Heraheiligtümer – Topographie, Weihungen, Kulte: Das Heraion von Argos


Hausarbeit, 2008

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Lage des Heiligtums

2. Die Topographie des Heiligtums
2.1 Die Kultbauten
2.1.1 Die Tempelterrasse und der Alte Tempel
2.1.2 Der Neue Tempel
2.1.3 Der Altar
3.2 Die Bauten für Besucher
2.2.1 Die Stoai
2.2.2 Das Westgebäude und das Ostgebäude
2.2.3 Die römischen Gebäude

3. Die Vorgeschichte des Heiligtums

4. Der Hera-Kult
4.1 Warum wurde Hera verehrt?
4.2 Das Kultbild
4.3 Die Heraia
4.4 Die Weihegeschenke

5. Bedeutung und Funktion des Heiligtums

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Griechischen Heiligtümer waren in ihrer Blütezeit mehr als nur die gebauten Strukturen, wie wir sie heute sehen. Sie waren Orte für Kultausübung und Kulthandlungen, die meist außerhalb der Gebäude stattfanden und so heute erst über antike Textquellen nachvollzogen werden können. Die Heiligtümer hatten eine facettenreiche Bedeutung, politisch und wirtschaftlich, die sich oft schon in ihrer Lage niederschlug. Außerdem war ihre Funktion meist mehr als nur ein heiliger Ort zu sein, sie waren gleichzeitig Orakel- und Heilstätten, Orte der Selbstdarstellung und Repräsentation der Besucher.[1]

So umfasst auch die Arbeit über das Hera-Heiligtum von Argos mehr, als nur eine Vorstellung der einzelnen Gebäude, die erstmals 1831 identifiziert wurden.

Die Hauptausgrabungen im Heraion fanden dann 1892 – 1895 unter der Leitung von Charles Waldstein von der American School of Athens statt. Dieser publizierte seine Grabungsergebnisse schließlich in den Jahren 1902 – 1905.[2] Mit dem Hera-Kult und der Bedeutung des Heiligtums beschäftigte man sich allerdings erst mehrere Jahrzehnte später.

Zuerst soll kurz auf die Lage des Heiligtums eingegangen werden, daraufhin folgt eine ausführlichere Vorstellung der einzelnen Gebäude, aufgeteilt in Kultbauten und Bauten für Besucher. Anschließend erfolgt eine Untersuchung der Vorgeschichte des Heiligtums, in der der Frage nachgegangen wird, warum gerade dieser Ort für den Bau des Heraions gewählt wurde. Das Thema des Kultes beschäftigt sich zum einen mit der Frage, warum Hera in der Argolis so große Verehrung fand, zum anderen sollen die Kultbilder, das Fest zu Ehren der Hera – die Heraia, und die Weihegeschenke vorgestellt werden.

Am Ende wird die Bedeutung des Heraions von Argos in der Antike erläutert.

1. Lage des Heiligtums

Das Heraion von Argos liegt am Saum der fruchtbaren Ebene Argolis und ist 8 km von Argos, 5 km von Mykene und 9 km von Tiryns entfernt.[3] Es handelt sich um ein extraurbanes Heiligtum, das an einem kleinen, von zwei Schluchten eingerahmten Hügel des Euböa Gebirges liegt. Durch jede Schlucht fließt ein kleiner Fluss.[4]

Zum Heiligtum führen zwei antike Wege, einer beginnt in Mykene, der andere geht von Argos aus. Für den mykenischen Weg hat man archäologische Überreste gefunden[5], für den Weg von Argos aus gibt es lediglich einen mythologischen Beweis – die jährliche Prozession von Argos zum Heraion.[6]

Die Lage des Heraions von Argos kann als typisch für Hera-Heiligtümer bezeichnet werden, die oftmals entfernt von einer Stadt in einem fruchtbaren Gebiet liegen.[7] Dieser Umstand ist auf die Aufgabengebiete der Göttin zurückzuführen.

2. Die Topographie des Heiligtums

Da das Heraion in einen Hügel gebaut wurde, mussten an diesem zuerst drei Terrassen angelegt werden, die die Grundlage für die Gebäude des Heiligtums bilden. Die oberste Terrasse beherbergte den Alten Tempel, die mittlere Terrasse die Nordstoa, die Nordoststoa und später noch den neuen Tempel, die untere Terrasse schließlich die Südstoa. Der Altar wird auf der mittleren Terrasse vermutet, allerdings fehlen bisher stichhaltige Beweise für seine Lage. Außerhalb der genannten Terrassen liegen das Ost-, das Nordwest- und das Westgebäude. Westlich des Heiligtums befinden sich Spuren römischer Bauten, wohl Thermen und ein Gymnasion.[8]

Über die Wege innerhalb des Heiligtums ist sehr wenig bekannt. Zwischen Nord- und Nordoststoa führte eine Rampe zum oberen Alten Tempel[9], die in frühklassischer Zeit durch eine große Freitreppe ersetzt wurde[10]. Der Weg führte dann an der Südwand des Tempels entlang und auf diesen im Osten zu. Auf der mittleren Terrasse befindet sich eine große freie Fläche, von der man annehmen kann, dass sie Kulthandlungen gedient hat.[11]

Auffällig ist, dass sich der Alte Tempel zu Nord- und Nordoststoa wie der Neue Tempel zur Südstoa verhält[12].

Eine Temenosmauer hat wohl zu keiner Zeit existiert[13].

2.1 Die Kultbauten

Im Heraion von Argos findet man die Reste zweier Hera-Tempel. Der Altar wirft einige Probleme auf, da weder sein Aussehen noch seine genaue Lage geklärt sind. Nur wenige Spuren lassen überhaupt auf seine Existenz schließen.[14]

Kultbauten oder Altäre anderer Gottheiten konnten nicht nachgewiesen werden und tauchen auch in den antiken Textquellen nicht auf.

2.1.1 Die Tempelterrasse und der Alte Tempel

Vor Baubeginn des Alten Tempels musste für diesen erst einmal eine Terrasse angelegt werden.[15]

Die Terrasse hat eine rechteckige Form und liegt unterhalb der Akropolis des Hügels; sie wurde in den Hang über dem späteren Neuen Tempel gebaut[16]. Sie wird von einer 3,25 m hohen Mauer[17] aus großen unbearbeiteten Blöcken zusammengehalten.[18] Die Blöcke sind sehr unregelmäßig geformt und zwischen diesen großen Blöcken befinden sich kleinere.[19] Durch ihr Aussehen erinnert die Terrassenmauer an eine mykenische Kyklopenmauer[20]. Die Terrasse wurde dann künstliche mit Erde gefüllt und ein Drittel mit unregelmäßigen Kalksteinplatten[21] in zwei bis drei Schichten gepflastert[22].

Tilton, der Architekt von Waldstein, hielt die Kyklopenmauer für authentisch und datierte die Terrasse in die mykenische Zeit[23]. Vier Jahrzehnte später führte Blegen umfangreiche Untersuchungen zur Datierung durch. Er grub an mehreren Stellen Gräben in die Terrasse und fand darin ein paar minoische und größtenteils geometrische Scherben, woraufhin er die Terrasse in die geometrische Zeit, in das späte 8. oder frühe 7. Jahrhundert datierte.[24] Wright kam durch Untersuchungen von Stil und Technik der Terrasse auf dasselbe Ergebnis[25]. Antonaccio schließlich datierte sie ins späte 7. Jahrhundert, da noch vereinzelt korinthische und „griechische“ Überreste gefunden wurden.[26]

Vom Alten Tempel ist lediglich ein 19,2 m langer Abschnitt des südlichen Stylobats erhalten, dieser befindet sich noch in situ und liegt auf dem Pflaster der Terrasse. Der untere Teil des Stylobats ist unbearbeitet[27], dieser Teil war vermutlich mit Erde bedeckt, die zugleich den Fußboden des Alten Tempels darstellte[28]. Auf dem Stylobat befinden sich vier kreisförmige Spuren von Säulen, die leicht in den Stein eingesunken sind. Man kann hieraus den unteren Durchmesser der Säulen rekonstruieren, sowie das Interkolumnium und den Säulenabstand. Der Säulenabstand ist mit ca. 3,5 m relativ groß.[29] Bei den ersten Grabungen fand man eine ca. 25 cm hohe Schicht aus dunkelroter Erde, in der sich verkohlte Holzteile und Reste von flachen Ziegelsteinen befanden. Man kann davon ausgehen, dass es sich hierbei um Reste der Cellawände und des Holzgebälks handelt.[30]

Der Alte Tempel wird als Hekatompedon mit Peristase rekonstruiert, der symmetrisch innerhalb der Tempelterrasse lag. Man rekonstruiert fünf Frontsäulen und fünf Säulen am Ende des Tempels; die seitlichen Säulen sind nicht genau rekonstruierbar.[31] Bei den Säulen muss es sich entweder um reine Steinsäulen oder um Holzsäulen mit Steinbasen gehandelt haben.[32] Die Cellawände waren 0,5 m breit und aus sonnen getrockneten Lehmziegeln. Der Tempel besaß ein tiefes Opisthodom, eine offene Front[33], Holzgebälk und vermutlich ein Strohdach oder eine Konstruktion aus Flechtwerk und Lehm.[34]

Der Alte Tempel muss logischerweise später als die Tempelterrasse erbaut worden sein, daher gilt als terminus post quem 700 v.Chr.[35] Über den Bauplan, die Proportionen und die technischen Details des Tempels kann man ihn eindeutig ins 7. Jahrhundert datieren.[36] Durch den Vergleich mit fest datierbaren Tempeln des 7. Jahrhunderts ergibt sich für die Datierung des Alten Tempels im Heraion von Argos die Zeit von 700 – 650 v.Chr. Damit zählt er zu den ältesten Peripteraltempeln Griechenlands.[37] Der Kult fand zu dieser Zeit wohl bereits auf der zweiten Terrasse unterhalb des Alten Tempels statt.[38]

423 v.Chr. brannte der Alte Tempel vollständig nieder[39] und der Bau des Neuen Tempels begann.

[...]


[1] siehe dazu T. Hölscher, Rituelle Räume und politische Denkmäler im Heiligtum von Olympia, in: H. Kyrieleis (Hrsg.), Olympia 1875 – 2000. 125 Jahre deutsche Ausgrabungen. Internationales Symposion, Berlin 9. - 11. November 2000 (Mainz 2002) 331 – 345.

[2] I. Strøm, The Early Sanctuary of the Argive Heraion and its External Relations, 8th – early 6th Centuries B.C., Acta Archaeologica 59, 1988, 173 – 203, 173.

[3] C. Auffarth, Das Heraion von Argos oder das Heraion der Argolis?, in: K. Freitag (Hrsg.), Kult – Politik – Ethnos. Überregionale Heiligtümer im Spannungsfeld von Kult und Politik. Kolloquium, Münster 23.-24. November 2001, Historia-Einzelschriften 189 (Stuttgart 2006) 73 – 87, 78.

[4] Strom a.O. (Anm. 2) 174; 176.

[5] J. M. Hall, How Argive is the Argive Heraeum? The Political and Cultic Geography of the Argive Plain 900 – 400 B.C., AJA 99, 1995, 577-613, 600.

[6] Hall a.O. (Anm. 5) 592.

[7] vgl. das Heraion von Samos

[8] Strom a.O. (Anm. 2) 176; A. Foley, The Argolid 800 – 600 BC. An Archaeological Survey, Studies in Mediterranean Archaeology 80 (Göteborg 1988) 135; S. G. Miller, The Date of the West Building at the Argive Heraion, AJA 77, 1973, 10- 18, 9.

[9] Strom a.O. (Anm. 2) 177.

[10] H. Lauter, Zur frühklassischen Neuplanung des Heraions von Argos, Mitteilungen des DAI. Athenische Abteilung 88, 1973, 175 – 187, 182.

[11] G. Gruben, Griechische Tempel und Heiligtümer (München 52001) 108 – 111, 109.

[12] R. A. Tomlinson, Argos and the Argolid. From the End of the Bronze Age to the Roman Occupation (London 1972) 237.

[13] In den Grabungsberichten und der folgenden Literatur finden sich keinerlei Hinweise darauf.

[14] Strom a.O. (Anm. 2) 176.

[15] C. M.Antonaccio, Terraces, Tombs and the Early Argive Heraion, Hesperia 61, 1992, 85 – 105, 90.

[16] Antonaccio a.O. (Anm. 15) 90; Strom a.O. (Anm. 2) 178.

[17] Strom a.O. (Anm. 2) 178.

[18] Antonaccio a.O. (Anm. 15) 90. Die Mauer ist im Süden 55,8 m lang, im Westen 34,4 m breit und im Osten 19,5 m lang.

[19] J. C. Wright, The Old Temple Terrace at the Argive Heraeum and the Early Cult of Hera in the Argolid, The Journal of Hellenic Studies 102, 1982, 186-201, 186.

[20] Antonaccio a.O. (Anm. 15) 91.

[21] Es handelt sich um einen harten hellgrauen bis blauen Kalkstein aus der Argolis, die Platten sind 0,3 – 0,5 m hoch, und ihre Oberfläche ist ca. 1,0 m x 0,75 – 1,25 m.

[22] Antonaccio a.O. (Anm. 15) 90; Wright a.O. (Anm. 19) 186.

[23] Ch. Waldstein, The Argive Heraeum I (New York 1902) 109f.

[24] C. W. Blegen, Prosymna. The Helladic Settlement Preceding the Argive Heraeum (Cambridge 1937) 19f.

[25] Wright a.O. (Anm. 19) 191f.

[26] Antonaccio a.O. (Anm. 15) 90; 95.

[27] Strom a.O. (Anm. 2) 178.

[28] Strom a.O. (Anm. 2) 186.

[29] Strom a.O. (Anm. 2) 180.

[30] Strom a.O. (Anm. 2) 180.

[31] Strom a.O. (Anm. 2) 181f.

[32] Die erhaltenen Säulenspuren auf dem Stylobat zeigen, dass die Säulen leicht eingesunken waren, d.h. es konnte sich Regenwasser an der Basis ansammeln. Wäre das Fundament der Säule aus Holz gewesen, so wäre dies vermutlich sehr schnell verrottet. Strom a.O. (Anm. 2) 184; Tomlinson a.O. (Anm. 12) 233.

[33] Strom a.O. (Anm. 2) 182.

[34] Strom a.O. (Anm. 2) 186.

[35] Strom a.O. (Anm. 2) 187.

[36] Strom a.O. (Anm. 2) 187 gibt hier die ungerade Zahl der Frontsäulen, den langen Grundplan, das Verhältnis des unteren Säulendurchmessers zum Säulenabstand, die Holzsäulen mit Steinbasen und die Lehmziegelwände der Cella als Begründung an.

[37] Strom a.O. (Anm. 2) 187; 191.

[38] Gruben a.O. (Anm. 11) 109.

[39] Pausanias 2,17,7 gibt den Grund dafür an: die Herapriesterin Chriseis schläft ein und ein brennender Leuchter entflammte Kränze im Tempel. Antonaccio a.O. (Anm. 15) 97.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Heraheiligtümer – Topographie, Weihungen, Kulte: Das Heraion von Argos
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Klassische Archäologie)
Veranstaltung
Proseminar: Griechische Heiligtümer
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V126906
ISBN (eBook)
9783640334155
ISBN (Buch)
9783640334148
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klassische, Archäologie, Hera, griechisch, Griechenland, Tempel, Heiligtum, Heraion, Argos, Topographie, Weihungen, Kulte, Religion
Arbeit zitieren
Stefanie Leisentritt (Autor), 2008, Heraheiligtümer – Topographie, Weihungen, Kulte: Das Heraion von Argos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126906

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