Integration in der Sekundarstufe


Seminararbeit, 2003
22 Seiten, Note: Schein

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung
1.1. Der Begriff der Integration
1.2. Die Entwicklung des Schulversuchs
1.2.1. Beginn und Ausweitung des Schulversuchs
1.2.2. Strukturelle Voraussetzungen in den Schulen
1.2.3. Rahmenbedingungen des Schulversuchs
1.2.4. Entwicklungen in den Schulen
1.2.5. Situation der Integrationsklassen in den Schulen
1.2.6. Situation des Lehrerkollegiums in den Schulen
1.3. Strukturen in den Klassen
1.3.1. Kinder mit Behinderungen in der Sekundarstufe I
1.3.2. Klassenzusammensetzungen
1.3.3. Entwicklungen in den Klassen

2. Die Situation des Sonderpädagogen
2.1. Erwartungen an den Sonderpädagogen
2.2. „Meine Rolle als Sonderpädagoge“

3. Organisationsstrukturen der Organisation in der Gesamtschule
3.1. Erfahrungen im Wahlpflichtbereich
3.2. Erfahrung in der äußeren Leistungsdifferenzierung

4. Leistungsbewertung

5. Beispiele für behinderte Schüler und ihre Entwicklung

6. Erkenntnisse aus dem Schulversuch

7. Literatur

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit der in den letzten Jahren und in der Vergangenheit stark diskutierten Frage nach der Integration, nach der gemeinsamen Erziehung und Bildung behinderter und nicht behinderter Kinder und Jugendlicher in der Sekundarstufe.

Da Integration selbst ein sehr weit gefasster Begriff ist, habe ich mich entschieden, Integration an einem konkreten Beispiel darzustellen und zu analysieren.

Hier schien mir der Hamburger Schulversuch, Integrationsklassen aus der Grundschule in die Sekundarstufe I in Gesamtschulen oder Haupt- und Realschulen weiter zu integrieren, die geeignete Rolle erfüllen zu können.

Es ist deutlich zu unterstreichen, dass die wissenschaftliche Bewertung der Schulversuche allgemein insgesamt nicht eindeutig positiv oder negativ ist. Bei Bewertungen werden Probleme der Schulorganisation aufgedeckt, z.B. die fehlende technische Ausstattung oder Mängel in der Lehrerqualifikation oder sogar das überholte Jahrgangsklassensystem, aber man ist nicht in der Lage eine eindeutige Beurteilung anzugeben.

Auf den folgenden Seiten soll der Überblick zu diesem Hamburger Schulversuch gegeben werden.

Bevor der eigentliche Schulversuch beschrieben wird, wird im ersten Kapitel der Begriff der Integration erläutert.

In weiteren Kapiteln werde ich auf Problemfelder des Schulversuches eingehen, Entwicklungsschritte und konkrete diskussionswürdige Themen beschreiben.

Da dieses Thema sehr umfangreich ist, werden Themenschwerpunkte beschreiben, z.B. die Diskussion um die Leistungsbewertung oder die Rolle des Sonderpädagogen in der I-Klasse, andere Themen, wie z.B. die Rolle des Sonderpädagogen, konnten nicht berücksichtigt werden.

1.1. Der Begriff der Integration

Integratio kommt aus dem Lateinischen und heißt soviel wie die Wiederherstellung eines Ganzen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch meint Integration den Prozess des Zusammenwachsens einzelner Teile zu einem Ganzen, zu einer Einheit oder die Eingliederung in ein größeres Ganzes.

Wir begegnen dem Begriff Integration in den unterschiedlichsten Kontexten. Es ist ein biologischer, psychologischer, soziologischer, politischer, wirtschaftlicher, juristischer, mathematischer, pädagogischer Begriff... Für die vorliegende Hausarbeit beschränkt sich die Begriffseinengung auf den sonderpädagogischen Bereich.

Integration wird in diesem Kontext meistens interindividuell verwendet als Vereinigung unterschiedlicher Menschen zu einer Gemeinschaft.

„Integration sozialpsychologisch verstanden, meint die Vereinigung einer Vielheit von einzelnen Personen, Gruppen oder Gesellschaften zu einer gemeinschaftlichen oder umfassenden gesellschaftlichen Ganzheit.“ (Bonderer 1980, 57 / 58)

Ist eine Integration erfolgreich verlaufen, dürfen innerhalb solch eines sozialen Gebildes keinem Mitglied bestimmte Bildungsmöglichkeiten, der Zugang zu privaten oder öffentlichen Einrichtungen, Beschäftigungsmöglichkeiten oder der Besitz von Eigentum wegen seiner „Rasse”, Religion, Behinderung oder nationalen Herkunft vorenthalten oder beschnitten werden. Die soziale Integration hat daher die Anerkennung eines Minimalkonsens bezüglich der gemeinsamen Grundwerte und der Verhaltens- und Orientierungsmuster zur Voraussetzung.

Im Normalisierungsgedanken, der auf den dänischen Sozialpolitiker Bank-Mikkelsen (1959) zurückgeht, ist der Integrationsgedanke als Leitziel formuliert. Im Zusammenhang mit einem erlassenen Gesetz zur Fürsorge von Menschen mit geistiger Behinderung, werden diese Menschen anderen Bürgerinnen und Bürgern gleichgestellt, ebenso wird ein möglichst normales Leben außerhalb der Anstalten gefordert.

Hier unterscheidet man unterschiedliche Arten der Integration:

- Räumliche Integration: Wohneinrichtungen sind in normalen Wohngegenden anzusiedeln.
- Funktionale Integration: Menschen mit geistiger Behinderung sollen allgemeine Dienstleistungen (z.B. öffentliche Verkehrsmittel oder andere öffentliche Einrichtungen, Restaurants (etc.) in Anspruch nehmen können.
- Soziale Integration: Soziale Beziehungen in der Nachbarschaft sollen durch gegenseitige Achtung und Respekt getragen sein.
- Personale Integration: Das Privatleben wird, durch dem Lebensalter entsprechende persönliche Beziehungen zu nahestehenden Menschen, als emotional befriedigend erlebt. Im Erwachsenenalter beinhaltet dies ein selbstbestimmtes Leben außerhalb des Elternhauses.
- Gesellschaftliche Integration: Menschen mit geistiger Behinderung werden im Bezug auf gesetzliche Ansprüche als Mitbürger akzeptiert. Sie können bei Entscheidungen, die ihr Leben und ihren Alltag betreffen, mitbestimmen – sowohl als Einzelperson als auch Mitglied von Selbsthilfegruppen.
- Organisatorische Integration: Die Strukturen einer Gemeinde sind so zu ändern, dass sie der Integration von Menschen mit geistiger Behinderung dienen. 1

Für die Schule heißt das:

Die integrative Didaktik bezeichnet das Zusammenwirken von Individualisierung und Differenzierung unter besonderer Berücksichtigung der Gemeinsamkeit.

Fazit:

Integration (als Ziel) soll durch Integration (als Methode) erreicht werden. Wenn die Methode bereits das Ziel beinhaltet, braucht man kein Ziel. Demnach ist der Weg das Ziel.

1.2. Die Entwicklung des Schulversuches

Der Schulversuch begann 1987 / 88. Bei diesem Projekt ging es darum, Integrationsklassen, die schon in der Hamburger Grundschule fungierten, in der Oberschule, in der Sekundarstufe I, weiterzuführen. Gesamtschulen und Haupt- und Realschulen, die in Hamburg existieren, schienen geeignete Schulformen zu sein.

Den Beginn des Schulversuches machten zunächst zwei Pilotklassen (Integrationsklassen), die die Grundschule durchlaufen hatten. Innerhalb von 10 Jahren hat er sich (1997 / 98) auf insgesamt 99 Klassen in 16 Gesamtschulen und 3 Haupt- und Realschulen ausgeweitet.

Dieser Schulversuch war völliges Neuland für die pädagogischen Kräfte, denn behinderte und nichtbehinderte Schüler sollten gemeinsam in einer Klasse durch ein multiprofessionelles Team unterrichtet werden. An dieser Stelle scheint es erwähnenswert zu sein, dass zu diesem Zeitpunkt in Deutschland keine oder fast keine Erfahrungen mit Integrationsklassen in der Sekundarstufe I vorlagen. Die ersten Teams stellten sich der Herausforderung mit persönlichem Einsatz und begannen schließlich den Schulversuch ohne inhaltliche Vorbereitung.

Heutzutage haben betroffene Personen einen einfacheren Einstieg, denn es gibt begleitende Fortbildungen, Erfahrungsaustauschmöglichkeiten und Supervision.

Es sollte eine Herausforderung für Eltern, Pädagogen, Schulleiter sein.

1.2.1. Beginn und Ausweitung des Schulversuches

Zwei Integrationsklassen, die die Grundschule durchlaufen hatten, wurden zur Weiterführung in der Sekundarstufe I in die Gesamtschule Bergedorf aufgenommen. Eltern erledigten die Vorarbeit, denn sie leisteten eine schwere Arbeit. Sie erarbeiteten mit der Schulbehörde ein Rahmenkonzept, damit integratives Lernen ermöglicht werden konnte. Sie suchten ebenfalls nach weiteren Gesamtschulen, die sich an dem Schulversuch beteiligen wollten. Dies waren zunächst weitere drei Gesamtschulen und es folgte noch eine Haupt-Realschule, die zu einer Gesamtschule umfunktioniert wurde.

Die Nachfrage schien von Jahr zu Jahr größer zu sein, daraufhin fällte die Schulsenatorin dann die Entscheidung, dass jede weitere Schule am Schulversuch teilnehmen kann, sobald sich eine Schule per Schulkonferenzentschluss dazu bereiterklärt.

Die Ausweitung des Schulversuchs war enorm, denn fünf Jahre nach dem Beginn des Schulversuchs waren elf Schulen mit insgesamt 30 Klassen beteiligt, davon 10 Gesamtschulen und eine Haupt- und Realschule.

1.2.2. Strukturelle Voraussetzungen in den Schulen

In den verschiedenen Oberschulen in Hamburg herrschten unterschiedliche strukturelle Voraussetzungen. Diese beeinflussten die Entwicklungen der Integration in der jeweiligen Oberschule und entschieden, welchen Stellenwert die Integrationsklassen erhielten.

Es wurden folgende Schulvoraussetzungen angetroffen:

- Gesamtschulen, die über einen längeren Zeitraum feste Strukturen und Traditionen ausgebildet haben, hier konnten Integrationsklassen anfangs als Störfaktor wirken und ihre anfängliche Arbeit separiert aufnehmen

(Hier waren es 7 Gesamtschulen mit einer 10jährigen Tradition)

- Gesamtschulen, die völlig neu eingerichtet wurden, Integrationsklassen gehörten hier von Anfang an zum Bild der Schule, aufgrund des jährlich wachsenden Kollegiums musste mußte die „neue“ Situation einen Ruhepunkt finden

(Hier in unserem Beispiel war eine Schule davon betroffen – die Gesamtschule Lohbrügge)

- Gesamtschulen, die im Prozess der Wandlung standen, d.h. Haupt- und Realschulen wurden zu reinen Gesamtschulen umfunktioniert, hier stellte die Weiterführung der Integrationsklassen nur einen Teil der Umstrukturierung dar

(Die Schulen Poppenbüttel und Fischbeck wurden zu Gesamtschulen umfunktioniert)

1.2.3. Rahmenbedingungen des Schulversuches

Wesentliche Rahmenbedingungen des Schulversuches sind:

- Klassenzusammensetzung mit der Orientierungsfrequenz 20 in einer Zusammensetzung von in der Regel 17 nichtbehinderte und 3 behinderte Schüler („17+3“), es gibt aber auch Varianten, die den Bedingungen der Grundschule entsprechen, z.B. „18+2“ und „16+4“

- diese Klassenzusammensetzung soll ohne Ausgrenzung bestimmter Behinderungsarten und –grade erfolgen
- das Prinzip der Weiterführung der bestehenden Klassen der Grundschule soll verfolgt werden, dabei ist zu beachten, dass Neuzugänge möglich sind, aber unter der Bedingung, wenn freie Plätze vorhanden sind
- die Schule stellt eine Übernahmekommission, die überprüft, ob bei gegebenen Bedingungen eine hinreichende Förderung möglich ist
- die Übernahmekommission stellt auch die Förderbedarfe der behinderten Schüler fest
- die Arbeit in den Integrationsklassen 2 findet in einem multiprofessionellen Team statt, 0,75 Stellen Sozialpädagoge, 0,5 Stellen Sonderpädagoge und eine Stelle Tutor

- die Lehrerstunden sollen gemäß der Stundentafel sein, hier sei noch zu vermerken, dass ab dem 7. Jahrgang die Stunden gekürzt werden, dazu kommen zwei Stunden zur Planung für den ersten Jahrgang
- 12 Lehrerwochenstunden pro Schule als Fortbildungsmöglichkeiten
- Sachmittel von jährlich 1000 DM je Klasse zusätzlich für die Beschaffung von Lehr- und Lernmitteln
- ein Differenzierungsraum von 34 qm oder eine konkrete Zwischenlösung
- eine Küchenzeile für den 5. und 6. Jahrgang
- die Möglichkeit zur Erteilung von Berichtzeugnissen bis zum 8. Jahrgang einschließlich
- Gültigkeit der Lernziele, Lehrpläne und Richtlinien für Gesamtschulen für alle nichtbehinderten Schüler und sinngemäße Anwendung der Bestimmungen für Sonderschulen für Schüler mit Behinderungen

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Integration in der Sekundarstufe
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Rehabilitationswissenschaften)
Note
Schein
Autor
Jahr
2003
Seiten
22
Katalognummer
V12687
ISBN (eBook)
9783638185035
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand. 249 KB
Schlagworte
Integration, Sekundarstufe
Arbeit zitieren
Kamila Urbaniak (Autor), 2003, Integration in der Sekundarstufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12687

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