Analyse des Films Kokon (2020) von Leonie Krippendorff unter den Aspekten des Queren Films. In dieser Arbeit wird die Arbeitsweise der Filmkünstlerin erläutert und der Film in ihrem bisherigen Werk verortet. Dann wird der Film hinsichtlich seiner Genre- und Gesellschaftskritik befragt und filmhistorisch eingeordnet. Zum Abschluss wird ein Überblick über die zeitgenössische Rezeption gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. KOKON (D 2020, REGIE: LEONIE KRIPPENDORFF)
2. KOKON ALS AUTOR:INNENFILM
3. KOKON ALS GENREFILM
3.1. Coming-of-Age-Film
3.1.1. Wassermetapher
3.1.2. Raupe-zum-Schmetterling-Metapher
4. KOKON IN DER FILMGESCHICHTE
4.1. Berlinfilm
4.2. Queer Cinema
4.2.1. Haptische Bilder
4.2.2. Intertextuelle Bezüge
5. REZEPTION
6. BIBLIOGRAPHIE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert den deutschen Spielfilm "Kokon" (2020) von Leonie Krippendorff hinsichtlich seiner filmischen Gestaltung und Genrezugehörigkeit. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie der Film das Coming-of-Age-Narrativ durch eine körperbetonte Ästhetik und die Auseinandersetzung mit queerer Identität sowie gesellschaftlichen Normen modern interpretiert.
- Analyse von "Kokon" als Coming-of-Age-Drama und Autorenfilm.
- Untersuchung der filmischen Gestaltungsmittel, insbesondere der Haptik und Bildsprache.
- Deutung zentraler Motive wie der Schmetterlings- und Wassermetapher.
- Einordnung des Werkes in den Kontext des modernen deutschen Queer Cinemas.
- Betrachtung der Rezeption und der jugendkulturellen Darstellung des Berliner Milieus.
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Wassermetapher
Die allgegenwärtigen Wasserbilder in KOKON artikulieren ein gewisses Gefühl der Orientierungslosigkeit, eine ungewohnte Art, in der Welt zu sein, eine nicht-normative Ausrichtung auf den anderen: Nora ist im Film entweder oft unter der Dusche, im Schwimmbad, mit Romy einen See besuchend oder mit ihr mit einem Schlauch spielend, während sie rummachen, eine Bildsprache, die stark präsent ist auf der Leinwand. Wasser ist das Symbol des Lebens, weshalb es auch keine Überraschung sein mag, dass sich das meiste Leben der Jugendlichen im Prinzenbad abspielt. Es hat einen sozialen Faktor: ein Ort, an dem sich alle Jugendlichen außerhalb der Vierwände des Elternhauses treffen können und es sich bei heißen Temperaturen aushalten lässt.
Im Wasser funktionieren des Weiteren die vertrauten Regeln der Schwerkraft und der körperlichen Bewegung nicht, wir sind nicht in der Lage, zwischen oben und unten, links und rechts zu unterscheiden, während wir in einem unendlichen und grenzenlosen Universum schweben, das von Flüssigkeit beherrscht wird. Im übertragenen Sinne empfinden wir diese Orientierungslosigkeit auch im Übergang von der Kindheit zum Erwachsenwerden. Ein Motiv, das nicht nur im Genre des Coming-of-Age, sondern auch in der Symbolik des Wassers gelesen werden kann, denn nicht nur ist das Wasser Ursprung des Lebens, Wasser ist zudem ständig in Bewegung, so wie die Jugendlichen des „Kottis“.
Es überrascht nicht, dass Nora im Wasser zum ersten Mal ihre Anziehungskraft auf Mädchen entdeckt, als sie mit ihrer Schwester und der besten Freundin ihrer Schwester im Pool spielt. Durch den Hintergrund des Schwimmbades rückt zugleich die Körperlichkeit wieder in den Fokus. Schließlich ist das Wasser der Grund, warum wir uns entkleiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. KOKON (D 2020, REGIE: LEONIE KRIPPENDORFF): Einführung in die Handlung, das Setting am Kottbusser Tor sowie Vorstellung der Protagonistin Nora und ihres Entwicklungsprozesses im Film.
2. KOKON ALS AUTOR:INNENFILM: Beleuchtung der Arbeitsweise von Leonie Krippendorff, ihre Verbindung zu jugendlichen Darstellern und Parallelen zu vorangegangenen Werken wie "Looping".
3. KOKON ALS GENREFILM: Theoretische Verortung des Films im Coming-of-Age-Genre inklusive einer detaillierten Analyse der verwendeten Metaphorik wie Wasser und Raupen.
4. KOKON IN DER FILMGESCHICHTE: Historische Einordnung als Berlinfilm und Beitrag zum zeitgenössischen Queer Cinema unter Verwendung haptischer Bilder und intertextueller Bezüge.
5. REZEPTION: Überblick über die Wahrnehmung des Films durch internationale und nationale Filmkritiken sowie dessen Bedeutung für den Bereich der politischen Bildung.
6. BIBLIOGRAPHIE: Verzeichnis sämtlicher verwendeter Quellen und Sekundärliteratur zur Unterstützung der filmwissenschaftlichen Analyse.
Schlüsselwörter
Kokon, Leonie Krippendorff, Coming-of-Age, Filmanalyse, Queer Cinema, Berlinfilm, Identitätsfindung, Metaphorik, Körperlichkeit, Haptische Bilder, Jugendkultur, Kottbusser Tor, Pubertät, Filmästhetik, Intertextualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser filmwissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit einer detaillierten Analyse des deutschen Coming-of-Age-Films "Kokon" (2020) unter besonderer Berücksichtigung der Regiearbeit von Leonie Krippendorff und der filmästhetischen Darstellung jugendlicher Identitätsfindung.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der filmischen Umsetzung des Erwachsenwerdens, der Darstellung queerer Identitäten, dem Einfluss des urbanen Berliner Milieus sowie der Bedeutung von Körperlichkeit und visueller Symbolik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die narrative und ästhetische Struktur des Films zu untersuchen und aufzuzeigen, wie "Kokon" gängige Coming-of-Age-Konventionen aufbricht und eine authentische, neue Form des Queer Cinemas repräsentiert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Autorin nutzt grundlegende Methoden der Filmanalyse, insbesondere die Untersuchung von Bildsprache, Kameraperspektiven, Metaphorik (wie die Wasser- und Raupensymbolik) und den intertextuellen Abgleich mit anderen Medien und Theorien.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Krippendorffs Autorenschaft, die Einordnung in das Genre, die filmhistorische Kontextualisierung als Berlinfilm und "Neues Queeres Deutsches Kino" sowie die Analyse spezifischer narrativer Zeichen und Motive.
Wodurch zeichnet sich "Kokon" laut der Arbeit besonders aus?
Der Film zeichnet sich durch seinen Verzicht auf Klischees, die direkte Nähe zu den Laiendarstellern, eine haptische Bildsprache und die unaufgeregte, beiläufige Darstellung von Queerness aus.
Wie spielt das Setting am "Kotti" eine Rolle für die Erzählung?
Das Kottbusser Tor fungiert als metaphorisches Aquarium: ein geschützter, aber auch rauer Mikrokosmos, der die Jugendlichen sowohl einengt als auch als kollektiver Rückzugsort dient.
Warum hebt die Arbeit die Verwendung von Smartphones als Gestaltungselement hervor?
Die Einbindung von Smartphone-Aufnahmen soll die Authentizität und die unmittelbare, durch soziale Medien geprägte Lebenswelt der heutigen Jugendlichen aus Sicht der Charaktere selbst widerspiegeln.
Welche Rolle spielt die Intertextualität im Film?
Die Autorin hebt hervor, dass Verweise auf Musik, Literatur und soziale Medien dazu dienen, der Geschichte eine zusätzliche theoretische Tiefe, etwa durch Anspielungen auf Judith Butler, und eine feministische Hymnik zu verleihen.
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- Anonym (Autor:in), 2022, Filmanalyse von Leonie Krippendorffs "Kokon". Die Aspekte des Queren Cinemas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1270517