Ziel dieser Arbeit wird es sein, herauszufinden, inwiefern die französische Sprache in Louisiana noch vertreten ist, in welchen Domänen oder Situationen es immer noch gesprochen wird und vor allem welchen Stellenwert die Sprache bis heute besitzt.
Um dies zu konstatieren, bedarf es zunächst im zweiten Kapitel einer Analyse der Sprachenlandschaft Louisianas, gefolgt von der Erarbeitung der Präsenz des Französischen, einschließlich der Status des Französischen, die Konkurrenz mit dem Englischen sowie die Verwendungsbereiche der französischen Sprache. Letztlich soll die Einstellung gegenüber den Sprachen anhand verschiedener Medienbeispiele im vierten Kapitel näher beleuchtet und herangeführt werden.
Louisiana erlebte historisch gesehen vielerlei diverse Einflüsse, beispielsweise die Eingliederung ins spanische Kolonialreich im 16. Jahrhundert, die Zeit als französische Kolonie und die Besiedlung der "Acadiens" (frankophone Siedler) bis hin zu zahlreichen Sklavenaufstände. Zwischen 1800 und 1803 war Louisiana nochmals Französisch, wurde dann aber von Napoléon offiziell an die Vereinigten Staaten Amerikas verkauft.
1812 wurde die einstige Kolonie dann schließlich zu dem, was uns heute bekannt ist: unter dem Namen Louisiana zu einem der fünfzig Bundesstaaten der Vereinigten Staaten, grenzend an Arkansas, Mississippi, Texas und den Golf von Mexiko, bewohnt von etwa viereinhalb Millionen Einwohner. Die Hauptstadt des Bundesstaats ist Baton Rouge, die weltweit bekannteste Stadt New Orleans. De jure hat Louisiana keine Amtssprache, de facto teilen sich sowohl das Englische als auch das Französische den Titel der Amtssprache und das, obwohl der Bundesstaat bis 1968 formal ein einsprachig englisches Gebiet war.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Sprachenlandschaft Louisianas
2.1 Englisch
2.2 Französisch
2.3 Französische Varietäten
2.3.1 Créole (blanc)
2.3.2 Créole (noir)
2.3.3 Cajun
2.4 Sprachaufteilung innerhalb der Bevölkerung
3 Präsenz des Französischen in Louisiana
3.1 Die Konkurrenz mit dem Englischen
3.2 Der Status des Französischen
3.3 Verwendungsbereiche
4 Die Einstellung gegenüber den Sprachen anhand verschiedener Medienbeispiele
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das soziolinguistische Profil Louisianas mit einem besonderen Fokus auf die historische Entwicklung, den Status und die aktuelle Verwendung der französischen Sprache sowie ihrer Varietäten, insbesondere des Cajun, im Kontext der starken Dominanz des Englischen.
- Historische Entwicklung der Sprachenlandschaft in Louisiana
- Analyse französischer Varietäten wie Créole und Cajun
- Untersuchung der Sprachaufteilung innerhalb der Bevölkerung
- Bewertung der Konkurrenz zwischen dem Englischen und dem Französischen
- Analyse der Einstellungen zur Sprache anhand zeitgenössischer Medienbeispiele
Auszug aus dem Buch
3.3 Verwendungsbereiche
Trotz der genannten Renaissance des Französischen unterbanden andererseits auch viele die Verwendung des Französischen, sogar in nicht-öffentlichen Kontexten. Eine Umfrage des CODOFIL aus dem Jahre 1990 ergab, dass 67% aller Unterhaltung mit Verwandten auf Französisch geführt werden (vgl. Picone 1997: 130). Aus dieser Umfrage war des Weiteren festzustellen, dass im Vergleich zu vorherigen Jahren ein Rückgang des Französischen deutlich zu erkennen sei. Ein weiterer interessanter Aspekt hierbei bietet die Altersgruppe der FranzösischsprecherInnen:
I can say with assurance that the vast majority of French-dominant or balanced bilingual parents of those who are now in their 30s and 40s stopped using French with their children in the home, probably due to the stigmatization of the language (ebd.: 130).
Wie Michel Picone dann feststellt, erklärt den Rückgang der Sprache deutlich: Kinder in Louisiana sprechen in ihrem Elternhaus kaum noch Französisch, da die Eltern wahrscheinlich wegen der Stigmatisierung der französischen Sprache aufhörten, diese zu sprechen. Vielmehr erleben die Kinder die Sprache im Kontext mit der älteren Generation, beispielsweise bei ihren Großeltern. Obwohl die Familie als wichtigster Faktor zum Erhalt des Französischen im nicht-öffentlichen und alltäglichen Leben zählt, muss man hier eine schwerwiegende Rückbildung erwarten:
Even the most zealous Louisiana French activists admit that the French-speaking population continues to decline at an alarming rate and that preserving French as a native language is a far-fetched dream. Most contemporary parents are passive bilinguals at best and, even if they wanted to, would not be able to pass the language on to their children (Ancelet 1988: 353).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung bettet Louisiana historisch in den frankophonen Kontext der Neuen Welt ein und formuliert die Forschungsfrage zur heutigen Präsenz und dem Stellenwert des Französischen.
2 Die Sprachenlandschaft Louisianas: Dieses Kapitel analysiert die gesetzliche Entwicklung und die verschiedenen Sprachvarietäten wie Englisch, Standardfranzösisch, Créole und Cajun sowie deren demografische Verteilung.
3 Präsenz des Französischen in Louisiana: Untersucht wird die soziolinguistische Konkurrenz zum Englischen, der Status der Sprache über die Zeit und die konkreten Verwendungsbereiche im Alltag und schulischen Kontext.
4 Die Einstellung gegenüber den Sprachen anhand verschiedener Medienbeispiele: Anhand von YouTube-Dokumentationen und den dazugehörigen Nutzerkommentaren wird die aktuelle Einstellung der Gesellschaft zur frankophonen Identität Louisianas reflektiert.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach trotz einer positiven Identitätsstiftung die anglophone Übermacht den langfristigen Erhalt des Französischen als funktionale Zweitsprache herausfordert.
Schlüsselwörter
Louisiana, Cajun, Französisch, Soziolinguistik, Sprachlandschaft, Sprachverlust, Identität, Zweisprachigkeit, Diglossie, CODOFIL, Sprachwandel, Amerikanisierung, Louisiana-Französisch, Sprachpolitik, Medienanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das soziolinguistische Profil Louisianas, um zu verstehen, welchen Stellenwert das Französische heute in diesem US-Bundesstaat einnimmt, nachdem es eine bewegte Geschichte zwischen Blütezeiten und Unterdrückung durchlaufen hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf die historische Entwicklung der Sprachenpolitik, die Analyse verschiedener französischer Sprachvarietäten (insbesondere Cajun), die demografische Sprachverteilung sowie die aktuelle gesellschaftliche Einstellung zur Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, herauszufinden, inwiefern das Französische in Louisiana noch vertreten ist, in welchen spezifischen Domänen oder Alltagssituationen es gesprochen wird und ob es eine Zukunft als funktionale Zweitsprache hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse der Sprachgesetzgebung und -geschichte sowie einer qualitativen Auswertung von Medienbeispielen (YouTube/Kommentare), um die lebendige Einstellung der Bewohner zu ihrer frankophonen Identität zu erfassen.
Was wird primär im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert die Sprachenlandschaft und die Präsenz des Französischen, analysiert die Konkurrenz mit dem Englischen und evaluiert die Rolle aktueller Bemühungen zur Erhaltung der Sprache durch Bildung und Medien.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Louisiana-Französisch, Cajun, Sprachstigma, Identität, Soziolinguistik und die anhaltende anglophone Dominanz.
Welche Rolle spielt der CODOFIL bei der Erhaltung des Französischen?
Der CODOFIL ist eine entscheidende Organisation, die durch Bildungs- und Förderprogramme versucht, das Französische zu revitalisieren, wobei sie jedoch vor der Herausforderung steht, dass oft ein "fremdes" Standardfranzösisch propagiert wird, das sich von der lokalen Alltagssprache (Cajun) unterscheidet.
Warum ist das Englische trotz der Bemühungen so dominant?
Aufgrund der historischen Amerikanisierung, gesetzlicher Verbote des Französischen in der Vergangenheit und der Rolle des Englischen als unverzichtbare Sprache im öffentlichen Leben und Arbeitsmarkt bleibt die Sprache der USA die dominante Kraft, was viele ehemals frankophone Bewohner zu "passiven Bilingualen" gemacht hat.
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- Kim Würth (Author), 2022, Das soziolinguistische Profil Louisianas. Das Cajun als Identifikations- und Wunschsprache?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1268784