Silvia Staub-Bernasconi: Die Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession


Seminararbeit, 2017

12 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie

3. Historischer Kontext 4
3.1 Definition Menschenrechte 5
3.2 Soziale Arbeit und Menschenrechte 6
3.2.1 Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession 6
3.2.2 Grundlagen der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession 7
3.2.3 Soziale Arbeit und Menschenrechtsverletzungen

4. Aktualität und Praxisrelevanz

5. Kritik

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen meines Studiums Soziale Arbeit an der Hochschule Fresenius habe ich mich mit der Theoretikerin und Sozialarbeiterin Silvia Staub-Bernasconi befasst.In einer Kleingruppe von vier Personen haben wir die Person Silvia Staub-Bernasconi, ihre Theorien, ihr Leben und ihren Werdegang zusammen erarbeitet und vorgestellt. Da wir in unseren Vorlesungen an der Hochschule viele Texte über Silvia Staub-Bernasconi gelesen und auch über einige ihrer Theorien gesprochen haben, haben wir uns gezielt für diese Sozialarbeiterin und Theoretikerin entschieden, da sie uns auch persönlich interessierte. Ihre Theorie "Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession" stelle ich in meiner Hausarbeit näher vor. Bei der Projektart handelt es sich um eine Literaturanalyse. Das Ziel meiner Arbeit ist es mein Wissen über die Theorie von Silvia Staub-Bernasconi zu erweitern.

Im ersten Abschnitt meiner Hausarbeit gehe ich kurz auf die Biografie der Person Staub-Bernasconi und den historischen Kontext ein, da ich es persönlich für sinnvoll und wichtig halte um die Person in das geschichtliche Geschehen einordnen zu können. Darauf aufbauend definiere ich kurz den Begriff Menschenrechte. Der Hauptteil meiner Hausarbeit beschäftigt sich mit der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession. Hier gehe ich auf die verschiedenen Grundlagen ein sowie die Annahmen Staub-Bernasconis. Darüber hinaus habe ich mich auch mit Menschenrechtsverletzungen beschäftigt, die ich im nächsten Punkt kurz erläutere. Abschließend komme ich dann zur Aktualität, Praxisrelevanz und zur Kritik an der Theorie der Menschenrechtsprofession.

Der zweite Teil meiner Hausarbeit beschäftigt sich mit der Durchführungsphase unseres Seminarvortrags. Diese beinhaltet unser Vorgehen, unsere Ziele, die wir uns für die Lehrveranstaltung gesetzt haben sowie die Methodenauswahl und Begründung. Auf die praktische Umsetzung der Veranstaltung gehe ich ausführlich ein und komme dann zur Reflexion des Seminars. Meine Hausarbeit endet mit meinem Fazit.

2. Biografie

Silvia Staub-Bernasconi wurde am 12. Mai 1936 in Zürich in der Schweiz geboren und ist dort auch aufgewachsen. Durch Bekannte und Freunde ist sie auf die Schule für Soziale Arbeit in Zürich aufmerksam geworden. Sie sah sich die Schule an und war begeistert von ihrem Aufbau und auch von den Lehrern*innen, da diese so engagiert arbeiteten. Sie entschied sich schnell für diese Schule und fing dort ihre Ausbildung an. Diese interessierte Silvia Staub-Bernasconi sehr und sie engagierte und arbeitete begeistert in diesem Bereich. Staub-Bernasconi erhielt 1963 aufgrund ihrer Diplomarbeit ein UNO Stipendium für die USA. Ihr Auftrag dort war es, Entwicklungsarbeit für die Schweiz zu leisten und auf akademischem Niveau Soziale Arbeit in den USA zu studieren. Durch Mundpropaganda und Medienberichte hatte Staub-Bernasconi sehr hohe Erwartungen an die USA. Damals wurden die Vereinigten Staaten von Amerika als hoch gepriesenes und angesehenes Land dargestellt und infolge dessen hatte Staub-Bernasconi sehr hohe und auch positive Erwartungen sowie Hoffnungen an das Land gesetzt. Jedoch wurden diese sehr schnell getrübt. Als Staub-Bernasconi in die USA reiste, sah sie Kriminalität, Rassismus und Armut und war schockiert über diese Umstände. Aufgrund dieser Eindrücke und Emotionen wie Empörung und Fassungslosigkeit motivierte das Silvia Staub-Bernasconi jedoch weiter für den Studiengang Social Work, da sie immer mehr das Verlangen entwickelte etwas zu verändern. Nachdem sie das Studium erfolgreich abgeschlossen hatte, kehrte sie wieder in ihre Heimatstadt Zürich zurück. Dort fing sie an Soziologie, Sozialethik und Pädagogik zu studieren und promovierte später auch. Sie stieg als Streetworkerin in das Berufsleben ein (Lang, 2013, S1f).

Ab 1967 lehrte Staub-Bernasconi als Dozentin an der gleichen Universität,an dersie promovierte und veröffentlichte ihre ersten Werke und Publikationen. Zusätzlich nahm sie Lehraufträge über theoretische Ansätze der Sozialen Arbeit an den Universitäten in Trier und Siegen an sowie am Lehrstuhl für Soziale Arbeit in Freiburg. Weiterhin arbeitet sie als Dozentin und ist Mitglied der Leitungsteams des interdisziplinärem Universitätslehrgang für Sozialwirtschaft, Management und Organisation Sozialer Dienste auch kurz genannt als "ISMOS", der Universität für Wirtschaft in Wien. Sie ist seit 1994 zweite Vorsitzende beim DGSA, der deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit und leitet zusätzlich die Abteilung Theorie- und Wissenschaftsentwicklung der Sozialen Arbeit und ist seit 1998 Professorin an der Technischen Universität in Berlin (Engelke & Borrman,Spatscheck, 2009, S. 446).

Während ihrer Tätigkeit als Professorin, Dozentin und Theoretikerin behielt sie dennoch immer einen Bezug zur Praxis. Dieser wurde gestärkt durch ihre Mitgliedschaft im schweizerischen Frauenrat für Außenpolitik. Sie macht während ihrer gesamten Arbeit immer auf die bestehende Armut aufmerksam und setzt sich für die Reche der Frauen sehr stark ein. Durch ihren Standpunkt verwies sie auf die Stellung der Sozialen Arbeit in der Gesellschaft. Mit Hilfe von ihren Publikationen und Theorien versucht Silvia Staub-Bernasconi der Sozialen Arbeit zu einer Anerkennung als eigene Profession zu verhelfen (Lang, 2013, S.1f).

3. Historischer Kontext

Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts engagierten sich viele Frauen sowohl in den USA als auch in Europa. Sie empörten sich über das schreckliche menschliche Elend, das durch die Massenarmut des Frühkapitalismus produziert wurde. Die Frauen wollten durch konkrete und praktische Hilfestellungen versuchen die Armut und die Not zu lindern und zu bekämpfen. Jedoch wollten sie nicht nur den Armen und Bedürftigen helfen, sondern protestieren auch gleichzeitig gegen die Benachteiligung von Frauen gegenüber Männern, die in dieser Zeit sehr groß war. Frauen hatten während dieser Zeit weder das Recht zu wählen noch das Recht eine Universität zu besuchen. Aus diesen Bedürfnissen nach Recht, Ordnung, Frieden und Gleichberechtigung sind Bewegungen, wie die Frauen- und Friedensbewegung sowie die Settlement-Bewegung und noch viele weitere entstanden. Jane Addams, Silvia Staub-Bernasconi, Gertrud Bäumer sowie Ilse Arlt und noch viele weitere Frauen waren bedeutende Personen für diese Bewegungen und später auch für die Soziale Arbeit. Da sie sich für die Armen und Bedürftigen einsetzen und gegen die Armut, den Rassismus und die Kriminalität ankämpften. Sie engagierten sich auch sehr für die wissenschaftliche Reflexion und die Ausbildung der Sozialen Arbeit. Sie setzten sich in der Sozialen Arbeit für viele Dinge ein. Darunter auch, dass sie gegen eine Vernachlässigung von gesellschaftlichen Aspekten und auch der Machtfrage wie sie in der Sozialen Arbeit verbreitet ist, waren. Sie sind auch gegen eine praxisferne wissenschaftliche Reflexion von Sozialer Arbeit. Diese wird häufig von Psychologen*innen, Soziologen*innen oder Politologen*innendurchgeführt, die jedoch nicht in der Praxis und den Theorien der Sozialen Arbeit ausgebildet sind. Ebenfalls engagierten sich die Frauen gegen eine Ausgrenzung und Auslassung der Frauen in leitenden Führungspositionen in Betrieben oder Einrichtungen der Sozialen Arbeit. Ebenfalls setzten sie sich dafür ein, dass die Soziale Arbeit sich nicht dauernd und immer wieder aufs Neue für ihre Existenz rechtfertigen muss(Engelke,Borrman,Spatscheck, 2009, S.444f).

3.1 Definition Menschenrechte

Am 10. Dezember 1948 wurde erstmals die allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. In dieser wird festgelegt, dass alle Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen frei und gleich an Würde geboren sind. Ebenfalls ist darin festgelegt, dass alle Menschen unabhängig von der Rasse, der Farbe, des Geschlechts, der Sprache, der politischen Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, nach Eigentum oder anderen Umständen,Anspruch auf die verkündeten Rechte und Freiheiten haben. Menschenrechte sind außerdem angeboren, unveräußerlich, stehen jedem Menschen gleichermaßen zu und sie sind unteilbar und universell. Diese Definitionen der Menschenrechte sind klar verständlich, jedoch für die Praxis der Sozialen Arbeit sehr untauglich. Die nachfolgende Definition der Vereinten Nationen ist für die Soziale Arbeit praxistauglich. Diese Erklärung lautet: "Als Menschenrechte lassen sich ganz allgemein jene Reche definieren, die unserer Natur eigen sind und ohne die wir als menschliches Wesen nicht existieren können. Die Menschenrechte und diegrundlegendenFreiheiten erlauben uns, unsere menschlichen Eigenschaften, unsereIntelligenz, unsere Begabung und unser moralisches Bewusstsein (…) voll zu entwickeln und zu gebrauchen und unsere geistigen und sonstigen Bedürfnisse zu befriedigen. Sie gründen imzunehmendemVerlangen derMenschheit nach einem Leben, in den die unveräußerliche Würde und der Wert jedes einzelnen Menschen Anerkennung und Schutz findet". ( Wildfang, 2010, S. 14)

D ie Erklärung der Menschenrechte der Vereinigten Nationen ist für die Praxis der Sozialen Arbeit verständlich, da sie Konzepte wie Empowerment und Bedürfnisbefriedigung, die in der Sozialen Arbeit genutzt werden, in den Fokus legt. Diese Definition stellt den Menschen und seine existentiellen Bedürfnisse und Befriedigungen in den Vordergrund (Wildfang, 2010, S.13f).

3.2 Soziale Arbeit und Menschenrechte

Im Jahr 2000 wurde auf der Generalversammlung des IFSW (International Federation of Social Workers) und IASSW (The International Association of Schools of Social Work) eine neue Definition der Sozialen Arbeit erstellt, die die Prinzipien der Menschenrechte und Menschenwürde in den Fokus für sozialarbeiterisches Handeln legen. Diese Definition sagt aus, dass die Soziale Arbeit den sozialen Wandel fördert sowie Problemlösungen in zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Definition sagt unter anderem auch aus, dass Soziale Arbeit dort eingreift, wo Menschen und ihre Umwelt aufeinanderstoßen und aufeinander einwirken. Zu den Grundlagen und Grundprinzipien der Sozialen Arbeit zählen die Menschenrechte und die soziale Gerechtigkeit. Humanitäre und demokratische Ideale zählen ebenfalls zu den Grundgedanken der Sozialen Arbeit in Bezug auf die Menschenrechte und der Menschenwürde (Wildfang, 2010, S.25).

3.2.1 Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession

Die Menschenrechte erlauben uns unsere menschlichen Qualitäten und Kompetenzen voll zu nutzen und immer weiter und frei zu entwickeln. Dazu zählen auch die Intelligenz, unser Gewissen und andere Bedürfnisse weitestgehend zu stillen. Laut Silvia Staub-Bernasconi sind die Menschenrechte und die Menschenwürde eine Antwort auf viele Unrechtserfahrungen. Ebenfalls zählt sie die Menschenrechte als eine Antwort auf die Machtlosigkeit von einzelnen Individuen und Gruppierungen sowie sozialer Minderheiten, die sich selber die Rechte verschaffen mussten (Labonte-Rose, 2016, S. 6-8). Unrechtserfahrungen, sind laut Bernasconi objektiv erfahrene und subjektiv interpretierte Sachverhalte. Diese weisen auf reale Abhängigkeits- und Machtproblematiken hin, die sich nicht so einfach und schnell beheben lassen, aufgrund der Vorstellungen des Selbstmanagements, der Selbstermächtigung und der Selbstwirksamkeit (Staub-Bernasconi, o.J, S.3).

Um in der Praxis der Sozialen Arbeit die Menschenrechte- und würde erfüllen zu können, gilt es eine genaue Diagnose und gleichzeitig Forschung und Analysen durchzuführen. Es muss auch nachgeforscht werden inwieweit die Soziale Arbeit vielleicht auch selbst zu Menschenrechtsverletzungen beiträgt. Ein Beispiel hier kann sein, inwieweit die Etikettisierung von Menschen als Klienten*innen der Sozialen Arbeit zu ihrer sozialen Stigmatisierung beitragen oder auch ob die Ausschlussregelungenund Sanktionen, zum Beispiel bei Hartz IV, die Menschenrechte verletzen. Weitere Beispiele sind wie weit die aktuelle Behandlung von Flüchtlingen und auch minderjährigen Flüchtlinge gegen ihre Menschenrechte verstößt. Dies dient dazu den Status von sozialen Minderheiten auch in der Öffentlichkeit zu korrigieren. Soziale Arbeit ist laut Silvia Staub-Bernasconi erst dann eine Menschenrechtsprofession, wenn sich die Soziale Arbeitgegen Ungleichheiten, Abgrenzungen und Unterdrückungen nicht wehren können, jedoch durch Einbeziehung vonErfahrungen, Kompetenzen und Fähigkeiten sie aktiv zu fördern versucht, sodass sie sich selber und eigenständig vertreten können. Dies kann als Hilfe zur Selbsthilfe dargestelltwerden. Jedoch kann dieses Vorgehen nur erfolgreich sein, wenn die Soziale Arbeit sich auch in der Politik engagiert und sich auskennt (Labonte-Rose, 2016, S. 6-8).

3.2.2 Grundlagen der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession

Die Grundlagen der Sozialen Arbeit stützen sich auf die Menschenrechte und Menschenrechtserklärungen. Dazu gehört das Recht von jedem Menschen auf ein menschenwürdiges Leben, dieses zu fördern und zu schützen. Ebenfalls stützt sich die Soziale Arbeit auf der Grundannahmen von Würde, Gleichheit und gegenseitigem Respekt. Staub-Bernasconi ist der Annahme, dass durch die Menschenrechte eine Antwort der Sozialen Arbeit auf gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, Ungleichheiten und der Machtlosigkeit gegeben werden kann. Die Menschenrechte sollen in der Praxis der Sozialen Arbeit dazu dienen, Auswege aus Zuständen der Unterdrückung und Gewalt zu finden (Eckstein, Ghwarwal, 2016, o.S.). Eines der wichtigsten Zitate von Silvia Staub-Bernasconi in Bezug auf ihre Menschenrechtsprofession ist „(…) die Würde des Menschen vor dem Würgegriff des Menschen zu schützen.“ (Staub-Bernasconi, 2007, 21f). Die Grundlagen der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession stützen sich unter anderem auch auf das Tripel Mandat nach Silvia Staub-Bernasconi. Das sogenannte Dritte Mandat "ist die übergeordnete Legitimationsbasis für die Annahme oder Verweigerung von Aufträgen und damit für die Formulierung eigenbestimmter Aufträge." ( Wildfang, 2010, S.26).

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Silvia Staub-Bernasconi: Die Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession
Hochschule
Hochschule Fresenius Frankfurt
Note
2,0
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V1270070
ISBN (Buch)
9783346714770
Sprache
Deutsch
Schlagworte
silvia, staub-bernasconi, soziale, arbeit, menschenrechtsprofession
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Silvia Staub-Bernasconi: Die Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1270070

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