Betrachtet man mögliche Unterschiede bezüglich des Religionsunterrichts innerhalb von Deutschland, so fällt schnell die immer wiederkehrende Verschiedenheit zwischen West- und Ostdeutschland auf. In dieser Arbeit soll der Blick auf diese Verschiedenheit gerichtet werden. Dies geschieht, indem zum einen das Modell des konfessionell-kooperativen Unterrichts, welches in Westdeutschland eine große Beliebtheit genießt und zum anderen das Brandenburger Modell, das – wie der Name es bereits vermuten lässt – in Ostdeutschland der Vorreiter ist, untersucht wird. Auf diese Weise soll die Frage untersucht werden, welches der beiden Modelle in der Postmoderne und somit auch für die Zukunft des Religionsunterrichts an den Schulen Deutschlands besser geeignet ist.
Im ersten Schritt wird der konfessionell-kooperative Unterricht genauer beleuchtet, indem zunächst grundlegende Dinge erwähnt werden, bevor über eine mögliche Gestaltung und die Ziele des Unterrichts gesprochen wird. Abschließend wird der Blick auf das interreligiöse Lernen gerichtet, welches in der zunehmend pluralen Gesellschaft immer bedeutsamer wird. Daraufhin wird das Brandenburger Modell thematisiert. Wo liegen dessen Ursprünge? Aus welchen Bausteinen besteht der Unterricht? Wie sehr wird er von äußeren Einflüssen geprägt? Auch hier wird zum Abschluss das interreligiöse Lernen besprochen.
Abgeschlossen wird die Arbeit mit einem Fazit, in dem die Erkenntnisse des vorherigen Kapitels prägnant wiederholt werden, wobei der Fokus auf den Stärken und Schwächen der jeweiligen Modelle liegt. Anhand dieses Vergleichs soll dann eine Antwort auf die Frage, welches der Modelle zukunftsträchtiger erscheint, gegeben werden bzw. ein allgemeiner Ausblick in die Zukunft des deutschen Religionsunterrichts erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Modelle des Religionsunterrichts
2.1 Konfessionell-kooperativer Unterricht
2.2 Brandenburger Modell
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Zukunftsfähigkeit verschiedener Religionsunterrichtsmodelle in Deutschland durch einen Vergleich des konfessionell-kooperativen Unterrichts und des sogenannten Brandenburger Modells, um deren Eignung für eine plurale Gesellschaft zu evaluieren.
- Vergleich des konfessionell-kooperativen Unterrichts und des Brandenburger Modells
- Analyse der historischen und politischen Hintergründe der Unterrichtsmodelle
- Untersuchung der Bedeutung von Identitätsbildung im Religionsunterricht
- Bewertung der Rolle des interreligiösen Lernens in der Postmoderne
- Diskussion der Herausforderungen durch Säkularisierung und Effizienzdruck
Auszug aus dem Buch
2.1 Konfessionell-kooperativer Unterricht
Der konfessionelle Religionsunterricht ist in Deutschland in allen Bundesländern (abgesehen von Berlin, Brandenburg und Bremen) ein ordentliches Lehrfach und Pflichtfach4. So steht bereits im Grundgesetz Artikel 7, Abs. 3: „(3) Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen […] ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.“5 Diese rechtlichen – aber auch die kirchlichen – Vorgaben lassen den Religionsunterricht erscheinen, als wäre er exklusiv für die jeweilige Konfession zugänglich. Man möchte den im Grundgesetz gegebenen Hinweis auf die Konfession nicht unterlaufen, da man somit die staatliche Absicherung riskieren könnte.6 In der Praxis hat sich aus diesem Grund in einigen Bundesländern das Modell des konfessionell-kooperativen Unterrichts bewährt, um trotz generell konfessionell getrenntem Unterricht eine Ökumene zu gestalten. Das Anstreben einer Ökumene wird jedoch auch durch den konfessionellen Unterricht bestärkt, da hier die Unterschiede zwischen den Konfessionen nicht eingeebnet, sondern als Merkmal identifiziert werden und den Schülerinnen und Schülern somit eine Bereicherung zur Identitätsbildung geboten wird.7
Die Gestaltung des konfessionell-kooperativen Unterrichts ist je nach Bundesland und Schulart unterschiedlich ausgeprägt.8 Dies ist in erster Linie bereits daran erkennbar, ab welcher Stufe die Art des Unterrichts angeboten wird – während das Angebot z.B. in Schleswig-Holstein ab dem ersten Schuljahr besteht, ist es in Hessen erst ab der Sekundarstufe I die Regel.9 Der Grundstein für konfessionell-kooperativen Religionsunterricht wurde mit der Formel „Gemeinsamkeiten stärken, Unterschieden gerecht werden“ bereits früh gesetzt.10 Es geht also nicht nur darum, Dinge zu finden, die die Glaubenden verbinden. Vielmehr sollen auch die identitätsweisenden Merkmale ausgearbeitet und vertieft werden. Auf diese Weise soll ein Bewusstsein für die eigene Konfession geprägt werden, während das Verstehen und Respektieren des Anderen gefördert wird.11
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Differenzen des Religionsunterrichts in Europa und Deutschland ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Zukunftsfähigkeit zweier spezifischer Unterrichtsmodelle.
2. Die Modelle des Religionsunterrichts: In diesem Hauptkapitel werden detailliert die Merkmale, Hintergründe und die Ausgestaltung des konfessionell-kooperativen Unterrichts sowie des Brandenburger Modells gegenübergestellt.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, beleuchtet die Herausforderungen wie Säkularisierung und Identitätsbildung und plädiert für ein reflektiertes Mischverhältnis der Bildungsziele.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, konfessionell-kooperativer Unterricht, Brandenburger Modell, L-E-R, Säkularisierung, Identitätsbildung, interreligiöses Lernen, Perspektivwechsel, Religionsdidaktik, Ökumene, Pluralität, Konfessionsbewusstsein, Religionskunde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Modellen des Religionsunterrichts in Deutschland und bewertet, welches Modell in einer zunehmend pluralen und säkularisierten Gesellschaft zukunftsträchtiger erscheint.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Unterschiede zwischen west- und ostdeutschen Modellen, der Einfluss der Säkularisierung, die Bedeutung der Identitätsbildung durch Religion sowie die Chancen des interreligiösen Lernens.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, welches der beiden untersuchten Unterrichtsmodelle – das konfessionell-kooperative Modell oder das Brandenburger Modell – besser für die Herausforderungen der Postmoderne und die Zukunft des Religionsunterrichts geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse auf theoretischer Basis, unter Einbeziehung von Literatur, rechtlichen Rahmenbedingungen wie dem Grundgesetz und Ergebnissen aus empirischen Modellversuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts mit seinen Zielen und Lehrformen sowie die Analyse des Brandenburger Modells (L-E-R) unter Berücksichtigung der säkularen Prägung Ostdeutschlands.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Religionsunterricht, konfessionell-kooperatives Modell, Brandenburger Modell, Säkularisierung, Ideologie des Religionsunterrichts und interreligiöse Kompetenz.
Warum wird das Brandenburger Modell als "neutral" bezeichnet?
Es basiert auf dem Unterrichtsfach L-E-R (Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde), das Religionswissenschaften neutral vermittelt, ohne eine konfessionelle Bindung vorauszusetzen, um den Bedürfnissen einer weitgehend konfessionslosen Gesellschaft gerecht zu werden.
Welche Rolle spielt die "Bremer Klausel" in dieser Arbeit?
Die Bremer Klausel (Art. 141 GG) dient als rechtliche Begründung dafür, warum Brandenburg von der allgemeinen Pflicht zur Erteilung eines konfessionellen Religionsunterrichts abweichen konnte und somit ein eigenes Modell entwickelte.
- Arbeit zitieren
- Ivan Samardzic (Autor:in), 2020, Religionsunterricht in Deutschland. Konfessionell-kooperativ oder Brandenburger Modell?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1268982