In diesem Unterrichtsentwurf für die 9. Klasse (Gymnasium) im Fach Sozialkunde geht es um folgendes Thema: "Lieferkettengesetz und "Grüner Knopf" – Zwang zur Nachhaltigkeit oder freiwilliges Engagement?". Das Lernziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler (SuS) die Wirkweisen politischer Handlungsmöglichkeiten zur Gestaltung von nachhaltigen und globalen Lieferketten verstehen und dabei die Schwachstellen der Ansätze erkenn und kritisch reflektieren.
Folgende Lernziele werden festgelegt: Die SuS beschreiben eine Abbildung bzw. Schlagzeile und stellen anhand der Ideen zu den Konzepten des Lieferkettengesetzes und des "Grünen Knopfs" den Zusammenhang mit den zuvor erarbeiteten Perspektiven einer globalen Lieferkette in der Textil- und Bekleidungsindustrie her. Sie erarbeiten sich arbeitsteilig anhand von Arbeitsblättern die Wirk- und Funktionsweise (Fokus auf faire und nachhaltige Lieferkette) sowie Schwachstellen (geringe Berücksichtigung umweltschädlicher Faktoren; Freiwilligkeit) der jeweiligen staatlichen Ansätze. Sie erschließen sich Auswirkungen des Lieferkettengesetzes und des "Grünen Knopfs", indem sie die Effekte durch „Karten“ in das Modell "Dreieck der Nachhaltigkeit" integrieren. Und sie bewerten die beiden Lösungsansätze für nachhaltigere Lieferketten auf Grundlage der skizzierten Inhalte und leiten daraus die Notwendigkeit einer gesetzlich verpflichtenden Lösung für Unternehmen ab.
Inhaltsverzeichnis des Lehrerentwurfs
1. Lernziele und Kompetenzen
2. Unterrichtsvoraussetzungen
2.1 Allgemeine Voraussetzungen
2.2 Besondere Unterrichtsvoraussetzungen
3. Sachanalyse
4. Didaktische Analyse
5. Methodische Überlegungen
6. Tabellarischer Verlaufsplan
7. Literaturverzeichnis
8. Materialanhang
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die pädagogische Planung und Reflexion einer Unterrichtseinheit zur Globalisierung, wobei der Fokus auf den staatlichen Handlungsoptionen zur Regulierung globaler Lieferketten in der Textilindustrie liegt. Die Forschungsfrage untersucht dabei, ob ökologische und soziale Standards durch freiwillige Siegel oder gesetzliche Verpflichtungen effektiver gesichert werden können.
- Regulierung der globalen Textil-Lieferkette
- Staatliche Handlungsoptionen im Vergleich
- Analyse des "Grünen Knopfs" (Freiwilligkeit)
- Notwendigkeit eines Lieferkettengesetzes (Zwang)
- Anwendung des Modells "Dreieck der Nachhaltigkeit"
Auszug aus dem Buch
3. Sachanalyse
Die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie verlagert seit den 1970er-Jahren ihre Massenproduktion sukzessiv in Billiglohnländer. Die Möglichkeit, Kleidung massenhaft billig zu produzieren und eine hohe Stückzahl günstig an die Konsumenten zu verkaufen, prägt die globalisierte Produktion von Textilien. Betrachtet man wirtschaftliche (Wohlstands-) Faktoren wie das BIP, Armutsindexe oder Arbeitslosigkeitsquoten der an der Lieferkette beteiligten Länder, kommt man zur Erkenntnis, dass diesbezüglich alle Länder in der Lieferkette von der Globalisierung profitieren (Weidenhausen, 2010).
In Bangladesch sinkt der Anteil der Bürger*innen unterhalb der Armutsgrenze und gleichzeitig können Textilunternehmen in Deutschland, die die „günstigen“ Arbeitsbedingungen nutzen, billig produzieren und somit dem Konsumenten günstige Kleidung anbieten. Die wirtschaftliche Perspektive rückt jedoch durch gesellschaftlichen Druck seit etwa einem Jahrzehnt in den Hintergrund. Die mediale Aufmerksamkeit durch Fabrikeinstürze in Bangladesch oder Kinderarbeit in Afrika führt zum Umdenken der Gesellschaft. Dies gilt gleichermaßen für den Klimaschutz. Die Produktion von Kleidung gilt als eine der größten Umweltbelastungen weltweit.
Die Textilindustrie verursacht jährlich mehr CO2 als internationale Flüge und Kreuzfahrten zusammen (vgl. Klein, 2021). Des Weiteren schädigt die Textilindustrie durch einen hohen Anteil an Mikroplastik in der Kleidung, einen hohen Wasserverbrauch und Verschmutzung des Trinkwassers die Umwelt (ebd.). Der diesbezügliche Fokus liegt nun auf der Gestaltung von nachhaltigeren Lieferketten. Doch wer kann dafür sorgen, dass es in der globalen Textilindustrie fairer und umweltfreundlicher zugeht? Die Unternehmen? Der Konsument? Oder der Staat? Alle genannten Perspektiven werden in der Unterrichtsreihe des Themenkomplexes „Globalisierung“ betrachtet. In der gezeigten Stunde wird das Hauptaugenmerk auf die staatliche Intervention gelegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Lernziele und Kompetenzen: Definition der fachlichen Lernziele (ÜLZ/FLZ) und der angestrebten Urteilskompetenz der Schülerinnen und Schüler.
2. Unterrichtsvoraussetzungen: Analyse der Lerngruppe hinsichtlich Leistung, Unterrichtsstand und der besonderen Bedingungen durch den Wechselunterricht.
3. Sachanalyse: Fachliche Einordnung der globalen Textilproduktion unter Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Faktoren.
4. Didaktische Analyse: Begründung der Themenwahl, Einordnung in den Lehrplan und methodische Reduktion für die Klassenstufe 9.
5. Methodische Überlegungen: Darlegung der Sozialformen und der Unterrichtsphasen vor dem Hintergrund der Corona-Abstandsregelungen.
6. Tabellarischer Verlaufsplan: Detaillierte zeitliche und inhaltliche Gliederung der 45-minütigen Unterrichtsstunde.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Materialien.
8. Materialanhang: Zusammenstellung der Arbeitsblätter und des Tafelbildentwurfs für den Unterricht.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Textilindustrie, Lieferkettengesetz, Grüner Knopf, Nachhaltigkeit, Dreieck der Nachhaltigkeit, Lieferkette, staatliche Intervention, Menschenrechte, Umweltschutz, Fabrikeinsturz, Arbeitsbedingungen, Konsumverhalten, Standortwettbewerb, soziale Gerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dem vorliegenden Stundenentwurf grundsätzlich?
Der Entwurf plant eine Sozialkundestunde für die 9. Klasse, in der die Möglichkeiten und Grenzen staatlicher Regulierungsmöglichkeiten zur Durchsetzung von Nachhaltigkeit in globalen textilen Lieferketten erörtert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder dieser Arbeit?
Die Arbeit thematisiert die Diskrepanz zwischen wirtschaftlichem Profit und ethischen Standards, konkret am Beispiel von Lieferkettengesetzen und staatlich geförderten Nachhaltigkeitssiegeln.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Die Lernenden sollen die Vor- und Nachteile von staatlicher Verbindlichkeit (Gesetz) gegenüber freiwilligem Unternehmensengagement (Siegel) bewerten und auf Basis ihrer Erkenntnisse die Notwendigkeit gesetzlicher Rahmenbedingungen ableiten.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Analyse zugrunde?
Die Arbeit nutzt die "mehrperspektivische Analyse" und das "Dreieck der Nachhaltigkeit", um die komplexen, globalen Zusammenhänge der Textilindustrie zu strukturieren und didaktisch für Schüler aufzubereiten.
Was wird im Hauptteil des Entwurfs schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Sach- und didaktische Analyse sowie die methodische Planung, wie Schüler durch Arbeit mit Texten und dem Modell der Nachhaltigkeit zu einem eigenständigen Werturteil gelangen können.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Globalisierung, Lieferkettengesetz, Grüner Knopf, soziale und ökologische Standards sowie staatliche Intervention.
Warum wird speziell die Textilindustrie als Fallbeispiel gewählt?
Die Textilindustrie dient als anschauliches Beispiel für die Globalisierung, da sie sowohl eine hohe Relevanz in der Lebenswelt der Schüler (Konsum) als auch deutliche wirtschaftliche sowie ethische Schattenseiten (Fabrikeinstürze, Umweltbelastung) aufweist.
Welche pädagogische Herausforderung wird im Methodenteil besonders betont?
Aufgrund der Corona-Pandemie und des vorangegangenen Fernunterrichts wird die Notwendigkeit von Einzelarbeit hervorgehoben, gepaart mit einer erhöhten Steuerungsfunktion der Lehrkraft durch Impulse.
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- Patrick Schulze (Author), 2021, Unterrichtsentwurf für die 9. Klasse Gymnasium im Fach Sozialkunde zum Thema "Lieferkettengesetz und "Grüner Knopf" - Zwang zur Nachhaltigkeit oder freiwilliges Engagement?", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1268953