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Subjunktiv, Indikativ oder Konditional nach falloir und die Rolle der Frequenz

Title: Subjunktiv, Indikativ oder Konditional nach falloir und die Rolle der Frequenz

Term Paper , 2009 , 42 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Claudia Bucher (Author)

French Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

[...] Die somit
in der Theorie recht durchschaubare Bildung und Anwendung des Subjunktivs wird erschüttert
durch den tatsächlichen Gebrauch dessen im gesprochenen Französisch: Einerseits
wird der Subjunktiv nach Konjunktionen verwendet, die ursprünglich keinen verlangen
(après que), andererseits ist bei immer mehr Verben, die ursprünglich den Subjunktiv verlangen,
ein Rückgang des Subjunktivs zu verzeichnen (z.B. bei verneinten Verben des Fühlens
und Denkens). Bei einigen wenigen der Subjunktiv fordernden Verben, wie z.B. falloir,
scheint er sich jedoch zu halten. Es kann angenommen werden, dass die Konservierung des
Subjunktivs bei diesen Verben mit der Frequenz der Verben selbst zusammenhängt. Was aber nun, wenn nach falloir nicht der Subjunktiv, sondern Indikativ oder Konditional
folgt?
Diese Frage soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden. Gegenüber stehen sie hierbei
der Konservierungseffekt (Subjunktiverhalt) und die Tendenz zu analogem Ausgleich (Indikativ-/
Konditionalgebrauch), wie er bei vielen Matrixverben bereits geschehen ist. Im Folgenden
wird untersucht, welche semantischen, pragmatischen und syntaktischen Bedingungen
erfüllt werden, dass nach falloir nicht der Subjunktiv folgt. Dabei soll diskutiert werden,
ob die Semantik des Matrixverbs, wie Poplack (1992) annimmt, keine Rolle beim Gebrauch
oder Nichtgebrauch des Subjunktivs spielt und der Ausdruck des Modus von morphosyntaktischen
Faktoren abhängt. Dies soll in Hinblick auf die Rolle der Frequenz bei Sprachwandelprozessen geschehen.
Wenn man davon ausgeht, dass der Gebrauch von sprachlichen Formen die Grammatik formt
(„language use shapes grammar“, Bybee und Thompson 2007: 269), so ist die Häufigkeit des
Gebrauchs einer sprachlichen Form und die folgende Verankerung derer (entrenchment) in
der mentalen Repräsentation des Sprechers von zentraler Bedeutung.
Die Rolle der Frequenz bei Sprachwandelprozessen wird in Kapitel 1 erläutert. Dabei wird
die Studie von Poplack zum Gebrauch des Subjunktivs im Kanadafranzösischen vorgestellt
und ihre Ergebnisse werden kritisch betrachtet. In Kapitel 2 folgt die Analyse des Indikativoder
Konditionalgebrauchs nach falloir im Französischen Europas. In Kapitel 3 wird diese
Untersuchung mit Poplacks Studie verglichen und die Rolle der Frequenz wird hinsichtlich
der Ergebnisse diskutiert. Kapitel 4 wird einen Ausblick gegeben.

Excerpt


Inhaltsübersicht

Einleitung

1. Theoretischer Hintergrund

1.1 Frequenzeffekte

1.2 Poplacks Studie zum Subjunktiv im Kanadafranzösischen

1.3 Kritische Betrachtung von Poplacks Studie

2. Empirische Untersuchung

2.1 Daten

2.2 Vorgehen und Auswertung der Daten

2.3 Ergebnisse der Untersuchung

(A) IND-Gebrauch aufgrund von falloir als Diskurs strukturierender Marker

(B) IND-Gebrauch aufgrund von falloir als Einleitung konkurrierend mit anderen syntaktischen Strukturen

(C) Der IND als Vereinfachung der Informations- und syntaktischen Struktur

(D) KOND-Gebrauch aufgrund von Tendenz zur Zeitkonkordanz

3. Synthese, Vergleich mit Poplacks Studie, Diskussion

4. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedingungen für den Gebrauch von Indikativ oder Konditional anstelle des historisch erwarteten Subjunktivs nach dem Matrixverb falloir im gesprochenen Französisch. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob die Moduswahl primär von der Semantik des Matrixverbs abhängt oder ob morphosyntaktische Faktoren und die Rolle der Frequenz bei Sprachwandelprozessen eine entscheidende Rolle spielen.

  • Die Rolle der Frequenz bei Sprachwandelprozessen (Reduktion vs. Konservierung).
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Hypothese der inhärenten Variabilität von Poplack.
  • Empirische Korpusanalyse von Kontextbedingungen für den Indikativ- und Konditionalgebrauch.
  • Analyse des Einflusses von Satzstruktur, Zeitkonkordanz und "local management" im Diskurs.
  • Diskussion der Grammatikalisierung von falloir als Diskursmarker.

Auszug aus dem Buch

1.1 Frequenzeffekte

Von der Grundannahme ausgehend, dass „die mentalen Repräsentationen sprachlicher Strukturen sich zumindest in Teilen unserer Erfahrung mit Sprache verdanken“, so beeinflusst „die Häufigkeit, mit der ähnliche oder gleiche sprachliche Ereignisse produziert und perzipiert werden […] die kognitive Repräsentation von Sprache“ (Pfänder 2009: 1). Durch diese wiederholten Erfahrungen entstehen sprachliche Routinen bzw. „kognitive Trampelpfade“ (entrenchment) (vgl. Pfänder 2009: 1). Dabei werden sprachliche Handlungen automatisiert (vgl. Bybee und Thompson 2007: 271). Somit lassen sich quantitative Veränderungen im Sprachgebrauch als Erklärungen für sprachlichen Wandel heranziehen (vgl. Pfänder 2009: 12). Diese quantitativen Veränderungen konstituieren sich in zwei verschiedenen Arten von Häufigkeiten: Token- und Typefrequenz. Tokenfrequenz ist die Anzahl der Wortformen in einem Korpus, wobei jede Wiederholung einer Form einmal zählt. Typefrequenz ist die Anzahl der verschiedenen Wortformen in einem Korpus, wobei jede Form nur einmal zählt. Eine hohe Tokenfrequenz ist einerseits verantwortlich für den sogenannten Reduktionsprozess, d.h. sie fördert sprachlichen Wandel. Der Reduktionseffekt agiert auf drei Ebenen: der phonetischen (phonetische Reduktion), der syntaktischen (Verlust der internen Konstituentenstruktur), und auf der semantischen Ebene (semantic bleaching) (vgl. Bybee und Thompson 2007: 270f.). Andererseits ist eine hohe Tokenfrequenz für den sogenannten Konservierungseffekt verantwortlich, wobei Konstruktionen resistent gegenüber sprachlichem Wandel werden. Während der Reduktionseffekt bei Grammatikalisierungsprozessen eine wichtige Rolle spielt, agiert der Konservierungseffekts vor allem aufgrund von produktiven Mustern mit hoher Typefrequenz und führt zu Irregularitäten (vgl. Bybee und Thompson 2007: 269f.).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die französische Modus-Theorie, die Problematik des Subjunktiv-Gebrauchs nach falloir und die Aufstellung der zentralen Forschungsfrage zur Rolle der Frequenz.

1. Theoretischer Hintergrund: Erläuterung frequenzbasierter Sprachwandelprozesse und Diskussion der einflussreichen Studie von Poplack zum Kanadafranzösischen.

2. Empirische Untersuchung: Darstellung des methodischen Vorgehens anhand von sechs Korpora sowie Analyse von Kontextbedingungen, die den Indikativ- oder Konditionalgebrauch nach falloir begünstigen.

3. Synthese, Vergleich mit Poplacks Studie, Diskussion: Zusammenfassende Diskussion der Ergebnisse und Überprüfung der eingangs aufgestellten Hypothesen hinsichtlich der Faktoren für den Moduswechsel.

4. Ausblick: Reflexion über die Grenzen der vorliegenden Untersuchung und Vorschläge für weiterführende Studien zur Grammatikalisierung im gesprochenen Französisch.

Schlüsselwörter

Französisch, Subjunktiv, Indikativ, Konditional, falloir, Frequenz, Sprachwandel, Konservierungseffekt, Reduktionseffekt, Korpusanalyse, Morphosyntax, Diskursmarker, Zeitkonkordanz, Grammatikalisierung, entrenchment.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung, unter welchen Bedingungen im gesprochenen Französisch nach dem Verb falloir nicht der grammatikalisch erwartete Subjunktiv, sondern Indikativ oder Konditional verwendet wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Rolle von Frequenzeffekten (Token- und Typefrequenz), der Konservierungseffekt, syntaktische und semantische Kontextbedingungen sowie die Entwicklung von falloir als Diskursmarker.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist zu zeigen, dass die Moduswahl nach falloir nicht allein von der Semantik des Matrixverbs bestimmt wird, sondern durch morphosyntaktische Faktoren und die Art der Einbettung der Nebensätze in der gesprochenen Sprache beeinflusst wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wurde eine quantitative und qualitative Korpusanalyse durchgeführt, bei der sechs große Korpora zum gesprochenen Französisch auf den Gebrauch von falloir in Verbindung mit verschiedenen Modi untersucht wurden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Sprachbeispiele, in denen der Indikativ oder Konditional auftritt, und ordnet diese den Kategorien "Diskurs strukturierender Marker", "Konkurrenz mit anderen Strukturen", "Vereinfachung der Struktur" und "Zeitkonkordanz" zu.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sprachwandel, Frequenz, falloir, Moduswahl, Subjunktiv-Variabilität und Grammatikalisierung geprägt.

Welche Rolle spielt die Zeitkonkordanz für den Modusgebrauch nach falloir?

Die Zeitkonkordanz ist ein rein syntaktischer Faktor, der den Gebrauch des Konditionals nach falloir begünstigt, wenn das Matrixverb selbst im Konditional steht, um eine strukturelle Angleichung zu erreichen.

Was bedeutet der "Konservierungseffekt" im Kontext dieser Studie?

Er beschreibt das Phänomen, dass hochfrequente Konstruktionen aufgrund ihrer starken Verankerung im mentalen Lexikon resistenter gegenüber allgemeinen Sprachwandel- und Nivellierungsprozessen sind.

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Details

Title
Subjunktiv, Indikativ oder Konditional nach falloir und die Rolle der Frequenz
College
University of Freiburg  (Romanisches Seminar)
Course
Frequenz in der Syntax
Grade
1,0
Author
Claudia Bucher (Author)
Publication Year
2009
Pages
42
Catalog Number
V126956
ISBN (eBook)
9783640333035
Language
German
Tags
Französisch falloir Subjonctif Subjunktiv gesprochen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Claudia Bucher (Author), 2009, Subjunktiv, Indikativ oder Konditional nach falloir und die Rolle der Frequenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126956
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