Die Tragödientheorie des Aristoteles und ihre ästhetische Wirkung


Hausarbeit, 2005

7 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Tragödien sind bei den Menschen seit der Antike beliebt. Woran liegen Faszination und Vergnügen an diesen Handlungen, in denen Menschen mehr oder weniger unverdient ins Unglück gestürzt werden. Aristoteles versuchte schon vor über 2000 Jahren Zusammensetzung und Wirkungsweise der Tragödie theoretisch darzulegen. Die Grundmerkmale seiner klassischen Tragödientheorie werden in der berühmten Definition aus Kapitel sechs seiner „Poetik“ aufgeführt:

„Die Tragödie ist Nachahmung einer guten und in sich geschlossenen Handlung bestimmter Größe, in anziehend geformter Sprache, wobei diese formenden Mittel in den einzelnen Abschnitten je verschieden angewandt werden – Nachahmung von Handelnden und nicht durch Bericht, die Jammer und Schaudern hervorruft und hierdurch eine Reinigung von derartigen Erregungszuständen bewirkt[1].“

Von den aufgeführten Punkten werden im Folgenden die beiden wichtigsten Wesensmerkmale Handlung und Charaktere, sowie die ästhetischen Wirkungsaspekte Jammer, Schaudern und Reinigung (griechisch: Eleos, Phobos und Katharsis) näher beleuchtet. Aufgrund der Kürze des Textes erfolgen die Erläuterungen nur relativ oberflächlich, wobei auch einige Aspekte ganz außer Betracht bleiben müssen.

Richten wir den Blick zunächst auf die Handlung und ihre Struktur. Allgemein äußerlich hat die Tragödienhandlung zunächst eine bestimmte Geschlossenheit, Größe und Einheit zu wahren, wobei diese drei Merkmale eng miteinander verknüpft sind. Für das Theorem der Geschlossenheit wählt Aristoteles ganz pragmatisch die Definition, wonach die Tragödienhandlung einen Anfang, eine Mitte und ein Ende hat. Der Anfang führt in die Handlung ein, hat aber keine notwendigen Voraussetzungen, verlangt aber eine Fortsetzung. Die Mitte setzt den Anfang voraus und wirkt konsequent auf das Ende hin. Das Ende wird durch die beiden vorherigen Teile verursacht und schließt die Handlung endgültig. Die Handlung darf also weder an einem beliebigen Punkt einsetzen, noch abrupt abreißen oder über das Ende hinauswirken. Die Größe der Handlung richtet sich zunächst danach, dass sie für den Zuschauer nachvollziehbar und erinnerbar bis zum Ende bleibt und, dass die für den Wirkungszweck der Tragödie so wichtigen Elemente des Handlungsumschwunges vom Glück zum Unglück und der Widererkennung von Personen und Sachzusammenhängen durch die Charaktere darin Platz finden können. Die Einheit der Handlung ergibt sich nicht aus der einheitlichen Identität des tragischen Helden, sondern daraus, dass eben nur ein Thema Gegenstand der Handlung ist. Ist die Handlung einheitlich, können weder einzelne Teile umgestellt noch weggelassen werden[2].

Im nächsten Schritt untersuchen wir, inwiefern die tragische Handlung mit der Wirklichkeit verknüpft ist. Aristoteles führt hier die strikte Unterscheidung von Dichtung und Geschichtsschreibung an. Die Historie teilt hiernach das Besondere, das was wirklich explizit geschehen ist, mit. Die Dichtung hingegen sei allgemeiner, philosophischer und stelle das anhand von Modellen das Mögliche und Wahrscheinliche dar. Es gilt hier das Postulat der Wahrscheinlichkeit, obwohl sich der Stoff der Handlung auf wahre historische Figuren stützt. Figuren und Ereignisse bekommen somit einen Modellcharakter, um die Identifikation der Zuschauer mit den Figuren zu bewerkstelligen. Aristoteles verändert somit die wahren Begebenheiten insoweit, dass sie dem Wirkungszweck der Tragödie, Jammer und Schaudern zu erzeugen, besser entsprechen können. Um diese Affekte jedoch wirkungsvoll hervorrufen zu können, müssen sie sich gemäß dem Postulat der Wahrscheinlichkeit, aber doch für den Zuschauer überraschend einstellen[3].

[...]


[1] Aristoteles: Poetik. Griechisch/Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Manfred Stuttgart: Reclam 1982 (=RUB 7828), S.19, (im Folgenden: Aristoteles, Poetik)

[2] Vgl. Fuhrmann, Manfred: Einführung in die antike Dichtungstheorie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1973, S. 20-22, (in Folgenden: Fuhrmann, Antike Dichtungstheorie).

[3] Vgl. Aristoteles, Poetik, S.29-33, ferner Fuhrmann, Antike Dichtungstheorie, S. 22-28.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Die Tragödientheorie des Aristoteles und ihre ästhetische Wirkung
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Einführung in die Literaturwissenschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
7
Katalognummer
V126868
ISBN (eBook)
9783640335381
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tragödientheorie, Aristoteles, Wirkung
Arbeit zitieren
Marco Kunze (Autor), 2005, Die Tragödientheorie des Aristoteles und ihre ästhetische Wirkung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126868

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