Die Nation als Heiligtum

Der Charakter des Nationalismus in Arthur Moeller van den Brucks „Das Dritte Reich“


Hausarbeit, 2008

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Anti-Thesen: Die negative Definition des Nationalen
1.1 Gesellschaftlicher und ökonomischer Liberalismus
1.2 Restauration der Monarchie und der „Reaktionär“

2 Das „Dritte Reich“: Die positive Definition des Nationalen
2.1 Welche Nation, welches Volk?
2.2 Welches Reich?
2.3 Welche Herrschaftsform?

Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Das Syntagma Konservative Revolution ist eine der erfolgreichsten Schöpfungen der neueren Ideengeschichtsschreibung“, so Stefan Breuer.[1] In seiner seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gebräuchlichen Deutung umfasst es eine nur grob umrissene, in der Literatur immer wieder personell variierende Ansammlung von im weitesten Sinne rechtsrevolutionären Intellektuellen, die ideologisch zwischen Deutschnationalen und Nationalsozialisten zu verorten ist. Dabei wird allgemein unterstellt, dass ein kleinster gemeinsamer Nenner ideologischer Art zwischen den Autoren bestand, oder in neuerer Diktion: dass es sich um eine „Diskursgemeinschaft“ handelt.[2]

Die Wahrnehmung einer interpretierbaren Gemeinsamkeit und deren Analyse beginnt mit dem begriffsprägenden Werk Armin Mohlers bereits 1950.[3] Unter den zahlreichen späteren Rezeptionen ist insbesondere Kurt Sontheimers Einordnung vor allem der spezifisch „jungkonservativen“ Richtung unter dem Oberbegriff der konservativen Revolution zu nennen.[4] Die vermeintliche Präzision der Terminologie erklärt ihre Beständigkeit: Auch neueste Arbeiten gehen von einer darstellbaren ideologischen Gemeinsamkeit unter dem Sammelbegriff der konservativen Revolution aus.[5] Die Einwände von Stefan Breuer, dass der Terminus „konservativ“ in seinem historischen Sinne keinesfalls treffend ist, sowie dass die vermeintlichen ideologischen Gemeinsamkeiten nur bei einem Teil der typischerweise mit ihm verbundenen Autoren aufzufinden sind, die am besten als „Neuer Nationalismus“ subsumiert sind, taten der Prägekraft des Begriffs keinen Abbruch.[6]

Einigkeit besteht unter den Autoren der diversen Forschungspublikationen jedoch über die Zuordnung des Autors Arthur Moeller van den Bruck in den Kreis der Konservativen Revolution, bzw. des neuen Nationalismus.[7] Während Moeller früher geboren war als die Mehrheit seiner vermeintlichen Gesinnungsgenossen[8], wird seine Schrift „Das Dritte Reich“ teilweise als eine Art Manifest der konservativen Revolution gelesen.[9] In der Abhandlung „Das dritte Reich“ legt van den Bruck die Grundsätze einer „dritten Partei“ jenseits der bestehenden parteipolitischen Konfliktlinien vor.[10] Er grenzt diese Bewegung dabei in vielerlei Hinsicht von bestehenden Denkrichtungen ab, um gleichzeitig seine Vorstellungen darzulegen, die letztlich in der Zielsetzung des so genannten „dritten Reiches“ kulminieren. Dieser Abgrenzungsversuch gegenüber (ver-meintlich) revolutionären, sozialistischen, liberalen, demokratischen, proletarischen reaktionären und klassisch konservativen Denkansätzen verleiht dem Text seine inhaltliche Struktur, indem sie jeweils in einzelnen Kapiteln abgehandelt werden. „Das dritte Reich“ stellt durch seine umfassende inhaltliche Ausarbeitung, den verhältnismäßig großen Umfang und den zumindest hinsichtlich seiner ideologischen Ausgestaltung konkreten Text eine ausgezeichnete Quelle dar, um den Charakter des Moeller van den Bruck’schen Nationalismus aus der Textfülle zu extrahieren und zu examinieren.

In dieser Arbeit soll im Sinne einer negativen Definition zunächst herausgearbeitet werden, was die Nation im Sinne Moellers nicht beinhalten soll, von welchen ideologischen, institutionellen und intellektuellen Denkansätzen er sich abgrenzt. So dann soll eine positive Definition der Begrifflichkeit des Nationalen anhand der Überlegungen zum Wesen des „dritten Reiches“ erarbeitet werden. Dazu werden die für die Definition des Staatsbegriffs im nationalstaatlichen Zeitalter genutzten Kategorien als Inspiration genutzt, um vier wesentliche Dimensionen des Nationalen zu skizzieren: Nation, Volk, Reich und Staatsform. Diese Kategorien (neben anderen) bieten sich für einen hier nicht vorgenommenen, weiteren Vergleich unter den der konservativen Revolution zugeschriebenen Autoren an. In der Zusammenschau der Ergebnisse soll sich dann der Nationalismus des Arthur Möller van den Bruck charakterisieren lassen.

Dieses Vorgehen ermöglicht auch, die von Stefan Breuer angedachte Zuordnung Moeller van den Brucks zu seiner Definition des neuen Nationalismus in einem letzten Schritt en Detail zu überprüfen. Der neue Nationalismus zeichnet sich nach Breuer durch folgende Eigenschaften aus: Der nationalistische Diskurs schreibt der Nation einen Charakter zu, definiert einen Vorrang nationaler Interessen und Werte und er strebt nach Unabhängigkeit der Nation. Im Vergleich zu früheren Formen des Nationalismus ist der Nationsbegriff des neuen Nationalismus charismatisch aufgeladen, der Nation wird eine Mission zugeschrieben. Außerdem ist es ein inklusiver Nationsbegriff, unter dessen Mantel sich die gesamte Gesellschaft vereint finden sollte. Gleichzeitig ist der neue Nationalismus revolutionär, er plant nicht, seine Visionen innerhalb der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung umzusetzen. Zur Abgrenzung vom Nationalsozialismus schließlich ist nach Breuer abzuwägen, ob der Rassismus gegenüber dem Nationalismus das wichtigere Element ist, wie bei den Nationalsozialisten, oder aber das nationalistische Element klar überwiegt, wie es bei den Autoren des neuen Nationalismus der Fall gewesen sein soll.[11]

1 Anti-Thesen: Die negative Definition des Nationalen

1.1 Gesellschaftlicher und ökonomischer Liberalismus

„An Liberalismus gehen die Völker zu Grunde“[12], so lautet Moeller van den Brucks einleitendes Fazit zu dem eigens dem Liberalismus gewidmeten Kapitel. Aber wie begründet er dieses harsche Urteil, wo sieht er den Konflikt zwischen der Idee des Liberalismus und seiner Vision? Und welche spezifischen Ausprägungen der liberalen Denkschule und Praxis sind mit dem Etikett Liberalismus gemeint? Der Liberalismus gilt ihm zunächst als die Ideologie der Weltkriegsgewinner USA, Groß Britannien und Frankreich, untrennbar verbunden mit der „Verknechtung“ der Welt.[13] Das ist zunächst Ausdruck der offenbar empfundenen Schmach über die Lage Deutschlands nach dem verlorenen Weltkrieg. Doch darüber hinaus stellt es den Versuch dar, Deutschland von diesem historischen ideologischen Irrweg des „Westens“ kulturell abzugrenzen.[14]

Argumentativ prägnant leitet er die Vorstellung einer Nationen zersetzenden Wirkung des Liberalismus von einer unterstellten Gesinnungslosigkeit ab, die an die Stelle „unbeugsamer Überzeugungen“ getreten ist.[15] Zentral für seine Argumentation ist hierbei, dass der Liberalismus die Einzelinteressen und ihre Vermittlung betont, statt das Wohl der Gesamtheit der Gesellschaft zum Ziel zu haben: „Der Liberalismus ist Ausdruck einer Gesellschaft, die nicht mehr Gemeinschaft ist“[16], einer „aufgelöste[n] Gesellschaft“ und somit unfähig, Werte zu generieren, „die dem Volke und der Gesellschaft gemeinsam wären“.[17] Offenbar ist es der liberale Meinungspluralismus, der durch die Weimarer Republik eine neue politische Qualität bekommen hatte, sowie der Individualismus[18], aus dem Moeller van den Bruck eine Nicht-Einheit der Werte und damit letztlich der Gesellschaft ableitet und heftig kritisiert. Seine Kritik an der seinerzeit akuten Ausformung der Demokratie richtet sich nicht gegen den Begriff der Demokratie als solchen (siehe Kapitel 2.2), sondern vielmehr gegen die partikularisierte Meinungsbildung eines parlamentarischen Parteiensystems.[19]

[...]


[1] Stefan Breuer: Anatomie der konservativen Revolution, Darmstadt 21995, S. 1.

[2] Vgl. ebd., S. 1-3

[3] Vgl. Armin Mohler,: Die konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Ein Handbuch, 3., um Ergänzungsband erw. Auflage [1. Auflage 1950] Darmstadt 1989.

[4] Vgl. Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. Die politischen Ideen des deutschen Nationalismus zwischen 1918 und 1933, München 1962, insbes. S. 156-164.

[5] Vgl. Louis Depeux: Die Intellektuellen der „Konservativen Revolution“ und ihr Einfluß zur Zeit der Weimarer Republik, in: Walter Schmitz / Clemens Vollnhals (Hrsg.): Völkische Bewegung – Konservative Revolution – Nationalsozialismus. Aspekte einer politisierten Kultur, Dresden 2005 (=Kulturstudien, Band 2), S. 3 – 20, hier S. 4 - 8.

[6] Vgl. Breuer: Anatomie, S. 5f., sowie S. 183 – 194.

[7] Vgl. z.B. Mohler: konservative Revolution, S. 24f.; sowie Sontheimer: Antidemokratisches Denken, S. 148f.; sowie Breuer: Anatomie, S. 6 und S. 184f.

[8] Vgl. Breuer: Anatomie, S. 30.

[9] Vgl. Breuer: Anatomie, S. 149.

[10] Vgl. Moeller van den Bruck: Das dritte Reich, S.300

[11] Vgl. Breuer: Anatomie, S. 182-195.

[12] Arthur Moeller van den Bruck: Das dritte Reich, Hamburg 31931, S. 79.

[13] Vgl. ebd., S. 85.

[14] Vgl. ebd., S. 114f.

[15] Vgl. ebd., S. 79f.

[16] Ebd., S. 97.

[17] Ebd.: Das dritte Reich, S. 98.

[18] Vgl. ebd., S. 125.

[19] Vgl. Moeller van den Bruck: Das dritte Reich, S. 133-136.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Nation als Heiligtum
Untertitel
Der Charakter des Nationalismus in Arthur Moeller van den Brucks „Das Dritte Reich“
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Seminar für Wissenschaftliche Politik)
Veranstaltung
Seminar Politische Ideologien im 19. und 20. Jahrhundert
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V127050
ISBN (eBook)
9783640333899
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kann auch als historische Quellenanalyse gelesen werden.
Schlagworte
Nation, Heiligtum, Charakter, Nationalismus, Arthur, Moeller, Brucks, Dritte, Reich“
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Christoph Sprich (Autor), 2008, Die Nation als Heiligtum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127050

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