Funddossier mit Fundkatalogeinträgen zu einer Gürtelschnalle (B-Beschlag der 3. Modestufe) mit Gegenbeschlag und zu einem leichten Breitsax jeweils aus der Merowingerzeit. Anhand dieser beiden exemplarischen Funde aus Conthey-Premploz/Wallis und Basel-Neubad werden Technologie, Typologie, Chronologie, Herkunft und Verbreitung für merowingerzeitliche Gürtelbeschläge und Saxe beschrieben, interpretiert und mit Referenzfunden verglichen. Das Dossier enthält ferner Fundzeichnungen, Fundfotos, Verbreitungskarten, Typologietabellen und Rekonstruktionszeichnungen.
Inhaltsverzeichnis
Fundkatalogeintrag (B-Beschlag)
Fundkatalogeintrag (Gegenbeschlag)
Typologie (B-Beschlag mit Gegenbeschlag)
Technologie (B-Beschlag mit Gegenbeschlag)
Herkunft und Verbreitung der B-Beschläge mit schmalrechteckigem Gegenbeschlag bzw. der Sondergruppe B3
Interpretation (B-Beschlag mit Gegenbeschlag bzw. Sondergruppe B3)
Fundkatalogeintrag (Sax)
Typologie (Sax)
Technologie (Sax)
Herkunft und Verbreitung (Sax)
Interpretation (Sax)
Zielsetzung & Themen
Dieses Funddossier dokumentiert und analysiert zwei spezifische Fundgegenstände aus der Merowingerzeit: eine Gürtelgarnitur (B-Beschlag mit Gegenbeschlag) sowie einen Breitsax. Ziel ist es, diese archäologischen Funde typologisch einzuordnen, ihre Herstellungstechniken zu beleuchten und ihren historischen Kontext hinsichtlich sozialer Trägerschichten, Verbreitungsgebieten und zeitlicher Einordnung kritisch zu hinterfragen.
- Typologische Analyse von Gürtelbeschlägen der Sondergruppe B3
- Technologische Untersuchung der Metalltauschierung und Plattierung
- Historische Einordnung des "burgundisch" geprägten Gürtelmodeschmucks
- Typologie und Entwicklung des Breitsaxes in der Merowingerzeit
- Soziologische Interpretation der Bewaffnung und Trachtbestandteile
Auszug aus dem Buch
Typologie (B-Beschlag mit Gegenbeschlag)
Grobtypologisch gesehen gehört Conthey-Premploz 1942/54 (im Folgenden hier in der Typologie nur noch mit Inventarnummer genannt) zum Beschlagtypus B (B-Beschläge) mit schmalrechteckigem Gegenbeschlag (Abb. 28). Innerhalb der B-Beschläge ist 1942/54 feintypologisch der 3. [Mode-] Stufe zuzuordnen, die sich durch das Vorkommen von Tierstil II, Steg- und Linienbandverzierung sowie Dreizonigkeit und Bichromie auszeichnet. Moosbrugger-Leu ordnet 1942/54 weiter der Sondergruppe B3 (nach Hans Zeiss) innerhalb der 3. [Mode-] Stufe zu. Diese Sondergruppe B3 ist durch den «Zerfall» des späten Tierstils II (Abb. 29), durch den «Zerfall» der starr-symmetrischen Verzierungsanordnung, durch den «Zerfall» der starken Stilisierung sowie durch die Gestaltung des Mittelfelds mit zwei gegeneinander beissenden Tierkopfpaaren des Tierstils II gekennzeichnet (Abb. 12).
Ebenfalls charakteristisch für die Sondergruppe B3 ist der rechteckige Schnallbügel (Abb. 04). Die Sondergruppe B3 zerfällt wiederum in vier Phasen (1., 2. [s. Attalens/FR], 3., 4. Phase), wobei Moosbrugger-Leu 1942/54 der letzten, 4. Phase zuordnet. Ebenfalls in die 4. Phase fallen bei Moosbrugger-Leu 324 Bern-Weissenbühl, 325 Bardonnex und 326 Romanel s/L (Abb. 32). Diese drei letztgenannten Funde stellen gleichzeitig die Referenzfunde zu 1942/54 dar. Als letzte «klassische Ausformung» der 4. Phase führt Moosbrugger-Leu die Pferdebeschläge aus dem Fluss Buron bei Yverdon-les-Bains auf: 328 Yverdon Buron und 329 Biberist. Die 4. Phase ist durch einen bandierten Rahmen gekennzeichnet, der das Mittelfeld besonders hervorhebt (Abb. 12). Des weiteren tauchen Rautenmuster (Abb. 15) und Schnalldornverzierungen (Abb. 07) als Charakteristika auf.
Zusammenfassung der Kapitel
Fundkatalogeintrag (B-Beschlag): Detaillierte Beschreibung der Gürtelbeschlagplatte, ihrer Masse, Erhaltung und Dekorationsmerkmale.
Fundkatalogeintrag (Gegenbeschlag): Technische Aufnahme und Zustandsbeschreibung der zugehörigen Gegenbeschlagplatte.
Typologie (B-Beschlag mit Gegenbeschlag): Einordnung der Funde in die 3. Modestufe der B-Beschläge nach Moosbrugger-Leu, speziell in die Sondergruppe B3.
Technologie (B-Beschlag mit Gegenbeschlag): Vermutungen zum Fertigungsverfahren, insbesondere der Anwendung von Plattierung und Flächentauschierung.
Herkunft und Verbreitung der B-Beschläge mit schmalrechteckigem Gegenbeschlag bzw. der Sondergruppe B3: Analyse des geografischen Verbreitungsgebiets im schweizerischen Mittelland unter Kritik älterer Thesen.
Interpretation (B-Beschlag mit Gegenbeschlag bzw. Sondergruppe B3): Historische Deutung der Funde als modisches Merkmal der Burgunden und Kritik an der ethnischen Zuweisung.
Fundkatalogeintrag (Sax): Technische Daten und Beschreibung des Breitsax, Fundort Basel-Neubad.
Typologie (Sax): Diskussion der Klassifizierung nach verschiedenen archäologischen Systematiken und Einordnung als "leichter Breitsax".
Technologie (Sax): Untersuchung der Klingenkonstruktion, insbesondere der "Blutrillen" und der Griffgestaltung.
Herkunft und Verbreitung (Sax): Überblick über die zeitliche und räumliche Verbreitung der Waffengattung Sax.
Interpretation (Sax): soziologische Einordnung des Saxes als Kampfwaffe und Diskussion seiner Trageweisen im Vergleich zu anderen Waffen.
Schlüsselwörter
Merowingerzeit, Gürtelgarnitur, B-Beschlag, Breitsax, Sondergruppe B3, Typologie, Tauschierung, Burgunden, Tierstil II, Grabfund, Waffenkunde, Schmiedetechnik, Sozialgeschichte, Archäologie, Mittelalter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit präsentiert ein Funddossier, das zwei zentrale Fundobjekte der Merowingerzeit – eine spezifische Gürtelgarnitur und einen Sax – archäologisch detailliert beschreibt und wissenschaftlich kontextualisiert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der typologischen Klassifizierung, den antiken Herstellungstechniken, der Rekonstruktion der historischen Verbreitung sowie der soziokulturellen Interpretation der Tracht und Bewaffnung.
Was ist das primäre Ziel?
Ziel ist die exakte wissenschaftliche Erfassung der Funde ( Conthey-Premploz 1942/54 und Neubad 1906.834.1) sowie die kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Forschungsmeinungen zur ethnischen und sozialen Deutung dieser Objekte.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Der Autor nutzt vergleichende Typologien, archäologische Beschreibungen der Werkstoffkunde (Plattierung/Tauschierung) und wertet existierende Fachliteratur sowie aktuelle Korrespondenzen mit Museen aus.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Er analysiert zunächst die Gürtelgarnitur und anschließend den Breitsax, wobei für beide Objektgruppen jeweils Katalogeinträge, Typologie, Technologie, Herkunft und Interpretation separat abgehandelt werden.
Was charakterisiert die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch einen kritischen Umgang mit älteren Forschungsthesen aus (z.B. Moosbrugger-Leu) und stützt sich auf eine Kombination aus technischer Analyse, Grabkontexten und dem Versuch der bildlichen Rekonstruktion.
Welche Rolle spielt der Fund "Conthey-Premploz" für die Argumentation?
Dieser Fund ist zentral für die Typologie der Sondergruppe B3, stellt den Autor jedoch vor Herausforderungen, da der Fundkontext aufgrund seiner Herkunft aus dem Kunsthandel nicht gesichert ist.
Warum wird der Begriff "Blutrille" in Anführungszeichen gesetzt?
Weil der Autor (gestützt durch Strassmeir/Gagelmann) aufzeigt, dass es sich technisch gesehen um rein dekorative Elemente ("Verzierungen") ohne funktionalen Vorteil für den Blutabfluss handelt.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen sozialen Schichten?
Anhand der Kombination von Spatha und Sax in Gräbern zieht der Autor Rückschlüsse auf materielle Reichtumsabstufungen in der Bevölkerung, wobei der Sax oft auch in einfacheren Gräbern als einzige Blankwaffe auftaucht.
Was belegt der Brief des MCAH zu Romanel?
Der Brief bestätigt, dass der dortige Fund aus einem gesicherten (wenn auch alten) Grabkontext einer Frauentracht entspringt, was indirekt die Zuordnung der Gürtelgarnitur zu Frauen stärkt, selbst bei fehlendem Knochenmaterial.
- Quote paper
- Nicolas Ströhla (Author), 2022, Gürtelschnalle und Sax aus der Merowingerzeit. Ein Funddossier, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1268581