Auf den ersten Blick scheint es nur oberflächliche Parallelen zwischen der Plagenerzählung und der Apokalypse zu geben, aber je tiefer man blickt, desto offensichtlicher werden die Ähnlichkeiten innerhalb der Abläufe, der Verwendung gleicher Motive und dem unverkennbar katastrophalen Charakter der Ereignisse. In der folgenden Arbeit findet zuerst eine einzelne Auseinandersetzung mit den beiden Büchern der Bibel statt, eh sie vergleichend zusammengeführt werden, wobei der Fokus auf dem "Tier" beziehungsweise dem "Verderber" liegen wird.
Exodus, das zweite Buch Mose, berichtet von dem Auszug der Israeliten aus Ägypten, nachdem der Pharao erst zehn himmlische Plagen ertragen musste, eh er seinen Widerstand aufgab und die Israeliten ziehen ließ. Die Offenbarung des
Johannes hingegen berichtet von einer weltweiten Endzeit, der Apokalypse, herbeigeführt durch sieben Engel, die sieben Posaunen blasen und so eine Katastrophe nach der nächsten auslösen. Auf den ersten Blick scheint es nur
oberflächliche Parallelen zwischen der Plagenerzählung und der Johannesoffenbarung zu geben, aber je tiefer man blickt, desto offensichtlicher werden die Ähnlichkeiten innerhalb der Abläufe, der Verwendung gleicher Motive und dem unverkennbar katastrophalen Charakter der Ereignisse. Auch wenn die zehn Plagen nur eng geografisch gewirkt haben und die Endzeitvision allumfassend ist, so ist dennoch unbestreitbar, dass beide Ereignisse eine Strafe Gottes aufgrund von Zuwiderhandlungen gegen seinen Willen darstellen und in Form von einer Aneinanderreihung von Katastrophen auftreten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die zehn Plagen
2.1. Das Tier in der Plagenerzählung
3. Die Johannesoffenbarung
3.1. Das Tier in der Johannesoffenbarung
4. Vergleich
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen und inhaltlichen Parallelen zwischen der biblischen Plagenerzählung im Buch Exodus und der Offenbarung des Johannes. Im Zentrum steht dabei die Analyse der Motive des ‚Tiers‘ und des ‚Verderbers‘, um aufzuzeigen, wie beide Texte trotz unterschiedlicher Entstehungskontexte das göttliche Gericht an den Widersachern oder den Ungläubigen sowie die Rolle des Retters thematisieren.
- Analyse der zehn Plagen in Ägypten als göttliche Strafgerichte.
- Untersuchung der Struktur und Symbolik der Johannesoffenbarung.
- Vergleichende Betrachtung der Rollen von Lamm und ‚Verderber‘.
- Interpretation der Motive von ‚Tier‘ und ‚höllischer Trinität‘.
- Gegenüberstellung von biblischer Erzählung und bibelwissenschaftlicher Exegese.
Auszug aus dem Buch
Die zehn Plage: Tod der Erstgeburt
Die letzte Plage soll nun endlich den Pharao dazu bewegen, die Israeliten ziehen zu lassen. Dieser Schlag gegen Ägypten ist sogleich auch ein Schlag gegen dessen Götter, da keiner von ihnen JHWH davon abhalten kann. Das zeigt auch, dass JHWH ein Universalgott ist, der über Leben und Tod entscheidet. Die theologische Erklärung für die zehnte Plage beruht darauf, dass die ägyptischen Erstgeborenen deshalb sterben müssen, weil sie JHWH nicht anerkennen und andere Götter verehren. Die naturwissenschaftliche Erklärung findet eine mögliche Antwort im Getreide. Die Ägypter hatten große Kornspeicher, insbesondere für ernteschwache Zeiten. Falls diese die vorangegangenen Plagen überstanden haben, könnte sich im Inneren durch die Feuchtigkeit der Unwetter Schimmel gebildet haben. Dieser sorgt bei Verzehr für Lungenschäden, innere Blutungen und auch für den Tod. Die Erstgeborenen bekamen damals immer die meiste Nahrung und nahmen damit also auch am meisten von dem Schimmel auf. Der Alttestamentler Prof. Thomas Römer meint, die zehnte Plage sei am ausführlichsten, weil sie den Blutritus enthält. Dies war ein Schutzritual für Nomaden und Hirten vor Wüstendämonen. Der Ritus wurde in den biblischen Text übernommen und mit den Exodusereignissen in Verbindung gebracht. Der Bibelwissenschaftler Prof. Axel Knauf präzisiert die Funktion des Blutrituals; es sollte diejenigen schützen, die zurückbleiben mussten, also Eltern und ihre kleinen Kinder. Das Ritual wird zum kollektiven Gedächtnis als die ägyptischen Erstgeburten von JHWH geschlagen wurden. Für beide steht fest; die zehnte Plage basiert auf der Realität. Der erste Teil der zehnten Plage richtet den Fokus also auf den Schutz der Israeliten durch den Blutritus, der für spätere Pessachfeste nicht mehr notwendig ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Themen Exodus und Offenbarung des Johannes ein und thematisiert die offensichtlichen Ähnlichkeiten in Bezug auf göttliche Strafgerichte und Katastrophen.
2. Die zehn Plagen: Dieses Kapitel analysiert die einzelnen Plagen in Ägypten, ihre theologischen Hintergründe sowie mögliche naturwissenschaftliche Erklärungsmodelle für die Geschehnisse.
2.1. Das Tier in der Plagenerzählung: Hier wird das Motiv des ‚Tiers‘ als ‚Schlachttier‘ definiert und die Rolle des ‚Verderbers‘ in Verbindung mit dem Blutritus des Pessachlamms untersucht.
3. Die Johannesoffenbarung: Dieses Kapitel erläutert die apokalyptische Literatur, die Funktion des Johannes als Vermittler und die spezifischen Botschaften an die sieben Gemeinden.
3.1. Das Tier in der Johannesoffenbarung: Der Fokus liegt auf der Identität des Lammes sowie dem Auftreten der ‚höllischen Trinität‘ als dämonisches Spiegelbild.
4. Vergleich: Das abschließende Kapitel führt die Erkenntnisse zusammen und stellt die Rollen des Lammes sowie der Widermächte in beiden Erzählungen gegenüber.
Schlüsselwörter
Exodus, Johannesoffenbarung, Plagen, Apokalyptik, Gottesgericht, Lamm Gottes, Verderber, Tier, Blutritus, Widermächte, Schöpfung, Endzeit, Sündenvergebung, biblische Exegese, Naturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem vergleichenden theologischen Blick auf die Erlebnisse der Israeliten unter den Plagen in Ägypten und die Visionen der Apokalypse des Johannes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Handeln Gottes durch göttliche Zeichen und Wunder, die Konsequenzen von Zuwiderhandlungen gegen den göttlichen Willen sowie die Symbolik von ‚Tier‘ und ‚Lamm‘.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die strukturellen Ähnlichkeiten und die Verwendung gleicher Motive in beiden biblischen Büchern aufzuzeigen, um die theologische Absicht hinter den Darstellungen des Gerichts zu verdeutlichen.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, bei der die beiden Texte zunächst einzeln exegetisch betrachtet und anschließend in Bezug auf ihre Gemeinsamkeiten analysiert werden, unterstützt durch fachwissenschaftliche Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der zehn Plagen sowie die Untersuchung der Offenbarung des Johannes, wobei jeweils die Rollen von zentralen Figuren wie dem Lamm oder dem ‚Verderber‘ expliziert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Begriffe wie Apokalyptik, Gottesgericht, Endzeit, biblische Plagen sowie die christologische Bedeutung des Lammes stehen besonders im Fokus.
Wie lässt sich der Begriff ‚Verderber‘ in beiden Kontexten interpretieren?
Der Autor argumentiert, dass der ‚Verderber‘ als Gehilfe Gottes fungiert, der sowohl im Exodus als auch in der Offenbarung eine Rolle bei der Umsetzung des göttlichen Willens spielt, ohne dabei Gott als Schöpfer von Bösem zu personifizieren.
Welche Bedeutung kommt dem ‚Lamm‘ in der Apokalypse zu?
Das Lamm wird als Christus-Figur identifiziert, die durch ihr Opfer die Erlösung ermöglicht und als Gegenstück zu den dämonischen Mächten, wie dem Tier oder dem Drachen, fungiert.
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- Caroline Brandt (Autor:in), 2021, Das Tier im Exodus und in der Offenbarung des Johannes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1268951