Dabei kommt es vor allem darauf an, dass das Freilaufen (In & Out) explosiver erfolgt, damit ein sicheres Give & Go gespielt werden kann. Hierzu müssen die Spieler im Angriff feste Positionen einnehmen (1 Aufbauspieler in der Mitte, 2 Flügelspieler auf den Außenpositionen) und diese aufsuchen, sobald die Mannschaft in Ballbesitz ist. Nach dem Give & Go ist es weiterhin wichtig, dass die freigewordenen Positionen durch Rotation (Auffüllen) wieder besetzt werden, damit immer eine Anspielstation auf der Position des Aufbauspielers vorhanden ist.

2.2 Sachanalyse (Struktur des Lerninhalts)

Im Spiel 3:3 basieren alle weiteren Möglichkeiten auf der Grundaufstellung im Dreieck. Es bietet sich die 1 – 2 Aufstellung (1 Aufbauspieler / 2 Flügelspieler) auf den Außenpositionen als Grundaufstellung an. Dadurch ist gewährleistet, dass der Ballbesitzer stets zwei Passmöglichkeiten hat. (vgl. Hagedorn / Niedlich / Schmidt, 1998, S. 208) Durch die oben genannte Art der Aufstellung können beim Spiel 3:3 im Schulsport folgende Vorteile gegenüber dem Zielspiel 5:5 ausgenutzt werden:

- Das Spiel wird durch die reduzierte Spielerzahl für die Schüler übersichtlicher.
- Die Verantwortungsbereiche sind eindeutiger.
- Der einzelne Spieler hat größere Entfaltungsmöglichkeiten, da mehr Raum zur Verfügung steht.
- Es gibt für alle Spieler mehr Spielanteile, da gerade auf den Kleinfeldern alle Schüler beschäftigt werden können, was zu größeren Lernerfolgen führt (vgl. Braun, Goriss, König, 2006, S. 23).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Genetisches Lernen im Basketball - Problemorientiertes Verbessern der Angriffsarbeit im Spiel 3:3
Note
2
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V126858
ISBN (eBook)
9783640370931
ISBN (Buch)
9783640370788
Dateigröße
763 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Entwurf zur zweiten benoteten Lehrprobe im Fach Sport
Schlagworte
Genetisches, Lernen, Basketball, Problemorientiertes, Verbessern, Angriffsarbeit, Spiel
Arbeit zitieren
Stefan Scherer (Autor), 2009, Genetisches Lernen im Basketball - Problemorientiertes Verbessern der Angriffsarbeit im Spiel 3:3, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126858

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