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Unerhörte Zeichen in Heinrich von Kleists Erzählung "Die Marquise von O."

Title: Unerhörte Zeichen in Heinrich von Kleists Erzählung "Die Marquise von O."

Seminar Paper , 2004 , 13 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Magister Artium Susanne Krebs (Author)

German Studies - Genres
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Heinrich von Kleists Erzählung „Die Marquise von O…“ beginnt mit einer Zeitungsannonce , die einen unerhörten Sachverhalt publik macht, nämlich dass eine adlige Witwe unwissentlich schwanger geworden ist und nun auf diesem Wege den Vater ihres noch ungeborenen Kindes sucht.
Verknüpft mit diesem unerhörten Bekenntnis muss eine „unerhörte Begebenheit“ sein, die zu ermitteln der Erzähler dem Leser nicht gerade leicht macht, denn auch bei intensivster Suche gibt es keine eigentliche Schilderung dessen, zumindest nicht explizit . Was es jedoch gibt, ist „der gewaltigste Gedankenstrich der deutschen Literaturgeschichte“ (Gottfried Benn), sowie einige Zeichen bzw. Anzeichen mehr. So ist es wohl zu erklären, dass die vorliegende Erzählung bis heute nichts von ihrer Brisanz verloren hat.

Zahlreiche Interpreten haben sich bis dato mit diesem Kleist-Text beschäftigt und versucht, hinter sein „Geheimnis“ zu kommen. Doch in der Tat ist ,Die Marquise von O…’, obwohl die Geschichte an sich heutzutage fast banal anmutet , sozusagen Hollywoodreif (Krieg, Ausnahmezustand, Verstoß gegen gesellschaftliche Konventionen, schließlich Klärung und Happy End), aufgrund Kleists Spiel mit Doppeldeutigkeiten , Bildern, tiefenpsychologischen Vorgängen (fast ein Jahrhundert bevor diese von Sigmund Freud formuliert wurden!) sowie den bereits erwähnten Zeichen ein Faszinosum geblieben.

Meiner Meinung nach ist es so, dass die Erzählung sich jedem Leser/Rezipienten auf andere Art und Weise erschließt, je nachdem von welchen Aspekten man sich angesprochen fühlt. Daher werde ich auch nicht versuchen die immer wieder heißdiskutierte Frage zu klären, ob die Marquise vergewaltigt oder selbst sexuell aktiv wurde und diese Tatsache zu vertuschen bzw. zu verdrängen sucht, denn das haben schon andere vor mir mehr oder weniger zufrieden stellend getan. Ich werde vielmehr die Zeichen, insbesondere jenen besagten Gedankenstrich, genauer betrachten, mit dem quasi alles beginnt und zu dem auch wieder alles zurückkehrt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1. Satzzeichen

2.2. Anzeichen

2.3. Tiefenpsychologie

2.4. Doppeldeutigkeiten

3. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die erzählerischen Mittel in Heinrich von Kleists Novelle „Die Marquise von O…“, wobei der Fokus gezielt auf den funktionalen Einsatz von Satzzeichen, körperlichen Anzeichen und psychologischen Andeutungen liegt, um das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Fassade und menschlichem Unterbewusstsein zu beleuchten.

  • Analyse des Gedankenstrichs als narratives Steuerungselement.
  • Untersuchung der körperlichen Kommunikation und Ohnmachtsanfälle.
  • Anwendung tiefenpsychologischer Ansätze zur Deutung des Triebverhaltens.
  • Entschlüsselung von Sprach- und Symbol-Doppeldeutigkeiten im Text.

Auszug aus dem Buch

2.1. Satzzeichen

Zum ersten Mal taucht der Gedankenstrich an dramatischer Stelle mitten im Kriegsgeschehen auf (S. 5, Z. 14 „Hier – traf er,…“). Und nicht nur mitten im Kriegsgeschehen, sondern auch mittig zwischen zwei Wörtern, wo er sofort auffällt, weil er dort nicht hingehört. Oder vielleicht doch? Was genau bedeutet denn „Gedankenstrich“? Trennt er Gedanken voneinander oder steht er stellvertretend für sie? Und wenn er im Text als Stellvertreter dasteht, dann für wessen Gedanken? Die des Erzählers, des Lesers oder der Protagonisten?

Eine Person, die in dieser Situation wohl als „gedankenlos“ bezeichnet werden kann, ist die Marquise selbst, denn wir erfahren kurz zuvor im Text, dass „sie auch völlig bewusstlos niedersank“ (S. 5, Z. 13-14). Und wo kein Bewusstsein, da keine gedankliche Tätigkeit, oder? Und was ist mit Graf F…? Sollte er an der vermeintlichen Stelle tatsächlich die ihm zugeschriebene Vergewaltigung begangen haben, so war das wohl auch recht „gedankenlos“ von ihm angesichts seiner militärischen Position (S. 6, Z. 17-19: „Obristlieutenant vom t…n Jägerkorps, und Ritter eines Verdienst- und mehrerer anderen Orden“) und seines Adelsstandes. Denn damit stellt er sich schließlich auf die gleiche Stufe mit den gemeinen Soldaten, die zuvor versucht hatten, der Marquise Gewalt anzutun, was durch die Art der Schilderung außer Frage steht (S. 4, Z. 27 – S. 5, Z. 4).

Wie man sieht, ist dieser Gedankenstrich eine verzwickte Sache. Er lässt sich nicht ignorieren und schon gar nicht vereinnahmen. Auf jeden Fall regt er den Leser zum Nachdenken an und das ist doch schon sehr viel für so ein unscheinbares Satzzeichen. Und der Gedankenstrich bleibt keineswegs auf diese Textstelle beschränkt, sondern wandert durch die Erzählung und taucht ab und an wieder auf, sich seiner Signifikanz allzeit bewusst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die problematische Ausgangslage der Erzählung ein und skizziert die methodische Entscheidung der Autorin, die Zeichensetzung und psychologische Indikatoren als zentrale Analyseinstrumente zu nutzen.

2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Gedankenstrichen, physischen Symptomen, tiefenpsychologischen Zusammenhängen und rhetorischen Doppeldeutigkeiten als Mittel der erzählerischen Manipulation.

3. Schlussbetrachtung: Das Schlusswort resümiert, dass Kleist durch das Spiel mit dem Unausgesprochenen und das Aufzeigen gesellschaftlicher Bigotterie eine tiefgreifende Untersuchung der menschlichen Psyche gelingt.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Die Marquise von O…, Gedankenstrich, Kommunikation, Ohnmacht, Tiefenpsychologie, Bewusstsein, Unbewusstes, Triebsteuerung, Doppeldeutigkeit, Körpersprache, Erzählanalyse, Gesellschaft, Moral, Skandalon.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die spezifischen erzählerischen Zeichen in Kleists Novelle, die als subtile Hinweise auf das psychologische Innenleben der Protagonisten dienen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Macht der Sprache, das Verhältnis zwischen Bewusstsein und Körper sowie der gesellschaftliche Umgang mit Tabus und Sexualität.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, nachzuweisen, wie Kleist durch gezielte Auslassungen und Andeutungen den Leser zur aktiven Interpretation zwingt und so die Fassade der Protagonisten dekonstruiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine textnahe literaturwissenschaftliche Analyse, die durch tiefenpsychologische Theorien (in Anlehnung an Freud) ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?

Es werden der Gedankenstrich als narratives Mittel, die körperliche Kommunikation der Figuren (Erröten/Ohnmacht) sowie sprachliche Doppeldeutigkeiten untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Kommunikation, Ohnmacht, Triebsteuerung, Doppeldeutigkeit und die psychologische Struktur der Charaktere.

Warum spielt die Ohnmacht der Marquise eine so zentrale Rolle?

Die Ohnmacht dient den Protagonisten als „psychische Fluchtmöglichkeit“, um sich gesellschaftlichen Konflikten und unangenehmen Wahrheiten gezielt zu entziehen.

Welche Bedeutung kommt dem Gedankenstrich bei Kleist zu?

Der Gedankenstrich fungiert als „Schlüssellochfunktion“, der das eigentlich Skandalöse verdeckt und so die Fantasie des Lesers anregt, statt eine klare Schilderung zu liefern.

Wie deutet die Autorin den Grafen F...?

Der Graf wird als eine Figur interpretiert, deren triebhaftes Handeln hinter militärischer Disziplin und scheinheiligen Heiratsabsichten verborgen bleibt.

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Details

Title
Unerhörte Zeichen in Heinrich von Kleists Erzählung "Die Marquise von O."
College
University of Koblenz-Landau  (Philologie)
Course
Proseminar: Heinrich von Kleists Erzählungen und Dramen
Grade
1,3
Author
Magister Artium Susanne Krebs (Author)
Publication Year
2004
Pages
13
Catalog Number
V126875
ISBN (eBook)
9783640329656
ISBN (Book)
9783640331499
Language
German
Tags
Kleist Marquise Erzählung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Susanne Krebs (Author), 2004, Unerhörte Zeichen in Heinrich von Kleists Erzählung "Die Marquise von O.", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126875
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