Geschlechterkonstrukte und Geschlechterrollen werden zunehmend stark diskutiert, aber auch kritisiert. In der Schule, welche als eine wichtige Instanz zur Sozialisation von Kindern und Jugendlichen gilt, zeigt sich schon ein klares Rollenverständnis der Geschlechter. Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit Schule und Geschlecht tatsächlich zusammenhängen. Es soll Aufschluss darüber gegeben werden, ob schulische Sozialisation geschlechterspezifisch erfolgt und was dies für Auswirkungen auf Schüler und Schülerinnen sowie das Verhalten von Lehrer und Lehrerinnen hat. Dazu werden zunächst einige grundlegende Definitionen und theoretische Grundlagen zur Sozialisation und Institution Schule präsentiert. Weiterhin befasst die Autorin sich mit der Stereotypisierung von Geschlechtern und beleuchtet im Kontext der Disparitäten von schulischen und akademischen Erfolgen von jungen Frauen die Auswirkungen von geschlechtsspezifischem Verhalten gegenüber Schüler und Schülerinnen im Unterricht. Dabei wird sich auf eine Statistik des Statistischen Bundesamt bezogen, um die Repräsentation von Frauen an deutschen Hochschulen der letzten Jahre beispielhaft dazulegen. Zum Schluss wird eine Möglichkeit der geschlechtergerechten Beschulung von allen Schüler*innen und dessen Chancen und Herausforderungen aufgezeigt. Im Fazit werden dann die Kausalitäten der Ergebnisse zusammengefasst und sich abschließend noch einmal auf den Zusammenhang von Schule und Geschlecht bezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen und theoretische Grundlagen
2.1 Sozialisation
2.2 Struktur- und Phasenmodell der Sozialisation
2.3 Schulische Sozialisation
3. Geschlecht und geschlechtsspezifische schulische Sozialisation
3.1 Geschlecht und Stereotypen
3.2 Geschlechtsspezifische Sozialisation durch ‚doing gender‘
3.3 Verhalten von Lehrer*innen gegenüber Schüler*innen
3.4 Schulischer- und akademischer Erfolg im Kontext von Geschlecht
4. Lösungsansatz zur geschlechtergerehten Beschulung
4.1 Reflexive Koedukation
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Schule und Geschlecht, mit dem Ziel zu klären, inwieweit schulische Sozialisation geschlechtsspezifisch verläuft und welche Auswirkungen dies auf Schülerinnen und Schüler sowie das pädagogische Fachpersonal hat.
- Soziologische Grundlagen der Sozialisation und die Rolle der Schule als Instanz.
- Analyse von Geschlechterstereotypen und dem Konzept des ‚doing gender‘.
- Untersuchung des Verhaltens von Lehrkräften und dessen Einfluss auf die Schülerbeteiligung.
- Auswirkungen von Geschlechterrollen auf den schulischen und akademischen Erfolg.
- Evaluierung der reflexiven Koedukation als Lösungsansatz für eine geschlechtergerechte Beschulung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Geschlecht und Stereotypen
Noch immer gibt es die vorherrschende Idee von geschlechtsspezifischen Merkmalszuschreibungen, die in vielen Köpfen der Gesellschaft fest verankert sind. Nach einer Untersuchung von 1990, welche in 30 verschiedenen Ländern auf allen Kontinenten durchgeführt wurde, werden Frauen als „demütig, emotional, empathisch, zugewandt, Männer als aggressiv, dominant, konkurrenzorientiert, ehrgeizig, selbstbewusst“ wahrgenommen (Williams/ Best 1990 zitiert nach Wobbe & Nunner-Winkler, 2020, S. 421). Auch etwa 25 Jahre später dominieren diese Zuschreibenden noch (vgl. Wobbe & Nunner-Winkler, 2020, S. 423).
Die Frage danach, ob geschlechtsspezifische Unterschiede nach geltenden stereotypischen Normen in den Verhaltensweisen von Jungen und Mädchen auf natürliche Begebenheiten zurückzuführen ist, ist sehr umstritten und lässt sich laut Tilmann nach ausgiebiger Auseinandersetzung mit kultureller, psychologischer und biologischer Faktoren weder empirisch noch biologisch belegen (vgl. Tillmann, 1990, S. 54).
Es konnten zwar sowohl neurobiologische als auch hormonelle Unterschiede nachgewiesen werden, diese liefern jedoch keine eindeutigen Aussagen über die Ursachen von unterschiedlichen Eigenschaften und Entwicklungen. Forschungsergebnisse von Gehirnforscher*innen sollen darauf hinweisen, dass bei Frauen die rechte Gehirnhäute sehr viel stärker mit der linken vernetzt sei, als das bei Männern der Fall ist. Während die rechte Gehirnhälfte für die Kreativität und Emotionalität verantwortlich ist, ist der linke Bereich für rationales und logisches Denken zuständig. Daher soll es Frauen leichter fallen Gefühle zu verbalisieren, während Männer beispielsweise tendenziell eher Vernunft und Gefühle voneinander trennen können (Moir & Jessel, 1990 nach Niederbacher & Zimmermann, 2011, S. 161).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der geschlechtsspezifischen Sozialisation in Schulen ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Begriffsdefinitionen und theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert den Sozialisationsbegriff und stellt das Vier-Ebenen-Modell nach Tillmann sowie die strukturfunktionalistische Theorie nach Parsons dar.
3. Geschlecht und geschlechtsspezifische schulische Sozialisation: Hier werden Stereotype, das ‚doing gender‘-Konzept, das Lehrerverhalten sowie schulische Leistungserfolge im Kontext der Geschlechterdifferenz analysiert.
4. Lösungsansatz zur geschlechtergerehten Beschulung: Das Kapitel präsentiert die reflexive Koedukation als einen Ansatz, um Rollenbilder abzubauen und für ein Gleichgewicht im Bildungssystem zu sorgen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Kausalitäten der Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer langfristigen Veränderung der gesellschaftlichen Machtstrukturen.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Geschlecht, Geschlechterrollen, Schule, Doing gender, Stereotype, reflexive Koedukation, schulischer Erfolg, Bildungsbenachteiligung, Patriarchat, Lehrerverhalten, Sozialisationsinstanz, Geschlechterdifferenz, Schulforschung, Bildungsdisparitäten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen Schule und Geschlecht und untersucht, inwieweit Bildungskontexte zur geschlechtsspezifischen Sozialisation von Kindern beitragen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen der Sozialisation, die Wirkung von Geschlechterstereotypen, die Interaktion im Klassenzimmer sowie der schulische Erfolg im Geschlechtervergleich.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie schulische Sozialisation geschlechtsspezifisch erfolgt und welche Konsequenzen dies für Schülerinnen und Schüler aufweist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse soziologischer Theorien, aktueller Studien zur Bildungsforschung und statistischer Daten des Statistischen Bundesamtes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen von Stereotypisierung, das Verhalten von Lehrkräften gegenüber den Geschlechtern und diskutiert die reflexive Koedukation als Lösungsmodell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sozialisation, Geschlechterrollen, Doing gender, reflexive Koedukation und Bildungsbenachteiligung.
Welche Rolle spielt das Konzept des ‚doing gender‘ in der Schule?
Das Konzept beschreibt, wie Kinder durch das Aufnehmen und Bestätigen gesellschaftlich konstruierter Erwartungen im Schulalltag aktiv ihre Geschlechtsidentität und soziale Positionierung festigen.
Ist die schulische Koedukation nach Ansicht der Autorin gescheitert?
Nein, die Autorin sieht in der Koedukation zwar strukturelle Benachteiligungen, lehnt eine Rückkehr zur Monoedukation jedoch ab und plädiert stattdessen für eine reflexive Koedukation zur Verbesserung des Schulklimas.
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- Anonym (Author), 2021, Geschlechtsspezifische Sozialisation. Wie hängen Schule und Geschlecht zusammen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1268643