In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, was motivierende Gesprächsführung und inwieweit diese auf die Arbeit mit Jugendlichen anwendbar ist.
Jugendliche werden heutzutage mit einer Vielzahl von Herausforderungen und Möglichkeiten konfrontiert. Zudem werden sie häufig kritisiert, was dazu führt, dass sie sich unverstanden fühlen. Das kann zu einer Reihe von Risikoverhalten, wie zum Beispiel zu übermäßigem Alkoholkonsum oder ungeschütztem Geschlechtsverkehr, führen. Daraus resultieren oft weitreichende, teils lebenslange gesundheitliche Folgen für diese Jugendlichen.
Motivierende Gesprächsführung wurde von Miller und Rollnick ursprünglich für Behandlung von Suchterkrankungen entwickelt. Die Suchterkrankten galten als widerspenstig und aggressiv und Verleugner ihrer Probleme. Diese Beschreibung könnte auch für Jugendlich gewählt werden, da sie dieses Verhalten, das ganz im Grunde genommen eine normale Reaktion darstellt, ebenfalls zeigen.
Eine der grundlegenden Handlungskompetenzen der Sozialen Arbeit stellt die Fähigkeit zur Kommunikation dar. Sie gehört zu den Grundkompetenzen, die jede*r Sozialarbeiter*in erwerben sollte. Dazu zählt Hiltrud von Spiegel neben der Fähigkeit des dialogischen Verhandelns und Verstehens vor allem die Fähigkeit, eine Beziehung aufzubauen. Dafür ist das Erlernen der Motivierenden Gesprächsführung hilfreich, da viele Klient*innen nicht freiwillig Kontakt aufnehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Motivierende Gesprächsführung
2.1 Definition
2.2 Ambivalenz
2.3 Grundhaltung
2.4 Kompetenzen
2.5 Prozesse
3. Motivierende Gesprächsführung mit Jugendlichen
3.1 Entwicklung in der Adoleszenz
3.2 Anwendung von Motivierender Gesprächsführung
3.3 Anwendungsfelder
4. Fazit / Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der Motivierenden Gesprächsführung und analysiert dessen spezifische Anwendbarkeit in der professionellen Arbeit mit Jugendlichen, insbesondere im Kontext von Verhaltensänderungen und Suchtprävention.
- Grundlagen und zentrale Konzepte der Motivierenden Gesprächsführung nach Miller und Rollnick.
- Entwicklungspsychologische Besonderheiten der Adoleszenz als Rahmenbedingung für Beratung.
- Psychologische Kernkompetenzen und Grundhaltungen in der Kommunikation.
- Herausforderungen und Potenziale bei der Anwendung mit Jugendlichen.
- Praxisbeispiele, wie das Präventionsprogramm "HaLT – Hart am LimiT".
Auszug aus dem Buch
3.1 Entwicklung in der Adoleszenz
Die Adoleszenz beinhaltet alle psychischen und psychosozialen Veränderungen sowie Reifeprozesse, die während dieser Zeit ablaufen (vgl. Charlton et al. 2003, S. 161f.). Das Jugendalter lässt sich unterteilen in frühe Adoleszenz vom 10. bis 13. Lebensjahr, mittlere Adoleszenz vom 14. bis 17. Lebensjahr und späte Adoleszenz, die vom 18. bis 22. Lebensjahr andauert (vgl. Steinberg 2005 zit. nach Oerter und Montada 2008, S. 272).
Die biologischen Veränderungen der Pubertät markieren den Beginn des Jugendalters (vgl. Oerter und Montada 2008, S. 272). Dabei kommt es zur vermehrten Hormonproduktion, vor allem der Sexualhormone, die für Veränderungen im zentralen Nervensystem sorgen. Zudem werden, angeregt durch die erhöhte Hormonproduktion, die körperlichen Proportionen neu geordnet und die sekundären Geschlechtsmerkmale ausgebildet und die Jugendlichen werden zeugungs- bzw. empfängnisfähig. (Vgl. Charlton et al. 2003, S. 162)
Die kognitive Entwicklung macht im Jugendalter einen enormen Sprung. Jugendliche sind nun in der Lage konkrete Sachverhalte zu verarbeiten. Außerdem ermöglicht ihnen die neu entwickelte Metakognition, dem Denken über das Denken, es ihnen bisher Gültiges zu hinterfragen. Piaget nennt diese Phase der kognitiven Entwicklung, die circa ab dem 12. Lebensjahr beginnt, das „formal-operatorische Stadium“ (vgl. Piaget zit. nach Oerter und Montada 2008, S. 438). Diese neue Art von beobachten, schussfolgern und urteilen führt zu neuen Erfahrungen und zeigt eventuelle Diskrepanzen auf, die unter Umständen zur Verunsicherung, Zweifel, aber auch Wut führen können. (Vgl. Oerter und Montada 2008, S. 274)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen von Jugendlichen und führt in das Konzept der Motivierenden Gesprächsführung sowie die Zielsetzung der Arbeit ein.
2. Motivierende Gesprächsführung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Konzepts, einschließlich Definition, Ambivalenz, Grundhaltung, Kernkompetenzen und der prozessualen Struktur.
3. Motivierende Gesprächsführung mit Jugendlichen: Das Kapitel verknüpft die entwicklungspsychologischen Besonderheiten der Adoleszenz mit den Anforderungen an eine empathische und autonomieorientierte Gesprächsführung und stellt Anwendungsfelder vor.
4. Fazit / Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Kernaussagen zusammen und bestätigt die Eignung des Konzepts für die zielgruppenspezifische Beratung Jugendlicher.
Schlüsselwörter
Motivierende Gesprächsführung, Jugendliche, Adoleszenz, Ambivalenz, Beziehungsaufbau, Beratung, Soziale Arbeit, Suchtprävention, Autonomie, Empathie, Verhaltensänderung, Change Talk, HaLT, Kommunikation, Motivationsförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Motivierenden Gesprächsführung und untersucht, wie dieses ursprünglich für die Suchttherapie entwickelte Konzept in der Sozialen Arbeit mit Jugendlichen fruchtbar gemacht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Neben den theoretischen Modellen der Gesprächsführung stehen die entwicklungspsychologischen Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz und die praktische Anwendung in Präventionskontexten, wie z.B. dem Alkoholkonsum, im Zentrum.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es zu klären, inwieweit das Modell der Motivierenden Gesprächsführung bei Jugendlichen anwendbar ist, wenn diese durch Entwicklungsphasen oder externe Anforderungen in ihrer Motivation beeinflusst sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Hausarbeit, die den aktuellen Forschungsstand anhand relevanter Fachliteratur zu den Themen Motivierende Gesprächsführung und Entwicklungspsychologie aufbereitet und analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Prinzipien des Konzepts (Grundhaltung, Prozesse) und deren spezifische Transferleistung auf die Lebenswelt von Jugendlichen unter Berücksichtigung deren kognitiver und psychosozialer Reifung.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Motivierende Gesprächsführung, Adoleszenz, Autonomieunterstützung, Ambivalenzbewältigung und Beziehungsaufbau in der sozialen Beratung.
Wie unterscheidet sich die Arbeit mit Jugendlichen von der mit Erwachsenen laut der Autorin?
Bei Jugendlichen spielen der spezifische Entwicklungsprozess und die häufige Freiwilligkeit der Beratung eine größere Rolle, weshalb die Wahrung der Autonomie und der Fokus auf die Lebenswelt des Jugendlichen noch stärker betont werden müssen.
Was ist die Rolle des Programms "HaLT" in der Arbeit?
Das Programm dient als praktisches Fallbeispiel, um die Anwendung des theoretischen Modells der Motivierenden Gesprächsführung bei riskantem Alkoholkonsum von Jugendlichen zu illustrieren.
- Citation du texte
- Julia Held (Auteur), 2017, Motivierende Gesprächsführung mit Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1268845