In Liszts Oeuvre haben Klavierkompositionen eine herausragende Bedeutung, und bekanntlich machen Bearbeitungen, denen fremde aber auch eigene Werke zu Grunde liegen können, den überwiegenden Teil aus. Die Übertragungen von Liedern haben dabei einen besonderen Stellenwert.
In der Arbeit werden die Entstehungsperioden angeführt und die vielschichtigen Entstehungsgründe für die Liedtranskriptionen thematisiert. Es folgt die Klassifizierung bzw. Kategorisierung in sechs Bearbeitungstypen nach Stefan Bromen und Diether Presser.
Exemplarisch wird in der Arbeit das Stück "Auf dem Wasser zu singen" besprochen.
Urteile von Liszts Zeitgenossen sollen Rezension und Rezeption der Liedübertragungen deutlich machen und die Arbeit abrunden.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemein zu Liszts Liedtranskriptionen
2. Entstehungsgründe
3. Sechs Bearbeitungstypen
4. Beispiel: Auf dem Wasser zu singen
5. Urteile von Zeitgenossen
6. Quellen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Stellenwert, die Entstehungsgründe sowie die kompositorische Gestaltung von Franz Liszts Liedtranskriptionen für Klavier. Im Fokus steht dabei die Analyse der verschiedenen Bearbeitungstypen und deren praktische Anwendung anhand des Liedbeispiels „Auf dem Wasser zu singen“.
- Stellenwert der Klavierbearbeitungen im Gesamtwerk von Franz Liszt
- Analyse der Entstehungsgründe und kommerziellen Aspekte von Liedtranskriptionen
- Kategorisierung in sechs spezifische Bearbeitungstypen
- Detaillierte Untersuchung von „Auf dem Wasser zu singen“ als Fallbeispiel
- Rezeption durch zeitgenössische Kritiker und das Publikum
Auszug aus dem Buch
3. Sechs Bearbeitungstypen
Neben der Klassifizierung nach Entstehungsperioden [siehe: 1. Allgemein zu Liszts Liedtranskriptionen] lassen sich die Stücke auch hinsichtlich Liszts Bearbeitungsweise kategorisieren – wohlwissend, dass diese Einteilungen lediglich Modellcharakter haben. Bromen bzw. Presser kommen zu folgendem inhaltlich identischem Ergebnis:
1. Integrativer Typ / Colla-Parte-Typ Die einfachste Form der Liedbearbeitung: Die Singstimme wird einfach in die Begleitstimmen integriert. Dabei werden von Liszt keinerlei Veränderungen angestrebt. Einzig die Lösung von grifftechnischen Problemen am Klavier kann zu kleinen Veränderungen führen.
2. Typ der Singstimmenvariante durch Klangwechsel / Aszensionstyp Die Partie der vormaligen Gesangsstimme wird kontinuierlich vom Bass hinauf in den Diskant verlegt; die Begleitung bleibt in der Mittellage. Die progressive Aufstieg der Liedmelodie ist die Bearbeitungsidee. [siehe: 4. Beispiel: Auf dem Wasser zu singen]
3. Singstimmenvariante durch Variierung / Typ der Singstimmenvariierung Nachdem Liszt den Part der Singstimme in der ersten Strophe vorgestellt hat, beginnt er diese, im Original unverändert bleibende, zu variieren.
4. Typ der Begleitungsvariante durch Variierung / Typ der Begleitungsvariierung Bei diesem Übertragungsmodell von Strophenliedern erfährt die Begleitung die Veränderungen (ebenfalls nicht im Original vorhanden).
5. Typ der Begleitungsvariante durch Steigerungselemente / Intensivierungstyp (in Bezug auf die Begleitung) Fortschreitendes Anschwellen von Klangvolumen und Bewegung zeichnet diese Transkriptionsmethode aus. Formgebend wirkt das durchgezogene, große Crescendo und die dadurch ergehende Intensivierung.
6. Extensionstyp / Prima-vista-Typ In diesem Liedbearbeitungstyp finden erhebliche Ausweitungen des Originals statt. Zwischenspiele, Kadenzen, Vor- und Nachspiele und Phrasendehnungen rücken die Übertragung weiter von der Vorlage weg. Jedoch bleiben deren Idee und Substanz unangetastet. [siehe: 1. Allgemein zu Liszts Liedtranskriptionen]
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemein zu Liszts Liedtranskriptionen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Stellenwert der Liedtranskriptionen im Gesamtwerk von Liszt und erläutert seine ästhetische Herangehensweise an die Klavierpartitur.
2. Entstehungsgründe: Hier werden die vielschichtigen Beweggründe für die Erstellung der Transkriptionen beleuchtet, die von künstlerischem Interesse an Dichtung bis hin zu kommerziellen Zielen reichten.
3. Sechs Bearbeitungstypen: Das Kapitel kategorisiert die verschiedenen methodischen Ansätze von Liszts Bearbeitungen in sechs klassifizierbare Modelltypen.
4. Beispiel: Auf dem Wasser zu singen: Eine detaillierte Untersuchung der Klavierübertragung von Schuberts Lied als konkretes Fallbeispiel zur Anwendung von Liszts Bearbeitungstechniken.
5. Urteile von Zeitgenossen: Dieses Kapitel fasst die kontroverse zeitgenössische Rezeption zusammen, die zwischen Bewunderung für Liszts pianistische Meisterschaft und Kritik an der vermeintlichen Überwucherung der Originale schwankte.
6. Quellen: Ein Verzeichnis der im Rahmen der Arbeit verwendeten Fachliteratur und Notenausgaben.
Schlüsselwörter
Franz Liszt, Liedtranskriptionen, Klavierkompositionen, Franz Schubert, Klavierpartitur, Bearbeitungstypen, Auf dem Wasser zu singen, Musik des 19. Jahrhunderts, Musikrezeption, Transkription, Klaviertechnik, Virtuosität, Musikbearbeitung, Interpretation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Liedtranskriptionen von Franz Liszt, analysiert seine künstlerische Herangehensweise an die Übertragung fremder Lieder für Klavier und beleuchtet die Hintergründe dieses Schaffensbereichs.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit behandelt die Motivation hinter den Transkriptionen, die Kategorisierung von Liszts Bearbeitungsmethoden, eine detaillierte Werkstudie und die zeitgenössische Rezeption der Kompositionen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Liszt durch Klaviertranskriptionen eine eigenständige, poetische Interpretation der Originale schuf, statt lediglich notengetreue Kopien anzufertigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine musikwissenschaftliche Analyse, die sowohl historische Quellen und zeitgenössische Kritiken als auch strukturelle Merkmale der Kompositionen mittels Vergleichs- und Interpretationsmethoden untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Entstehungsgründe, die theoretische Einteilung in sechs Bearbeitungstypen sowie die praktische Veranschaulichung dieser Typen am Beispiel von „Auf dem Wasser zu singen“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Liszts Liedtranskriptionen, Klavierbearbeitung, Transkriptionstypen, Rezeptionsgeschichte und das spezifische Beispiel von Franz Schuberts Liedern bei Liszt.
Warum ist das Beispiel „Auf dem Wasser zu singen“ so wichtig für diese Analyse?
Es dient als konkretes Fallbeispiel, an dem Liszts spezifische kompositorische Eingriffe wie die Änderung der Stimmenlage, rhythmische Akzente und die harmonische Ausarbeitung innerhalb eines Bearbeitungstyps nachvollzogen werden können.
Wie reagierten zeitgenössische Kritiker auf Liszts Transkriptionen?
Die Reaktionen waren gespalten: Während das Publikum und manche Rezensenten die Virtuosität und die „stärksten Leistungen“ lobten, warfen Kritiker Liszt vor, die ursprünglichen Melodien durch „virtuose Wucht“ zu erdrücken.
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- Mag. Art; Mag. Phil Heike Sauer (Autor), 2007, Liszts Liedtranskriptionen - Zu Entstehungsgründen und Klassifizierungstypen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127044